Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 100 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1Ö0 DIE HBÜB WECT Seite 5 ...............»...... sehen Exekutive nicht gewährt? Die Antwort ist einfach: Es gab kein Erziehungsstatut. Die Erziehungsstatuten wurden in den Jahren 1920, 1926 und 192? ausgearbeitet, es gab aber keine endgültige Redaktion des Statutes. Die Bestimmungen widersprachen einander. Daher kam es, daß man von allen Seiten Klagen hörte. Nicht einmal als man ein neues Statut ausarbeitete, nahm mau sich die Mühe, die alten Statuten außer Kraft zu seücn. Die alten Statuten wurden den neuen hinzugefügt und so entstand ein Statut, das in der Wirklichkeit nicht durchzuführen war. Das Datum 1920, welches icli »jeannt habe, war das eines Uebcrcinkommens zwischen der Misrachi-Organisation und der Zionistischen Organisation, durch das der erste Sdiritt zur Einheit des Schulwesens getan wurde. Doch seither wurde das Statut geändert, die Einheit wurde nicht definiert, und wir haben nur den Paragraphen, daß der M i s r a c h i eine Einheit mit der Zionistischen Organisation anstreben soll. Der Misrachi hat in vielen Schulen eine Norm für sich etabliert. Nun könnte man sagen, daß das kein Grttncl zum Aergernis sei, weil es doch nur gut. sei, wenn dem Erziehungswesen in Palästina mehr Gelder zufließen. Es wäre tatsächlich gut, wenn eine Institution darüber entscheiden würde, wie diese Gelder anzuwenden sind, sogar innerhalb des Misrachi. Wenn aber der Misrachi an die Zentrale angegliedert wurde und sich dann nicht an die Nonnen der Zentrale hält, dann ist dadurch die Einheit des Systems gestört. Es darf dabei nicht vergessen werden, daß das, wenn nicht im gegebenen Augenblick, so doch in naher oder fernerer Zukunft eine Belastung des allgemeinen zionistischen Budgets wird. Zu diesem Berichte und zu den vorangegangenen Referaten sprachen die Delegierten Ostrowsky (Misrachi), Baraz (Hitachduth) und Remez (Ponle Zion). Der Revisionist Dr. Soskin befaßte sich mit der Finanzierung der Kolonisation. Auch das geplante Budget von 750.000 Pfund sei zu gering, da die Zahl der Personen, die man damit ansiedeln kann, hinter der Zahl des normalen Geburtenzuwachses der Araber zurückbleibt. Es gibt nur eine Möglichkeit der Finanzierung der Kolonisation, uiid das ist die Anleihe, und zwar in einem Maßstab, der hinreicht, um eine Massensiedlung durchzuführen, mit welcher der Zionismus steht und fällt.'Das neue Labour- Ministerium hat ein Gesetz eingebracht, das auch angenommen wurde, das sogenannte Colonisation Develop; ment Fund-Gesetz, wonach die englische Regie r u n g iü r d i e En t wie klung der Kolonie u, sowie der Mandatsgebiete,^ ins c h Ii e ßl i c h Palästinas, jährlich eine Million Pfund als Garantie von Anleihen ins Budget stellen kann, unier der Voraussetzung, 'daß die . Kolonien eine gleich hohe Summe aufbringen. Dies ist eine öffentlich-rechtlich bestehende Tatsache. Dies ist es, was wir brauchen, und nicht die Jewish Ageney. Unsere Auffassung ist: Anleih'epolitik als Staatsraison für Palästina. Nur damit werden wir die Mehrheit in Palästina schaffen. Es gibt keine andere Lösung. Herr S. Schocken führt aus: Die vierte Alijah (Einwanderung) war trotz ihrer Enttäuschungen eine echte nationale Leistung des einzelnen Zionisten in unserem Aufbau. Mehr als man zunächst glaubte, ist davon übrig geblieben. Der'Aufschwung in den letzten eineinhalb Jahren hängt stark mit den Auswirkungen dieser vierten Ali