Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 99 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Berücksichtigung finden. Die Erlösung des jüdischen Volkes könne nicht durch Wirtschaft aHein, sondern durch religiöse Erneuerung erfolgen. Die nächsten zwei Redner in der Generaldebatte waren Arbeiterführer Dr. Chaim Arlosoroff, New York, und Ing. Kaplansky. Kaplansky sowie Dr. Arlosoroff beleuchteten die Bedeu* tung der A r b e i t e r s c h a f t für den Aufbau Palästinas. Nur wenn dieser Aufbau im Geiste des Sozialismus sich vollziehe, werde er die jüdische und menschliche Lösung der Judenfrage sein. Beide Redner erklärten sich, wenn auch unter gewissen Bedenken, mit dem Eintritt von Nichtzionisten in die Jewish Agency einverstanden. Doch liegen die wahren Probleme dieses Bundes nicht in den Paragraphen der dem Kongreß vorgelegten Konstitution, sondern in der Frage, wie von nun an die Wirtschafts* form Palästinas aussehen wird. Die Gefahren der zügel* losen privaten Wirtschaft seien für das Palästinawerk viel größer als die Aufnahme von Nichtzionisten in die Jewish Agency. Das nationale Kapital müsse regulierend wirken und in erster Linie die Interessen des Gemeineigentums und der arbeitenden Schicht im Auge behalten. Arlosoroff wies darauf hin, daß man die Erwerbung großer Orangen« bodengebiete durch Private mit gemischten Gefühlen auf* nehmen müsse. In Sizilien seien die Orangengebiete dich« ter besiedelt als das industrielle. Belgien. Ein ähnlicher Zustand könne auch in Palästina errichtet werden, aber nicht auf dem Wege von großen Pflanzung*Latifundien. In der vierten Sitzung vom 30. Juli vor* mittags sprach als erster in der Generaldebatte der Ver* treter der amrikanischen Zionisten, Abraham Goldberg, New#York. Er bekennt sich bedingungslos zur Politik der zionisti« sehen Exekutive und der geplanten Erweiterung der Jewish Agency, Besonders die Amerikaner haben mit ihrem praktischen Sinn Verständnis für die Politik der Exekutive und hatten sie für die einzig mögliche. Der nächste Redner war der Führer der Opposition, jabotinskys Rede 'T Cinsere (Reden lo diksem Scheide weg-t Kongreß sind vielleicht auch ' etwas' wie (historische Dokumente und man wird eines Tages .vielleicht dafür die Verantwortung übernehmen. Beginnen wir mit einer Rekapitulation unserer aüten Worte. Was äst Natiottalheitn? Soweit ich, es verstehe, "hat dieses Wort -in der Jüdischen Volksseele bloß eine Bedeutung: es ist ein Nationalstaat,, ei« Staat mit einher überwiegend jüdisch en,Mehrheit Und ich glaube, dn dem Bewußtsein des jüdischen VoJikes hat das Wort „o f i e n 11 i c h rechtlieh gesicherte Helmstätte" nur diese Bedeutung. Was bedeutet Palästina? Palästina ist ein Gebiet, dessen hauptsächlichste geographische Charakteristik darin besteht, daß der Strom Jordan nicht etwa an der Grenze, sondern in der Mitte dieses Gebietes tfh'eßt. Was bedeutet - Zionismus? Zionismus bedeutet nicht etwa eine Bestrebung, dem leidenden jüdischen, Volke in aä'len Ländern .einen moralischen Stützpunkt, einen Trost in Palästina zu geben. Stets, hat das Wort Zionismus bedeutet t die tatsächliche Lösung der politischen» der ökonomischen und der kulturellen Tragödie von vielen Mil- Honen. " Darum bedeutet der Zionismus nicht bloß das Streben, in Palästina eine Mehrheit zu schaffen, sondern:; Plate m schattenta.Palästina"lür.Millionen auf beiden . . Selten des Jordans. Wtesenscfhaftter mögen streUen» ob die Sache möglich ist oder «leiht,. und wie langees dauern wW, bis sie ver- .vnrQdiicht sein kann. - .; Per\Qharte:r oid«? das Mandat ist eine Ver* itflichtirag der zivilisierten Welt •eiwe Verpiliohtung einer großenNation, mit ihrem Ehreniwort - unterschrieben, nicht uns. günstig, getgenübeii2^stehenr nicht, uns (freundlich