Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 98 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711714--1291-2714497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r Seite 4 »......-< .. DIE NEUE WELT Spezialist IUr Vorzimmer- und KQchenmöbel Für solvente Kunden Zahlungserleichterung l JOSEF KOBLITZ&SOHN »K&f Ieb?.«B^S12 Mitglieder gefordert' haben, d. h. das Recht der Nichtzionisten, einzelne zionistische Vertreter ablehnen zu können. Die zionistischen Unterhändler sollen diese Forderung angenommen haben. Selbstverständlich Wörden die Vertreter der Opposition sofortige Aufklärung dieser Angelegenheit fordern. Balfour erkrankt. Die englischen Kongreßteilnehmer erhielten die Nachricht, daß der greise Lord Balfour ernstlich erkrankt ist. Der Kongreß beschloß eine S y.m.p athiekundgebnng für den Staatsmann, die a*ie besten Wünsche für seine Genesung enthält. Die Wiener Kongrefiwahlen vor dem Kongreßgericht. Die. Wahlen in Linz, Gmunden und Innsbruck kassiert. — Ein unerhörtes Urteil. Das Ergebnis der Wiener Kongreßwahlen war Gegenstand einer Verhandlung vor dem Koügreßgerichte. Die demokratischen Zionisten hatten gegen gefälschte Wahlen in Linz und Gmunden Protest erhoben. Die gekoppelte Liste der drei arideren Parteien, welche in der Minorität geblieben waren, stellten die Behauptung auf, daß die demokratischen Zionisten Scheitel verschenkt hätten und daß die Wahl in Innsbruck, welche einen Vorsprung von' elf Stimmen für die demokratische Liste ge- ' bracht hatte, nicht ordnungsgemäß, durchgeführt j: worden sei. , ... Angesichts der von dendemokratischen Zionisten vorgelegten Beweise bezüglich der gefälschten Wahli- Protokolle aus Linz und Gmunden beschloß das Kon« greßgericht, diese Wahlen zu annullieren. Bezüglich der 'Wahl in Innsbruck wurde aus den Protokollen festgestellt; daß die Verlautbarung der Wahlen nicht in der-vorgeschriebenen Weise/veranlaßt wurde. Auch diese Wahl wurde vom Kongreßgericht kassiert.; Bezüglich des eingereichten Protestes wegen angeblich verschenkter Scüekalim hat das Kongreßgericht ein Urteil gefällt, das das größte Befremden hervorrufen muß. Die dem Proteste angeschlossenen Beweismittel, welche, zu prüfen die Wiener Hauptwahlkommission gar keine Gelegenheit hatte, stellen Bedichtem Flachskopf neigte sich zum glattrasierten polnischen Herrn, der die Bande anführte. Der saß auf einem Pferd,-das: die schnaubende Schnake hin und her drehte und rhythmisch mit den Vorderhüferi stampfte. Der Flachskopf ließ ein Angstwimmern hören; "„Vielleicht ablassen?" Aber der polnische, Herr lachte plötzlich mit so giftigem, spitzem Lachen auf, das sich wie ein Bohrer in die Nacht schraubte: „Nltschewo! Sie sollen nur schreien!" Und lachte wieder. Die stilie Sekunde riß a.b. Dann eog der polnische Herr an den Zügeln, das Pferd »machte mit iihm kehrt, zur Menge hin. Der Herr begann zu sprechen: „Vor wem seid ihr erschrocken?" In die Nacht hinein fielen schwere giftige Worte, Worte, die wfe ein Schrot in die stumpfen, dummen Herzen einschlugen: „Man betrügt euch . . . schlau sind sie, .sie wollen euch äffen und euch dann auslachen." Die Masse ging »uif, fing die Frevelworte auf, die wie Spinne aus des Polen Munde krochen. Hurra! Hurra! Der Herr an der Spitze, ihm nach die ganze Bande. Hinein ging's ins Städtchen. * Bis zum frühen Morgen brannte das Städtchen. Bis zu den Jettzten Minuten schrie das Städtchen sein wildes grausiges Geschrei. Bis zum frühen Morgen mordete und folterte der Mörder. Dawi, später, schien die Sonne. Weggewischt war das Städtchen. Alle Häuser waten Kohle, alle Menschen in den Kohlen. Kein lebendiges Wesen mehr. Auch der Mörder war weg. * Alber das Geschrei, das das Städtchen schrie, verstummte nicht. Das Geschrei schrie in den Feldern der Ukraine. Und Aver weiß, ob das Geschrei Jemals verstummen wird. Vielleicht schreit das Geschrei auch beute noch m den Feldern der Ukraine und wird ewig so schreien. Wer weiß! hauptungen dar, deren Ueberprüfung einfach unmöglich war. Es handelt sich nicht, wie bei den Dokumenten der demokratischen Zionisten, um eigenhändig gefertigte und beglaubigte Erklärungen von Wählern. Die sonderbaren Dokumente enthielten vorwiegend indirekte Behauptungen, wie zum Beispiel: Herr X. erklärt, der Herr Y. hätte ihm, erzählt?