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Die neue Welt · 1929-08-23 · Heft 101 (23.8.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 101 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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m»n >Ui*mU *M DIE NEÜE WELT k Für dm Soadsivsrbafld Poale Zlont Bahroiwl Friede atfla, Kam», Dov Hos, London, Mordechti Jen blam, Paris, Israel Idelsohfl, B»f4 KaUitelson, Tel-tAwJw, Mosche T s c h e r t o k, Tel-Awiw, fi, Für die Fraktion der Zlofilsten-Revlsfonisten: Dr. I. Hoffmanu, Rtes* I. KMnow, Berlin, Dr. Abraham Wsfnscbftl, Haifa. 7. Für dfe Fraktion der Radikalen Zlonlatont Dt» Nahtwn Goldmann, Berttn, Dn S. I. S t e r n, Bukarest. Der Waad Lauml entsendet in das Aktionskomiteet a) ate Mitglieder! M. Dlzengolif, Tel-Awiiw, David Ben Gurion, Te>l-Awftw; b) Ale Stellvertreter: B. Berlin, Tet-Aiwirw, J, Baratfc, Dagattjaih. Da. die Revisionisten «war ihre Plätze im Aättionfcomitee behalten, aber nicht in den Council der Agency geben, wurden zur BeseMn? der so ifreigewordenen «eoha Plätas in den Council der Agency gewählt: Dr. M. D. Edefr» London, Mrs. Edward Jacobs, Amerika, Rafobi Israel H. LBwinth al, Amerika,. Judge William M. Lewis, Amerika, Bernard Rosenblatt, Amerika, Morris Weinberg, Amerika. Außer den somit vorgeschlagenen 105 Mitgliedern des Councils werden efcwecks Ergänzung der. zionistischen Delegation im Council Ibis zu der in der Verfassung vorgeschriebenen Hödhsteahl von 11<2 noch sieben weitere Mitglieder {gewählt, und .wart 'Altgemeine Monisten* Lasar Mar««'lies, Bukarest, log. NaftaM Landau, Os*g*lizden, M. DJa«n«off, Tel-Awirw, Frite Bernstein, Rotterdam. — Misrachit / Uaoob Gesundheit, TeS-Awlw. —>. Hitachduth: Professor Lasersohti, Riga. —• Poale ZHon: David Ben ' Gar ton, TeJ-Awiw, Weitere Funktionäre, Ferner wurden «»wählt: Kongreßgericht: Vorsitzender: R. A. Sarrirny Gr owemann» Mitglieder! Dr. Michael Ringel, Berl Locfcgr, Dr» Adolf SiJb erschein, Dr. Theodor IWeüssetberger, Dr. Leopold Plaschkes, R. A. Koizower, Dr. Fritz Eckstein, Dr. Desider Friedman», Dr. Heinrich Rosmarin, Judge Harry M. Fisher, Chicago, Dr. M. Sm olt a, Mateven, Dr. Samuel Spann, Leo GarfunBcel, Ing. Reiß, Aron Blum. — Kongreßanwait: Dr. Aron Barth. ■ KocngreßanwaH-SteUvertTeter: R. A. Max Jacohsohn. Ehxengericht: Vorsitzender: R. A. Saimmy Gronemapn.-Mitglieder: Dr. Otto Menasche, Koloman Wolster, Dr. Oscar Cohn, Jacob Rothibart, Dr. Zymon FeldiWuw, Dr. O^im Tartakower, Berl Katznelson, Doktor Flscihl Rottenstreich, Jacob BodeJc, Dr; Oscar Worfsberg, Dr. Sarnsny Singer^ Erich Cohn. feev.isorenr Leopold Sehen, Montagne Burton, Harrogate. Stellvertreter: N.' I. Adler, 'Manchester, B. Jänner» Card®. i Die .Konstituierung des zionistischen Aktionskomitees. Das vom XVI. Zionistenkongreß neu gewählte Aktionskomitee hat in Zürich seine erste' konstituierende Sitzung abgehalten. Zum Präsidenten wurden gewählt: Abg. G old b e r g*New ' York ■. (Allgemeine Zionisten), Abg. F a r b s t e i n*Warschau / (Misrachi), Eliezer K a p 1 an-Palästina (Hitachduth), Salman Rubaschow (Poaiie Zion), und-Richard Lichthcim*Berlin (Revi* sionist). Das A. C. wählte als Direktoren des Jüdischen Nationalfonds Colone! K i s c h, Hermann Struck, und Adolf Böhm. ■Wükitfla Nt. m Die ungarischen Zionisten. Von Df. Leopold Osztern, Vorsitzender des Ungari- / sehen Zionistenbundes. In Erwiderung auf unseren am 16. d. veröffentliditen Artikel „Begrüßungen der Agency" sendet uns Herr Doktor 0 a z t e r n die folgende Zuschrift, die wir loyalerweise publizieren: Die Zionisten Ungarns haben sich" niemals