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Die neue Welt · 1929-08-23 · Heft 101 (23.8.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 101 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 101 arbeit entgegenzuwirken. In ausführlicher Weise wurden die Verhältnisse in Rußland besprochen. Die Versammlung beschlöS, in New York und in Paris je ein Komitee zj gründen* die sich dauernd mit der Aufgabe zu befassen habeif* wiBfdefi»; gegen die Verfolgung der jüdischen Religion, det heb*p sehen Sprache und, der Zionisten in Rußland in f&fgneter Weise Stellung £u nehmen. Die europäischen Bue-BMth- Logen. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft. An der in der Züricher „Urania" am 15. August stattgefundenen Sitzung der europäischen Distrikte des U. O. B. B. nahmen neun Länder, und zwar Deutschland, Polen, Großbritannien, Holland, Tschechoslowakei, Oesterreich, Schweiz, Rumänien und die Vertreter der Logen „Orient" teil. Die Sitzung behandelte u. a. den Ausbau des Für* sorgewerkes für die zum Studium an Auslands« Universitäten gezwungenen jüdischen Studenten insbesondere aus Ungarn, Polen und Ru* mänien, wobei zur Kenntnis genommen wurde, daß der Zuzug aus Rumänien in der letzten Zeit etwas nachge* lassen hat. Es kam der allgemeine Wunsch zum Ausdruck, daß auch die Stammländer und die jüdischen Gemein« Schäften dieser Länder wirksamere Hilfe diesen Fertigstellung sich befindet, rühmend hervorgehoben, deihen lassen sollten. Die Sitzung befaßte sich auch mit der Frage der Kalenderreform, wobei insbesondere England sich mit aller Entschiedenheit gegen die bisherigen Vorschläge einer Kalenderreform ausgesprochen hat. Auch die Frage der Förderung des jüdischen Buches, die von Deutschland ihren Ausgangspunkt nahm, wurde einer den Verhältnissen nach befriedigenden Lösung dahin, zuge* führt, daß die Logen alljährlich vier bis fünf Bücher schwieriger Materie herausgeben werden und jedes Mit* glied mindestens eines dieser Bücher erwerben muß. Der Vertreter der bulgarischen Loge sprach - den Dank des bulgarischen Judentums für die den Opfern des Erdbebens zuteil gewordene rasche und tatkräftige Hilfe• aus. Der Bericht des palästinensischen Ver=» . treters zeigte Fortschritte in der Entwicklung des Logen« gedankens dortselbst, wo es bereits zehn Logen mit 500 Mitgliedern gibt und weitere Logen in Vorbereitung sind. Gleichzeitig wurde die Beihilfe der J,ogen und die von Mr. Julius Rosenwald an der, Errichtung des ''hebräischen Lehrerseminars in Jerusalem, das vor der zum Studium im Ausland gezwungenen Studenten ange* Der Vertreter H o 1 ll a n d s berichtete Interessantes über das jüdische Leben in diesem Lande mit einer jü.di« sehen Gesamtbevölkerung von 120.000 Seelen, von denen bloß etwa 30.000 djem. Proletariat .zuzuzählen .»seien. Hin* gegen sind die Mischehen in weiterem Ansteigen und bilden z. B. in Rotterdam nicht weniger als 50 Prozent und in Amsterdam 22 Prozent der. jüdischen Ehen. Die Vertreter Oesterreichs- und der Tschechoslo* wakei berichteten über die Hilfs* und Fürsörgeaktionen zugunsten der jüdischen Studentenschaft, die in vielen Tausenden aus dem Auslande in die Universitäten diessr beiden Länder zuströmt und sich in großer Not befindet.. Jüdischer Selbstschutz an der Elagemäuer. ' Die Voi^ättge in Palästm^^^^ •. Die beständigen Än&ftffe; II. Palästihareise 5689. . 