Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 99 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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f Seite 2 DIE NEUE WELf Nf. 99 i mensetzung des demokratisch gewählten Zio nistefikongrosses auszuwählen sind. Die Exekutive ließ durch Herrn Sokolow im Permanenzausschusse die Forderung nach Durchbrechung des demokratischen Prinzips erheben. Sie verlangt Aufteilung der Mandate nach Landern, um die Wahl „repräsentativer44 Mitglieder zu ermöglichen, nach dem Muster der Nichtzionisten. Insbesondere sollen die Amerikaner statt der ihnen zukommenden 6 Mandate deren 25 erhalten, die Engländer statt 2 deren 8. Die amerikanischen Zionisten selbst sind weiter gegangen. Nachdem man den amerikanischen Nichtzionisten unter Verleugnung jeder Gleichberechtigung 40 Prozent aller Sitze, also 45 Sitze eingeräumt hat, verlangen sie auf Kosten aller zionistischen Fraktionen und Verbände eine entsprechende Zahl für sich. Sie legten dem Permanenzausschuß die Erklärung vor, daß sie im Falle einer Ablehnung ihrer Forderung die Verantwortung für die Geld Sammlungen in Amerika ablehnen und ihre Vertreter aus dem Permanenzausschuß und der Budgetkommission des Kongresses zurückziehen wür den. Der Vertreter der Radikalen protestierte gegen diesen Versuch, die Zionistische Organisation zu entwürdigen und ganz unter das Kommando des Geldsackes zu stellen. Auch mehrere andere Gruppen lehnten sich auf. Bei der Mentalität des Kongresses und dem über mächtigen Einflüsse des Präsidenten Weizmann ist es aber fraglich, ob diese ungeheuerliche Forderung abgelehnt wird. Schon wurde die Nachricht verbreitet, daß der Führer der Nichtzionisten, Marshall, auf der antidemokratischen Forderung bestehe. Auch Sokolow hatte in diesem Sinne gesprochen. Nachdem mit dieser Nachricht, welche immer auftaucht, wenn es gilt, dem Kongreß etwas abzupressen, bereits manch übler Erfolg erzielt wurde, kann über den Ausgang der Angelegenheit nichts vorausgesagt werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich er erniedrigte Kongreß diese brutale Einmischung Marshalls in zionistische Angelegenheiten wird bieten lassen. Die Ja-Sager und die Opposition. — Das Statut der Agency. Die englische Regierungserklärung. — Weizmann und Ussischkin. i ".'. .. ... Z il r i c h, 5/August. Der XV. Zionistenjcpngreß in Basel bqsjii^iioch Kraft, der XVI. in Zürich ist tatsächlich schwach. Formell hat er über die Erweiterung der Jewish Agency und über die Abgabe seiner wesentlichen Befugnisse an den Council zu b c s c h 1 i eß e n. Faktisch steht er schon vor Tatsachen. Der Rat der Jewish Agency ist bereits für den 11. August einberufen. Der Umstand, daß der Zionistenkongreß nicht mehr das Erez-Israel-Budget und alles, was damit zusammenhängt, zu beschließen hat, liegt wie ein Alp auf der Tagung. Nach und nach beginnen auch den „Ja-Sagern8 — sie sind 90 Prozent der Delegierten ~ Bedenken aufzusteigen, es dämmert das Bewußtsein, daß die Schöpfung Theodor Herzls -Tder Zionistenkongreß — nunmehr nur die Hälfte einer anderen Körperschaft bildet, daß seinen Entschließungen nur die Bedeutung von Beratungen einer Parlamentsfraktion, wenn auch einer bedeutenden, zukommt. Diese Nachdenklichkeit ist der Erfolg der Opposition, der übrigen 10 Prozent des Kongresses, der Radikalen und Revisionisten. Die Reden Grünbaums und Jabotinskys kamen so aus dem Innersten dieser Menschen, berührton derart das einem Zionisten Heiligste, waren so in der ganzen Entwicklung des Zionismus verankert, daß sich ihrem Eindruck niemand entziehen konnte. Jabotinsky, Grünbaum, Bernstein und Soloweitschik rüttelten in der abgeführten Debatte das Gewissen des Kongresses wach, sie