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Die neue Welt · 1929-08-23 · Heft 101 (23.8.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 101 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr iöf DIB NEUE WELT Seite 5 Der Witz der Sache alber besteht darin, daß der Budapester Rabbiner sich während) der Btlhandiung des Budgets zum Worte meldete und zu dieser Frage nichts anderes als das Vorstehende zw sagen hatte. Nicht viel mehr hatte auch der zweite Oberrabbiner, Dr. Alkaly aus Belgrad, m verkünden. Er brachte einen Gruß und bemerkte, daß Büdgetdinge eigentlich Gegenstand „unserer großen Man ner" sei, die Finanzgeschäfte verstehen — und damit hatte er die Sache, erledigt. Sonst ©ab es keine Reden von Seiten der Nichtzionisten im Plenum, außer dem .Referat Wassermanns, des Direktors der Deutschen Bank. Die Zio nisten sprachen erst recht nicht. Die hatten auf dem Kongreß gesprochen und gekämpft. Und da der Zionistische Etat angenommen wurde, wozu sollte man also noch sprechen? Die ganze Sitzung an diesem Tag, am dritten Tag, dauerte alles in allem eine Stunde. Die Herren der Finanz-weit machten ■ Tempo. Eins, zwei —r und fertig. Oskar Wassermann und das Budget. Mit ein wenig Unterhaltung war doch das Budget verbunden, aber nicht im Plenum, sondern in der geschlossenen Kommission. Oskar Wassermann gab den Ton an. . Er hatte nichts "gegen das vom Kongreß vorgeschlagene Budget von 750.000 Pfund'. Er war aber sehr verwundert, aäs er von den Schulden erfuhr, die die Zionistische Organisation und der Keren Hajessod haben. Die Summe von 600.000 Pfund, die innerhalb fünf Jahren gedeckt werden muß, W eiz m ann erschien in der Budgetkommission und schlug vor, schon heuer eine Summe für neue Kolonisation auszuwerfen. Wassermann begriff das nicht. Was heißt das? Bs gibt Schulden und — neue Kolonisation? ' Bei sich in der Deutschen' Bauik geht er anscheinend anders vor. Aber die Zionisten werden eher ihn beikehren, als rdiaß er sie mit seinen Methoden glücklich mache. Als man die Kommissionssiitzaing verließ, sprach man, untereinander, Wassermann glaubte anscheinend, einen Resrvefonds von einer halben Million Pfund vorzufinden. Marshai! kombiniert und diktiert* „Ganz -glatt ging's im, Council nicht zu. Mit derselben Geschichte, mit der di&r Kongreß sich ein paar Wochen herumtrug, mit demsdiben Gegenstand plagte sich auch'der Council. Die einzige Komimission, wo schwer gearbeitet wurde und wo ein Kampf entbrannte, war die Kommission, in der wegen der Exekutive verhandelt wurdie. M a r s h a U erklärte dort, daß eine (Exekutive von 13 Personen, wie der Kongreß sie gewählt habe, einen unerhörten Ballast darstelle. Also beschneiden! (Dieselbe Frage hat übrigens auch S t ri c k e r in der Permanenizikommisision. aufgeworfen;- deu die neue Belastung auf ungefähr 12.000 Dollars im Jahre schätzte -und —. sich nach der Bedeckung erkundigte. Er erhielt keine Antwort. — Anm. der Red.) Aber wen und wie beschneiden? Und was tun mit den Parteiambitionen und mit der Personenfrage? Wie am Kongreß begann auch der Council von Gerüchten <zu leben, mit dem Unterschied; daß hier ein anderer Mensch kombinierte U'ri'dJ diktierte. Der „Zauberer" 'hieß hier Marshail! Seine. Führung wurde stillschweigend anerkannt als eine Sache'der Selbstverständlichkeit. Und als es unangenehme Dinge wegen der Palästinenser gab, mit den Vertretern des' Waad Leumi, denen man keinem Platz im administrativen Rat geben wollte, machte sich die Er&z Israel-Delegation selbst Vorwürfe: Unsere eigene Schuld! Man hätte sich von vornherein darauf vorbereiten müssen, früher schon Marshall sehen und . mit ihm besprechen müssen. (J. K. im „Hajnt".) Stimmen zur Jewish Agency. Die