2. September bis 10. Oktober, 1029. , Diese vom Verband demokratischer Zionisten zusammen mit dem Palestwie Touring Club Wien veranstaltete Palästiroareise nimmt prograirtiimigemäß am 2. September ihren Anfang. Anmeldungen werden noch bis 28. d. M. entgegengenommen, jedoch müssen mit Rücksicht auf die Kürze' der Zeit ffleichzeitiig mit den-Anmeldungen die Pässe zwecks rechtzeitiger Besorgung der Visa an die Reiseleitung übermittelt werden. Prospekte und Auskünfte durch Frau Paula Stricker, Wien, II., HoIIandstraße 10, Tel. R 45-6-89, und, Frau Berta Taube«, Wien, IL. Böcklinstraße 92, Telephon R 45-905. Abg. Grünbaum in Wien. Am 30. August trifft Abg, S, Grünbaum in Wien ein und wird am Samstag den 31. August in einer großen Versammlung der demokratischen Zionisten sprechen. Zeit und Ort der Versammlung werden rechtzeitig bekanntgegeben werden. Der Aufbaufonds im Juli. Im Monat Juli 1929 sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem an Spenden 39.212 Pfund eingegangen. Im Juni ,d. J. betrugen die Keren Hajessod» Eingänge 31.765 Pfund. Palästinensisch-arabische Studentenkonferenz. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Eine in Jaffa abgehaltene Konferenz arabischer Studenten ganz Palästinas richtete einen Appell an die Araber Palästinas, mit vereinten Kräften dafür einzutreten, daß Palästina zu einem unabhängigen Staat innerhalb eines arabischen Staatenbundes gemacht wÄrdo. Die Regierung wird aufgefordert, Palästina ein Parlament zu geben. Die Konferenz beschloß ferner, einen Kampf gegen arabische Grundstückhändler zu führen, die palästinensischen Boden an Juden verkaufen. w ~ ., der arabischen Nationalisten gegen die Juden bei der IClageftiatier und die scnWächfichb Haltung!, der Mästina*Regie* rung haben die jüdische Bevölkerung Palästinas.2U. ^eineraf&Äfi^^ Sie hhbeji die Verteidigung des nationalen Heiligtums in eigene Hände genommen und einen Selbstschutz gebildet. Von 5 Uhr morgens bis tief in die Nacht werden alle Zugänge von jungen Juden bewacht, und alle Angriffe der Araber zurückgeschlagen* Das neue Tor, welches die Araber in der Grenzmauer angebracht haben, uni Kamele, Esel und Pferde an der Klagemauer vorbei und durch die betenden Juden tteihen zü können, ist von jüdischen Wachen besetzt. Die Einleitung der Aktion bildete eine jüdische Demonstration, dann bezogen 2000 vom „B r i t h Trumpeldoor" organisierte jugendliche Mitglieder des Selbstschutzes ihre Posten. Die jüdische Jugend zog auch zum Regierungsgebäude und nötigte den derzeitigen Leiter der Regierung, ihre Forcierungen entgegenzunehmen. Als dieser die Abordnuug auf die zionistischen Behörden verwies, antworteten die Delegierten, daß sie in dieser Frage niemandem, auch nicht der zionistischen Leitung das nötige Vertrauen entgegenbringen können. Wieweit dieses Mißtrauen berechtigt ist, soll jetzt nicht erörtert werden. Aber es steht fest, daß sich diese Jugend das größte Verdienst um die jüdische nationale Sache erworben hat. Sie hat an Stelle fruchtloser Worte die Tat gesetzt; sie hat das Selbstbewußtsein nicht nur der palästinensischen sondern aller Juden - gehoben, und die Palästinaregierung -und die fanatisierten arabischen Nationalisten werden fortan damit rechnen müssen, daß die Juden kein willenloser Haufen sind, mit dem man unbehindert ein frivoles Spiel treiben darf. Der Zug am 9. Ab. Demonstrationen in Jerusalem. — Vorspräche im Regierungsgebäude. Aus Jerusalem, 16. August* meldet die J. T. A.: AmJ?ischa b'Ab, dem 15. Aügust, nachmittags, zogen^eh^ral», 2000 jüdische junge Leute, unter inne4^e^;ejg'a|ionen".ius:':T'.e 1-Aw i w und den j ü d i s c Ii'e'n "R:ü$/o n\i,e&>^/ ■ ' ' '; : mit zionistischen fransen* ■tlürcli: 'clie^ Straßen ' Jerusalems, ti '» , %m für die'~RM|e der Juden auf die Klagemauer: und gegen die die jüdischen Rechte beeinträchtigende