Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 99 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 99 Bevor Sie reisen DIE NEUE WELT -H- Seite II Badeanzüge, Frottiermäntel, Pyjamas, Damen*, Herren- und Kinder-Wäsche, Strumpf- und IfAIMIMAM ff |A mmm mmmmm I Strickwaren etc. En gros — en detail DLniIIIHnU U hl II Kommen Ale ZU UnSa infolgekfeinerRegien spottbillig! I, Rabensteig3 I BERGMANN (Ecke SeitenstettengaiSQ) Gesamtibetrag des ihnen verliehenen Stipendiums übersteigenden Ausibildunigs'kosten in der Kramkenpilegeschule der Oesterreiohischen Gesellschaft vom Roten Kreuze in dem Falle rüdk®uersetzen, daß die Stipendistwinen tatsächlich eine dreijährige Dienstzeit als Pflegeschwestern im Spital oder in der Versorgungsanstalt der Israelitischen Kultusgemeinde zurücklegen. Bewerberinnen wollen ihre -mit den Personaldokutnenten und der Bestätigung, daß sie utn die Aufnahme in die Krarrken'p'flegeschule der Oesterreiohisöhen Gesellschaft vom Roten Kreuze angesucht haben, versehenen Gesuche bis spätestens 20. Auigust 1929 in der Amtsdire'ktion der Israelitischen Kwltusgemeinde Wien, I., Seitenstetteng. 4, III. Stock, einbringen. Dasölbst sind die Aufnaihnisbeditigufligen der otoerwähnten Krankenrpflegeschule unentgeltlich ertiältlich und werden auch die näheren Modalitäten der Verleihung des Stipendiums "bekanntgegeben. Wien, 31. Juli 1929. Der Vorstand der Isr. Kultusgemeinde, Wien. Die Ritualmordlegende von Damaskus. Def verhaftete Jude freigelassen. Aus Jerusalem, 30. Juli, meldet die J. T. A.: Die Ritualmordlegende von D a m: a's fc u s, die der Juden* schaft dieser Stadt, des Schauplatzes der historischen Ritualmordunruhen von 1840, schwere, Sorgen bereitet hat, hat nun schnell ihre Aufklärung gefunden. Der Jude Schalom Chattah, der unter der Beschuldigung de3 Ritualmordversuches an einem Mädchen verhaftet worden war, ist nun freigelassen worden, dagegen würden die beiden Frauen, die ihn des Ritualmordes bezieh* tigten, zu je 14 Tagen Gefängnis und je 100 Syrische Pfund Geldstrafe verurteilt. . Eine der beiden Frauen ist die Mütter jenes Mädchens, das angeblich Chattah in einem Sack forttragen wollte um an ihm einen Ritualmord zu begehen. Der Berichterstatter der Warschauer Tageszeitung „Najer Hajrtt", der soeben aus Damaskus in Jerusalem eingetroffen ist, schilderte die Einzelheiten der Affäre Chattah in folgender Weise: Chattah, Färber von Beruf, überbrachte der Mutter des angeblich zum Ritualmord ausersehenen Mädchens einen Sack mit Kleidern, die er von ihr zum Färben entgegengenommen hatte. Der Mutter gefiel die Arbeit nicht und sie verweigerte die Zahlung des geforderten Betrages. Chattah. bestand aber auf Zah hing, worauf die Frau zu rufen begann, Chattah hätte versucht, ihr fünfjähriges Töchterchen zu rauben und in den Sack zu stecken. 1 Sofort hatte sich der Pöbel der Umgebung angesam* melt, der über Chattah herfiel und ihn fürchterlich mißhandelte. Herbeigeeilte Polizei ließ die Angreifer ungeschoren, ver* haftete dagegen den erheblich verletzten Chattah. Sofort machten sich Agitatoren an die Arbeit, streiften durch die christlichen Stadtviertel und hetzten die Bevölkerung gegen die Juden auf. Eine Menge von mehr als tausend Christen block'-*-'- das Ge« fängnistor und forderte die, Auslieferung Chattahs, um ihn öffentlich zu lynchen. Der, jüdischen Bevölkerung von Damaskus hätte sich eine schwere Panik bemächtigt, man, wagte nicht, die von Christen bewohnten Stadt« viertel zu betreten. Die Behörde veranstaltete eine öffentliche Verhandlung des Falles, die unzweideutig ' i bösen Willen der Mutter des Mäd* chens und einer ihrer Freundinnen ergab. Darauf wurden die beiden Frauen verurteilt, während Chattah sofort auf freien Fuß gesetzt wurde. Gegen zwölf der Agitatoren, die versuchten, die Menge;zu Gewalttaten gegen die Juden aufzuhetzen, wird noch gerichtlich vorgegangen werden. Aus den geheimen Archiven des ' Vom Juden Plonskivder Zion aufrichten wollte, V ,.:. Nach, einer Bearbeitung von Dr. Max Weinleich.r ' - , im Jahre 1821 in Warschau. Polen hätte j allem Material an die kaiserliche Kanzlei nach Petersburg* die Illusion seiher Selbständigkeit: eine In seinem Begleitbrief schrieb Konstantin an den Kaiser: ■ . _ . i 1 ■ .