liberale „Frankfurter". Der XVI. Zionistenkongreß und die erste Tagung der erweiterten „Jewish Agency", haben in der nichtzionistischen und niditjüdischen Presse das lebhafteste Interesse gefunden. Die „Frankfurter Zeitung", die große reidisdeutsche Tageszeitung, die seit jeher sich in zionistischen Dingen von extrem-assimilatorischen, mitunter auch;agudistischen Kreisen beeinflussen ließ, scheint sich anläßlich der ins Leben getretenen erweiterten Jewish Agency diesbezüglich wandeln zu wollen. Sie widmet der Frage „Zionismus und Agency" einen Leitartikel, in dem sie zunächst feststellt, daß die neue Agency „eine Rolle in der neuen Geschichte Palästinas spielen werde". Sie meint, daß die Agency schon durch die Balf our-Deklarätion in' Aussicht genommen worden ist und damals nicht ins Leben getreten sei, weil „d e r größte Teil der Juden von der Begründung des Nationalheims, das die.Deklaration verspricht^ -g-ar nichts wissen wollte!" Nur die Zionisten hätten es angestrebt, „ein ganz kleiner Prozentsatz der Juden", und so sei die zionistische Organisation als geeignete jüdische Vertretung angesehen worden, was ein Teil der Zionisten auch heute noch darstellen möchte. „Die übrigen, gleichviel wie sie einmal darüber gedacht haben mögen, sind praktisch genug, um zu . wissen, daß die Zionistische Organisation allein außerstande ist, den Umbau Palästinas herbeizuführen. Schon das was bisher geleistet wurde, geschab zum großen Teile auf Grund von Geldmitteln, die nicht von Zionisten stammen (!). Man hat sich daher große Mühe gegeben, breite jüdische Kreise für das Palästinawerk zu interessieren, und da die . Zionisten über vortreffliche Agitatoren verfügen, ist ihnen das auch gelungen." Der Leitartikel legt die Konstruktion der Jewish Agency auseinander und weist auf die 40 Prozent der nichtzionistischen Sitze der amerikanischen Juden hin, um .von da auf die politische Situation überzugehen. „Der Revisionist Jabotinsky hat das auf dem Kongreß ironisiert. Er befindet sich in einer hoffnungslosen Opposition, obgleich er sicherlich in manchem recht hat. Freilich nicht in allem; daß er gegen die Erweiterung der Jewish Agency auftritt, ist geradezu eine Verleugnung des Rechtsbodens, denn das ließe sich ja gar nicht aufhalten, wenn die Nicht- . zionisten sie wollen. In ihren weiteren Ausführungen hält die „Frankfurter Zeitung" die Darlegungen Jabotinskys betreffs der nichterfüllten englischen Versprechungen für gerechtfertigt und zitiert den Weizmannschen Satz „Solange wir schwach sind, wird uns Unrecht geschehen", nicht weniger gerechtfertigt wie Jabotinskys Vorwurf, daß das eine Land .(Amerika) in der Jewish Agency 44. Mitglieder und das andere, das ebenso viele Juden zählt (Polen), nur 13 besitze. „Und warum? Weil jenes ein reiches Land sei, dieses ein armes. Nun ja. So wird es wohl sein. Man braucht die Amerikaner. Sie haben mehr Geld als alle anderen." Der Leitartikel schließt in ziemlicher Verlegenheit, da die „Frankfurter Zeitung" bekanntlidi die deutschen Juden vor dem Eintritt in die erweiterte Agency gewarnt hat. „Vor einiger Zeit, als die Erweiterung in der Agency aktuell wurde, haben wir uns über das ganze Problem noch, einmal ausführlich geäußert. Wir haben die verschiedenen Gesichtspunkte hingestellt, die hier in Betracht kommen, haben aber damit geschlossen, daß wir es nicht als unsere Aufgabe betrachten können, den deutschen Juden einen Rat zu geben, wie sie sich verhalten sollen. Dieses Verhalten ist, wie bekannt, nicht einheitlich. Ein Teil der deutschen Juden lehnt die Beteiligung an der Agency vollkommen ab, weil er in schärfstem Gegensatze zu den Zionisten überhaupt steht. Andere, die zwar , den Zionismus ebenfalls ablehnen, fühlen