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Die neue Welt · 1929-08-16 · Heft 100 (16.8.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 100 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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' Seite Dfl? NEUE WELT Nr. 100 Same Vorrecht und die gemeinsame Verpflichtung der Jüdischen Gesamtheit. Mit dem heutigen Tage Wird die Verantwortung Jn die Hg-fl.de der erweiterten Agency gelegt, in der sich die Vertreter der Judenhett fast aller Länder zusammenfinden. Die erste Epoche des Palästiniäaafbaiues, aus der der Name Edmond de Rothschild hervorragt, ist abgeschlossen. Die Zionistische Organisation hat die erforderlichen politischen Schritte getan, "«frt die A n e r k e n ri tf ri g des jüdischen Rechtes auf eine Heimstätte in Palästina duroh die Völker au erhalten. Die Balfour-Deklaration richtete sich an die gesamte Judenheit, und es ist dsaher nur folgerichtig, wenn wir Minmehr an die jüdischen Gemeinden der Welt herangetreten sind, um die Kräfte des Gesamt Judentums für das Auübauwerk zu mobilisieren. Die Liebe und zähe Hingabe der jüdischen Einwanderer reichen zur Lösung der Aufgabe nicht aus, wenn nicht auoh wirtschaftliche Erfahrung, technische Fähigkeiten und bestimmte Machtmittel hinzukommen. Nach manchen Rückschlägen steht Palästina heute am Beginn einer verheißungsvollen Epoche, und es wird eine Aufgabe der Jewish Agency sein, Mittel und Wege zu finden, um die Möglichkeiten für eine jüdische Einwanderung, für die Vergrößerung der Bodenflächen und die Fundierung wirtschaftlicher Positionen zu schaffen. Als Hauptaufgabe der Tagung bezeichnet Dr. Weizmann, eine Verfassung für die künftige Jewish Agency, die die Funktionen des Artikels 4 des Mandates zu erfüllen haben wird, zu beschließen. Auf Grund des vorbereiteten Entwurfes, der vom Zionistenkongreß mit einigen kleinem Aenderungen angenommen wurde, dürfte eine Einigung leicht erzielt werden. Das gegenseitige Vertrauen und die gemeinsame praktische Arbeit an einer allen teuren Sache wird, so hoffe er, die heute noch vorhandenen Verschiedenheiten überwinden und den Ausgangspunkt für eine neue große Einheit, die auf gemeinsamer Verantwortung und. gemeinsamer Liebe zum Judentum beruht, bilden. In diesem Sinne glaube er, daß der heutige Tag, der 5. Ab 5689, als historischer Tag in den Annale« der jüdischen Geschichte verzeichnet bleiben werde. Minister Dinichcrt ' vom Eidgenössischen politischen Departement entbietet der Tagung die Wlillkommensgrüße der schweizerischen Bundes- und Kantonalbehörden, sowie ihre Wünsche zum Gelingen der Jewish Agency. Herr Frees von der Mandatssektion des Völkerbundes begrüßt die Tagung im Namen des Völkerbundes und erklärt im Auftrage des Generalsekretärs des Völkerbundes, dieser hoffe, daß der jetzt unternommene Schritt,', um die Jewish- Agency auf eine breitere Basis zu steilen, sich günstig', auf die Verwirklichung der im Mandat festgelegten Ziele auswirken werde. Dreyfus-Brodsky spricht im Namen des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, sowie der israelitischen Kuliusgemeiude Zürich, Rabbi Lipszyc begrüßt, daß -die Aufbauarbeit im Heiligen Lande nunmehr' Sache des gesamten jüdischen Volkes werden solle und drückt' seine Hoffnung aus, daß durch die Agency auch denjenigen jüdischen Volksteilen der Weg zum Anschluß geebnet werde, die in unserer Mitte heute noch fehlen, weil sie aus religiösen Gründen ihren Drang nach Erez jisroel noch unterdrücken zu müssen glauben. . Rabbi Vziel überbringt in.feierlichen Worten die Grüße der Knesset« Jisrael in Erez Jisrael, die sich freue zu sehen, wie auch die Knesset« Jisrael der Gallith sich bildet. Sir Herbert Samuel würdigt die großen politischen, wirtschaftlichen und administrativen Verdienste der Zionistischen Organisation und