erschütterten die 90 Prozent Majorität in ihrer Ruhe. . Viele Vertreter der. anderen Gruppen, insbesondere Dr. Schwarzbart, sogar Professor Brpfletsky, sprachen nicht mehr mit der bisherigen Sicherheit und Ueberzeugung. Auch sie?aben Bedenken Ausdruck, die meisten, wie ean Fischer, meinten nur, es gebe wegen der Schwache der Organisation keine andere Möglichkeit mehr. Es war klar, daß der Kongreß nicht mehr die Kraft zum eigenen Willen finden konnte, doch dürfte die Mühe der Radikalen, welche nach dem so langen Kampfe gegen die Erweiterung sich entschließen mußten, im Interesse des reinen Zionismus in den Council einzutreten, um dort für Herzls Grundsätze zu -kämpfen, nicht vergebens gewesen sein. Ihre Sorge, daß wichtige Beschlüsse des Kongresses zumindest dahin Geltung haben sollen, daß der ganze zionistische Teil des Councils an sie gebunden ist, dürfte vielleicht doch — wenn kein Veto kommt — das gebundene Votum der Zionisten erzielen. Noch problematischer steht die Frage des Rechtes der Auflösung des Councils durch Beschluß der Zionisten, Auch da scheint die Exekutive schon in den Verhandinngen zn weit gegangen zu sein Ebenso ruft die Fassung der englischen amtlichen Erklärung über die Anerkennung der Zionistischen Organisation als Jewish Agency im Falle der Auf lösung der erweiterten Jewish Agency auch bei den „Ja-Sagern" Bedenken hervor. Sie wird nämlich an eine neuerliche Prüfung der Verfassung und des Zustandes der Zionistischen Organisation in jenem Momente gebunden. Zwei Menschen gibt es in diesem Kongreß, die unbedingt beruhigt sind: Präsident Weizmann und Schmarjühu L e w i n. Weizmann sagte offen, daß der Kongreß nur noch „ja" oder „nein" zu sagen hat zum Statut der Jewish Agency. Dieses Statut hat der Präsident, wie er in der Schlußrede erklärte, überhaupt nicht gelesen. Er gab auch zu verstehen, daß der Council als höhere Form den Kongreß ersetzen soll. Der Kongreß wird ,Ja" sagen. Vielleicht wird er aber doch noch im Statut der Jewish Agency, gemäß den Anträgen Soloweitschiks, etwas zumindest in bezug auf die Auflösung ändern. Schmarjahu Lewin ging noch weiter — er wollte Enthusiasmus hervorrufen..., dürfte das Gegenteilige empfunden haben. er Der alte Gegensatz Weizmann-Ussischk i n wurde wiederum offenbar. Seitdem Ussischkin nicht mehr in der Exekutive ist, verschanzte er sich im Keren-Kajemeth. Er will ihn als Burg des Zionismus — unabhängig von der Jewish Agency — erhalten. Seine Rede in „splendide Isolation" bewies dies neuerlich. Wird Ussischkin ausharren, wird er seine Anträge durchsetzen, oder wird er wiederum weichen? Weizmanns Replik zum Schlüsse des ersten Teiles der Generaldebatte — seine vorhergehenden zwei Reden waren ja mehr offiziell, auch sie sagten nichts Neues, sie enthielten die bisherigen Verbeugungen vor den Engländern und vor den Arabern, die Versicherung, daß alles in Ordnung ist — betonte wiederum das Alte, von der schweren Last des Führers, von der Pflicht zu schweigen. Es war sonderbar, Stephan Wi§e so zu behandeln, wie es in Weizmanns Rede geschah. Es war auch nicht angezeigt, in bezug 'auf die Russenverfolgungen von der eigenen Schwäche zu sprechen. Soloweitschiks Antwort war restlos und hatte politische Kraft. . - ,*. ■■ . ■ . In der ganzen." Debatte''' gab4 %s 'eigentlich fast niemanden, der sich mft der Tätigkeit der Exekutive ganz solidarisiert hätte. Die Sprecher der Linken, Berl K a t z e n e 1 n s o h n, des Misrachi, Meir B e r- 1 i n, und F a r b s t e i n, der Revisionisten G,ro ßmann auch des Zentrums, Dr. Schwarzbart rügten so vieles in bezug auf die Kolonisationsi arbeit, die Kulturtätigkeit, insbesondere jedoch an der Politik und Taktik im Verhältnis zu den Organen der