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Die neue Welt · 1929-08-09 · Heft 99 (9.8.1929) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 99 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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f -Hft W Dil NEUE WELT Seite 3 1 Palästinas Bedeutung für die Zukunft der Juden. Ziffern. Ruppins ' Die Zusammensetzung des Kongresses. Der Kongreß besteht aus 312 stimmberechtigten Mitgliedern, von denen 244 Delegierte und 68 Virilisten sind. Die Allgemeinen Zionisten, die unbedingte Mehr* heit, verfügen über 140, Misrachi 50, Hitachduth 43 und Poale Zionisten über 40 Mandate. Die Opposition besteht aus 18 Revisionisten und 12 Radikalen. Der amerikanische Delegierte Dr. Stephan Wise, ist dem radikalen Klub beigetreten. Unter den revisionistischen Delegierten befindet sich Maxa Nordau, die Tochter Max Nordaus. Am 29. Juli erstattete Dr. Arthur Ruppin sein Referat „Die Beleutung Palästinas für die Zukunft der Juden". Er skizziert zunächst die Lage des Judentums in den letzten drei Jahr.'ehiten. Als positive Momente bezeichnet er die numerische und wirtschaftliche Erstarkung, als negative die Lockerung des Zusammen* gehörigkeitsgefühls durch Assimilationserscheinungen; die Gefahren der Assimilation sind heute weit größer als früher. Die Hälft* des jüdischen Volkes, das heute etwa 16 Mil* lionen Seelen zählt, lebe außerhalb Osteuropas, in Ländern mit hoher Kultur, 5 Millionen davon allein im englischen Sprachgebiet. Mehr als andere Gemeinschaften leidet das Judentum durch den Rückgang des religiösen Lebens. In Deutschland gehe jed fünfte, in anderen westlichen Ländern jeder dritte Jude eine Mischehe ein. Die Mischehen sind von starkem Geburtenrückgang begleitet. In den Jahren 1841 bis 1866 entfielen auf tausend Juden in Preußen jährlich 35 Geburten, im Jahre 1926 nur noch 13, während die Verhältniszahl! bei den Christen 21 war. Nur in Palästina ist die Geburtenziffer hoch und der natürliche Zuwachs beträgt 22 auf 1000. Heute ist der .Verfall in den Kern der Judenheit einge* drungen. Das russische Judentum mit 3 Mil* lionen Seelen ist völlig zusammengebrochen. D'e jüdische Jugend in der Sowjetunion verliert ihr jüdisches Bewußt* sein. Als Mittel gegen den Zerfall kann nur dis nationale Zentrum in Palästina dienen. Das palästinensische Juden* tum muß mindestens eine Million Seelen stark sein; diese Zahl kann in 20 bis 30 Jahren er* reicht werden. Auch dann werden die Juden in Palästina keine Majorität bilden, aber wir müssen als unseren lei* tenden Gedanken den aufstellen, daß nicht nur eine Nation in einem Lande als politisch herrschend anerkannt werden kann. Wir glauben, daß unter der Aegide des Völkerbundes die Garantie geschaffen werden muß für ein Zusam* menleben zweier Völker in Palästina, wobei die Zah* lenfrage keine entscheidende politische Bedeutung hat. Dr. Ruppin legte die wirtschaftlichen Probleme dar und trat für Ausgestaltung und bessere Organisation der Landwirtschaft in Palästina ein. Er verhehlt sich nicht, daß sich der Zionismus auch in alle Zukunft mit einer großen jüdischen Diaspora abzufinden haben werde. Palästina müsse aber das Herz für die zerstreuten Glieder der Diaspora werden. Eine Majorisierung der Juden durch die Arabör würde gegen das Prinzip und gegen das Versprechen des Völkerbundes sein. Man müsse aber den Chauvinismus