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Die neue Welt · 1929-08-23 · Heft 101 (23.8.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 101 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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r Seite 4 i DIE NEUE WELT Nr. 101 Nebst Einstein war Direktor Wassermann die Persönlichkeit der Tagung. Als er namens det deut» sehen Nichtzionisten die Unterschrift setzte, wurde er mit größtem Beifall begrüßt. Man wollte ihm danken für seine Eröffnungsrede, für seine Darlegungen in der De* batte über Weiz.....nns Referat, für sein Budgetreferat. Zuletzt, least, bot not last, wurde Amerika aufgerufen; es unterzeichnete als erster M a r s h a 11, das Licht blitzte auf, der Moment wurde im Bild festgehalten. Die Zionismen. Weizmann war hier ein anderer als im Kongreß; immer anwesend, den Verlauf verfolgend. Im Schlußwort zu seinem Referat in der Budgetkommission und wo es sonst um die Festlegung der Arbeit zu tun war, war Weis« mann sichtlich bemüht, den Keren Hajessod, der Keren Kajemeth, die jüdische Arbeit, das Budget zu wahren. Dies war die erste Aenderung nach dem Kampfe um die Erweiterung 'der Jewish Agency. Die zweite A e n d e« rung — ist die Einstellung der allgemeinen Zionisten zu den Radikalen, Man entsendete Radikale ni fast alle Kommissionen, in die Budgets«Verfas» sungs* und Resolutionskommission. Man erkannte ge* legentlich der Behandlung der MisrachisWünsche wegen Verankerung der Religion in der Verfassung, daß die Radikalen mit dem gebundenen Votum der Zionisten im Recht gewesen waren. Bei den Bestrebungen um die Demokratisierung, Nationalisierung der Jewish Agency dürften die Radikalen der Kristallisationspunkt Werden, ebenso bei der Sorge um die Finanzierung. Die Versuche während des Kongresses der Allgemeinen Zionisten, sich gegen den Druck der beiden Flügel zu organisieren, blieben erfolglos. D'i bisherige Führung in den Ländern konnte ein Programm nicht ersetzen, zumal die meisten der nationalpolitischen Arbeit in der Diaspora zumindest gleichgültig gegenüberstehen und viele auch für die nationaWculturelle Tätigkeit nicht gar zu .viel übrig haben. Die Stunde der Radikalen wird bald kommen . . . Die Zukunft. Die Tagung des Council der Jewish Agency war die einer zweiten Kammer, in der die erste Kammer die Hälfte, der Sitze innehat. Wird es so bleiben? Der über Antrag der Radikalen gefaßte Beschluß, daß vor jeder Tag ung des C o u n c i 1 s ei n e. solche, des Kon* gress.es stattfinden muß, ist von hoher Bedeu« tung? Auch einer jeden Sitzung des Administrative Com* mittee müßte. eine A. C.sSitzung vorangehen., Nicht nur die zionistischen Mitglieder des. Council und die zipnisti* sehen Mitglieder der .. Exekutive. — ein Erfolg der Radikalen — werden vom Kongresse gewählt werden. Werden auch die zionistischen. "Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency auf der Höhe sein, dann, aber nur dann wird die Demokratisierung und dje Zioni* sierung fortschreiten können. 7 .'• . •,,V ',' Die Resölutioüen?; .. .. •. . .»•■; -v ■:■";,>>■ , , •»?••.?»•'.•• Von unserem L. W.-Beriditerstatter. ■ '• ■'. .•< ■ Zür ich,; am iL.August 1929. » / . In der heutigen Sitzung wurden, über Antrag des Dr, James Ros-enberg : .namens der Resolutionskpmmission .folgende Beschlüsse gefaßt: . .; > I. In Anbetracht-dessen, daß Großbritannien sich durch die Balfour-Deklaration verpflichtet hat, sein Bestes zu tun, u m. di'e E r r i chtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina zu erleichtern,- und in Anbetracht dessen,. daß diese historische Deklaration' von dem W r i g h t hergegeben hat. Die Telephönie ohne Draht und das Radio verdanken ihre Ausbreitung und technische Vollendung M. Lucien Levy, der schon während des Krieges die heute anerkannten Systeme ausprobiert hat, während M. Ferdinand Meyer, Lazar Levy und Robert Hecker die e 1 e k t r i s c h e Industrie, In der .Frankreich heute führend ist, ausgebildet haben. Nicht weniger be* deutend ist das Wirken der Juden Frankreichs auf dem Gebiete der Bergwerksindustrie, vornehmlich als Inge* nieure und Techniker. Namen ,wie.