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Die neue Welt · 1929-08-09 · Heft 99 (9.8.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 99 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 99 DIE NEUE WELT Seite S 1 HÄUSER IN WIEN) übernimmt zur Verwaltung I behördlich autor. Gebäudeverwalter I N.Weichseibaum, VIII.,Pfeilgasse 34, Tel.B-H-505 I Kulante und fachmännische Interes- I senvertretung. Prima Referenzen. I vorwärts geht, wie wir es uns vorgestellt hatten, im Gohis sowohl wie in Erez Israel. In diesem Momente entstand die unglückliche Losung, die Losung der Ungeduld: „Wir können nicht warten, sonst kommt die Katastrophe". Diese Losuaig kam aus wehem, gebrochenem Herzen, ebenso wie die Losung aus Uganda aus gebrochenem Herzen gekommen war. Und daraxis entstand die „Heraniziehungspolitik". Es ist keine neue Losung. Auch Herzl hat herangezogen, doch mit anderer Methode: er hat annektiert, hat inkorporiert. Unsere Methode des Heramizleihens aber ist auf dein Prinzip des Bündnisses, der Partnerschaft aufgebaut. Das Wichtigste aber ist der Tag nach dem Siege. Was wird am Tag nach der Agency sein? Wir hatten gedacht,- Buch zu überzeugen, daß Ihr erkennet, was am Tage< nach der Agency sein wird, und dann werde die Agency nicht zustande, kommen. Doch wir haben kein Gethör gefunden. ■ Was wird nun in Palästina? Man hat das jüdische Volk dadurch gewonnen, daß man sagte, die Agency wind die Mittel hergeben. Jetzt aber sagt man, seid vorsichtig, es wird nicht soviel Geld da sein. Glauben Sie wirklich, daß 750.000 Pfund Sterling da sein werden? Ich will nicht über den Keren Hajessod im Namen von Weidmann und Marshall sprechen, sondern im Namen von Weizmann allein. Einmal hat Wetemanu gesagt, wenn er einen Scheck auf den Tisch lege, so w ü r d e i c h a nders reden. Damals wäre das vielleicht ein übles Geschäft gewesen. Jetzt ist es nicht einmal ein Geschäft. Damit im Zusammenhang steht die Frage der A u f i ö s u n g.. Man hat uns ein dreijähriges Provisorium zubeschwören. Wir von der Opposition waren es, welche die Probeehe abgelehnt haben, die Amerikaner haben sich dafür eingesetzt, jetzt sagt man uns, daß eine Probeehe nicht möglich sei, doch eine Scheidung sei möglich. So weit,' so gut, aber wir sehen, da8 diese Scheidung nur möglich ist mit qualifizierter Mehrheft. So ist die Probeehe geradezu in eine katholische Ehe verwandelt worden. Die A u f 1 ö s u n g s f r a g e .g i b t uns die ei nzige Möglichkeit, die Lage zu retten, iIlde m wir beim B<e s c h I u ß des letzten K o ngresses beharren. Es entsteht noch die Frage, was mit dem Zionistischen Kongreß seön wird. , Er hat ein Budgetrecht und seine Budgiefekommission wird .auch ein Budget besdhließen, aber das Budget kommt vor den Rat der Agency. Was für eine Bedeutung hat das für uns? Jeder wird' auf der Sitzung des Rates nach seinem Gutdünken handeln. Wenn Sie noch etwas erreichen wollen, so nehmen Sie den Vorschlag an, den wir machen wollen: Bindende Beschlüsse sollen gelaßt werden und Uhr Misrachisten, Ihr Chwerim von der Hitachduth und Poale Zion, Ihr werdet das Eurige nur mit den Kräften des Zionismus durchführen. Wir sollten uns nicht von Fremden Kräfte borgen, wie wir mit fremden Händen das jüdische Leben nicht ändern' werden. Ich möchte mur ein Wort an Präsident Wei'zmann richten, 'leider ist er abwesend. Es war zur Zeit, .als er noöh ein armer Privatdozent war und ich Student. Weiziriann hielt in Warschau eine zionistische Rede. Ich erinnere mich au eine seiner Reden. Weizmann sagte: „Ich fühle imich ails Mensch unter Menschen nur drei Tage im Jahre. In jedem Jahre, wenn der Kongreß 