spricht seine Ansicht dahin aus, daß diese Ihre Sonderexistenz auch weiterhin nicht aufgeben, sondern ihre eigene ursprüngliche Kraft entwickeln werde, um die entscheidende Begeisterung der Massen des jüdischen Volkes zu wecken. Es war von der Zionistische« Organisation richtig, daß sie mit staatsmännischem Weitblick die Sitze im Council der Jewish Agency denen anhat, die. mitarbeiten wollen. Aber es ist auch •richtig, daß, sie die Präsidentschaft der Jewish Agency behält P o Ii ti s ch i st die Situation in Palästina schwieriger, aber keineswegs ungünstig. Die jüdische PalästinÄsache, so versichert -.Samuel,; werde in Großbritannien die Förderung jeder Regierung und jeder Partei finde«. Er hoffe, daß die Jewish Agency, . die unter den Augen der Geschichte arbeile, alle äußeren und. besonders auch inneren Schwierigkelten überwinden und das gemeinsame Werk zum Erfolg führen werde. Herr MarshaU bezeichnet als den Zweck dieser außerordentlichsten Versammlung, an der er je teilgenommen habe, die Vereinigung der Zip nisten und Nichtzionisten für den Aufbau Palästinas herbeizuführen, Ei sei davon überzeugt, daß. bei allen Meinungsverschiedenheiten als Ergebnis der Organisierung der erweiterten Jewish Agency Palästina aufgebaut werden wird.. Das noch vorhandene Mißtrauen werde schwinde«, wen« mau sich gegenseitig kennen lerne. Auch wenn jede Patrei durch' &m berechtigt se4{ nach ihrer Art zu wirken, so sei es Die 100. Nummer. Die heutige Numme* «näeres Blattes, die hundertste in der Reihe, ist mehr als ein kalendarischer Anlaß, Itir sich selbst einen Rückblick auf das fast zweijährige Wirken zu gewinnen. „D i e N e ti e W e 11" ist in einem Zeitpunkt der schwersten organisatorischen Krise des Österreichischen Judentums tihd des Zionismus, nach verlorenem Kampf um eine Vertretung der jüdischen Interessen in den politischen Körperschaften von Staat und Stadt, nachdem das stärkste publizistische Bollwerk, das jüdische Tngblntt „Wiener Morgenzeitung", gefallen war und die allenthalben eingerissene Gleichgültigkeit, Fahnenflucht, Hoffnungslosigkeit sich vertieft hatten, auf den Pinn getreten. Ein unabhängiges jüdisches Organ war zur Notwendigkeit geworden; ein Organ, das rein und kompromißlos die Ideale des neuen Judentums zu vertreten hatte, um dem wahren Kern der jüdischen Renaissniicebestrebung, dein' unverfälschten, von a 11 en Seiten unterminierten HerzL-Zionismus, der Demokratisierung des jüdischen Lebens im Sinne des jüdischen Volkstums in Oesterreich und überall, wo Juden leben, der Hegemonie des nationalen zionistischen Gedankens Geltung zu verschaffen. Dieser Aufgabenkreis umschließt in seinem ganzen Umfang die programmatische Einstellung der radikalen Zionisten (Verband der demokratischen Zionisten) und kennzeichnet damit den Weg, den unser auf Initiative des Führers der Wiener demokratischen Zionismen Robert S t r i ck e r gegründetes Blatt gegangen ist* „Die Neue Weif' hatte,Woche um Woche, hundertmal den Mut und die Zuversicht, von neuem zum Aufbau des österreichischen Judentums aufzurufen und uns alle vor die Entscheidung zu stellen, ob wir gewillt sind, unser Judentum dem vollständigen Verfall anheimzugeben oder es wieder zu einem lebensfähigen Faktor für das um seine Neugestaltung ringende-W£.1t ju'd'entum zu machen. In diesem Sinne konnte die „Neue Welt" mit dem Temperament der, TJna^liängigkeit und Wahrhaf tigkeit Widerhall, .Ariliängersdiaft. w-hfl begeisterte Zustimmung aus. alletn o^iich'tejiy'' dej* jüdischen Welt finden und so Kräfte des Judentums wieder in Funktion setzen, von einer Stadt ans, die man mit Recht . für die neue Zeit ,',ir' va'*cm l}e'|israel", d.. j/$tadt iind Mütter in Jisrael, neUneh dürfte, als, aiti .Greburts- statte des politischen Zionismus, der Wirkens- und f |lulies|ä.