sich dennoch bewogen, zu dem Umbau Palästinas beizutragen, weshalb sie auch eine Vertretung in der Jewish Agency beanspruchen. Wir haben dazu nichts zu bemerken. Da wir uns auf den Standpunkt gestellt haben, daß die Juden selbst wissen müßten, was sie in dieser Sache tun sollen, haben wir trotz der Bedenken, die wir damals aussprachen, auch' keine Veranlassung mehr, den Eintritt deutscher, Juden in die . Jewish Agency zu werten. Man wird die weitere Entwicklung der ganzen palästinensischen Frage mit Interesse verfolgen.' Man wird dabei ja auch sehen, wer sich als stärker erweisen mag: die zionistische oder die andere Hälfte. Wir meinen damit natürlich nicht, es sei zu erwarten, daß die beiden sich ständig bekämpfen würden; sie sind ja zusammengetreten, um gemeinsam eine Sache zü fördern. Aber psychisch werden manche Fäden, die^ man zunächst vielleicht gar nicht mqrkt, hinr und, hergehen. Es wird etwas darauf ankommen, was für. ein Gewerbe daraus wird." Die Wiener „Reichspost''. Die Wiener „Reichspost'1,' das Blatt der größten österreichischen Partei, der Christlichsozialen, der Regierungspartei also, nimmt ebenfalls in einem Leitartikel unter dem Titel „Eine Erstarkung des Z ion i sm u s" Stellung zu den Fragen, die sich für die Juden aus der erweiterten Agency ergeben. Sie benutzt den Anlaß, um die „fundamentalen Meinungsverschiedenheiten, die unter den Juden Europas und Amerikas in der Frage des Zionismus beständen haben und natürlich auch heute noch bestehen", zu kennzeichnen. Wenn ihre Formulierungen auch nicht ganz klar und' zutreffend - sind/ so trifft siie. doch im Wesen das Richtige. Die Erklärung, „Wir weisen jede Vermutung einer gemeinschaftlichen Einheit und sogar schon der mindesten politischen Verbindung sowohl zwischen den Juden der Welt, als auch speziell zwischen den Juden der Diaspora und in Palästina jetzt oder später entschieden zurück. Wir in Amerika haben n u r eine exklusive politische Loyalität, und zwar die zu den Vereinigten Staaten", die das Blatt als offizielle Erklärung der amerikanisch-zionistischen Organisation zitiert, beruht offensichtlich auf einem Irrtum. Es kann sich höchstens um eine Enunziation der amerikanischen Nichtzionisten handeln. Im übrigen stellt die „Reichspost" richtig fest, daß „der innere Gegensatz zwischen der national und der rein wirtschaftlich eingestellten'Gruppe des Judentums natürlich mit der Entscheidung in Zürich nicht beseitigt sei." Sie sieht aber das Terrain gegeben, „auf dem beide Parteien zu einem gemeinsamen Zweck zusammenarbeiten müssen". Am Schlüsse stellt die „Reichspost" die von ihrem Standpunkt aus objektive und loyale Prognose, wonach l »r. AllSnoloWo.^,., Straße 33 » Telephon 'trdbergh U-11-0-97 für Eure studierenden Kinder im Antiquariat HERMANN TUCHNER Wien II, Große Stadtgutg. 7 (Ecke Taborstr, 52) Telephon R-41-4-20 Sehr mäßige Preise. Verzeichnisse umsonst. Größtes Lager antiquarischer Bücher es sich bald zeigen werde, „ob es bei dieser Interessengemeinschaft bleibt oder ob die amerikanischen Juden nicht doch noch für die zionistische Ideologie gewonnen werden. Die Erfolge einer derartigen Entwicklung wäre gewiß ein Anschwellen des jüdischen Selbstbewußtseins in den europäischen Ländern", * Die Wiener „Arbeiter-Zeitung", das Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokraten, also der zweitgrößten Partei Oesterreichs, hat nichts zu berichten, nichts zu sagen. Für sie ist diese ganze Sache, an der auch Proletarier beteiligt sind, überhaupt nicht vorhanden. Nicht einmal die antizionistische Aktion der Adler und Diamant in der Exekutivsitzung der zweiten Internationale in Zürich hat dieses Zentralorgan zur Kenntnis genommen. Was weniger für