211sammenfkomm t." Der Kongreß hat damals immer drei Tage gedauert und in diesen drei Tagen, so sagte Weizmann, fühle ich mich als freier Mensch, als Mensch, der weiß, was seine Stimme bedeutet, und daß er seinen Willen durchsetzen 'kann. Es sind nun Jahre verstrichen, ich bin zum Deputierten lim polnischen Sejm geworden. Ich habe weite formelle Möglichkeiten, meine Stimme entscheidet in bezug auf die Lage weiter Voliksmassen. Eis gibt aber nur einen Plate in der Welt, wie der Rabbi im Dybulk sagte, und es gibt nur einige Tage im Jahre, da ich mich als freier Mensch ifühle. Ich weiß, daß ich dann in der Entscheidung über meine Angelegenheiten mitstimme. Dies ist' das Alerheiligste du dem jüdischen Volksleben. Erst hier wird, der Jude frei. Erst hier können wir unseren Willen frei ausdrücken und nach unserem Willen geschieht etwas und wird etwas geschaffen. Und Ihr, meine Herren von der Exekutive, Ihr habt uns den Kongreß zerschlagen, das Helligste entweiht, es uns genommen, den helligsten Tag und den heiligsten Ort. Gott und die jüdische Geschichte mögen Ihnen hierfür danken. ('Stürmischer minutenlanger Beifall.) Namens der oürgerlichen Zionisten Palästinas sprach dann Suprasky, TeUAwiw, der die einzelnen Forderungen der palästinensischen Judehheit aufzählte, gleichfalls an der Palästina^Regierungmanches auszusetzen hatte, im übrigen jedoch der E x e* kutive sein Vertrauen aussprach und die Er« Weiterung der Jewish Agency billigte. * In der Abendsitzung vom 30. Juli sprach ferner Dr. Reich (Lemberg), worauf Vorsitzender Motzkin dem in Jerusalem verstorbenen hebräischen Schriftsteller S. Tschernowitz einen Nachruf hielt. Dr. Stephen Wise: Ich werde über drei Dinge sprechen: Ueber die Mandatsregierung, über die Frage der Behandlung der Zionisten in Rußland und über die Jewish Agency. Erstens über die britische Regierung. So wie es in Indien eine Non*Cooperation*Bewegung unter Gandhi gibt, so gibt es auch in Palästina eine NomCooperatiomBewegung, indem die Regierung an dem Aufbau der jüdischen Heim* statte keinen Anteil nimmt. Ich möchte wissen, wer daran glaubt, daß die Regierung, wie es in der Balfour«DekIara* tion versprochen wurde, die Errichtung unserer Heim* Stätte erl'eichtert. , Nehmen Sie z. B. den Fall der Klagemauer. Das war eine Schandtat und eine tiefe Verletzung der jüdi« sehen Seele an unserem heiligsten Tag. Die Entschuldigung war, daß ein untergeordneter Beamter diese Tat verübt hat. Und nun frage ich: Weshalb ist er noch in Palästina? Meiner Meinung nach hat die Regierung selbst nicht die Schuld, sondern die unteren Beamten, die uns fortwährend schikanieren. Deshalb ist es unsere Pflicht, höflich, aber energisch der Regierung, deren Partner wir sind, zu sagen, daß wir nicht ein Objekt der britischen Philanthropie, sondern wirkliche Partnör der Engländer im Aufbau von Palästina sind. Wir haben vor ein paar Tagen gelesen, daß die Regierung dem Oberrabbiner Kuk mitgeteilt hat, daß sie nichts da* gegen hat, daß die Araber ihre Bauarbeiten am Kotel Maarawi fortsetzen. Dafür brauchten wir keine Balfour*Dekl'aration. Es ist Mode geworden, übev das schreckliche Schicksal der Zionisten in Rußland zu schweigen. Hat man geschwiegen, weil die Juden ges fürchtet haben, daß das Schicksall der Juden in Rußland schlimmer werden würde? In Amerika haben wir ge* schwiegen, weil wir fürchteten, daß, wenn etwas über Rußland gesagt werden würde, es als Majestätsbeleidigung gegenüber dem Joint Distribution Committee betrachtet werden würd \ Neulich haben die Zionisten in Südafrika eine Protestresolution gegen die Arbeit eines langjährigen Zionisten in. Südafrika