Mandatarmacht. Was blieb noch von der Exekutive übrig? '""'' Weizmann hatte in "seiner Rede die Klagemauerfrage nur gestreift. Die Debatten des Kondresses, Nachrichten, die während der Tagung aus Palästina kamen und die .besagen, daß die Araber die Erlaubnis: zum weiteren Bauen an der Klagemauer erhielten —Brufen allgemeine Empörung über die Schmach hervor. .' •. -;. Die Exekutive sah sieh genötigt, durch Sokolow eine Erklärung abzugeben, nnd eine Delegation — Colonel Kish und David Jellin — per Flugzeug nach London zu senden, damit sie im Kolonialministerium den Protest des Kongresses vertreten. * ' Schon während der Generaldebatte ■ begönnen die Arbeiten in den vom Kongreß eingesetzten zehn Kommissionen. Nach Sachers Bericht über. die Tätigkeit der Palästina-Exekutive referierten H a n t k e über die Aufgaben des Keren-Hajessod und Ussischkin über die weiteren Absichten des Keren-Ka jemeth. Wehn die Kommissionen rechtzeitig mit ihren Ergebnissen ins Plenum kommen — der Vorsitzende Motzkin hat sie aufgefordert, das Tempo ihrer Beratungen zu beschleunigen — so dürfte der Kongreß vielleicht mit einer zweitägigen Verlängerung Donnerstag zu Ende sein, es kann aber auch Freitag werden. Die beduinischen Belange. ZütJcJi, 4. August. Auch die. zionistische Bewegung als Revolufcionsbe» yveignng «J«-s Judentums wird nicht vom pseudogeisti'gen Zugriff eines Snototums verschont, das den Zionismus In seiner geistigen und seelischen Belanglosigkeit mißbraucht. Der Naoh-krie-mionismus ist voll Getue von Mensche«, die in ihr Parasitentum de« gamzen Komplex des Zionismus, seine Politik; und. seine Wirtschaft mit hineinbeziehen. Dieses Parasitentum tritt auf als Pan asi a t e n tum, als E)»rtneueru<ngs>bew e^un«, als Frledenshund der AratotnVwbMwmt, ate Veifoitodw ,#euer" Staats. Ausschreitungen in Litauen. 150 Juden In Kowno und Provinz verhaftet. Aus Kowno, 2. Ausrast, metäet die J. TV ALI In der Nacht zum 2. August überfiel efts fcewaiffneter Trap») die Judenschaft von Slobodka, dem Sitz der. berühmtön Jeschiwah. Etwa 50 Joden wurden mißhandelt und mn Teil erheblich verletzt. Die Foütfef grif i nfcht ein Am 1. August wurden in Kowno und! I» der Vtto> vlnz ISO Juden, in der Mehraafhl SclmHkigdnd undMiigßödei des Sportklubs „Hakoah", unter der erlogenen Aosclfflldl« gung kommunistischer Umtriebe verhaftet. In Anbetracht der hier herrschenden euöerordenttfchen Zustände wird die Verhänsung härteste«-'Strafen befürchtet. •rechtlicher Ideologien, als Scihöp/feir alt* neuer Religionen, und als Propheten älhnftdhef Meen, die sieth in ihrer iVerschwomrneriheit fn keine fest umrissene Formel pressen lassen. Au® der Epoche,' dfe den (geistigen Zusammenibrucih <aus Weltkrieg umSi .Weif« revoktionieruing) Europa» mit sidi geh-racht (hat, versucht sich der Bodensatz des „reibeltierertden" SnMlefctaeilett Kleinbürgertums in die neue Strömung des Jüdischen IVoIfoßM daseans hiniiberzuretten, die durch. nvicitacltaatftfl9e8t^ poirtf* sehe und kultureHe Su'bstaiiiztt gekennzeichnet zw tsedti hätte* Eis ist das Schicksal des Snolbs, fente! CS«'8Barth idee m verfälschen. Der ufl-seräig© stammt aus dien O'teräN tenatmospffiäre des Westens, aus Bertin turtd Praig. Er mefaß AnscMuß an den Odessaer tJK.