von der jüdischen Nationalidee losgesagt, insoferne als dieselbe die Erhaltung der historischen Einheit des. jüdischen Volkes, die Pflege der jüdischen Kultur und der. hebräischen Sprache, den Wiederaufbau des1 Landes der Väter und den Widerstand gegen die Assimilation zum Ziele hat. Das ist unserer Ueberzeugung nach die' Quintessenz des Herzischen Gedankens und des jüdisch-Nationalen. Es kann uns niemand den Vorwurf machen, daß wir je diesem Gedanken untreu geworden wären. Einer solchen Voraussetzung widerspricht der drei Jahrzehnte hindurch währende Kampf, den war hierzulande unter den schwierigsten Verhältnissen ausfechtenmußten und noch heute müssen. Die Judenheit Ungarns darf sich einer' „Nationalitätenpolitik4* in dem bisher geltenden Sinne nicht hingeben, da ihr die in dem Nationalitätengesetz vorausgesetzten historischen Attribute einer politischen Nationalität — territorialer Zusammenbang, die hebräische Nationalsprache als tägliche Verkehrssprache — fehlen, wnd weshalb sie stets als Nation im ethnischen Sinne, beziehungsweise« hinsichtlich des Glaubensbekenntnisses, als Glaubensgemeinschaft, nicht aber als politische Nationalität betrachtet und behandelt wurde. So Ist der bemängelte Teil meiner Gegenerklärung auf die Ausfälle der Abgeordneten Sändor und D6si richtig zu verstehen, nicht aber als Ableugnung des jüdisch-nationalen Gedankens. Was die Teilnahme der Budapester Zionisten an den Wahlen anbelangt, so war die Ursache davon, daß sie den Kandidaten der Einheitspartei unterstützten, die folgende; Fünfundzwanzig Jahre hindurch wurde unsere Bewegung gerade von den jüdischen Abgeordneten der sogenannten liberalen und der demokratischen Partei aufs schärfste angegriffen. Unseren Vorstellungen wegen Genehmigung unserer Statuten wurden von diesen Seiten alle Hindernisse in den Weg gelegt ZionismuBwnrdedurchdieseHerrenalsunpatriotisch, staatsgeftthrlich^relfgionsfeindlich gebrandmarkt. Ein einziges Mal war der verstorbene Abgeordnete Wilhelm Vazsonyi gelegentlich einer Repräsentantenversammlung der Pester israel. Religionsgemeinde für die Jerusalemer hebräische Universität und den Palästina-Aufbau eingetreten, und da wurde ihm — „temporäre Geistesabwesenheit" nachgesagt. Der Abgeordnete Paul Sändor war es, der gegen die Genehmigung unserer Statuten ebenfalls „im Namen der ungarischen Judenheit" bei der Regierung Bethlen protestierte. Verständnis für unsere Sache fanden wir allein bei den betreffenden Ministerien der Regierung Bethlen und dem gegenwärtigen Oberbürgermeister der Hauptstadt Budapest, Es soll daher niemand daran Anstoß finden, wenn wir unserer Ueberzeugung folgten, daß die Regierung Bethlen, trotz der so schwierigen politischen Verhältnisse Ungarns, von den bcslen Absichten geleitet ist, die Idee der Gleichberechtigung und den Freiheitsrechten die Wege zu bahnen. So manche Tatsachen haben die Ehrlichkeit dieser Absicht bestätigt. Wir identifizieren nicht den Grafen Bethlen mit den in Ihrem Artikel benannten Personen. Daß wir uns in Herrn D 6 s i täuschten —- nun, Enttäuschung ist oft das Los der gutgläubigen und ehrlichen Menschen. Wir wollen zu dieser Zuschrift bemerken, daß die Tatsache des Bestandes eines Gesetzes nicht die Tatsache des Bestandes einer Nation aus der Welt schaffen kann. Die jüdische Nation hängt nicht davon ab, ob sie mit den Bestimmungen des ungarischen Nationalitätengesetzes im Einklang steht. Wir verstehen es, wenn sich die Jüdischnationalen in Ungarn mit den Verhältnissen abfinden müssen, aber wir werden es nie verstehen, wenn sie diese Verhältnisse anerkennen würden. Daß die