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Die neue Welt · 1929-08-02 · Heft 98 (2.8.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 98 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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ife m DIE NEUE WECT Das rumänische Gemeindegesetz Nach erregter Debatte von der Kammer angenommen. Aus Bukarest, 23. Juli meldet die J. T, A.l In der letzten Sitzung der rumänischen Kammer hielt Depu* tierter Dr. Michael Landau im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs eine großangelegte Rede, in der er sich gegen die Aenderungen, die Kultusminister Dr. Aurel Vlad an dem Kultusgesetz vorgenommen hat, aussprach und das Vorgehen der Regierung, die die Wünsche der verantwortlichen Vertreter der jüdischen Bevölkerung mißachtet, scharf verurteilte. Die jüdische Religion, sagte Dep. Landau, kennt weder rituelle noch dogmatische Spaltungen; die besondere Einrichtung orthodoxer Ge« meinden entspricht nicht der jüdischen Wirklichkeit. Es besteht kein zureichender Grund dafür, die in Trans* sylvanien bestehende Ausnahme, die sich zudem als unglücklich erwies, für das ganze Reich zur Regel zu machen. Die Durchführung dieses Gesetzes wird eine Ato* misierung der jüdischen Gemeinde zur Folge haben. Nach dem Gesetz' können 20 bis 30 Juden eine eigene Kultusgemeinde bilden; es würden im ganzen Lande mehrere tausende jüdische Gemeinden entstehen. Das Gesetz führt unbedingt zur Zersplitterung und Zerstö« rung des ganzen mosaischen Kultus und des jüdischen Wohlifahrtswesens. Dep. Hoffmann (jüdisches Mitglied der natio* nalzaranistischen Partei) stellte fest, daß auch die natio* nalzaranistischen Juden, sowie die Union rumänischer Juden gleich den Zionisten gegen die Regierungs* vorläge sind. Während der Rede Hoffmanns wurde der Re* 'gierung aus den Bänken der Regierungspartei zugerufen, daß, wie man sieht, auch die jüdischen Mitglieder der nationalzaranistischen Regierungspartei das Gesetz nicht wollen. Daraufhin erhob sich Kultusminister Vlad und erklärte erregt: Wer mit dem, was wir tun, nicht einver» standen ist, möge die Partei verlassen. Daraufhin wurden auf den Bänken der Majorität stürmische Protest* rufe gegen Minister Vlad laut. Dep. S. Rosenberg (jüdischer Nationalzaranist) und Hoffmann, sowie mehrere nichtjüdische Deputierte der Regierungspartei verlangen das Wort, um gegen Vlad zu sprechen. Kultus* minister Vlad geriet in höchste Erregung und schrie: Wem es nicht gefällt, der möge die Partei verlassen. Dep. Bulau (Nationalzaranist): Droht der Minister mit dem Ausschluß aus der Partei? Es entsteht ein fürchterlicher Tumult, der Vorsitzende ist gezwungen, die Sitzung für zehn Minuten zu unterbrechen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt Dep. Landau, daß Minister Vlad sich von Rabbiner Schorr beeinflussen läßt und dadurch die Regierung in die Lage bringt, daß sie sich die Sympathien aller Juden des Landes verscherzt. Die gesamte jüdische Be* völkerung verlangt, daß der Entwurf nicht Gesetz wird. Dep. Daniel H a a s e (evangelischer Pastor) spricht im Namen der Deutschen Partei seine Verwunderung da.« stH*m Ich übersiedle! Meinen Freunden und Kunden zur Nachricht, dass ich meine Buchhandlung R, Löwit am 1, August 1929 in die neuen grossen Bäume Wien, I-, Wollzeile 6—8 verlegt habe. Ich habe die Buchhandlung R. Löwit mit dem berühmten Antiquariat A. Mejstrik vereinigt und führen nun beide Firmen zusammen Wien, L, Wollzeile 6, fort. Mein Zentralbüro bleibt unverändert I., Fleischmarkt 1. Ich hoffe, dass mir meine Kunden und Freunde auch in den neuen Eäumen Treue' und Anhänglichkeit bewahren werden. Dr. Max (Mayer) Präger Inhaber der Buchhandlungen . Löwit und A. Mejstrik jetzt nur fien, I., Wollzeile 6—8 (Tel. R-25-4-53) Zentralbiiro: I., Fleischmarkt I. rüber aus, daß die Regierung ein Gesetz einbringt, ohne sich vorher mit den