uns, als für dio palästinensische Arbeiterpartei von Bedeutung ist. Das neue Aktionskomitee. In der Schlußsitzung des Kongresses wurde das Zio«. nistische Aktionskomitee neu gewählt. : , Laut Beschluß des Kongresses bilden die 52 Mitglieder des Aktionskomitees zusammen mit den 52 Stellvertretern den zionistischen Teil der Jewish Agency. Die Mitglieder des Aktionskomitees sind: 1. Virllisten: M. M. Ussischkin, Jerusalem, Leo Motzk i n, Paris, Dr. S c h m a r j a L e w i ti, Tel-Awiw. 2. Für die Landsmannschaften: Ludolf Bernhardt, Bukarest, Dr. Moritz Bileski, Berlin, Kurt Blumen«! f e id, Berlin, Ohaim F a r.ch y, Sofia, Jacob Fi shim a n, ,New York, A. I. F r eim a n,: Ottawa, Abraham; G oldberg, New York, Rev, J. K. Goldbloom, London, Dr. Alexander Goldstein, London, Leon Levite, Warschau, Dr. Alexander Licht, Zagreb, Lprd.Mel« .chett, London, Dr. Benzion Mossinso.hn, /Tel- Awiw, I. N a i d i t s c h, Paris, Isaac O c h b e r.g, Johannesburg, Morris Rothenberg, New York, Dr. Leon Reich, Lemberg, Dr. Josef R u f e i s e n, Mähr.-Ostrau, Max S h u 1 m a n, Chicago, Rabbi Aba Hille! S i 1 v e r, Cleveland, Israeli M. S i e 4 f, London, I. Supraskii, Tel-Awiw, Dr. Osias Thon, Krakau. 3. Für den Sonderverband Misrachl: Abgeordneter Rabbiner S. Brot, Tomaschbw, Gedaljah Bubli'k, New York, Abgeordneter H. Färb st ein, Warschau, Dr. S. Feder b u s, c h, Lwow, Rabbi I. L. Fi s c h m a n n, Jerusalem, Eliimelech Nyson, N.e u i e 14, Warschau, Albgeordneter Dr. Nu Tbk, Riga, Rabbi A. T eHelb au im, Jerusalem. ' 4. Für den Sonder verband Hitachduth: Dr. Ohaim'A r 1 osoroff, Tel-Awiw, Ohaiim Grünberg, New York, Elieser Kaplan, Tel-Awiw, Dr. Nathan Melker, Lwow, Levi Skolnik, Dagania, Dr. Arjeh Tart'ak o w e r, Lodz, Nahum T w e r s k ä, Te'l-Awiw. 5. Für den Sonder verband Poale Zion (vereinigt mit Z. S.): . Eisik B r u d n y, Tel-Awiw, Abraham H a r % i e 1 d, Te-1- Awiw, Be.rl Locker, Berlin, Israel M e r e m 1 n s k i, Tel-Awiw, Anselm Reiß, Warschau, David Remez, Tel-Awiw, Sahnan Rubascbow, Tel-Awiw, 6. Für die Fraktion der Ztonlsten-Revisionisten: Meer Großman, London, Richard; Liicthtihielarn, Berlin, Dr. S. Soskin, Tel-Awiw. ..*.>■ 7. Für die Fraktion der Radikalen. Zionisten; Jizchaft Grün bäum, Warschau, Robert Stricker, Wien, Ersatzmitglieder des Aktionskomitee. 1. Stellvertreter der ViriUsten: Dr. Berthold Feiwel, London, Dr, Victor Jacobson, Genf. 2. Für die Landsmannschaften: Dr. A. Coralnik, New York, Dr. Meyer Ebner, Cernauti, Jean Fischer, Antwerpen, Dr. Josef Fischer, Chi], Frau A. I. Frei-, mann, Ottawa, Dr. Deslder Friedmaiin, Wien, Dr. M. Glücksohm, Tel-Awiw, Dr. Anselm Halpern, Stanislau, Dr. Georg HaJpern, Hamburg, Dr. Hugo Herr mann, Brünn, Dr. M. Hindes, War* schau, Dr. Alfred Klee, Berlin, A. Lewin, Montreal, •Simon Marks, London, Joachim Neäger, TaTriow, Dr. Emanuel 01 s w a n g e r, London, Alfons P a c 1 f 1 c 1, Florenz, Frau Sch. Per sitz, Tel-Awiw, Dr. Uri R o s e n b i a 11, Lodz, Dr. Martin R o s e n b 1Ü t Ji, Ber-i Hin, Frau Archibald Sdlvermann, Providence, E/lihu D. Stone, Boston, Leonhard Steiin, London, Frau Zip Szold, New York. 3. Für den Sonderverband Misrachl: Rabbiner W. Gold, New York, Lewi L e w i n - E p s t e i n, Warschau, Rabb. Israel Rosenberg, New York, Senator Rabbiner I, Rubinstein, Wilna, Möschen Schapiro, Jeru-. saletn, Rabbiner Paul Silbe, Chicago, Daniel Sirkiv Tel-Awiw, Hermann Struck, Haifa. 4. Für den Sonderverband Hitachduth: Ada Fisch-mann, Tel-Awiw, Dr. Jacob Helimann, Riga, Prof. Laserf söhn, Riga, Dr. Koppel Schwärt«, Lemberg, Doktor Abraham S i l b e <r s c h ei n, Lemberg, I. S k w i r s k J, Kisohinew, I. VerIinski, Nahalal.

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