jah zusammen. Eine indirekte ' Auswirkung ist es zum Beispiel, daß wir erprobt haben, - Der Zionistenkongreß beendet Spalte 3 was nicht geht, was im kleinen geht -und im größeren gemacht werden kann. Ich kann nicht sagen, daß die gleiche Leistung von den verantwortlichen Leitern der amerikanischen Zion Commonwealth zustandegebracht wurde. Die Zion Commonwealth, die nicht unter unserer Verwaltung und nicht unter unserem Parteikampfe steht, ist eine Mischung von Privat- und Gemeinwirtschaft, an der sich das Gesetz der Wirtschaft erfüllt hat. Ihr Teilcharakter als Gemeinwirtschaft reichte hin, uns zu zwingen, daß wir uns . den gesamten Schaden. dieser Unternehmung aufbürdeten. Es ist ein billiger Heroismus, für eine große nationale Sache einzutreten, deren Folgen, wenn sie nicht gelingen, von der Gesamtheit getragen werden müssen. Hier zeigte sich einmal deutlich, welche Gefahren 'die heroische Wirtschaftsführung mit sich bringt, deren Ergebnisse in der Gemeinwirtschaft selten allgemein sichtbar werden. Großzügigkeit und Ungebunclenheit ist die Gefahr in der Führung unserer Geschäfte. Dr. Nahum Goldmaun: Auf dem vorigen Kougreß war es zumersten Male, daß eine Exekutive gewählt wurde, nicht gegen die oder jene Partei, sondern gegen das geschlossene Votum des gesamten Jischuw in Palästina. Das ist ein Fall, der nur zu erklären ist aus der Panikstimmung jenes vorigen Basler Kongresses, einer Panik, die angefacht zu haben bestimmte Gruppen im Zionismus das Verdienst oder die Schuld haben, und aus der man überhaupt erst dazukommen konnte, eine Rettungsexekutive zu wählen, die den Zusammenbruch des jischuw verhindern sollte. Die zwei Jahre sind vergangen und der Jischuw ist nicht zusammengebrochen. Aber wenn er diese Kriese überstanden hat, so glaube ich, daß es eine Pflicht der Gerechtigkeit ist, zu erklären, daß er sie zu 80 oder 90 Prozent aus eigenen Kräften überwunden hat und nicht durch die Kraft dieser Exekutive. (Lebhafter Beifall.) Das ist der Beweis für die Hysterie jener Panikstimmung, in die man uns vor dem Basler Kongreß und nachher hineingetrieben hat und aus der heraus die Wahl dieser Exekutive allein psychologisch möglich war. Die Probleme, welche Miß Szold hier aufgeworfen hat,, sind von ungeheurer, Wichtigkeit. Wenn das, was heute im Schulwerk vorgeht, weiter fortgesetzt wird, dann schaffen wir in Palästina zwei bis drei jüdische Völker und zwei bis drei jüdische Kulturen, die nicht mehr als die formale Gemeinsamkeit der hebräischen Sprache verbindet. Wir sind geeint im Namen des nationalen Gedankens und durch nichts anderes. (Zwischenrufe des Misrachi.) Ein letztes Wort über die Fonds. Wir sind alle froh, daß es zu einer Einigung zwischen dem Keren Kajemeth "und der Exekutive gekommen ist. Viel mehr Sorgen aber macht mir der Ke ren Hajessod. Es besteht die Gefahr, daß die Propaganda des Keren Hajessod in der kommenden Aera der erweiterten Jewish Agency in nationaler und zionistischer Hinsicht verwässert werden kann. Und es besteht eine noch viel größere Gefahr, daß auf Grund der jetzt bestehenden Friedensstimmung im Judentum, die wir proklamiert haben, der Keren Hajessod mit anderen Sammlungen zu einer einheitlichen Sammelaktion zusammengeworfen wird, aus der dann die . erste Quote für Palästina bestimmt wird. Ich glaube, das wäre das Ende des Keren Hajessod, der nicht nur ein finanzielles Instrument war, sondern auch ein großartiges Mi ttel der Erzieh u"n g, mit dem wir nicht nur Geld, sondern auch