|te ^teodpi* j Herjds, $er -Aii^iC:)i^'^eü- } ]^h^m^Mm^^^^ c^lÄd^^a^^alear; Sozialismus. & yiiHtf!{$%•'• W^Y^^.^>:^% i \ ■ ■ * " >"S'fv'-'5^"i'^V/^^'(''^"''''-V;V;-.^f. . j Im Bestreben, unsere poi^^^^Ve^pfli^iÜ^^ zu erfüllen, ^aben.^ir^I^ahe^ i^ä'^r^^kenden' £rije politischen und rkii,lt.urelteii Weihte des .neuen Jüd entüms vermittelt ütfä^dairiifc eitii&.ipj^ für die zionistische und jüdische Weiterarbeit geschaffen. Unsere Arbeit war früchtbar. Ein Unerwartet großer Erfolg in der ganzen jüdischen Welt ist uns zuteil geworden. Er bestärkt uns in der Ueberzeugung, daß wir auf dem, richtigen Weg sind und ihn wie bisher unabhängig, unerschrocken und kompromißlos für Zionismus und Judentum weiterzuschreiten haben. „Die Neue Welt." mmmxmA <mtmwmmmMMimimmmimuBa doCh die- Hoffnung aller^ daß eine' Verbindung eintreten wird, sobald man mit der praktischen Arbeit beginne. Die Zeit des Träumens ist vorüber. Setzen wir uns daher zusammen, aber nicht um zu reden, sondern um praktisch zu d e n k e n, Dieses Programm wird zum Erfolg führen, wenn man von ,der Einigung zwischen Zionisten und Niohtzionisien auch keine Wunder erwarten darf. Wenn man von Palästina s p r i c h t,' s o 11 man g e s c h ä f t l ieh s p r e c h e n im Sinne e i.n es Durch st.c «h nd 11 s m e n a c heu, der vorwärts kommen will. Es sei jjiber ein Fehler, wenn man in den Amerikanern nur Geldsäqke sehe. Ihr Wohlstand lediglich verpflichte sie als Juden, ihren Brüdern zu helfen. Aber Geld kann nicht alles tun, imd wir stehen Schulter an Schulter mit den Zionisten, geleitet durch das gleiche Ideal der Pflicht. 'Marshall weist wettet auf die Bedeutung, auch d e r, R e 1 i g i p n im Aufbauprogramim hin und gibt, . indem er auf. den bevorstehenden 9. Ab - Bezug nimmt, seiner Hoffnung 'Ausdruck, daß ein Tag der Freude kommen werde, am dem wir alle verstehen werden, daß wir ein Volk sind und uns in einem Geiste vereinen. Professor Einstein sieht die Tragik des modernen. Juden darin, daß er wohl ' eine Nation repräsentiere, aber eine Nation, die atomisiert äst. Herzl habe den ■ Ausweg aus dieser, tragischen Situation erkannt, nämlich die Errichtung eines eigenen Heimes. So klar aber dieser Gedanke war, er wurde yon den Juden nicht verstanden und bekämpft, weil man fürchtete, er könne die Positionen der Juden \n den Wohnländern gefährden. Heute sehen wir, daß Herzl gesiegt hat. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Palästinaaufbau heute nicht .nur eine große Aufgabe, sondern auch ein großes Geschenk für alle Juden bedeutet. Der tapferen und begeisterten Minorität der Zionisten, der die nationale Solidarität des jüdischen Volkes zu verdanken ist, müsse daher das moralische Recht eingeräumt werden, auch in Zukunft einen bedeutenden Einfluß auf die Arbeiten auszuüben. Lord Melchett begrüßt die Tagung als Präsident der englischen zionistischen Föderation. Er sage offen, daß das Mandat noch nicht verwirklicht worden sei, er hoffe aber, daß die erweiterte Agency einen stärkeren Einfluß in dieser Richtung werde ausüben können. Den Optimismus von Sir Herbert Samuel in bezug auf die politische Lage in Palästina könne er nicht teilen, und er sei überzeugt, daß die Errichtung des nationalen Heims einzig und allein von uns selbst abhänge. Die Vorbedingung für diese wohl schwerste Aufgabe ist die Einigkeit innerhalb der Jewish Agency. Leon Blum erklärt, daß er als Soziallst der heutigen Tagung nicht beiwohnen würde, Wenn das zionistische Werk wirklich, wie manche behaupten, nichts anderes wäre, als der Ausdruck des jüdischen. Nationalismus und Fanatismus. Denn der internationale Sozialismus strebe danach, die Nationen in einer höheren Menschlichkeit zu vereinen. Nun sehe er aber gerade im jüdischen Gemeinwesen in Palästina, das unter dem Schutze aller anderen Nationen und des Völkerbundes steht, die Antizipation der