m. behandeln, sopd$nni säe. ist, ein_. feierli^h'es^Versprechen,, dn Palästina ejn Kolonteationsregtone zu schaffen, so daß die . ganze. Regierunig und das .ganize VerwailturagS" System, datauif gerichtet werden soll,. die Länder auf beiden. Seiten des Jordans für' den Empfang großer ko- S^satoTiscfoer Massen vorzubereiten und zu erschließen. Betrachtet man von diesem Standpunkt-aus die heutig« La!ge im Lande, so Jcommt man zu traurigen' Erfahrungen. Ich-möchte picht dlie Sache to Lichte ednefl Großizionisraus betrachten, sondern bloß im Uchte der bescheidenen politischen Resolutionen des XV. Zionistenkongresses. Die Lage in-Palästina, von diesem bescheidenen Standpunkt aus betrachtet wird durch drei Beispiele charakterisiert: Erstens . .. , die Geschichte von der Klageinauer, Das ist die 'Antwort auf die Forderung, unsere Würde w respeJkfcteiren. Ich will nw «in Detail hervorheben. Hätte dl« palästinensische Regierung nur zweieinhalb Stunden abgewartet'bis es dunlcel wird, bis die Juden nach Hause (gehen, hätte sie dann meinethalben den Schaimasch bestraft «nxl den Rabbiner vor Gericht gezogen; aber das Jüdische Gericht und die jüdische nationale Würde waren in den Äugen dieser Herren nicht wert, zweieinhalb Stunden am warten. Ich stamme aus einem Lande, in dem «Tausarae Sachen vorkommen, aber am Jörn Kippur, an dwr so heiigen Steile de* Judentums «In. solches *— ich Ifode Ikeln deutsches Wort ~-s nOhamstwo" zu beigehen, nur um zweieinhalb Stunden nicht au versäumen, .wäre wohl nicht möglich. . Und der Gouverneur von Jerusalem sitzt noch beute an seiner Stelle und nach einigen Wochen kommt r wieder der heilige Tag, und es Ist mir unangenhm zu prophezeien, was das Ende sein wird. ■ - Was die bescheidenen Forderungen zur Bodenw pdHtflk betrifft: nichts Erfreuliches zu berichten. Der Kataster w4rd wenigstens siebzehn Jahre dauern, bis wir die Frage stellen Winnen, was herauskommt Das Land, da« man den Arabern in Bedsan geschenkt hat unter dem Vorwand, daß sie ohne den 'Boden nfofrt leben können, erlaubt 01041 Ihnen fetzt den Juden m verkaufen. Und so wird dies.es Geschenk Samuels m Bodenspekulation verwendet Ich sage nicht, daß Herbert Samuel das beabsichtigt hat, ich *a<ge aber, daß er und seine Regierung einen großen Leichtsinn begangen haben und daß das Land m einer unverschämten öodenspetotlation gegen Jaden ausgenützt wird!» Nw hat der Kongreß gewisse Forderungen gestellt und es erhebt sfcb d*e ßragei Warum stod die« Forde-* * rangen nicht erfüllt worden? Ich* gebe Ihnen hier eine Antwort wieder, die ich von einem bedeutenden Christen erhallten habe. Sie 'lautetet Resolutionen, die man auf das Papier schreibt, haben keine Bedeutung. Bedeutung hat nur, In wessen Hände man die Ausführung dieser Resolution legt. ('Beifall.) Zwei Manifestationen hat der vorige Kongreß gemacht: Resolutionen auf Papier-und die Wiederwahl einer Leitung, die auf demselben Kongreß erklärt, hatte,.sie werde, ihre Taktik nicht ändern. Und jetzt kommt die jährliche; Rede. Wieder ist alias;in Ordnung, alles befriedigend:. Eine Administration, die uns ganz günstig gegenübersteht, ein High Comrniissioner, wie es Sir John. C h a n c p 11 0, r ist,, alles. ist in Palästina in Ordnung und man murmelt bloß, man sei nicht ganz zufrieden. Es ist nutelos, Resolutionen anzunehmen, nutzlos wohl auch, Reden „zu. (halten, nutzlos zu protestieren, nutzlos zu hoffen, wenn Sie die Leitung in den Händen von Herren halten, welche nicht eine Minute anhören können, daß man-eine englische Administration beschuldigt, in den Händen von Leuten, die. mit eiserner Disziplin kühl und schwelgend alles aushalten können, die aber, wenn man etwas gegen die heilige britische Administration sagtsofort ihre Ruhe verlieren» Sacherist ein Typus. t Man (konnte