für die jüdische Kolonisation in Rußland angenommen. Es wurde in New York gesagt, daß,- als der Führer der Nichtzionisten in der. Agency von diesem Schritt der Zionisten in Südafrika erfuhr, er Herrn Morris Rothenberg rufen ließ''und ihm sagte: „Das ist ein Bruch des Vertrages mit. den Zionisten." (Zwischenruf Rothenberg: „Sie sind falsch informiert, Herr Marshall hat keine Einwendung gegen die Protestresolution ge* macht, er hat sich nur darüber beschwert, daß, wie er durch ein Telegramm von Herrn Bernard Alexander er« fahren hatte, das Gerücht in Südafrika verbreitet wurde, daß ein großer Teil des Geldes, welches vom Joint Distribution Committee für jüd/sche Kolonisation zur Verfügung ge* ste*/t wurde, für Sowjetpropaganda« zwecke verwendet werd e.") Die Zionisten von Südafrika haben über diese Frage eine In später Nachtstunde nahm Präsident* W e i zmau-u das Wort zu seinem Restnuc: Ich werde vorerst einige Worto über die politische Lage sagen. Ich habe nicht eine einzige Tatsache über die politische Lage in Palästina versehwiegen. Ich habe zugegeben, daß auf gewissen Gebieten Teilfortschritte gemacht worden sind. Ich habe gleichzeitigt gesagt, daß auf verschiedenen, sehr wichtigen Gebieten wenig erreicht worden ist. Dies in einem Bericht, der von der Exekutive kommt, zu betonen, ist meine Pflicht. Es ist außerordentlich populär, gerade in diesem Milieu die Regierung anzugreifen. Auch ich könnte leicht meinen Applaus erringen, wenn ich hier einen Angriff auf die Regierung machen würde. Ich habe es nicht getan. Ich habe weder die Regierung verteidigt noch angegriffen. Ich habe nur Tatsachen festgestellt. Unsere Stellung der Regierung gegenüber hängt von zwei Üiugen ab. Von unserer eigenen Kraft — und wie Sie sie einschätzen, hat man von verschiedenen Rednern gehört — und vom öffentlichen Gewissen der Welt, inwiefern die Welt es versteht, daß unsere Sache eine gerechte Sache ist. Denn nicht wir allein haben über die Dinge zu urteilen: Unsere Entscheidung allein gilt nqeh nicht; es gilt auch in großem Maße die Entscheidung der Welt. Und ich kann mir nicht helfen: die Welt wird die englische Regierung viel milder beurteilen, als wir geneigt sind, es zu tun. Das Forum, das da urteilt, die englische öffentliche Meinung, die öffentliche Meinung in Völkerbundkreisen, der aufgeklärten zivilisierten Welt, die wird vielleicht sagen, ja bie und da könnte die Regierung anders handeln. JZ&)nAel£>* r- *ßu&oi%* -«f^f^ der gesaraten Körper-, Teint- und Haarpflege. Naturhellmittel und Rezepte zur KÖrperverschönung und Telntverjüngerung. 2. Auflage. S 8.— In allen Buchhandlungen. Prospekt gratis. Verlagsexpedition: j. Sußmanit^ Wien l.( Safztorgasse 7, Tel. 11-24*4-43 Vertreter allerorts gesucht. Erklärung herausgegeben, welche jeder Zionist bereit sein sollte, zu unterzeich* nen, und ich habe ihnen dazu gratuliert. Dr. Weizmann hat etwas über Einmischung in die Arbeit der politischen Leitung gesagt. Es wird keine Ein« mischung stattfinden, wenn die politische Arbeit gemacht wird, aber wenn sie nicht gemacht wird, würde mich nichts daran hindern, das zu tun, was mein Gewissen gebietet. Ehe ich Amerika verlassen habe, habe ich mit einem fuhrenden Staatsmann in Washington über die Frage der Zionisten in Rußland gesprochen, und er hat mir gesagt, er hoffe, daß die englische Regierung, die jetzt über die Wiederanknüpfung der politischen Beziehungen mit Sowjetrußland verhandelt, alles tun würde, um das Leben für die Juden in Rußland erträglich zu machen und die Angriffe auf die Zionisten einzustellen. In London habe ich einige Mitglieder der neuen Regierung gesprochen und ich habe