\Leon L e v y, Isidore und Georges Ulmo, August Dupont und Alphons Fould sind mit dem industriellen Aufstieg Frankreichs aufs innigste verknüpft.; . In der Petroleumindustrie dominiert der Name Alexander Deutsch, der der Qründer der über» mächtigen SoctetS des Petroles Jupiter ist. Deutsch de la Meurthe d. Ä. gab durch sein Werk .„Le P6trole. et ses applications" der Aeronautik seine Grundlage. Auf dem Gebiete der Autoindustrie hat der Name Andre Citroen Weltruf. Er hat mit seinem „Citron" die ganze. Welt erobert. Auf dem Eiffelturm flammt all* nächtlich das populäre Wort Citroen auf. Der aus Hol* iand stammende, gegenwärtig 50 Jahre alte Jude war in Europa der Initiator der Serienerzeugung von Automo* bilen und sein- System wurde von fast allen europäischen Automobilfabriken übernommen. Auch die. Leiter der be* kannten Marken Peugeot und 'La t il sind Juden. In der Textilindustrie führen die elsässi* sehen Juden Lazare und Emil L a n t z, in der Seiden* Spinnerei und Baumwollweberei die Familie Lang, die Mühlhausener Wallach, Bernheim, Dreyfus, Bloch u. a., in der Feinindustrie (Chronometer u.. ä.), Lippmann FrSres (Marke Lip). Die berühmten französischen Parfüms wer« den von Juden erzeugt: P i nau d (Klotz), H oub igant (Javal), Vi o 1 e t (Rhins), B o u r g o i s (Wertheimer), Auch bei der Schuh*, Möbel», Wagen*, Lederindustrie finden sich zahlreiche jüdische Namen, Völkerbund, dessen Mandatar für Palästina Großbritannien ist, und von dem Kongreß der VereinigtenStaaten von Am e r i k a bestätigt worden ist, und in Anbetracht dessen, daß das Mandat eine Jewish Agency geschaffen hat als eine öffentliche Körperschaft, die mit der Mandatarmacht in allen Angelegenheiten, die die Errichtung des jüdischen nationalen Heimes berühren, zusammenwirken soll, und in Anbetracht dessen, daß Großbritannien die Erweiterung der Jewish Agency in dem ömne. daß sie alle Juden, Zionisten und Nichtzionisten einschließen und repräsentieren soll, gebilligt hat| und in Anbetracht dessen, daß die Zionistische Organisation und die Nichtzionisten sich nun zur Bildung einer solchen erweiterten Jewish Agency zusammengefunden haben, faßt der Council der Jewish Agency in dieser seiner ersten Sitzung einstimmig folgende Beschlüsse: J. Der Council drückt seine Freude darüber aus, daß ganz Israel sich für den Wiederaufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina vereinigt hat, und ruft jeden Juden, auf der ganzen Welt auf, sich dieser heiligen Sache anzuschließen. 2. Der Council drückt Großbritannien seine Dankbarkeit für die Balfour-Deklaration aus und spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die Mandatarmacht mit dieser erweiterten Agency zusammenarbeiten wird bei der vollen Verwirklichung des großen Zieles, das durch die Deklaration und das Mandat gesetzt wurde. Mit diesem Ziel: vor Augen fordert d e r Co u n c i 1, d aß der anerkannte Status der Agency e i n e t a t s ä c h 1 i c h e Verwirklichung finde, und daß von der Mandatarm a cht solche Mafln ahmen ergriffen werden, die das Wachstum des jüdischen nationalen Heimes fördern, wobei die Rechte aller Einwohner Palästinas gewahrt und ihre Wohlfahrt gefördert werden soll. 3. Der Council nimmt die vom XVI. Zionistenkongreß angenommenen Resolutionen zur Kenntnis und übergibt sie dem Administrative Committee zur sorgfältigen Beratung und entsprechenden Behandlung. 