sagen, daß es heute neue Möglichkeiten gilbt, weiH die'RegJerU'ing -in England sich geändert hat Täuschen wir uns nicht: die freundlichste' Regierung kann nicht päpstlicher sein als der Papst, sie kann nicht mehr geben, als' man verlangt Wenn Sie wieder bloß Manifestationen machen und %iedet dieselbe' Leitung^ wählen, dann" werden Sie1 auch di«:'nen«h.Mög^ölilkeiteh -verspieieii» ebenso, »wie Sie sie vor vier- Jahren verspielt haben, und die Wendung in der englischen parlamentarischen' Geschichte wird uns nichts nützen. Alle Manifestationen werden-uns nichts nützen, wenn die Leitung Leuten übertragen ist, die nicht einmal abgeschwächte Zionisten sind, ,son* dem überhaupt nicht Zionisten. Man sucht Ihnen einzureden, daß es keinen Unterschied »wischen Zionisten und Nichtzionisten gebe, daß die Ideale ihre Bedeutung 'verloren;haben,- daß verschiedene Menschen dieselbe Arbeit tun können, daß zwischen Leistungsfähigkeit, Leistungsanstrengung, Ausdauer einerseits und Idealen anderseits keine Brücke und keine Verbindung besteht, daß die ideellen Werte, die Erziehung, die Begeisterung, Tradition, der Nationalismus keine Bedeutung haben. Bei all diesen Worten kommt es nicht darauf an, was geschrieben'ist, sondern wie man es interpretiert. Bis heute haben nur Nicbtjuden die Balfoitr-Deklaralrfon klein interpretiert. Jetzt kommen Nichtzionisten, die an den Zionismus nicht glauben, Heine jüdische Nationalität wollen, aber jene Worte sagen können, well sie doch nichts bedeuten» zum Großzionismus nicht verpflichten. So groß und so gefährlich ist der Unterschied, daß alle das fühlen. Auch die Nichtzionisten fühlen es und darum decken säe sich sorgfältig und suchen jede Möglichkeit der Majorisierung auszuschließen. Warum hat der XiI'V. Kongreß, der erlaubt hat, die Sache weiterzuführen, eine ganze Reihe von'Sicherheiten vertähgt? Man war sich dessen bewußt, daß, wenn man ein politisches und geistiges Ver* mögen des Volkes vergeben .will* man es auf Basis eines starken, festen Kontraktes tun müsse. Was ist aus den Forderungen des XFV. Kongresses geworden? Zuhächst die ungeschriebene Forderung: der Goldregen. Jetzt ist doch die Agency schon Tatsache geworden. Warum hat man also das Hadassah-Hospital in Haifa gesperrt und telegraphiert, das Budget müsse auf 27 Prozent gekürzt werden? Weil der Druck in Amerika nicht gelungen ist. Was ist mit den magischen Unterschriften der Herren, die das Wunder wirken sollen? Warburg hat uns ehrlich im.Waad Leumi gesaigt: Erwarten Sie keinen Goldregen; wenige unter uns sind moralisch imstande, Geld zu geben. Und nun die .geschriebenen Bedingungen Der Präsident, der von uns gewählt wird, sollte Präsident der Agency sein, wenn sie zusammen/kommt Nein,. Jeder hat das Recht, einen anderen Kandidaten vorzuschlagen. In wichtigen Fällen können die Zionisten anders stimmen, als der Kongreß beschlossen hat Die Praxis: der Kongreß wußte, warum er darauf, bestand, daß an Stelle der Vertreter in der Agency ständige Ersatzmänner treten könnten. Auch das wurde nicht angenommen. Das Provisorium: Der Kongreß hat dabei ehrlich gehandelt. Und doch ist daraus nichts geworden. Man hat von der Regierung einen Brief erhalten, der das Gefährlichste ist, was wir erlebt haben. Wenn die. Agency zusammenbricht, dann wird die Regierung' prüfen, ob die Zionistische Organisation nach der Meinung der Mandatarmacht geeignet ist Bis heute bestand die Zionistische Organisation, man prüfte sie nicht Jetzt wird eine Prüfung sein, und in welchem Moment l Der Moment des Bruchs wird der sein, wo die Zionisten radikale Forderungen stellen und in diesem Moment wird die Regierung sie prüfen. Der Jude beute ist nicht das, was der Jude vor 30 Jahren war. Er äst stolz. Ich erinnere mich an den gebückten Juden. Ich kenne den