wohlwollendes Verständnis gefunden und ich glaube, daß die Re« gierung diese Frage im Auge behalten und ihr Bestes im Interesse der Juden und der Zionisten in Rußland tun wird. Wenn Weizmann zu jener Zeit in London gewesen wäre, hätte ich ihn sicher gesprochen und ihn ersucht, mich zu begleiten. Jetzt möchte ich den Vorschlag machen, daß auf der : Sitzung des Council der Jewish Agency Dr. Weizmann und seine Kollegen im Council die Agency ersuchen > sollen, ein mutiges und klares Wort des Protestes gegen die russische Regierung auszusprechen und für. ' eine Stunde die jüdische Kolonisationsarbeit in Rußa! land zu vergessen. Ich bin für die Jewish Agency (Beifall), aber nicht zu jedem Preis oder unter allen Bedingungen. Ich bin für eine Agency mit Garantien. Es bleibt noch' mehr zu erreichen und wir sollten von Weizmann ver* langen, daß er noch gewisse Bedingungen durchsetze. Wir sehen in dem Entwurf der Verfassung der Agency, daß noch nicht alle Punkte beschlossen sind. Die Nichtzio* nisten werden zusammenhaltend Werden die Zionisten auch wie ein Mann zusammenhalten? In dem Brief i des Colonial Office in bezug auf die Anerkennung der Ziö< nistischen Organisation als Jewish Agency im Falle der Auflösung der erweiterten Agency gibt es eine drei* fache Bedingung. Es besteht die Möglichkeit, daß die Zionisten in der Zukunft einen starken Protest in der Agency gegen die Regierung wegen irgend einer Unge* rechtigkeit zu erheben haben werden und daß die Nicht« zionisten damit nicht einverstanden sein werden, und dann würde eine Trennung entstehen. Die Regierung würde dann zu zeigen haben, ob sie für uns öder für die politischen Minimalisten ist. Dr. Weizmann hat ge* sagt, er überläßt es dem Kongreß, ja oder nein zu dem Entwurf der Agency*Verfassung zu sagen. Ich bin für die Jewish Agency, aber gleichzeitig verlange ich, daß Dr. Weizmann so handeln soll, daß er uns den Respekt der Nichtzionisten zurückgewinnt. (Beifall.) aber im großen und ganzen war sie gezwungen, so zu handeln. Sie zwingen uns immer in die Stellung von Verteidigern der englischen Regierung. Gewiß geschieht uns in manchem Unrecht. Es wird noch lange so sein* weil wir eben das sind, was wir sind. Und solange wir schwach sind, wird uns Unrecht geschehen. Das ist nicht Beruhigung, nicht Verteidigung, das ist Konstatieru ii g. Manchmal beneide ich die Leute, die da kommen und sagen, ja, ich habe meine Schuldigkeit getan, ich' habe der Regierung ein Memorandum präsentiert, ich habe Protest eingelegt. Ich. weiß, daß man hunderte Memoranden schreiben muß und daß mau jede Stundet seines Lebens wachen muß und daß man langsam vor-< . wärts kommt. Und ich bin genau so ungeduldig wie Sie; aber man muß Geduld lernen. Und das ist. eine schwere Schule. Ich will nicht wiederholen, was ich' auf autleren Kongressen gesagt habe. Zeigen Sie eine andere Methode, finden Sie andere Leute. Sie haben keine gefunden. Wir müssen mit unsern Methoden arbeiten, und bekommen als Resultat vielleicht wenig — aber es ist das einzig Mögliche. Wenn sich in diesem Hause einer findet, der wirklich neue und rationelle Methoden hat, so bin ich sicher, er würde einstimmig gewühlt werden. Er hätte sicherlich meine Stimme. Aber der Mensch ist, wie es scheint, nicht da. Es ist die Frage Rußlands aufgerollt worden, 1 Ja, es ist da wenig zu machen. Es ist vielleicht gar nichts zu machen. Wir haben es mit einem Lande zu tun, das auf die öffentliche Meinung der Welt pfeift. Das sich abgeschlossen hat von der ganzen zivilisierten Weizmanns Replik. Die Lage in Palästina. —Die Juden in Rußland.

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