- , - Es war damals noch die Illusion seiner Selbstäridigk____ eigene Regierung, eine eigene Armee: Aber im Schloß Bei* vedere saß der Mann, dessen Auge darüber wachte, daß die Polen nicht al' sehr ihre . Selbständigkeit genießen. Das war des Zaren Bruder, der Großfürst. Kon« s t a n t i n. Polen war mit Rußland vereinigt, der russische Kaiser war gleichzeitig König von Polen und Konstantin und seine Getreuen waren jene, die stets ein wa^^mes Auge für verbotene Dinge hatten. Unter Konsfantins Helfern befand sich auch der Fanatiker N o w o s i e b ce w, der polnische Torquemada. In Eurpa gärte es damals. Napoleon war gerade auf St. Helena gestorben, aber selbst aus seinem Grabe heraus erinnerte sein Schatten die Tyrannen Europas an die französische Revolution. In Südeuropa war gerade eine neue Revolution ausgebrochen. Das griechische Volk erhob sich zum Kampf gegen seine türkischen Unterdrücker und die radikale Jugend ganz Europas gab stürmisch ihrem Mitgefühl Ausdruck. Die Angst vor der Revolution, der „griechischen Krankheit", herrschte auch in Rußland am Hofe des Zaren Alexander I., der sich von einem liberalen Reformator zu einem finsteren Macht* haber entwickelt hatte. Es bestand die Gefahr, daß der griechische Unabhängigkeitskampf Polen zur Nachahmung verführen könnte. Der Großfürst Konstantin hatte, zur Bespitzelung de polnischen KevÖlkerung ein ,,sohwarzcs Kabinett" eingerichtet, wo jedes Schriftstück auf „Konter« bände" geprüft wurde. . '; . . . « ,..-/ Irn Dezember 1821 sandte das „schwarze Kabinett" zwei jüdische Briefe an die Kanzlei des, Nowosielcew, nicht deshalb, weil man darin etwas Verdächtiges gefun« den'hatte (im Kabinett'konnte niemand Hebräisch oder Jiddisch lesen), sondern weil der Ort des Absenders su Verdacht Anlaß gab -7 die Briefe an einen Warschauer Juden stammten aus Konstantinopel'l . Nowosielcew ließ die zwei Briefe durch den be« kannten jüdischen Zensor J. Tugend hold prüfen und ins .Französische übersetzen und der Karczleibeamte Bau» kow (ejn Russe, der kein jüdisches Wort verstand) he» stätigte4 die Korrektheit der^Üeb^rsetzung. Diese* Ueber* setzuhg ging an Nowosielcew, ,deV Uber den Inhalt sehr aufgebracht war und einen genauen Bericht an, Konstan» tin sandte. Konstantin, stimmte mit Nowosielcew darüber überein," daß die Angelegenheit außerordentlich wichtig sei, da sie dem russischen Imperium großen Schaden brin« geni könne, wenn man nicht-rechtzeitig die Verschwörung watdeske. Daraufhin ging ein ausführlicher Bericht mit „Dieser.Tage 9ind mir zwei Briefe aus Konstan» tinopell zugestellt worden, 'die an einen Juden, einen Bewohner Warschaus, adressiert sind. Aus ihrem In« halt, der hier beiliegt^ ersieht man, daß sie von einer Person der gleichen Nationalität geschrieben sind, die zusammen mit vier anderen Juden irgend eine Mission im Hdiligen Land ausführt; Die Ausdrücke, die im zweiter* Brief unterstrichen sind, legen anscheinend Zeugnis davon ab* daß der Abgesandte seine Mission nach dem Willen derer ausgeführt hat, die ihn abge» schickt haben, und daß er1 anscheinend die Hoffnung hat, Jerusalem werde aufgebaut Und ein jüdischer Staat errichtet werden. Wenn