4. Der Council erteilt dem Administrative Committee und der Exekutive den Auftrag, alle notwendigen Maßnahmen; zu ergreifen, um es allen Gruppen in de r Ju de nheit, die noch nicht der Agency angeschlossen sind, möglich zu machen, der Jewish Agency beizutreten und an ihren Arbeiten teilzunehmen, II. Der CottftCil beauftragt das Administrative Committee und die Exekutive, die Mandatarmacht in entschiedener Weise davon in.Kenntnis' zu setzen, daß die Gefühle der Jude nheit der ganzen Welt dur-ch d"ie Vorg ange, die' am Jörn Kipp u r und spät e r h'i rf* äir d &t 'K l a^ e rn a u e r. p a ss i e r t e n, verletzt sind, Solche Maßnähmen zu ergreifen, die eine Wiederholung ^solcher Vorfälle, vermeiden und zu einer endgültigen Lösung dieses Problems führen. . I|I. Die Jewish Agency hat den K e r e n H a j e ssod in Würdigung se^er. lebenswichtigen Funktion zu ihrem hauptsächlichen 'Finanziirs.trum e n t bestimmt. Die Joint Palestine Survey Commissiqn hat festgestellt, daß die '.Zukunft, und die stetige Entwicklung des nationalen Heims in erster Reihe von der Bereitstellung der erforderlichen Mittel abhängt und daß eine wesentliche Stärkung der Einkünfte des Keren Hajessod und die unentbehrliche Voraussetzung für die Erhaltung und Konsolidierung der gegenwärtigen Po- Handel. Die Umwälzung auf dem Gebiete des Handels nach amerikanischem Muster, das Entstehen der großen Kauf« häuser für die Bevölkerung einer Millionenstadt. („Lou* vre", „Bon Marche", „Printemps") ist auf «die Initiative des rheinländisehen Juden Theophile Bader, der im Jahre 1895 auf dem Boulevard Haussmann ein mächtiges Waren* haus unter dem Namen „G-.a 1 e r i e L aiay e 11 es" er* richtete, zurückzuführen, Ähnliche Kaufhäuser entstanden später in London, Marokko und Alexandrien, darunter das Etablissement Boka, das yom Bruder des kürzlich verunglückten Handelsministers Maurice Bokanov« sk y geleitet wird. Der Diamantenhandel, die „Bourse des diamants" liegt zum größten Teil in den Händen von Juden, die aus Holland, Rußland und der Levante eingewandert sind. Die Leitung führen der, aus Holland stammende Hugo Citroen und der Russe L. Rosen» t h a 1. Ebenso sind Juden im Perlenhandel führend. Auch das Verlagsgeschäft, eine Branche, die tiefste Bildung und Intellektualität verlangt*, wird von Juden gepflegt. Alle Verleger überragt das berühmte Haus Calman*L6vy, das im Jahre . 18<$6 gegründet wurde. Ihm ist die Verbreitung der berühmtesten Werke der' französischen Literatur (ßalsac, Dumas,' Anatqle: France; Pierre Xoti, Ernest Renan), M verdanken. Auch Heinrich Heines Werke" sind bei Cafma'u'Levy erschienen. Daneben spielt auch der Verlag FeUx A l c a n eine Rolle, bei deni der Nobelpreisträger Henri Bergson seine Werke vet» öffentlicht. In letzter Zeit hat sich der Verlag Ollen» Ü o r f f einen Namen gemacht. ' ' ' i Wie wir sehen, spielt das Judentum in Frankreich nicht nur auf ökonomischem und finanziellem Gebiete eine Roll«, sondern auch im öffentlichen Leben, in der Pflege der Kunst, der Wissenschaft, des Geistes, d. h. in allen Zweigen kultureller Betätigung. sitionen, vor allem aber für den Beginn neuer Unternehmungen ist. Darum richtet der Council der Jewish Agency einen feierlichen Appell an alle Juden, tue Beitragsleistung zum Keren Hajessod zu einer heiligen Pflicht zu machen, und erwartet von allen unter der Jewish Agency Vereinigten, daß sie ihre beste Kraft einsetzen tür eine stete Stärkung und Vergrößerung ihres Grundfonds und damit für das Gelingen des großen Werkes in Erez Israel. IV. Die Juden der ganzen Welt, Zionisten und Nichtzionisten, die sich jetzt, in der Jewish Agency for Palestine zum gemeinsamen Dienst am Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina zusammengeschlossen haben, entbietenLord Balfour, dem Urheber der historischen Deklaration, die die Grundlage ihrer Arbeit bildet, ihren Gruß. Die Freundschaft, die er unveränderlich für das jüdische Volk gezeigt hat, wird für alle Zeiten