Menschen bekommen haben. Werfen Sie diesen Keren Hajessod nicht. in den großen Topf , F.: » SITMAR « Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern Ii ))UV»VII11I )fl Rundfahrten im Mittelmeer Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen —• Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: „Sltmar", I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon U-45009 is ■■ 1 11 ^ai der jüdischen Philanthropie. Machen Sie aus diesem Steuerfonds, aus diesem Staatsbürgerfonds des jüdischen Volkes keinen Almosenfonds. Ich' glaube, es ist meine Pflicht, in dem Moment, da zum letzten Mole auf einem zionistischen Kongreß als dem alleinigen Herrn dieses Fonds von ihm gesprochen wird, zu warnen. Es muß alles getan werden, um wenigstens in der Leitung dieses Fonds und in seinen Propagandisten die Ideologie des reinen zionistischen Geistes weiter zu erhalten. Dies ist eine Schicksalsfrage des Keren Hajessod. Verlieren wir ihn, dann verlieren wir das wirksamste Miitel, den reinen' Zionismus der großen jüdischen Oeffentlichkeit nahezubringen. Herr S a c h e r verteidigte in längerer Rede die Tätigkeit der Palästina-Exekutive. In der 12. Sitzung, am 6. August, abends, hielt Abg. Grünbaum das Kiiltürreferat, Er erklärte einleitend, daß er nicht im Namen der Exekutive spreche. Weiters 3agte Abgeordneter Grünbaum: Die Epoche, der Renaissance hat uns ein neues Ideal gegeben, das Ideal eines Juden, der gleichzeitig Mensch ist. Der Zionismus .h^at sich zum Ziel gesetz.t, einen J.ude(n z,U|j schaffen,;der geistig gap.z, i.s't. J^erj.,,^de'itso'Rte ein Kämpfer, werden,, kein. Dulder.. ..,Err,sollte nicht nur fähig, sein Opfer zu bringen, sondern imstande sein, seine Welt zu erobern, sein Volk, seine Heimat und seine Renaissance zu schaffen. (Beifa)*' Aus diesen Bestrebungen hat sich eine hebräische Kulturarbeit entwickelt. Es sind viele hebräische Schulen entständen, die vorwärts schreiten, sich verwurzeln und unter schweren Verhältnissen sich bemühen* den neuen Typus des Mensdhen, der der Renaissance gewachsen ist, zu schaffen. Diese Bewegung stieß auf große. Hindernisse. Vor dem Kriege hatten wir nur die Ver-, breitung der hebräischen Sprache und Kultur angestrebt. Jetzt gehen unsere Ziele weiter. Wir wollen die Erziehung der jungen Geheration voll beherrschen.. Wir, haben die Frage der kulturellen Arbeit in eine wichtige politische Frage verwandelt. Wir wollen uns nicht mit den Möglichkeiten begnügen, die uns gegeben sind, und uns den Verhältnissen anpassen, die in den verschiedenen Staaten herrschen. Wir. wollen günstige Bedingungen schaffen. Wir kommen zu den Regierungen und fordern unsere vollen Rechte, die jedes Volk für die Erziehung seiner jungen Generation besitzt. Dieser Kampf ist schwer, nicht nur weil die Regierungen unsere Forderungen nicht erfüllen wollen, sondern weil man uns nicht "glaubt. Man glaubt nicht, daß unsere Bestrebungen und unsere Wünsche natürliche sind und unseren Lebensbedürfnissen ent-. stammen. Man glaubt, daß dies eine künstliche Sache sei. Die Regierungen glauben, es werde ein. Jahr, es werden zwei Jahre verstreichen, und diese Bewegung werde an sich selbst zugrunde gehen, die Juden werden sich den neuen Sprachen und neuen Kulturen anpassen und das Hebräische vergessen. Diese Regierungen haben nichts dagegen, daß die Juden das Hebräische in dem Maße lernen, wie man es in Westeuropa lernt, als Zusatz zur allgemeinen' Kultur und zur herrschenden Sprache im Lande. Wir fordern aber, daß