kommenden internationalen Nation. Palästina kann ein wunderbares Versuchslabqratorium für alle Reformen sein, die. den Weg der Revolution der Weltwirtschaft bezeichnen. Es muß ein nach demokratischen Grundsätzen autgebautes Palästina werden, dessen Arbeiterorganisationen allmählich die politische Macht übernehmen. Auch wenn er es für nützlich halte, daß Palästina sich gewissen Formen, des modernen Kapitalismus nutzbar mache. Um sein Ziel zu erreichen, muß Palästina , aber auch die öffentliche Meinung aoif seiner-Seite haben, und diese wird von zwei •Gruppen von Menschen gebildet: von denen, die denken, und vön denen,. <lie arbeiten; In diesem Sinne begrüßt Blum auf der-einen Seite , den größten Denker der Gegenwart, Prof. E/instein, und auf der anderen die sozialistische Arbeiterorganisation Palästinas, die er ,als eine. Wertvolle Gewähr dafür'bezeichnet, daß •'die'-palästinensische Arbeiterbewegung eine bedeutsame Rolle bei der Verwirklichung der' Ziele des internationalen Sozialismus spielen Wird. '■'>.'■ \ ...... Direktor Oskar Wassermann .begrüßt; die .Tagung im Namen der nichtzionistischen. deut- /S.c.hen Delegation,,.hint&i- -der:. zwar,noch nicht .alle.:ideutschen Juden,-, aber. 1 hr groß' t er Teil.stehen» Er weist .darauf, hin, , daß die Nichtzionisten viel mehr mitbringen •als- .Geld,' nämlich i h r. m o r al.i s e h e s G ewich t, Verständnis für die Bedürfnisse Palästinas und vor allem die jüdische Einheit. und. Einigkeit. Auch die Nichtzionisten wissen, daß Fortschritte . nur erzielt werden können, wenn' die J ug end -ml t u n.s , i s t, und sie werden nichts zulassen, was den Enthusiasmais der jüdischen Jugend lähmt. Der Jischuw in Erez Jisrael darf .nicht das Objekt, sondern.. muß. das Subjekt unserer' Tätigkeit, sein, wie ja die Juden überhaupt durch den Palästinaaufbau zum ersten Male wieder S u b je k t ih r e r eigenen G.e schichte werden, Felix Warburg spricht seine Zuversicht aus, daß in der Jewish Agency -die Juden aller Schattierungen ihre Differenzen beiseite lassen und in Einigkeit zusammenarbeiten werden. Das Werk wird gelingen, wenn man aufhören wird, zuviel zu beobachten und zu kritisieren und anfangen wird, mehr zu arbeiten. Er empfindet den heutigen Tag als ein persönliches Glück und verspreche alles, was in seinen Kräften steht, zum Erfolg der gemeinsamen Sache zu tun. Ussischkln;. wendet sich am heutigen Tage, an dem die dritte Epoche der jüdischen Renaissancebewegiing beginne, an die NichtjZionlsten und fordert sie auf, mit den Bausteinen, ,die die Zionisten ihnen mitbringen, der Balfaur-Delclaration, der Chaluzbewegung, über 1 Million Dunatn jüdischen Boden, über 100 jüdische Kolonien, einer lebenden hebräischen .Sprache,, der hebräischen Universität und dem Enthusiasmus der jüdischen Weit, Palästina aufzubauen, Sie sollen aber schnell bauen, weil wir keine Zeit haben zu warten und auch nicht warten wollen. Er wünscht den Menschen mit den grauen Haaren, die hier anwesend sind, daß sie noch die Zeit erlebe«, da Palästina aufhört, Palästina zu sein und Erez Jisrael wind. In seiner Schlußansprache führt Nahuin Sokojow am: Wir betrachten die Nichtzionisten als Zionisten. Ihre Aufgabe müsse es sein, mitzuarbeiten an dem Bau der großen Sukka'h, die ein Symbol des Friedems ist. Unter der Fahne von Erez Jisrael werde ein Brith Schalom ge-i schlössen. Auch unsere alte Religion bildet ein einigendes Moment. Die Zionistische Organisation bringt ein großes. Vermögen im Qeiste Herzls mit. Wir müssen mm gemeinsam Realitäten schaffen, müssen aber auch Träumer sein.' Die Opfer, die gerade die Juden Amerikas ohne Gegenleistung für Erez Jisrael bringen, beweisen, daß wir Juden, die als Praktiker, Rechenmeister und Krämer hingestellt werden, die größten Idealisten gen

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