im Gedächtnis jedes Juden bleiben. V. Bei dieser ersten Sitzung der Jewish Agency drückt der Council Baron Edmond Rothschild seine ergebene herzliche Dankbarkeit für alles das aus, was er in Erez Israel Vollführte. Der Council verpflichtet sich selbst, dem Beispiel zu folgen, das Baron Rothschild gegeben hat, und hofft, daß er noch viele Jahre hindurch a 1 s E h r e n/p r ä s i d e n t der Jewish Agency den Arbeiten des Councils Anregung geben Wird. * Noch während der Tagung langte auf die tele* graphische Verständigung folgendes Antworttelegramm von Baron Edmond Rothschild ein: „Tief ergriffen durch Ihr Telegramm danke aufrichtig Ihnen sowie her* vorragenden Mitgliedern Counciltagung die mitarbeitend. Bin glücklich, daß mich dem großen Werke Erez Israels widmen durfte, welchem Schaffung der Agency mit Gottes Hilfe volle Entfaltung und glückliche Zukunft sichern wird. — Mit lebhaftem Gefühl von Stolz und Dankbarkeit nehme ich Ehrenpräsidium an. Edmond de Rothschild." Die Wahlen. Es wurden hierauf die Wahlen vorgenommen, deren Resultat schon oben mitgeteilt ist. In das aus 40 Mit* gliedern, 20 Zionisten, 20 Nichtzionisten, bestehenden Administrativkomitee wurden als Vertreter der Radikalen Dr. Max Soloweitschik (Berlin), als des* sen Ersatzmänner Dr. Nahum Gbldraann (Berlin) und Dr. Emil Margulies (Leitmeritz) gewählt Die Exe* kutivV'wird diesmal vom Zionistischen A.*C. (acht Mitglieder) und vom Administrativkomitee (vier nichtzionistische. Mitglieder gebildet werden. Bis dahin wird die vom Zi oni s t e nk o ngr.eß g e wählte E-mW.ii* in •ä.uc hüa 1 s E x e k u.ti y.ftid..er Jewish Agency fungieren. Auch die Wahl des Direktoriums des Keren Hajessod wurde dies* mal dem Administrativkomitee übertragen. Auf der Tribüne des „Council" in Zürich. Ungarischer und rumänischer Patriotismus. Erinnert ihr euch am .den „Golem" in der Inszenierung id.er Habima? Und am die Dominikaner im „Golem"? Der Oberräbbirier vqri Budapest, Julüus F i s c.ii e r, ■meldete sich^im Council-zum Wort und'als er die Tribüne betrat, "hätte ich schwören mögen, er sei dem HaMima-'Bilde entstiegen. Ein typischer Dominikaner. Derselbe Gans, dteselibe Tracht, der schwa-fze .Mantel, der Jabotkragen, das Käppi — nicht ida/von zu rede«, daß auf einem Zionistenkongreß solche Fi«wren nicht zu seihen waren. Aber selbst in dw erweiterten Agency ist Julius Fisdier eine Sonderersdidnun«. Und was wollte dar Herr Oberraibbitiet? Davon, daß neue Gemeinden uml Körperschaften zur Agency iheramgezogen werq>n müssen, sprach er und verbündete dabei, daß wir aHe die Länder, in denen wir leben, sehr sehr li«ben, wo die Gräber unserer Väter sich 'befinden, wo wir tief veTWwraelt' sind. Auch er, der Oberrabbiner, itebe sein''.Owes Vtaterl'and Umgarn, das . mit Füßen getreten, zerschmettert, betrog««, nach dem Kriege djaliege? Betrogen? Zersobmettert? Dr. Fi! der mann aus Rumänien hat richti« gehört. Mius Fischer 'hat diese Worte wiriolioh gesagt. ' So •springt Filder.roanin auf und schreit von seinem Plate aus: „Herr Präsident,!ch protestiere. Hier darf über solche Dinge nicht igesi>rocihen werden. Wfiir befassen uns hier nicht m*t PoHtiflc.4* Im Saail entsteht Verwirnuitgt Zu/m erstenmal sind auch Jn-.der nioht^tonis'tiwhen HäWte Leidenschaften erwacht. Aibrdtoßs bei einem Gegepstend, dw mit Zionismus nichts zu tun Irat, Man begriff, um was es geht. Dr< Fi-ldermann konnte als Rumäne nicht zufassen, daß der Ungar Fischer den'Trianon-Vertraig bemängle, der Ungarn zugunsten Rumäniens, „^schmettert und betrogen'4 habe, Motzkiti beruhigt* das Publtam und bemerkte, daß wir im allgemeinen auf unseren Kongressen Ijandespoliti'k nicht zu berühren pflegen >- und gW'b dem Oberirabbiner in feiner Welse «u verstehen, daß w nicht dafür stehe, darüber w sprechen.

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