die hebräische Sprache und Kultur kein Zusatz sei, sondern die Grundläge, die unser gesamtes Leben umfaßt. Sie so\l zum Zehtrum unseres kulturellen Lebens werden. Darin ist der große Unterschied zwischen uns in den osteuropäischen Ländern und unseren Brüdern, die sich mit hebräischer Arbeit in Amerika, in England und in anderen Westländern beschäftigen. Dort betrachtet man das Hebräische als Zusatz, wir betrachten es als unsere Hauptkultur, als unser Hauptrecht und kämpfen für die Anerkennung dieses Rechtes. So wie die anderen Völker berechtigt sind, ihre Kinder in ihrer nationalen Umgebung zu erziehen, auf den Grandlogen ihrer nationalen Kultur, so fordern wir auch für uns ein solches Recht anf eine volle Erziehung. Darum sprechen wir von einer ganzen Schule, von einer ganzen Erziehung. Der Kampf ist schwer, wir haben aber gewisse Erfolge erreicht und es besteht kein Zweifel, daß wir, wenn wir die Sache weiter fördern, eine volle jüdische Erziehung erreichen werden auf Grundlage der hebräischen Sprache, der hebräischen Kultur, Erez Israels und der hebräischen Cliahiziüth. (Beifall.) Wir streben auch im Gallith an, das weite Programm zu schaffen, wie wir es für Erez Israel geschaffen haben. Wir wollen keinesfalls in unserem Parlament, wie der Kongreß einmal'von Herzl genannt wurde,1 die Polemik über die erzieherischen Fragen erwecken. Wir setzen keine Beschränkungen, wir wollen jede kulturelle Tätigkeit, die auf der Basis, .der hebräischen Sprache, Erez Israels und der Cha 1 uziuth errichtet ist, umfassen. Es ist uns einerlei, ob in diesen Schulen ein religiöser Geist herrschen wird oder nicht. (Zwischenruf vom Misrachi: Es ist 'Joch ein Unterschied!) Für uns ist es aber - einerlei, wir wollen nur die allgemeine günstige Umgebung für alle unsere Schulen schaffen, in denen alle Fächer im Hebräischen unterrichtet werden, außer denjenigen selbstverständlich, in denen uns die Regierung zwingt, die Landessprache zu gebrauchen. Alle diese Schulen sollen uns gehören, ob. sie religiös sind .oder nichtreligiös, wie dies in Erez Israel der Fall ist. . Wir wollen die. Grundlagen für. die Entwicklung dieser Schulen schaffen und. daher glauben wir, daß die Zeit gekommen ist, um dem Kongreß einen Vorschlag über die Errichtung eines besonderen Departements für die hebräische Kulturarbeit im Galuth innerhalb der zionistischen Exekutive zu unterbreiten. (Beifall.) Wir glauben auch, daß die Zeit gekommen ist, wo . man dem Kongreß vorschlagen sollte, einen besonderen Fonds für die Kulturarbeit im Galuth zu schaffen. (Lebhafter Beifall.) Del. J a b o t i n s k y unterstützt die Forderungen des Referenten und verlangt die Organisierung der Hebräischsprechenden. Er kommt dann auf die Universität in Jerusalem zu sprechen. Alle Großstädte Europas sind voll von jüdischen Studenten, die nach Beendigung ihrer Mittelschulstudien in Erez Israel dorthin gekommen sind, um die Hochschulen zu frequentieren, weil die Universität in Jerusalem ihnen nicht genügt. Zweite Palästinareise 5689, 2. September bis 1. Oktober 1929. Für die vom Verband demokratischer Zionisten m-. sammen mit dem Paflestine Tooiring Club Wli-en verans-ta^tete Palästinareise können noch Anmeldungen bis 25. d. M, cnt-. gegengenoramen werden. Doch empfiehlt es sich im Unter* esse der Reiset'eitoehmier, die Anmeldung so 'rasch als möglich voräuwetaen. "Prospekte ' und Auskünfte durch das Sekretariat der Reiseledtueg: Frau Berta Taubes, Wllen, II., ©öcMwis-traße 92, Tel. R-4'5-905.