Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 98 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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r Seite 6 ■■ -^rl Sozialreformlsmus de» Ii. Internationale, der im Fahr» wasser des Zionismus segelt, In Palästina zu entwickeln. Fast in jedem europäischen Land haben Sozialdemokraten ptosiionistisch» Komitees gebildet, denen Führer Wie Macdonald, Vandervelde und Leon Blum an# gehören. Engische Sozialdemokraten sind es, diu die Um» Wandlung Palästinas in eine englische Kolonie unter dein Schlagwort „Das Siebente Dominion Eng* B a n 4 s" betreiben. Gruppen von Zionisten maskieren sich als Revolutionäre ßinke Poale Zion), um die Arbeiter irre zu führen. In der Oeffentliohkeit herrscht der Eindruck vor, daß die Liga zur Bekämpfung des Imperialismus, der frühe* auch radikale Pazifisten und Politikerangehörten, nunmehr ganz unter dem Einfluß des Kommunis* mu 8. steht. < Aus Rußland. Lügen der Jewsekzia. 7r' Die J. T. A. meldet aus M o s k a ut Das Hauptorgan der jüdischen Kommunisten „Emes" schreibt, daß die gesamte Zionistische Organisation nichts anderes sei als eine Abteilung für internationale Spionage, die vom englischen Außenministerium organisiert worden ist. Die- Zionistische Organisation, schreibt die Zeitung weiter, hat a u c h" i n d e r S o w j e tunkon Spionage getrieben; Zionismen besuchten sowjetistische und kommunistische Anstalten und informierten dann ihre englischen Auftraggeber; Die zionistische. Bewegung in Palästina seinichts als ein Surrogat der \englischen Okkupationsarmee. Darum können es sich die Engländer leisten, in Palästina nur 800 Soldaten zu unterhalten, während Frankreich im benachbarten Syrien eine Okkupationsarmee von 150,000 Soldaten unterhalten muß. Der Zionismus sei ein Instrument der Kriegspolitik des englischen Imperialismus. Del? kommrinistisclie Ritualinord. Die Leiterin des kommunistischen Mädchenklubs in Dzankoj, Nastja Wichorewa, führte im Klub eine Hetze gegen die jüdischen Mitglieder und verbreitete das Gerücht, daß in einem einem Juden gehörenden Keller in Dzankoj neun Leichen von Juden geschändeter C h r i s t e n aufgefunden wurden. Die Folge war, daß die jüdischen Mädchen aus dem Klub ausgetreten sind. Nunmehr wurde gegen' die antisemitische Klubleiterin ein Verfahren eingeleitet. Die Juden in den Sowjetfabriken. „Emes" veröffentlicht aufsehenerregende; Mitteilungen über Massenflucht jüdischer Arbeiter aus Staatsfabriken, in denen sie einem i Martyrium ausgesetzt sind. Man muß, schreibt die Zeitung, der Wahrheit die Ehre geben, und nicht weiter verschweigen, daß die Versuche, jüdische junge Leute in den Fabriken unterzubringen,, bisher fehlgeschlagen sind. 200 junge Juden haben das Donez- Bassin verlassen müssen. Komzet hat aus Tultschin 300 junge Juden in die Fabriken von Artiomowsk geschickt, die Fabriksverwaltung aber ließ sie von Fabrik zu Fabrik wandern und verweigerte ihnen Schlafstellen. Es wurde ihnen ein Tageslohn von 60 Kopeken, statt wie gehörig 1 Rubel 15 Kop. gezahlt. Natürlich verließen die jüdischen Arbeiter diese Fabriken. Aus Uman sandte Komzet 100 deklassierte Juden auf Arbeit nach Dnjepr-Petrowsk, ferner 300 junge Jüden aus Mohilew- Podolsk; beide Aktionen erwiesen sich als Fehlschläge infolge des herrschenden Chaos. Komzet und „Jewsekzia" schieben einander die Schuld zu. „Emes'* fordert eine strenge Untersuchung. Die jüdische Gemeinde in Charbin bedroht. Im Zusammenhang mit den russisch-chinesischen "Wirren ist die Existenz der jungen, aber schon sehr gefestigten jüdischen Gemeinde in Charbin bedroht