sich dieser Jude, der Verfasser des Briefes, in Polen zeigen sollte, werde ich ihn sofort verhaften lassen, zusammen mit seinen Dokumenten, denn es ist möglich, daß man in den Pa* pieren Material über seine i Genossen in Odessa finden wird, mit denen er in Beziehung steht." Der eiste Brief war aus K o n s t a n t i n o p e 1 Ende Dezember 1821 abgegangen. Der Schreiber, Salman P1 o ü s k i, ließ seinen Eidam Josef in Warschau wissen, daß er in Frieden aus Palästina zurückgekehrt sei und bald mit Gottes Hilfe, zuhause eintreffen werde: „Fern von dir hier in der Stadt Konstatinopel, bitte ich Gott, daß dir Friede sei, dir, meinem gottgeliebten, gelehrten, gerühmten, reichen Eidam, dessen teurer Name Josef ist, und Friede sei auch deinem;Weibe, meiner Tochter, deren wohlklingender Name* Jutte ist, und auch allen Kindern, die entsprossen sind ihrem Schoß." Dann beschreibt er seine Erlebnisse in Palästina, wo Gott ihn mehr als ein« mal aus großen Gefahren errettet habe. Jetzt kehre er heim'mit einer Gruppe anderer Juden, die ebenfalls nach Palästina gepilgert seien. Den .Ausdruck „pilgern"* (ole regel) übersetzte Tugendhold ins Französische mit ^missionaire", was sich dem Ausdruck „seine Mission erfüllen" nähert. Nowo« sielcews „scharfer Blick" sah in den Palästinajuden Mis« sionäre einer geheimen Organisation, die sioh hohe puli» , tische Ziele gesteckt habe. Eine Bestätigung dessen fand er auch in dem dajrin befindlichen Psalmvers „Die mit Tränen säen, werden mit Singen ernten", ohne natürlioh zu wissen, daß es sich um ein Psajrazltat handle, und diese Zeile W eine Drohung Salman Plonskis gegen die Feinde seines geheimen Unternehmens ansah. Spezielle Aufmerksamkeit schenkt ■> das „schwarze Kabinett" folgendem Satz des Briefes:-„Ich werde hin» gehen zu dem bestimmten Ort un4' werde euch alles mündlich erzählen." Der Schreiber wollte damit sagen, daß er nachhause kommen werde. Aber das schwarze Kabinett verstand es dahin, daß die gehe^e Organisation dächtiger war der Inhalt des zweiten Briefes, der anfangs Ihm einen bestimmten Ort angewiesen habe. Noch vor« November von Odessa abging. Plonski hatte sich luf seinem Weg verspätet, es fehlte ihm Geld und er bat seinen Schwiegersohn Josef, ihm 50 Thaler für die Reise zu schicken, und zwar durch Braudes' Bankhaus auf die Adresse der Odessaer Judengemeinde. Er sparte noch weniger mit hohen Anreden als im ersten Brief, und das schwarze Kabinett folgerte daraus, daß der Warschauer Josef einer der Führer der jüdischen Konspiration sei. Es war auch im Brief von vier Abgesandten, mit denen er aus Palästina fuhr, die Rede, darunter von einem ge« wissen Katreil aus wilna. Der Schluß rf Briefes lautete: :,Die Neuigkeiten, die ich aus Palästina bringe, werden alle jüdischen Herzen mit Freude und Hoffnung erfüllen. Das Königreich unseres Volkes ist nioht mehr fern und die Jugend Jerusalems und seine Einwohner werden Zion , aufbauen helfen." Einem Menschen, der wenn auch nur ein wenig mit den Gedankengängen eines. frommen Juden vertraut ist, wird allesverständlich. Für Nowosielcew* der für alles den Blick des zaristischen Beamten hatte, stand die Sache so, da ßdie „jüdischen Reichen", von denen. Plonskis Brief spricht, die Geldgeber einer geheimen Organisation, seien und Braudes' Bankhaus vielleicht deren finanzielle Zentrale, die von der Odessaer Judengemeinde kontrol* liert werde. Der Zweck der Organisation, die das ganze Imperium umfasse (sehen wir doch einen, ihrer Agenten in; Odessa, einen zweiten, der aus Wilna stammt, einen dritten, der aus Warschau abreist), sei die Errichtung eines jüdischen,Staates in Palästina. Es war klar, daß England hier seine Hand im Spiel habe - und daß es .die Juden, zur Unterstützung .der, Türkei .gegen Rußland organisieren wolle. Daß England die Juden pro* tegiere, könne man auch aus anderen Momenten schließen; sprach man doch damals sehr .lebhaft von Zuteilung bür« gerlicher Rechte an die Juden in England. Zionssehnsucht und Verrat. Salman .Pt iski wußte,, inzwischen nichts von. der großen politischen Rolle, die er im Konflikt .zwischen Rußland und England spielte, und fuhr ruhig nachhause. Der Gouverne von Odessa stellte ihm einen ordnungs* mäßigen Paß aus 1 am 27. Dezember 1821 kam der alte Plonski in Warschau an. . Hier wurde er sogleich auf Befehl des Großfürsten verhaftet und .in Brühls Palast, dem Gefängnis fdie wichtigsten Verbrecher, einge« kerkert. Die bei ihm gebundenen Papiere würden zum Teil Wort für Wort Französische übersetzt, zum Töil in* direkt' wiedergegeben; Nowosielcew. unterstrich j alle, ihm besonders verdächtig, : erscheinenden Stellen und über,, sandte „das ganze Material" an den Kaiser: es waren dies größtenteils ..Privatbriefe, in . jiddischer, und hebräischer Sprache, die durch Landsleute von Palästina nach Ruß« land befördert wurden, da, es damals, noch keine reguläre Post gab. In einzelnen Briefen war die Rede von Chaluka« Geldern, die in den russischspolnischen Städten gesam« melt und durch einen Vertrauensmann nach Jerusalem gebracht wurden. Auch beschwerten 'sich darin mehrere Personen der polnischen Landsleute über die ungerechte Verteilung der Gelder, darunter der Raw der polnischen Gemeinde in Jerusalem Mehachem Mendel Boruchowitsch. Unter den bei Plonski gefundenen Briefen befand sich auch die Mitteilung Menachem Mendels nach Warschau, ■ daß es den polnischen Juden nach langen. B3« , mühungen gelungen sei, das Recht zur Errichtung einer eigenen Synagoge in Jerusalem zu erwirl-m. Nowosielcew deutete diesen Brief in seiner Weise. Was ihm besonders verdächtig erschien, war die Tatsache, daß die Juden sich direkt an die Türkei wandten, ohne Vermittlung der Regierungen, unter denen sie lebten,;.da,sie von der Türkei die. Erfüllung ihres Traumes, d. i. die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, erhoffen. Dieses Hinneigen zur Türkei bringe eine Vernachlässigung des Staatsge* fühls mit sich und könne sich gegebenenfälls sogar in Verrat verwandeln.. , Wie Salman Plonski sich verantwortete. Nachdem Nowosielcew das Schriftstück nach Petersburg abgesandt hatte, ging er selbst ans Verhör des verhafteten Plonski. Er arbeitete nicht weniger als 155 Fragen aus, von denen jede einzelne geeignet war, Plonski in Verwirrung zu bringen. Der Verhaftete antwortete einfach und klar auf alle Fragen: er stamme aus dem Städtchen Plonsk, daher auch sein Zuname, sei 70 Jahre alt, wohne schon länger als 30 Jahre in Warschau, sein Vater sei Kaufmaa gewesen und er selbst habe ebenfalls Handel getrieben* Letztens habe er sioh vom gesohäft* 0er Naturfreund und die Photographie. Auch draußen in Wald und Flur kann sich der Naturfreund grün und blau ärgern, denn gerade an den schönsten Stellen liegen die Reste einer Rastpartie, m Form von \reggeworfenen Papierfetzen und Speiseresten. Auch die achtlos weggeworfenen Filmlaschen und Rollfilmschachteln der Kmpser gehören dazu. Der bekannten Firma Schering-Kahlbaum A. G. ist es zu danken, daß diesem Umfang in sehr praktischer Weise gesteuert .wird. Sie verbindet Nützliches mit Angenehmem, indem, sie auch dieses Jahr, ein großes Sammemreisausschreipen dieser weggeworfenen Filmlaschen und Rollfilmschachteln ausgeschrieben hat, Auf unser Befragen^ te%tiös die Firma Scherihg-Kahlbaüm A. G., Wien, VI,, Web* Sasse 3 a, mit, daß jeder Amateur auf Anfragen die Beingungen zu diesem Wettbewerb kostenlos zugesandt erhalt,