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Die neue Welt · 1929-08-09 · Heft 99 (9.8.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 99 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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r Nr. 99 DIE NEUE WELT Seite % Zentrums ki unserem Direktorium so frei und so unparteiisch bammelten, wi,e diese sogenannten FHigel* Vertreter. Ob sie Instruktionen von ihren Parteien be* kommen, weiß ich nicht» Aber daß einige vom Zentrum Instruktionen bekommen, das weiß ich. Lassen Sie diese Flügel Phobie. Ich wäTe »lücklich, wenn wir anstatt ittnf oder sechs Parteien ein gauzes Judentom hätten. Ich wäre noch glücklicher, wenn das im Lande möglich wäre.. Aber das Leben ist anders und wenn es so ist, muß man politisch ehrlich sein und darf nicht sagen: alles bei mir ist gut, alles was links und rechts äst, ist schlecht. Wejin es Flügel gibt, dann gibt es einen dritten, der am nieteten parteiisch ist, und der sitzt in der Mitte. Ich als absolut un* parteiischer Mann stimme für die Sache und* nicht für die Partei. MALERARBEITEN SCHÖN DAUERHAFT BILLIG Hermann Baumgarten XX, KarI-Heißi-Straße © 3 Am 1. August dauerte die Generaldebatte fort. Es kamen zu Worte: Dell Gluska (Yemenite), Dr. F. Bernstein (Holland): Die Agency ist — das wissen wir alle — eine er* ledigte Angelegenheit. Und wir müssen sehen, etwas daraus zü machen. 1 Der Präsident der Organisation rühmt sich, daß er das Statut uer Jewish Agency nicht gelesen hat. Bei uns in Holland geht man bei einer großen Fusion anders vor, indem man die Fusionsgrundlage genau prüft und die Sache sorgsam und sachlich vorbereitet. Aber wie es bei uns geschieht, das ist nichts Neues, und wir wußten, daß es nicht anders werden wird. Wenn wir zu den Nichtzionisten gehen und jetit sagen, säe mögen Mitglieder unserer Organisation werden, so können sie noch so viel von Idealen, von Antisemitis» mus, von jüdischer lvultur sprechen, die Leute werden immer fragen: Warum sollen wir in diese O r g a» n i s a t i o n? Wir haben unseren nichtzionistischen Teil in die Jewish Ager.oy gewählt und die e Agency macht ja den Aufbau; was sollen wir also in der Organisation? In dem Augenblick, da wir erklären, die Jewish Agency habe mehr oder weniger das Basler Pr\.j-unm übernom» men, denn das Basler Programm sei ja in der Balf our» Deklaration enthalten und diese wieder im Mandat, so unterschreibt der Nichtzionist das Basler Programm, aller» dings auf Umwegen. Freilich hat man durch interpreta* tionen noch nicht aus dem Mandat die geschlossene Sied» lung herauskriegen können und die Verfügung über Re» gierungsböden und daher sind diese Dinge Gegenstand aller unserer Diskussionen mit der Regierung. In dem Augenblick, da wir das Ziel der Agency mit dem zionistischen Ziel1 gleichsetzen, ist die Zeit der Zionistischen Organisation vorbei. Dann heißt es eben andere Formen suchen. Aber zu sagen, die Zionistische Organisation müßte erhalten, ja gestärkt werden, und nicht zu sagen, w i e das geschehen soll, das ist unmöglich. Daher ist es das erste und höchste Erfordernis, nicht bloß Maßregeln von organisatorischer Art zu ergreifen, wie sie hier im Programm stehen, sondern deutlich zu machen, welches die besondere Aufgabe der Zionistischen Organi« sation in der Zukunft sein muß. Ich glaube, daß diese besondere Aufgabe vorhanden ist. Die Politik, die uns hier interessiert, ist eben das* jenige, was wir von der Regierung verlangen müssen, um eine Kolonisation möglich zu machen, die zur Bil» dung einer Mehrheit in Palästina führt. Wenn wir . diese Mehrheitsbildung nicht anstreben, dann haben wir die Regierung nicht nötig. Die Zionistische Organisation ist nötig und hat ihre Bedeutung darin, daß wir die treibende Kraft seih müs» sen, nicht bei der Geldsammlung (das ist eine ganz ver* kehrte Vorstellung), sondern um die Garantien zu schaff fen, daß das Ziel1, das für uns Zionisten wichtig ist und die anderen Herren nicht interessiert und nicht interea* sieren kann, daß dieses Ziel Kolonisation allein nicht ist, an der die anderen auch mitarbeiten können, sondern mehr, etwas, das uns für das ganze Leben Inhalt bedeutet. Wir müssen über dieses Ziel einig sein und das kann nicht dadurch geschehen, daß man Diskussionen darüber als „Ideologien" abweist und daß man sagt; wir bauen in Palästina und ihr redet und schreibt Bücher. Wenn Sie der Zionistischen Organisation keine besondere Aufgabe zu* weisen können, und zwar nicht auf dem