®ltViTabontemwtf*1 dem er naturgemäß mißvensteiht. Er ist) olhme Jede* äiiädisclh© Kooln ttauität und daher als Kommentator id'eriüdisciheto Sache, als deren Interpret und „/Neoibe'grilnder" mißraten. sWürde er. sein Geit-unigs'bedürfnu's bloß ztir In-tlrroinisieninig spia.es Geistes 'betätigen, könnte man fflnt ails Assiimfetionaepjigonien beiäclheln, der die Theorien der altväterlichen iäberalen Juden verflacht verwirrt. Aber er IbeansprwcirLt ipölitiscihe Ingerenz und da wird er etur Ge'fahr. Denn in minserer -laibiilen Situation bei d<ne<m Volik, das in Ermanglung der gesicherten primitiven Attribute •eines Volkes nicht Bmstiniktsicher reagieren ikann, findet der Snoib eine Resonamiz, die. den 'Kampf um'die- Wiedergewinnunig der nationaien Attrii Ibute für das jüdische Volk in verthämgniisvoliier Weise m lähmen vermag und ganz gewiß die heutige Verwirnimg .der zionisti'sclhein Ideologie und' Politik mltvenschuldet hat. Von Martin Bub er, dem Neochasisidiisten des Sai Jons, leitet sieh alles das her, was unter dem oberwähmten Scihlag'Wörtenihierumtollt: dÄs Panasiatentum, das die •Zelte Jaalkoifrs .unter dem morgenlläindiischeni Himmei1 der rwests ilichen Caf6s auifschlägt; den Berddtschewer Kaftian'juderf, den Niikcflslbiü'rger Deutsclhijuden Urudi' den HänilbUiriger lÄraeüiten zu ' \i^ste'»war^tnd'en '• Bed(ulnen:- jik^n-iivMi Di-ese ^a-M'bbpiiiiieri'' Moschik'os iappeiieren 'an! iedü''®sfaWsiöhe^- Gen WA als eine .politische Realität, die Ihre"Krönuhig in' -eiffeni, panaisiatischen Staatenbund ifiiriden soll. , Auf'dieser Grundlage setäät sich der B'rit'li S cha-i lom in Szene, der mi't .Ellminierurag des igaiuzemi tsioni'Sti-i sehen Inhalts (Ikeine Mehrheit, ikeln Juidenstaat!) das'.Ver- (häütnls von Juden und Arabern vollständiiig' verfäihit.' Er iist es, der durch eine nach Palästina transponi'eirte.Aasi'mllationspolitilk unsere ohwehiit unige-festiigte und imnietr In Gefahr schwehemdie Position in Palästina aus dem Gleich-- gewicht zu bringen droht! Jeder kulturelle Aufteuversuetti der einen poetischen Wert im Lanlde und für die Galutli darstellt, wird darauf geprüft, 'Ob er mit. den .„beduindschen Belingen" im Einklang zu hrinigen ist. So findet sich in der ,J'üdi^ sehen iRunidschau" vom 30. Juli, das Gestammel eines *fitt>er dem Hirn einen Fez tragen/deai Koilturschmocks, der die Habiima anrempelt, weit säe uicht „ein historisches StücUc aus den Beduinentaigen spi-eflt*^, und nicht „im Beduinen«* laiger mit den Beduinen leht". Auf der anderen Seife wieder "Wird! ledfe arein izionisösciel Regung als „jüdiiseher .Chauvin;Ismus" verschrien/ ein Begriff, der in der Mehrzahl deir deutsch geschrielbenen (zionistischen Blätter seit Jahr und Tag sein Unwesen .treibt und unter anderem auch drte einst mächtige aioniisltlscha Jugendbewegung untengrahen hat, gar nicht rzu redeni 'yon dem entstellten Bild, das der Außenwelt von den Gruridfoe* griffen und dem faktischen Tun des Zionismus erhalten m.üßte. Diese Einstellunig findet auch ihren. Niederschlag In der verzweifelten, vom Schuldbewußtsedin dllk!trer.ten Be? im/iiihung, die Autorität des Schöpfers des Zionismus ton' untergrahea Ftür sie.ist Theodor Hera!1! pw alt et. Sie. halben Anigst da>vor, man Joönnte Ihn. tje-i soh-wören, „um die Autorität dieser oder jener eigenem Ansicht «u bekräftigen".« Er ist für sie nur mehr „eime nationale, Erinnerung". Seinem Oeniken .sollten fa'eutlgie Zionisten durchaus nicht kritiklos »egenüberstehien". (Zli tierte Steilem aus der MJiüdlschen;Ru'ndsch'auM vom 25.rJuivJj So Tächt sich der .zionistiisciie Mauschel au dem Mawn% der alle Mauschel veräohtilich gemacht hat. , Die vom Zionismus leibende- Clique, die di^m Verw fälschungsproizeß führt, macht sich just in jenen Institutionen und Körperschaften breit, die den ganzen Zionismus wx vertreten hätten; in der Orgianisationspresse, j»n den Fonds, in den Kulturanstalten der Zionistischen O'nganiisia'tiou^ Man sollte sich die Faflctoren näher anschauen, die al« zionistische Beamte panasiateln, mit den Arabenn frieden««» bündeln in einem bi«ational«n Staat, B^uinenkultur betreliben, die zionistische Bewegung „erneuern" und Herafl sohott Vtoml 4lbww«ji4e» bÄ-bon, '