Haltung d e r R e g i e r u n g undgegen die schwächliche Haltung der zionistischen Behörden zu demonstrieren. A ls der Zug den Platz vor der Klagemaxier erreichte, wurde die Hatikwah gesungen. Hierauf erhoben alle Anwesenden ihre Hand,-= uiiclo schworen, j e des Q p f e t \ f ü r. d i e M a u e r a 1 s j ü d i s c h e n B e s vi z zu bringen. , .; Eine Abordnung des Zuges begab sich nach deni Regierungsgebäude, wo sie in Anwesenheit des stellvertretenden Oberkömmissars, > Herrn Luke, von Herrn Mills empfangen wurde. Die Abordnung ' übergab Mills die von der Jugendversammlung, -gefaßten' Resolutionen, in denen gefordert wird, daß Großbritannien den Juden die Westmaner zurückgeben und die antizionistisclien Beamten entlassen möge. Mills versprach, die ihm übermittelten Resolutionen an. das K p 1 o n i a 1 a ni t in London weiterzuleiten, und ermahnte die Jugend, sich auf die jüdischen nationalen Institutionen zu verlassen, die die jüdischen Rechte vertreten. Er wies auf die Resolutionen des Zionistenkongresses und der Jewish Agency hin, sowie auf Weizmanns Ansprache auf dem Kongreß. Die Abordnung erwiderte, die jüdische Jugend wolle sich mit der Aktion der zionistischen Behörden nicht zufrieden geben. Eine Protestkundgebung von 10.000 jüdischen Bewohnern. Die J. T. A. meldet aus Jerusalem vom 16. August: Wie alljährlich am 9. Ab, veranstaltete die Jerusalemer traditionstreue Judenheit auch in diesem Jahre einen Pilgerzug zur Klagemauer. Im Hinblick auf die unter der Judenheit herrschende Erbitterung, wegen der Verletzung ihrer Rechte und de,r wiederholten Störungen der Andacht an der Klagemauer gestaltete sich der diesjährige Pilgerzug zu einer machtvollen, wenn auch stummen Protestaktion. Etwa 10,000 Juden schritten im Zuge. Die Ordnung war mustergültig, so daß die Demonstration ohne jeden Zwischenfall verlief. Am Tage vorher hatte der Distriktskommissar von Jerusalem, Major Keith-lloach, dem Oberrabbiner Kook mitgeteilt, daß im Zusammenbang mit dem Pilgerzug Unruhen stattfinden könnten. Oberrabbiner Kook erwiderte, wenn nur die Polizei für Ordnung sorgt, könnte nichts passieren, da seitens der Judenschaft eine Störung der Ordnung in keiner Weise zu erwarten ist. Der Distriktskommissar und der Polizeiinspektor von Jerusalem hatten sich persönlich an der Spitze eines Aufgebotes von mehreren hundert Polizisten, darunter eines Trupps berittener Pölizei, in der Gegend der Klagemauer eingefunden, um die Aufrechterhaltung der Otdnting zu überwachen. In Tel-Awiw , formierte sich nach Abhaltung der Trauergebete ein großer Zug, der Sich auf das Stadthaus zu bewegte. Eine Abordnung' der Demonstranten überreichte dem Stadtamte die Forderung der Judenschaft wegen Schutz ihrer Rechte an der^ Klagemauer. * Der moslemitische Rat. Der Oberste moslemitische Rat hat an das Kolonialamt in London und an den gegenwärtig in London weilenden Oberkoitimissar Sir John Chancello r Telegramme gerichtet, in denen darüber Klage geführt wird, daß die Juden den Status quo an der Klagemauer, wie er in dem diesbezüglichen Weißbuch der Regierung dargelegt wird, nicht anerkennen. Dabei wird auf die Stellungnahme des Zionistenkongresses zum Problem der Klagemauer verwiesen. Die Beter der Omar-Moschee sandten ein Telegramm mit ähnlichem Inhalt ab, das mit der Erklärung schloß, wenn die Juden sich an den Status quo nicht halten, werde ein er n 's ter religiöser Konflikt zwischen Moslemiteh und Juden ausbrechen. Ein neuerer Zwischenfall. Aus Jerusalem, 18. August, meldet die J. T. A.: Ueber einen neuen Zwischenfall am 1.6. d. ist zu berichten: Während