Vertretern des betreffenden Kultus ins Einvernehmen gesetzt zu haben. Er erklärt, daß die Deutschen gegen das Gesetz stimmen werden. Schließlich nahm die Kammer mit großer Stimmen« mehrheit den Gesetzentwurf betreffend die Organisation der jüdischen Kultusgemeinde an,-Gegen den Regierungs* entwurf stimmten sämtliche jüdischen Abgeordneten, auch diejenigen, die der Regierungspartei (Nationalzaranisten) angehören; ferner, die Sozialdemokraten, die Deutschen ijuid einzelne Abgeordnete anderer Gruppen, Der Beschluß der Kammer hat unter der jüdischen Bevölkerung, die den Regierungsentwurf als Mittel zur Zerstörung der jüdischen Gemeinde betrachtet, große Erregung hervorgerufen. Es besteht die Entschlossen« heit, den Kampf gegen das Gesetz weiter zu führen. Seit der Ankunft des neuen Obenkommissärs Chance Hot ist meihr a ls ei n halbes Jahr v e rflossen'. Während seine (beiden Vorgänger Lord 'Fhwner und Herbert Samiueil sich in ihren öffentlichen Aeu Gerungen sehr reserviert" verhielten, hat Chamcellor durch eine Reibe von Erklärungen während sedner Besuche An den jüdischen Städtern und Siedlungen den Jischuw in Palästina optimistischer gestimmt und Erwartungen auf positive Leistungen der palästinensischen, Regierung für den jüdischen Aufbau aufkommen lassen. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Vielmehr konstatfent Prof. Sc'h. Tschemow i t z von Palästina aus im New Yorker „Morning Journal" einen of-f enikum diig en Rückschritt, indem er einige in die Funiktionsperiode Ghancellors ■ fallende Momente anführt, welche die Situation beleuchten. Die Selbstverwaltung Tel-Awiws. Schon seit langem steckt die Selbstverwaltung der jüdischen Stadt der englischen . antisemitischen Beamtentolique wie ein Dom im Auge. Sie hat uns niemals die selbständig geschaffene Autonomie gegönnt und alle Mittel angewendet, unsere innere Freiheit m untergrabein. Die Tel-Awiwer Selbstverwaltung unterschied sich wesentlich von den zurückgebliebenen Selbstverwaltungen der arabischen Städte, indem sie sich ihre eigenen Normen und Lebensformen herausbildete. Und plötzlich, da die Ge* meinderatswahl zugunsten der Partei des Bürgermeisters Dizenghoftf ausfiel und 'dieser zum Vorsitzenden der Stadtverwaltung gewählt wurde, publizierte die Regierung wie zum Trotz ein neues Gesetze wonach der Bürgermeister der Stadt nicht von der Stadtverwaltung gewählt, sondern von der Regierung ernannt zu werden hat. Die Regierung ha/t zwar die gewähltem Funktionäre (bestätigt, aber die Ernennung nach der Wahl war ein Schlag ins Gesicht für die jüdische Oeffenfclichkeit, so daß ein Teil der Bevölkerung mm Zeichen des Protestes von Da-aenghoifi den R^ktritt /verlangte. An der Klagemauer. Ungeachtet des Broteststurmes der jüdischen Welt gegen .die Beledig« ng an dem nun berühmt gewordenen Jörn Kdippu-r des Vorjahresi eine Bä-ledddguingi, die iauch der VoTikerbiMMi ate solche anerkannt hat, vollziehen sich an d#t jShmasmt: permanent «od alltäglich freche Trote- — John Chancellor. Provokationen! von ■ selten der Araber mit der stillen Geheluniigung der Regierung. Uns erlaubt man nicht einmal die Aufstellung einer Zelttuch-Scheidewand wegen des „heiligen" Status quo. Und sie, die Araber, bauen ein neues „jMedjed" bei der Klagemauer und legen einen Weg vom Omer-Medjed (Omar-Moschee) direkt zur Klagemauer, um uns vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Regierung schweigt trotz all unserer Proteste. Einwanderungspolitik. •Die Regierung selbst hat die Tatsache anerkannt, die Lage im Lande sei eine derartige, daß man eine erweiterte Einwanderung erlauben könne in dem Augenblick, da in den Pflamzungsikolonien Arbeiterhände fehlen,' Immer — in Sarnüels und Plu-rhers Zeiten — pflegte die Regierung an solchen Fällen Zertifikate für die Ghaluzim der Zionistischen Organisation zu übergeben, ohne auf deren Verteilung Ingerenz zu nehmen. Es war