auch bei dem * eigenen Volke bekämpfen. Der Redner betonte die Notwendigkeit einer Zusammen* arbeit aller Schichten der Bevölkerung, vor allem der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Er 'Wiederholte ld be* gründete seinen Vorschlag, einen besonderen Ko* 1 onis a t i o ns f onds einzurichten. Ohne Hoffnung auf bessere Lebensformen werde die Einwanderung nicht fort* schreiten. Aber Wirtschaftlichkeit allein könne Palästina auch nicht aufbauen. Weizmanns politischer Bericht- Präsident Weizmann weist darauf hin, daß in dem den Delegierten vorliegenden Bericht der Exekutive alle Einzelheiten über die Fortschritte zionistischer Arbeit verzeichnet sind, und gibt einen kurzen Ueberbläck über die Entwicklung in den letzten zwei Jahren. Er spricht zunächst von den Beziehungen der Zionistischen Organi* sation zur Mandatarmacht und begrüßt, auch im Namen des Kongresses, Sir John Chancellor, den Nachfolger Lord Plumers, der bereits in der kurzen Amtszeit von wenigen Monaten bewiesen hat, welch starkes Interesse er an der. Errichtung des jüdischen Nationalheims nimmt. Er dankt gleichzeitig Lord Plumer für die Hilfe bei Ueber* Windung der schweren ökonomischen K-ise, aus der Palä* stina zu neuem Aufstieg hervorgegangen ist. Er betont, daß die zionistische Bewegung bei allen Parteien Englands Freunde besitze und daß dir Beziehungen zur Mandatar* macht sieh befriedigend entwickeln. Es sei jetzt der An* fang ni{t der Ausführung einiger der dringendsten Refor* men, die vom 15 Kongreß gefordert wurden, gemacht worden: es seien Fortschritte zu verzeichnen auf dem Gebiete, der Zollgesetzgebung, des Schul* und Gesund* heitswesens. Ebenso wurde begonnen, das veraltete System der Bodenbesteuerung zu ändern, Wenig wurde bisher seitens der Regierung getan, um die Förderung der Ansiedlung der Juden auf dem Lande zu erleichtern, aber auch hier zeigt sich ein Anfang. Ferner zeigt die Regierung auch in bezug auf die Be* Schädigung jüdischer Arbeiter mehr Entgegenkommen, wenn auch hier unsere Wünsche nicht voll befriedigt .wqrden. Enttäuschend ist die Haltung der Regierung in der , Einwanderungsfrage. Durch die Zuweisung von 3000 Zertifikaten ist zwar ein hoffnungsvoller Anfang gemacht worden, jedoch zeigt sich die Regierung bei der Erteilung der Einwanderungserlaub* nis von Immigranten mit eigenen Mitteln wenig entgegen* kommend, obgleich durch die Einwanderung solcher Ele* mente, das industrielle und gewerbliche Leben Palästinas wesentlich, gefördert wurde. ^uf dem Gebiete der öffentlichen Erzie* b u n.g beabsichtigt die Regierung weitgehende Reformen einzuführen, Wir stehen deshalb in dauerndem Kontakt mit der Regierung, um zu verhüten, daß unser Erziehungs* werk beeinträchtigt werde. Im allgemeinen muß gesagt werden, daß wir große Fortschritte gemacht haben, jedoch glauben wir, auch im Hinblick auf unsere eigenen Leistungen, mehr positive Förderung unserer Arbeiten erwarten zu können. .. Da^n drückt der Redner sein Bedauern über die Vprgangei§n der Klagemauer aus und protestiert gegen die Unterstellung, daß die Zionistische Organisation die Absicht habe» die Unverletzlichkeit der mohammedani* sehen heiligen Ftätze anzutasten. Auf Wirtschaftlichem Gebiete sei die Lage heute sehr verschieden von der zur Zeit des 15. Kongresses herrschenden. Dje Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen, die