Gebiete des Chinuch,' der keine vitale Funktion der Zionistischen Organisation ist, dann können Sie sie nicht erhalten. Die Kolonisation steht seit fünf Jahren still und wird noch, zwei Jahre stillstehen, und der Betrag, der ausgeworfen ist, ist so klein, daß es auch länger dauern kann. Ich möchte darüber nur sagen, daß der Bericht der Ex per« tenkommission erschienen ist, der etwas anderes ist als der der Joint Survey Commission, ein Buch von 800 Seiten, das neunzig Prozent aller Zionisten, die über zionistische Fragen seit langen Jahren sprechen, nicht gelesen haben. Ueber diesen Report stand in der zionistischen Presse nichts als in den letzten Tagen eine Annonce in „New Judaea". Die Konklusionen des Ex» pertenberichtes decken sich mit einem Bericht, der der Zionistischen Organisation schon früher vorgelegt wurdet mit dem Bericht der Reorganisationskom* m i s s i o n, de Liame*Sonne, der damals ebensg' verschwiegen wurde, wie dieser Bericht verschwiegen worden i s t. Und solange solche wichtige Dokumente verachwie» gen werden, kommen wir aus unserem Zustand in Pa» lästina nicht heraus. Weiters sprach der Delegierte Dr. Martin Bubef (Hitachduth), nach ihm Del. Katzenelson (Palästina), Oberrabbiner Dr. Landau (Johannisburg), Meier Großmann (Revisionist),. Jakob Fishmann (New York), X Naiditsch (Paris). Dr. M. Soloweitschik (Radikaler) . Was Weizmann über unsere InterventionsmÖglich* keiten in der Sache der Zionisten Verfolgungen in Rußland gesagt hat, war symptomatisch für seine ganze Politik. Man kann kaum weniger staatsmännisch reden als er getan hat. Es ist eine falsche Politik, in der Öeffentlichkeit über das Maß seiner eigenen Kräfte so zu sprechen. Man muß wohl seine Kräfte kennen, aber ob man darüber in dieser Weise reden soll, ist eine große Frage. Weizmann ist vielleicht ein guter Politiker in der Zeit des Aufstieges, aber er ist es keinesfalls für die Zeit, wenn es schlechter geht. Er verliert die Nerven. Auch das, was er hier überWise gesagt hat— ich will schon gar nicht über die Form seiner Ausführungen sprechen -~, war unpolitisch. Man darf nicht nur an die Wirkungen nach außen denken, sondern auch an die Wirkungen nach innen, auf die zionistische Öeffentlichkeit. Was ist der Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten? Diese Schicksalsfrage des Zio* nism us lastet drückend auf unserem Kongreß. Es gibt verschiedene Theorien über diesen Unterschied von Zio» nisten und Nichtzionisten. Eine dieser Theorien besagt, daß der Unterschied darin liegt, daß alle Mitglieder der künftigen erweiterten Jewish-Agency an sich zionistisch sind, nur daß die Zionisten auf demokratischem Wege gewählt sind, die Nichtzionisten auf einem anderen. Da aber auch die Nichtzionisten auf einer möglichst, dem 7* kratischen Grundlage gewählt werden sollen, so bleibt für den Zionismus nichts anderes übrig, als daß er eine zionistische Kurie innerhalb der Jewish Einmalige Mlon-Omte« uTAJerKilo^^ Straße 35 » Telephon lMl-0-97 Agency zu bilden hat. Wir stehen auf einem ent» gegengesetzten Standpunkt als dem eben geschilderten, der dadurch besonders 'an Bedeutung gewta&t, 4fcß er aus offiziellen Sphären stammt. Der Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzio» nisten ist kein zufälliger und kein formaler, sondern er ist der Ausdruck der ganzen sozialen Struktur des jüdischen Volkes. Und wir wetden uns nicht von den grundlegenden Theo* rien des Zionismus; wie sie unsere geistigen Führer ge< schaffen haben, düfeh Unternehmungen abbringen lassen, die Ausgeburten Von Nervosität und Hysterie sind. Wir sind; überzeugt, daß es noch große Ausein* andersetzi/ngen geben wird. Und wir wollen unsere Posi» tionen im voraus dichefnv Wir sind uns alle darüber einig, daß die Heratiziehung neuer Kräfte eine Notwendigkeit war. Aber die Form, in der es geschieht, birgt in sich: große Gefahren; ) : . Darum halten wir es für unsere Aufgabe, zu schützen, - was wir haben: die Zionistische Organisation, ihre In* stltutioneh Hirid^vor allem den Kongreß. Deshalb wollen wir auf diesem Kongreß dafür kämpfen, daß es eine eigene .Zionistische Exekutive geben soll; welche nicht Unbedingt mit der Exekutive der Jewish Agency verbunden sein soll, und daß die zionistische Delegation einheitlich auftreten soll mit gebundenen Man» daten. Ith" be'dautfe sehr, daß Weizmann er» Klärt hat, daß:er die Konstitution nicht ge* lesen ha.t. Wenn eirtdPräsident eiiiem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegt und erklärt, daß er ihn nicht ge» lesen habe, So ist .das wohl nichts anderes als Koketterie. Marshall, der doch der zweite Führer im Judentum ist oder werden soll, h a. t| d/e n Entwurf gut s t u d i e r t. Und es ist notwendig, ihn zu studieren, weil die Konsti» tution ein historisches , Dokument ist. Darum ist es ein Unding, wenn man kommt und uns auffordert: Sagt ja oder nein. Wir haben darüber zu verhandeln, denn-es gibt noch >wichtige, Punkte, die beschlossen werden, müssen: die Wahl der Exekutive,; die Sicherung zionistischer Interessen und vor allem, die wichtigste Frage, die der Auf«» lösung. Denn das ist die-Frage von Leben und Tod der Zionistischen Organisation. Der Kongreß darf sich nicht terrorisieren lassen.. Wir, sind in der Agency und jene kommen zu uns. Und,wenn jene nicht kommen sollten, dann werden wir-weiter in der. Agency bleiben. -C l Die Klagemäuer; Erklärung der Exekutive* — Entsendung einer Abordnung nach London. In der 9. Sitzung (Freitag, den 2. August, nachmit» tags) sprachen Dr. Klee (Berlin), Del. Tursz (Ma» rokko), worauf namens der Exekutive Herr S ach er auf die in der Debatte geübte. Kritik .antwortete. Sodann ver» las Präsident Sokolow die folgende Erklärung der Exe» kutive zur Frage der Klagemauer: Seit dem Zusammentritt des XVI. Kongresses haben die Exekutive und viele Delegierte aus Palä« stinä direkte Nachrichten erhalten, aus denen hervor« geht, daß die von der palästinensischen Regierung den mohammedanischen Behörden erteilte Erlaubnis, in unmittelbarer Nachbarschaft der Klagemauer gewisse Bauarbeiten auszuführen, unter der jüdischen BevöU kerung Erez Israels tiefe Besorgnis hervorgerufen' hat. Diese Arbeiten würden zum ersten Male die Errioh« tung direkter Verbindungsmöglichkeiten zwischen dem Haramgebiet und einem arabischen Hause mit sich bringen, das unmittelbaren Zugang zu der jüdischen Gottesdienststätte hat. Die Exekutive hat die autoritative Ver« Sicherung erhalten, daß die Ausführung dieser Arbeiten keinerlei Handlung im Gefolge haben wird, die geeignet wäre» Belästigungen oder Störungen der jüdischen Beter hervorzurufen. Die Exekutive hat zwar die ihr von der PalästinfeRegierung über ihre Ab« sichten gegebenen Versicherungen entgegengenom« men, hielt es jedoch für Ihre Pflicht, die Aufmerksam« keit auf die Tatsache zu lenken, daß die Oeffnung "einer direkten Verbindungsmöglichkeit zwischen dem Haram»Gebiet und der jüdischen Andachtsstätte ge« rade jene praktische Wirkung haben kann, die nach dem Wunsche der Regie« : rung und unserer eigenen gerechten Forderung unbedingt vermieden wer den; soll. Dies aber Ist die Seite der Frage, die bei allen Juden in Palästina und in der ganzen jüdischen Welt tiefe Erregung hervorgerufen hat. Alle legalen Rechte, die die Eigentümer der Grundstücke, an denen die Arbeiten ausgeführt werden sollen, besitzen mögen, sind bedingt und' begrenzt durch die an» erkannte Pf lic bt der palästinensischen Regierung, das Recht der Juden auf un« gestörte Andachtübung an der Klage* mauer zu schützen. Entsprechend, den Wünschen des. Kongresses i und im Einverständnis, mit der politischen Kommission ent» sendet die .Zionistis'chb 'Exekutive unverzüglich eine Dele» gation nach London,'um "an maßgebender Stelle die ernste Besorgnis, mit der der Kongreß die gegenwärtige Situa» tiön betrachtet,' auszudrücken. Der Staatssekretär soll auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, werden, Mafy nahmen zu ergreifen, die den von .der Regierung bezüg«, lieh der Ausübung der jüdischen .Rechte am Kote} Maaravi erhaltenen -Versicherungen praktische. Wirkung gibt, und ferner Garantien zu schaffen, damit der eigent» liehe Charakter des 'Platzes vor dem Kote! Maaravi als einer öffentliehen Gebet*» und Ahdachtsstätte in keiner Weise angetastet'-' wird. •': i Die Delegierten erhoben sich von den Sitzen. Die Er klär ung;: wurde angenommen. Vorsitzen» der Motzkin unterbrach zum Zeichen det Trauer d i e S it;z u n g. Nach Wiederaufnahme wurde beschlossen,- H e r z'l : i rr: d a s g o 11 d e n e B u 'o h des jüdischen Nation'alf onds einzutragen. Namens der Exekutive sprachen hierauf Professor Brodetsky, Sokolow und Ruppln. Wochen^Kaiender August . 1929 , 3* wann :. Aw 5689 9 Freitag 3-a ':) [ . ' Sabbateingang 6.50 Samstag .. i.i i .'. . 4-n . Sabbatausgang 8.— vrw flirr nibsri •P'röT . 11 Sonntag 5-n 12 Montag 6-1 13 Dienstag "7~rv / 14 Mittwoch /S-rf-'' *5 Donnerstag flHö:?■ > 3H3 nywn

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