klar, daß die Zionistische Organisation nach der Bestimmung, des Mandats für die angekommenen Emigranten verantwortlich sei. Chancellor aber hat eine Neuheit eingeführt. Er war mit 2400 Zertifikaten einverstanden, aber unter Einschränikungen, die faktisch die ganize Einwanderung den Händen der Regierung überliefert. So hält z. Bw die Regierung an die tausend Zertifikate zurück auf Rechnung der Touristen, die eventuell ihrem Wunsche, im Lande zu bleiben, äußern werden, und da sich im Lande gegenwärtig 2400 Touristen befinden, so kann es geschehen', daß man neue Menschen nicht wird hereinbringen können und alles Gerede von Zertifikaten leerer Klang bleibt. Auch andere Begrenzungen noch machte Chancellor zur Forderung, daß sogar düe gegenwärtige loyale zionistische Exekutive sie abzulehnen gezwungen war und auf derartige Zertülkate ver* richtete. Regierungsarbeiten. Im Monat Februar wandten sich die Zionistische Exekutive und die Arbeiterorganisationen an die Regierung wegen Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei (größeren und kleineren Regierungsunternebmungen. Der Kommissär viersprach, seiner Art gemäß, alles zu tun, um jüdische Ar? beiter zumindest in einem bestimmten Prozentsatz einzustellen'. Es sind bereits Monate vergangen, ohne daß sich dos Versprechen erfüllt hätte. Die Regierung und die Stadtverwaltungen Jn den füdischWrabdscfcen Städten haben Arbeiten bis zu 1 Million, Pfund auflgenoirnimen. Der jüdische Jisühuw wird zu diesen Ausgaben (mindestens 400.000 Pfund' beizutragen haben. Ein Teil dieser Arbeiten ist bereits in Ahgriifif genommen und mehr als 1000 Arbeiter sind hierin beschäftigt, darunter dm ganizen 70 'bis 80 jüdische Arbeiter! Zu. jener Zeit, «ds.es Pfluimietr daran gelegen war, beschäftigte die Regierung bei einem viel1 geringeren Budget, ungefähr einem Drittel des jetzigen, 1000 jüdische Arbelterl ' In Jerusalem hat Jetzt dfie Regierung die •zweft größten Bauten des Landes in Angriff genommen: das RockefeUer-Museum und das Reigierungspalais. Beide Bauten werden 200.000 Pfund kosten und uu>r 8 Juden werden bei diesen Arbeiten beschäftigt, Spezftai'lsten^ die düe Regleruinig mieM umgehen konnte. Bin weiteres Faktum: Bei den Straßenbauten im Lande sind hunderte Araber beschäftigt und Juden — nicht einmal 10! Für den Ha ifaer Ha ifenbau wurden der-, artige Taglöhne bestimmt, daß an jüdische Arbeit nicht zu denken ist. Die 'Löhne sind noch liefer als 'die heute geltenden Regierungstarife. Der Einwand der Regierung'ist schon bekannt. Sie kann den Juden nicht mehr beizahlen als die niedrigen arabischen Lohnforderungen., Aber nach allen Berechnungen kann die Regierung aus der Million) Pfund für jüdische Arbeit 5 Prozent der Summe,. das ist 50.000 Pfund, hiergeben, da, wir doch zum ganzen Budget mehrere 100.000 Pfund beitragen. Ich könnte noch sehr viele Tatsachen anführen, die schlagend beweisen, wie weit der neue Kornmissär von jenem Ideal entfernt ist* das wir uns bei der Anikuinft des Kolonisators von Rhodesia und Afrika vorgestellt (haben. Wir wissen schon seit langem aus praktischer Erfahrung, daß die Atmosphäre der englischen Beamten hier im Lande, die die Jeweiligen Kommissäre umgibt, so vergiftet, äst, daß ein jeder, mag er auch die besten Absichten haben, unter den Einfluß dieser Umgebung gerät und jene Jnförmiatäoriert'* erhält, die ihn vom Jüdischen Jischuw entfernen. Alle Komimissäre, von Herbert Samuel bfs John Chancellor, gehen den Wieg des passiven Verhaltens zu allem, was hier geschieht; die einen wortlös, die anderen, wie dhajicelor, mit Lobgesängen für unsere Arbei*,.Wtod Wochen-Kalender August 1929 non warn Tamus 5689 2 Freitag Sabbateingang 7.— 3 Samstag 26-« .Sabbatsusgang 8.13 'm3iiypvmiasn.,>vDo mtaD 4 . Sonntag 27-13; > 5 Montag 28-fD 6 Dienstag 29-t» pp 3*y» .nn 7 Mittwoch 1-* p*nn wn 8 Donnerstag r

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