Orangenpflanzungen erweitern sich, die jüdische Industrie entwickelt sich befriedigend. Die ökonomische Lage werde sieh npch, weiterbin wesentlich verbessern durch den B*V(fes ftaf-ns in Haifa, durch die Fertigstellung des ersten Teiles*des Ruthenberg*Planes. Die schwere Krise wurde durch den Beginn einer neuen, h'offnungs* vollen Phase abgelöst. Durch die zu ergreifenden Hilfs* maßnahmen wurde naturgemäß die Inangriffnahme not* wendiger neuer Arbeiten verhindert, im Grunde bleibt aber die Lage unerschüttert. Es wird geschätzt, daß seit dem letzten Kongreß die gemeinsamen Schulden des Keren Hajessod und der Zionistischen Palästina*Exekutive sich um Pfund Sterling 15Ö.0Ö0 verringert haben.' , Dr. Weizmann kommt; dann auf die Verhandlungen zur Errichtung der Jcwish Agency zu sprechen, wobei er auf. die Schwierigkeiten, auch^in technischer Hinsicht hin* weist und die Vorschläge, verliest, die er kürzlich der jüdischen Oeffentlichkeit unterbreitet hat. Er erläutert die Stellung der Zionistischen Organisation der Man* datarmacht gegenüber im Falle einer aus nicht vorher« am 8hoto°raphieren Sie mit dem ochempfindlichen (17° Schi) hochorthochromatischen ^4^^nSi| w^Bm 1#r; vy$ws w Jss^lmi^ iSfl^RfiP^ iÄHOSO^: Wettbewerbsbedingungen kostenlos durch Sctiering-Kntilöaum A. O. Repräsentanz in Wien, VI., Webgasse 2 a. zusehenden Gründen notwendig werdenden Auflösung ' der erweiterten Agency und betont, daß in einem solchen Falle die Zionistische Organisation wieder als die Jewish Agency im Sinne des Artikels 4 des Mandates, angesehen werden wird.,.Bei einem solchen Vertrag, den die'Zionistische Organisation mit den Nichtzionisten abzuschließen gedenkt, muß jede Vertragspartei naturgemäß der anderen entgegenkommen. Er glaubt, daß dies der Fall sein wird und daß daher die Verhandlungen zu einem guten Ergebnis führen werden. Der Entwurf, der nach jahrelangen Verhandlungen unl anstrengenden Diskussionen zustande gekommen ist, muß als ein einheitliches Ganzes betrachtet werden. Es sei daher nicht möglich, daß. der Kongreßr einzelne Aenderungen beschließe, sondern der Vrtrag als Ganzes müsse angenommen oder verworfen werden. Redner zwei* feit nicht, wie die Entscheidung des Kongresses in. dieser Hinsicht tauten wird. Zum Budget erklärt Dr. Weizmann, daß ent« sprechend den voraussichtlichen Einnahmen dea Keren Hajessod ein Budget von Pfund Sterling 750.000 von der Exekutive vorgeschlagen wird, das dem Council der Jewish Agency vorgelegt werden soll. Die Zionisten dürften nicht glauben, daß sie nach Erweiterung der Agency ihre Verpflichtungen gegenüber dem Keren Hajessod leichter nehmen dürften als bisher. Vielmehr hängt das Schicksar der Palästinaarbeit davon ab, daß auch in Zukunft die Zionisten in der Er* füllung ihrer Pflichten gegenüber dem Keren Hajessod beispielhaft vorangehen. Zum Schluß spricht Dr. Weizmann, der durcS Krankheit fast ein Jahr nicht mitarbeiten konnte, seinen Arbeitskollegen seinen tiefsten Dank aus, ebenso Herrn Rothenberg und dem ausscheidenden Sekretär der Exekutive, Herrn Stein, dessen Ausscheiden er sehr bedauert * Am Nachmittag referierte Dr. Felix Rosenblüth über das Statut der Jewish Agen cy. Er legte die folgenden Anträge der Exekutive vor: 1. Nachdem der Kongreß den Bericht der Exe* kutive über die Verhandlungen, die zwecks Erweite» rung der Jewish Agency seit dem 15. Kongreß geführt wurden, zur