ungarischen Zionisten sich in D^si getäuscht haben, daraus kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Wir fürchten aber, daß sie sich auch in Bethlen täuschen und das wäre verhängnisvoll. Die Pogrome in Litauen. Woldemaras Ausreden und Vertuschungen. Aus Kowno, 15. August meldet die J. T. A,: Die Tageszeitung „Ydische Stime" ist aus Zensurrücksichten erst haute in der Lage, auf die Pogrome in den litauischen Vorstädten S 1 a b a d a n (Slobodka) und Sancain (Schanz) zurückzukommen, nachdem das Regierungsorgan „Lietuwas Aidas" nun — im Gegensatz zur offiziellen Litauischen Telegraphen*Agentur, die in Berichten an das Ausland die Pogrome überhaupt abgeleugnet hat — zu* gibt, daß Pogrome stattgefunden haben, aber sie zu be* schönigen sucht. ' Das Regierungsorgan erzählt, daß in Sancain d i e Kommunisten am 1. August versucht haben, zu „demonstrieren", daß sie aber von den „nationalen Arbeitern" arg zugerichtet wurden. Die „Ydische Stime" bemerkt dazu, daß die Einwohner von Sancain genau zu* gesehen haben, welche „Arbeiter" geschlagen haben und welche „Kommunisten" geschlagen wurden. Es genügt zu erwähnen, daß einer der Geschlagenen der 70jährige Synagogendiener (Schames) der Chewra Kadischa, Jalewezki, und der „Arbeiter", der ihn geschlagen hat, der Polizist 'Nr. 104 war.• Nur ein Fall unter vielen. „Lietüwas Aidas" schreibt weiter, der Durchfall der Kommunisten in Sancain hätte einen unangenehmen Epilog in Slabadah gehabt,! wo ganz und gar unschuldige jüdische Bürger zu leiden hatten. Die „nationall gesinnten Arbeiter" haben sich gesagt, daß die Mehrheit der kommunistischen Agitatoren jüdischer Nationalität seien, folglich müßten es die Juden ausbaden. So sei es zu umlhwyumlhBFLHWdgia4äjni2345?ffä So sei es zu erklären, daß nicht nur die kommunisti« sehen Führer, sondern auch eine ganze Reihe Bürger , jüdischer Nationalität, die-wahrscheinlich gar keine ' Beziehung zum Kommunismus haben, leiden mußten. Es ist schon einmal so: wenn Zwei sich streiten, leidet der Dritte. „Ydische Stime" schreibt dazu: „Lietuwas Aidas" gibt also zu, daß „national gesinnte Arbeiter" Juden miß* handelt haben. Da diese Patrioten aber die „gute Absicht" gehabt haben, Kommunisten zu schlagen, so verzeiht es ihnen der Offizipsus „großmütig". Wir Juden könnten dem Offiziosus für eine solche Offenherzigkeit dankbar sein, denn sie klärt die Situation. Hätte man uns einen Tag früher gesagt, daß der Offiziosus die Pogromleute von Slobodka für ehrliche Patrioten hält, wir hätten es nicht geglaubt, denn wir nahmen an, daß diese Banditen Störer der Ordnung und Feinde Litauens sind, indem ihr Tun für den litauischen Staat nicht weniger gefährlich sei als für seine jüdischen Bürger. Wir hätten erwartet, daß der Offiziosus als erster solche Taten, die den guten Namen Litauens schänden, verdammen würde. Sein Artikel! aber beweist uns, daß wir in einem großen Irrtum befangen waren. Wenn aber der Offiziosus glaubt, daß er der Saöhe aus dem Wege gehen kann, wenn er die ganze Angelegen» beit als eine kleine „Unannehmlichkeit" hinstellt, so be» findet er sich im Irrtum. Wir kennen diese Weise noch au8 den. Zeiten des Zarismus, wo man ähnliche Taten durch den „Volkszorn gegen die jüdischen Revolu» tionäre" offiziell zu rechtfertigen suchte. . Gegenüber der Mitteilung der „Lietuwas Aidas*', daß seitens der Juden keine Klagen eingereicht wurden, stellt „Ydische Stime" fest, daß bei Gericht An< klagen von einigen Dutzend mißhandelter und verletzter Juden eingereicht worden sind. Zum Schluß macht „Ydische Stime" eine Andeu* tung über die bestehende Vorzensur, die es