Die Mitglieder der Gemeinde setzen sich hauptsächlich aus russischen Juden zusammen^ ■ die, obwohl nicht Bürger der heutigen Sowjetunion/dennoch als der feindlichen Partei angehörig angesehen werden. Die in der; Mandschurei in'großer Zahl lebenden weißgardistisehen Offiziere der früheren Armee Denikins und der Banden Semenows strömen in die Stadt, um, sich der eventuellen Kampffront gegen Sowjetrußland anzuschließen. Inzwischen haben, sie,damit begonnen, die jüdische Bevölkerung Cbarbins su terrorisieren, j Die soeben in Moskau eingetroffenen, aus Charbin ausgewiesenen sowjetrussischen Beamten teilten mit, daß bei ihrer Ahreise unter den-Juden Charbin« Panik herrschte; es zirkulierten Gerüchte, daß die weißgardistischen Offiziere Massakers gegen die Juden vorbereiten. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde wandte sich an die chinesische Behörde um Schutz. Eine große Zahl jüdischer Familien hat die Stadt bereits verlassen. Der Pogromheld Semenow tritt wieder auf. Im Zusammenhang mit der akut gewordenen Gefahr kriegerischer Verwicklungen zwischen Rußland und China meldete die „Vosßische Zeitung" vor kurzem: „Moskau fürchtet, daß die roten Truppen gezwungen sein werden, eine Art Guerillakrieg gegen die weißgardisüßchen Truppen des Generals Semenow zu .führen,* DIE NEUE WECT Unser allverehrter Oberrabbiner Wilh. Reich wurde uns nach fast fünfzigjähriger , Amtstätigkeit nach kurzem Leiden durch den Tod entrissen. Der Vorstand der Israelitischen KuKusgemeinde Baden bei Wien. Wilhelm Neumann in Prag suchte den ehemaligen tschechoslowakischen Generalstabschef Gajda, der sich noch jetzt General der russischen Legionen nennt, auf, um ihn über die Persönlichkeit Semenows zu befragen. Gajda berichtete: Semenow wurde von Kerenski nach Sibirien geschickt. Er „arbeitete" dort, bis der bolschewikische Umsturz kam, und machte sich dann selbständig. Er sammelte Kosaken und Tschungusen um sich, die das ärgste Räubergesindel war, das man,sich vorstellen kann. Die-Japaner schützten ihn. Besonders hatte es Semenow auf die Juden abgesehen und scheute keinen Mord, wenn er reiche Beute vorsichsah. Das Bild Semenows wird ergänzt durch eine .Schilderung des französischen Generals Maurice J an i n, dessen Tagebücher vor kurzem erschienen sind. Auf Wunsch Masaryks und Beneschs und auf Befehl des französischen Generalstabs übernahm er das Oberkommando über die alliierten Truppen, im Jahre 1918. E? ist mit Semenow wiederholt in Verbindung getreten und nennt ihn offen einen „Schützling der Japaner". Ihm erzählte Semenow: „. » . Ich habe sie festgehalten lassen und wollte sie am zweiten Tage hinrichten. Auf einmal macht irgendein Jude (Janin bemerkt dazu: sie!), der bei den Amerikanern in Chabarow beschäftigt ist, Krawall, ich dürfe mir so etwas nicht erlauben. Darauf habe ich selbstverständlich das getan, was auch Sie an meiner Stelle getan hätten«- ich ließ die Leute noch, am selben Tage hinrichten. Es war das so ähnlich, wie mit den Leuten von der schwedischen Sanitätsmission, die ich auch erschießen ließ. Das waren deutsche Spione." Gajda wie janin schätzen das Vermögen Semenows, das er sich durch Raub zusammengescharrt hat, auf viele Goldmillionen. Der Nationalsozialist Ley wegen Verbreitung der Ritualmordlegende ^riirtejilt. Eine prinzipielle Gerichtsentscheidung. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete und verantwortliche Redakteur des „Westdeutschen Beobach« ter" Dr* Robert Ley, hatte sich vor dem erweiterten Schöffengericht in Köln wegen Beschimpfung der jüdi« sehen Religionsgemeinschaft und Aufreizung zum Klas* senhaß zu verantworten. Der Angeklagte hat in zwei Artikeln, vom 26. und 27. Oktober vorigen Jahres die Behauptung aufgestellt, daß der Primaner Daube durch die Juden geschachtet worden sei und diese Ausführungen durch ein blutrünstiges Bild er* läutert, das die Unterschrift trug: „Ein jüdischer Ri tual.mord". Ley hatte sich bisher unter Berufung auf seine Immunität, die inzwischen aufgehoben wpr» den ist, jeder gerichtlichen Verfolgung entzogen. Der Angeklagte trat einen völligen Rückzug an. Er behauptete unter anderem, daß er keineswegs von fanatischem Haß gegen die, Judenschaft beseelt sei. In den Inkriminierten Artikeln habe er eine orthodoxe j ü d i s c h e Sekte, aber nicht die jüdische Religions» gemeinschaft beschuldigen wollen. Der Vorsitzende er. klärte, daß eine solche Auffassung aus den betreffenden Artikeln nicht zu entnehmen sei. In seinem Plaidoyer er* klärte der StaatsanwaDtschaftsrat Dr. Ranker, daß die betreffenden Artikel im Sinne des Gottes laste« rungsoParagraphen aufgefaßt werden müssen, Di« Beschimpfung müsse darin erblickt werden, daß der Ritualmord als Einrichtung und Brauch der jüdischen Religion hingestellt worden sei. Anstatt einer verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Monaten beantragte er eine Geldstrafe von 1000 Mark. . Das Gericht V er urteilte den Angeklagten ge« mäß dem Antrag des Staatsanwalts wegen Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft und Aufreizung zum Rassen* haß zu einer Geldstrafe von 1000 Mark und Tragung der Gerichtskosten. Außerdem werden die zur Herstellung der inkriminierten Artikel notwendigen Platten und For« men eingezogen und unbrauohbar gemacht. In der Be« gründung wird hervorgehoben, daß der im' „Westdeut* sehen Beobachter" erschienene Artikel eine schwere Be* leidigung des Judentums nach seiner religiösen Seite hin bedeutet. Die jüdischen Synagogengemeinden genießen in vollem Umfang den Schutz des Paragraphen 106. Faßt man die Artikel und das Bild zusammen, so ergibt sieb insbesondere aus der Roheit und der Gruslig« keit der betreffenden Abbildungen, daß nicht nur eine Mißachtung der jüdischen Synagogen« gemeinden, sondern auch eine Beschimpfung 4er jüdischen Religion vorliege. Der offizielle Ritus der vom Staate anerkannten jüdischen Synagogengemeinden enthalte keine Bestimmung., aus d9r:^^o.;d4e,..j^hu^^|ngt eines Ritualmorde« »bleiten könne. Pas Gericht tot;■•'natu*Höh der Ansieht/ d a & w fi-J die J ü d i b 4 b e n § y n » g c* g«»gem^lnden/x0in. gft*fikftjt*ft M'$M: ■.. lf*j» ' den, die Frage des Ritnalfnofde* in v«w neiftendem Sinne beantwortet werden müsse. Nur weil der Angeklagt« noch unbetraft sei, habe das Gericht statt der verwirkten zwei Monate Ge* fängnis auf eine Geldstrafe erkannt« Schimpffreiheit für Miinchmeyer, Der frühere Borkumer Pastor Münchmeyeti gegen den zurzeit nicht weniger als 48 Beleidigungsklagen schweben, hatte sich am 24. Juli vor dem Schöffengericht Hannover zu verantworten. Er hat in einer Versammlung auf die „Judenrepublik" geschimpft und die Ermordung Rathenaüs als ein großes Glück für Deutschland bezeichnet. Der Staatsanwalt beantragte eine Strafe von sechs Wochen Gefängnis. Das Gericht sprach Münohmeyer frei mit der Begründung, daß es «auf die begleitenden Umstände ankomme"« Jüdische Pionierarbeit im belgischen Kongo. Sir Ernest Oppenheimer, ein führender Politiker und Industrieller in Südafrika, hat vor nicht langer Zeit eine Aktion ins Leben gerufen, die den Zweck hat, die Juden in Transvaal der Landwirtschaft, im größeren Maßstab zuzuführen. Man glaubt, daß dieser Plan von Erfolg begleitet sein wird. Aus diesem