Kenntnis genommen hat, und nachdem der Kongreß den Entwurf des Uebereinkommens über die Konstitution der erwei«. terten Agency geprüft hat, und nachdem der Kongreß sich. davon über« zeugt hat, daß der Entwurf in allen wichtigen . Einzel« heiten den Grundsätzen entspricht, die der 14. und 15. Kongreß niedergelegt haben, und nachdem der Kongreß durch die Exekutive davon verständigt worden ist, daß die britische Regierung ihrer BereitwilligkeitAus* druck gegeben hat, die erweiterte Agency als Jewish Agency im Sinne des Artikels 4 des Mandates für Palästina anzuerkennen und folgende Zusicherung zu geben: . „Im. Falle der Auflösung der erweiterten A.gency wird die britische Regierung, nachdem ihr die Auf« lösung dur h die Zionistische Organisation zur Kenntnis gebracht wurde, die Zionistische Organi* sation als Jewish Agency im Sinne des Artikels 4 des Mandates für Palästina anzuerkennen, voraus* gesetzt, daß ihre Organisation, und Verfassung zu dieser Zeit angemessen sind. pie Organisation soll in diesem Falle in allen Beziehungen als in den St and zu rück versetzt gelten, den sie vor der Erweiterung der'Agency eingenommen hatte", ermächtigt der Kongreß die Exekutive, ein Uebereinkommen zu unterzeichnen, das mit, dem bei* geschlossenen Entwurf im wesentlichen übereinstimmt, ■ und ermächtigt die Exekutive fernerhin, sofort nach dem Inkrafttreten dieses . Uebereinkommens " an die britische Regierung im Auftrage der Zi o n i s t i* sehen Organisation das Ansuchen zu stellen, die erweiterte Agency* als Jewish Agency im Sinne des Mandates für Palästina anzuerkennen und dabei die oben erwähnte Versicherung in bezug auf den Status der Zionistischen Organisation im Falle der Auf« lösung der erweiterten Jewish Agency zu geben. 2. Der Kongreß nimmt m i t t i e f e r B e f r i e« digung davon Kenntnis, welchen Widerhalldie <■ Vorschläge des 14. und 15. Kongresses für -die Erwei« terung der Jewish Agency gefunden haben. Der Kon«, greß zollt besondere Anerkennung denjenigen, die ge« meinsam mit der Zionistischen Exekutive die Initia« tive in der Bewegung für die Erweiterung der Agency ergriffen haben. Der Kongreß sieht in der Erweiterung der Agency eine sichere Gewähr für frucht« bare Zusammenarbeit aller Juden, die gewillt sind, an der Wieder auf bauarbeit in Palästina und. der Er« richtung der jüdischen nationalen Heimstätte teilzu« nehmen. D-. Kongreß begrüßt herzlich die Vertreter der jüdischen Gemeinschaften in verschiedenen Teilen der Welt, die zusammen mit den Vertretern der , Zio« nistischen Organisation an der Gründungstagung des Council teilnehmen werden. Die Exekutive schlägt vor, diese Anträge einer Kommission zur Behandlung zu überweisen. Sodann referierte Professor Dr. Brodetsky über die zukünftigen Aufgaben der Zionistischen Organisation. Er verlangte die Einheitlichkeit der Zionisten und ihre Zusammenfassung in Landesverbänden unter Beiseite« Stellung von Sonderinteressen, die Einführung eines Mit* gliedsbeitrages außer dem Schekel und die Einrichtung einer ständigen achtgliedrigen Propagandakommission, die als Beirat der Exekutive fungiert. Die Generaldebatte, Am Abend des 29, Juli begann die Generaldeb'atte. Meier Berlin, Jerusalem, .; .; I ' vom Standpunkt,des.Misrachi (Rechte), bemängelte, daß die Forderungen der religiösen Zionisten keine genügende

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