Juden vor dem Kriege und den Juden, wie er heute ist. Und ich weiß, was das Wunder gewirkt hat. Es war ein kleiner Zettel Papier, der Schekei. Die in anderen Gebieten aufgewachsen sind, können sich das nicht vorstellen, Als man vor dreißig Jahren von Kämpfen sprach, sagte der Jude: was bin ich und wer bin ich; er hatte kein Bfingergefübl, kei"e Dreistheit, zu sprechen. Dann kam Herzl. Eines hat er aber getan: er hat diesem Manne den Schekel gegeben und ich habe nach drei, vier Jahren gesehen, was aus ihm geworden ist und was er heute ist. ,,Der,-Mann dachte, der Himmel wird sich öffnen und wir jetten das Volk Israel, pin Weltkongreß wird kommen und, yi'eileicht wird es eine Fra;ge sein, wo ein Delegierter entscheidet. Und •vielleicht ist es der Delegierte meiner: Stadt, Und vielleicht wurde er,, gewählt mit, einer .Mehrheit,y-qn einigen ätimnjen. Und vlelleicjht ist ..darunter 'auch meine Stimme. Und der schlechte- .oder gn^e Weg Israels wird davon bestimmt, daß. ich,;der kleine Mann, so und nicht anders gestimmt .habe. Ich bestimme, auf mir ruht die Verantwortung, ich kann es verursachen, daß Israel so oder anders geht. Ich baue, ich mache die Geschichte. ... Im Döbllnger Friedhof ist ein Grab, dort liegt der Große, der dieses uns gab. 25 Jahre sind vorbei. Hier stehen Sie vor der Liquidation. Und man. bringt.. solche . Anträge y 0 r einen „ir eien" Kongreß, . der schon, mit gebundenen Händen dasteht. Wenn auch die Mehrheit des Kongresses für die erweiterte Agency ist," aber die Sicherungen müßte man doch prüfen. Darum hat man etwas Präzedenzloses geschaffen. Aim II. August versammeln sich diese Leute. Ihr werdet nach Hause fahren und' es wächst eine Jugend auf, von der Ihr noch nicht wißt, wie.sie aussehen wird. Kein Jurist, kein Familienvater würde das Vermögen seiner Kinder ohne Schutz, ohne Sicherungen in die Hände lemands legen, , von dem er weiß, daß er nicht wie ein Vater, son- . dem nur wie ein Stiefvater handeln kann. So handelt man aber hier mit dem .Heiligsten, wofür Generationen gekämpft'habend Ich . vertrete 18.000 bis 20.000 IPersonen, und das, was ich sage, kommt, aus 20.000 Seelen. Es kommt aus dem Gewissen, aus dem naiven Glauben meiner Vorväter, Eurer Vorväter, ' aus Eurem . eigenen Gewissen, als Ihr jung wäret und!1 mit mir za* sammen .gearbeitet und gekämpft habt Im Nimen dieses Gewissens sagen wir: an diesem Sdieddfe'wege und vor d^er Gesclhddhte und lunjs^r&ro Gewissem Non pos^wrotts. Der Sprecher der Radikalen. Abg. Grünbaura: Nach Jabotinskys Rede, die . mit stürmischem Bei* fall^ auifgWommen wurde, sprach Swpraski (Tel-Awiw), der Beschwerde darüber führte, daß die Regierung der Entwdok'tuug der Industrie Hindernisse bereitet Sodann er- Weit Abg. Gröobaum da» Wort? Der XVI, Kongreß, der 25» Jahre nach H<er«lis Tod« eröffnet wurde und im Zeichen >Her«ls steht, dierselbe Kongreß liquidiert fast die ganze Herzische Erb schalt Die Monistische Bewegung war vor dem Krieg doe Bewegung, die sldh mit Propaganda, Agitation, mit allerhand nichtigen kkimn Arbeiten befaßt hat Man bat tiefe auf. den große» Tag vorbereitet der Kita kommen fwtot Naoh dem Krieg haben wir wirklich diemächtige zionistisch« VoJ'ksorganisation als den „Staat unterwegs" organisiert und geführt. Die Zionistische Organisation übernahm staatliche Fun/ktfon in Eres Israel «wohl , wie Jn der Galuth. Wir Zionisten wurden die Träger des Jüdischen Staatsgedankens. Aber in der zionistischen Geschichte kommen ebenso w**> in der Geschichte anderer Volksbeweg«en Bv>twlckhmigen nach: aufwärts und nach, abwärts, vor. Wir stießen aul Widerstände und wir drangen nicht sofort durch. Und da sahen die. Reichen, dJi« Philanthropen, daß die Massen nicht so stark seien, als sie ^edacJit hat-ben. Ww sahen, daß das Tempo der po schwell