des, Abendgottesdienstes an der Klagemauer fielen etwa hundert zum Teil mit Messern bewaffnete Araber über die betenden Juden her, schlugen auf sie ein, rissen ihnen die Gebetbücher aus den Händen und zerrissen sie. Zwei Juden erlitten sc h were Verletzungen. Charakteristisch ist, daß die Araber durch das mit Bewilligung der Regierung neu eröffnete Tor an der Klagemauer, das. einen Zugang zur Omar-Moschee bildet, auf den Platz,,vor der Klagemauer eingedrungen sind. Die Zionisten-] Die außerordentliche Weltkonferenz in Zürich. \ Während der Beratungen des Sechzehnten Zioni* stenkongresses tagte , in Zürich eine außerordentliche Weltkonferenz der ZionistensRevisipnisten. Vertreter von 24 Ländern waren anwesend. Die Zahl der revisionisti* sehen Stimmen.,zum'&Qngrßß~ hat sich von .8000 auf .18.000 erhöht, die Zahl der Delegierten von 10" auf '21." Ueberau1 zeigt sich gemäß den Berichten ein Aufsteigen der Be* wegung, besonders ein starkes Anwachsen des Brith •Trum peld o r. Die Beratungen - wurden ausgefüllt durch die Aussprache über die S t e' 11 u n g d e r R e v i* s i o n i s t i s c h e n Partei zur Jewish A g e n c y. Nach mehreren Nächtsitzungen kam die'Konferenz ' ein« stimmig zu dem Beschluß, sich bis aüf weiteres inkeiner Weise an der Jewish Agency zu beteiligen; demgemäß wurde der Kongreßfraktion der Auftrag erteilt, bei allen die Jewish Agency betreffenden Fragen sich der Stimme zu enthalten, mit Ausnahme der Frage der Auflösung der Jewish Agency. Die Konferenz ging von der Erwägung aus, daß die Jewish Agency in ihrer nichtdem'okratischeh Form ■abzulehnen sei und' ihrer politischen; Zielsetzungnach' ein Instrument ist, das der Verwirklichung des Judenstaats« ■ gedankens schädlich ist. Die Hinzuziehung von Nicht« zionisten zur politischen Leitung, die für . ihren Teil die •jüdische Nation nicht anerkennen, bedeutet einen Ver* zieht auf weitere Nationalisierung des jüdischen Volkes. Die Verwirklichung der Jewish Agency bedeutet das Ende der Souveränität der Zionistischen Organisation. Die revisionistische Union hielt es für zweckmäßig, für sich selbst nur die Zzionistische Orga« nisation und denZionistenkongreß als aü t o r i t a ti v e s O r g a n anzuerkennen, um'da* durch wenistens zu einem Teil diesem Organ seine Be* deutung zu wahren. Ein ariderer Beschluß hätte diese Organe weiter geschwächt, was zu vermeiden Ziel der revisionistischen Politik ist. Künftighin wird sich der Kampf zwischen dem Judeinstaat*Zionismus und dem phi* lanthropischen Zionismus auf dem Zionistenkongreß fort* setzen bis zu dem Siege der revisionistischen Bewegung. Die revisionistische Partei glaubt an die Wiederherstellung der Souveränität der Zionistischen Organisation, des Zio* nistenkongresses und an die Renaissance der judischen nationalen Bewegung. Zum Präsidenten der Union wurde Wladimir Ja* botinsky wiedergewählt; ihm zur Seite stehen zwei Vizepräsidenten, Meir Großmann und Richard Li cht heim, die zugleich mit hoch sieben änderen .Herren das Exekutivkomitee bilden. Sitz des Exekutiv* komitees ist London, wo vier Mitglieder der Exekutive ihren Wohnsitz haben. Weiterhin wurde als Organ der Partei ein zweiundvierziggliedriger Partei* rat gebildet. Ein gesichertes Budget wurde angenommen und, um die Aktivierung der künftigen Organisations* arbeiten durchzusetzen, beschlossen, die Herausgabe einer englischen, deutschen und jiddischen Zeitung in die Wege zu leiten. In den Kreis der künftigen Aktionen wurde die Tätigkeit für die Organisation „Sechutenu" und für den Tel*Chai*Fonds einbezogen.

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