verbietet, Tatsachen der irregeführten Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen, und erklärt die Behauptung, daß die Zensur nur gegen die Kommunisten und Revolutionäre besteht, für absurd. Diese bringen ihre Schriften gar nicht zur Vorzensur, dies zu tun, ist nur die legale Presse gezwun* gen. Auch in diesem Falle bewahrheitet sich der Spruch: der eine sündigt, den anderen züchtigt man . . „ Pogrompanik auch in Rußland. Aus Moskau, 15. August meldet die J. T. A.: Die jüdische Bevölkerung des Städtchens Korosten, Gouv. Wolhynien, stand mehrere Stunden lang unter dem bei« spiellosen Terror einer organisierten antisemiti* sehen Bahnarbeitergruppe, die sich am Bahnhof formierte und einen Sturm gegen die jüdischen Häuser unternahm. Die schnell geschlossenen Läden und Haustore wurden aufgebrochen, die Einwohner mörderisch geschlagen, die Warenbestände der jüdischen Handwerker zer* . rissen und verschleppt. Die zahlenmäßig kleine Ortspolizei konnte nur einige wenige der Schuldigen feststellen und verhaften. In K a s a t i n, Gouv. Kiew, erklärte ein Redner in einer Versammlung der Bahnarbeiter: „Wir - pflegten früher Juden zu schlagen, wir werden dies weiter tun!" Auf der Haltestelle Rostonojewo überfiel eine Gruppe Bahnarbeiter unter den Rufen: „Schlagt die Juden!" die jüdischen Sommerfrischler und mißhandel* ten sie schwer. Jüdische Frauen und ein kleines Kind sind unter den Verletzten. In Saratow führen die Bahn» arbeiter eine hemmungslose antisemitische Propaganda gegen die wenigen jüdischen Arbeiter, die dort beschäftigt sind, um diese zum freiwilligen Verlasssen ihrer Posten zu veranlassen. Ein jüdischer Vorarbeiter verstümmelt. \ Ungeheures Aufsehen erregt in Moskau eine bestialische Tat, die in der größten Moskauer staatlichen Textilfabrik (früher Besitz von Emil Zindel) verübt wurde. Der jüdische Arbeiter Aron Malinowski wurde vor kurzem zum Vorarbeiter befördert. Die antisemitisch gesinnten Arbeiter führten seither eine scharfe Hetze gegen Malinowski. Als nun Malinowski in die Fabrik kam und seine Maschine in Betrieb setzte, verunglückte er so, daß er den rechten Arm verlor. Die Unter* suchung stellte fest, daß der Arbeiter Nikokjew auf An* Stiftung der Antisemiten die Maschine so gestellt hatte, daß Malinowski verunglücken mußte. Der Ritualmord in der polnischen Mittelschule. Aus Warschau, 16. August, meldet die J. T. A.t Der jüdische Parlamentsklub übermittelte dem Unterrichts* minister ein Memorandum, in welchem darauf hingewiesen wird, daß das Staatsgymnasium in Tarnobrzeg in seinem offiziellen Bericht für das Schuljahr 1927*28, der in Buchform erschien, einen Artikel von Prof. Michael Marczak abgedruckt hat, in welchem der jüdische Ritualmord als geschichtlich erwiesen hinge* stellt wird. Dabei stützt sich der Verfasser nur auf die Niederschrift alter Volikslegenden in gewissen Kirchenbüchern. In diesen Legenden ist auch die Rede davon, daß die Juden die heilige Hostie stehlen, um sie zu entweihen. Der jüdische Parlamentsklub ersucht den Unterrichtsminister, den Verfasser des Hetzartikels und die Direktion des Staatsgymnasiums, die. diesen Artikel zum Druck befördert hat, zur Verant* wortung zu ziehen, damit die Schuljugend darüber aufgeklärt wird, daß die Legende vom Ritualmord von d» zivilisierten Welt mit Veraohtung zurückgewiesen wird. Ein neuer belgischer Konsul In Jerusalem. Der belgische Außenminister hat Herrn Achard, bisherigen Konsul in Lyon, zum Konsul in Jerusalem und Herrn Leon Katz in TeMwiw zum Vizekonsul tut den Distrikt Jaffa ernannt,

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