Anlaß wird in englischen Blättern darauf hingewiesen, daß die Juden auch in einem anderen Teile Afrikas, in Belgisch Kongo, immer tiefer und weiter weg von den jüdischen Zentren des Südens vordringen und dort Pionierarbeit leisten. So befinden sich in der an Ähodesien anschließenden Provienz Katanga gegenwärtig rund 300 jüdische Familien, deren Mehrzahl aus der Insel Rhodos eingewanderte Spaniolen sind. Die übrigen setzen sich aus rumänischen, englischen, südafrikanischen, russischen und auch polnischen Juden zusammen. Die Hauptverkehrssprachen unter ihnen sind je nach ihren Gruppen Französisch, Spanisch und Englisch, und diese Vielsprachigkeit ist schuld daran, daß sie sich bisher im Gegensatz zu andern solchen Siedlungen in fernen Ländern noch nicht zu jüdischer gesellschaftlicher Tätigkeit zusammengeschlossen haben. Jetzt wird darangegangen, durch den Bau einer großen Synagoge ein solches Zentrum zu schaffen. Während die an Zahl ständig zunehmenden Juden, sich leicht mit den christlichen Gesellschaftskreisen vermischen, besteht auch hier wie an vielen anderen Orten, eine unüberbrückbar scheinende Kluft zwischen den Sephardim und Aschkenasim. Die Juden nehmen an der Entwicklung der Aufbauarbeiten des Kongogebietes großen Anteil. Der numerus clausus. Vom Deutschen Studententag abgelehnt. Der in Hannover abgehaltene 12. Deutsche Studententag hat gemäß dem Antrag des Vorstandes mit 103 gegen 70 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen beschlossen, die Anträge der Universitäten Würzburg, Erlangen, Brünn und der Technischen Hochschule München, in denen die Herbeiführung des Numerus clausus für jüdische Studierende und Professoren gefordert wurde, von der Tagesordnung abzusetzen. Es war dies das erstemal, daß auf einem deutschen Studententag ernsthaft die Frage des Numerus clausus für die Hochschulen des Deutschen Reiches erörtert wurde; dem Vorstand hat es, wie es heißt, viel Mühe gekostet, die Absetzung der Anträge von der Tagesordnung durchzusetzen. Der Sprüchhof der „Deutschen Studentenschaft" — der Oberste Gerichtshof in studentischen Streitfällen — hat entschieden, daß die Numerus qlausus-Anträge gegen die Verfassung der „Deutschen Studentenschaft" verstoße. Von 11 Hochschulen hatten 65 Vertreter entsandt. Die flämische, niederländisch^ Rigaer, Dorpater und rumänische Studentenschaft waren ebenfalls vertreten. Der Studententag nahm einen Beschluß an, daß die Hochschulverwaltungen veranlaßt werden sollen, Lehrstühle für „Volkstumskunde", worunter sich die problematische „Wissenschaft von der Rasse" verbirgt, zu schaffen. Ritualmordhetze in Damaskus. Aus ßeirfu<t, 26. Juli, meldet die J. T. A.: Die arabische und die franepösisohe Presse du D am as'ku s und Beirut (betreibt seit einigen Taigen edrae hemmungslose Hetze gegen die jüdische Bevölkerung Syrien, die sich aui eine im Volks verbreitete RituaknordJegende gründet. Danach (hätte man in einer der Straßen von Damastais einen 60Jährigen JaDden n-aimens Chatitafa festgestellt, der auf seinen Söbudtern einen Sack rtrug, in welchem ein liebendes Wesen strampelte. Als man den Sack öffnete, fand man darin ein geiNsseltes fünfjähriges christliches Kind, dessen Mund durch einen Knebel zuge-. stoppt war. Angeblich ihäitte die Polizei Cbaittaih verhaftet und de* Kind «einen Eltern wted'er zugedühnt. Niemand weiß, wer di« Legende to Umlauf gesetzt hat. Der jiüddsohen Bevölkerung von Damaskus 'hat sieh angesichta dw unauihor)icheu Hetae, die im den christlichen Wertete.(betrieben wird, eine etarke Panik bemächtigt, «h Daroatta war bekauattich 1840 Sctoptote etaer ge&ta-j