-daß. er vom Herrn Z. Schekalim geschenkt erhalten hätte. Öder: Herr A. behauptet, Herr B. hätte ihm erzählt, er hätte von Herrn C. 30 Schekalim zum Verschenken bekommen. Wohlgemerkt: vom Herrn C. lag ,dem Kongreßgerichte keine Erklärung vor, sondern es hieß nur, der andere hätte ihm erzählt, daß der Dritte irgend etwas gemacht hat Diese sonderbaren Beweismittel hat das Kongreßgericht nicht nur als genügend betrachtet, um 80 an* gebliche Fälle als sicher festzustellen, sondern es ist weitergegangen. Es hat etwas getan; was wohl niemand für möglich gehalten hätte: Es hat diese Zahl ganz willkürlich mit 3 multipliziert und den demokratischen Zionisten 243 Stimmen, sage und schreibe zweihnndertdreiundvierzig Stimmen gestrichen, so daß sie das zweite Mandat zugunsten der Liste Poale Zionisten—Hitachduth verloren haben. Diese Rechtsprechung qualifiziert also die große Majorität der Wiener .zionistischen Wähler, die ihrer Ueberzeugung folgend. fcurh Urne gegangen, sind, um die demokratische Liste zu. wählen, als b e s c h e n k t e S u bj e k t e, und v$as. auf Grund nicht zu prüfender Beweise, Wir können diese.''.Artj-^e^'.Rechtsprechung .nicht verstehen. '''• ,iMV '. , ■ ,. ■', Wie die Beweise der ^Gegenpartei beschaffen waren^ ist vielleicht am besten dadurch charakterisiert, daff der Vorstand des Kongreßgerichtes, Dr. G r o n e m a n nj im Verlaufe der Verhandlungen: an den Vertreter des Protestes der, allgemeinen Zionisten die sich jedem Menschen -aufwerfendeuFrage richtete: Wie ist es denn möglich; da'ß sich Leute angeblich heute Scheke;! schenken la.ssen, um für die demokratische Liste zustimmen, und am nächsten Tage:?ur. Gegenpartei gehen und denunzier-en,«. daß sie Schekel geschenkt bekommen haben? Wir unsererseits müssen diese Frage wirklich wiederholen, und zwar dem Kongreßgericht gegenüber, welches trotz dieser offenen Frage sein sonderbares Urteil gefällt hat. Die überwiegende Majorität der Zionisten Oesterreichs hat mit dem Stimmzettel ihre Meinung kundgegeben. Ihre Gesinnung wird 'dem sonderbaren Urteil des Kongreßgerichtes standhalten. Wir möchten nur noch feststellen, daß im Kongreßgerichte wohl Vertreter aller Parteien, nur keine Vertreter der Opposition, also auch keine Vertreter der demokratischen Zionisten gesessen sind. Die jüdischen kommunistischen Zeitungen nicht zugelassen. Das Büro des XVI. Zionistenkongresses hat den Berichterstattern der jüdischen kommunistischen Zeitun* gen „Emes" in Moskau, „Roter Stern" in Charkow und „Freiheit" in New York, die sich um die Zulassung zur Pressetribüne bewarben, die Ausstellung von Pressekarten verweigert, weil die Vertreter der jüdischen kommunistU sehen Zeitungen, die seinerzeit dem XV. Zionistenkongreß in Basel beigewohnt haben, den Kongreß in ihren Zeitun* gen beschimpft und persönliche Beleidigungen gegen einzelne zionistische Führer und Kongreßteilnehmer aus» gesprochen haben. Die Nichtzulassung der kommunisti» sehen Pressevertreter geschieht auch aus dem Grunde, weil die Jewsekzia (Jüdische Sektion der kommunistischen. Partei) niemals irgendeine Töletanz gegenüber Vertretern von zionistischen oder nationaljüdischen- Zeitungen und Körperschaften geübt hat. Die Klagcmauer. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Aus arabischer Quelle verlautet, daß die Regierung den Möslemiten gestattet hat, die vor einigen Mona* ten begonnenen, später auf Anordnung der Behörden unterbrochenen Bauarbeiten an der Klagemauer zu Jerusalem fortzuführen, nachdem dus Oberste Gericht) das um juristischen Rat' angegangen worden ist, zum Ausdruck gebracht hat, daß diese Bauarbeiten eine V e r 1 e t zu n g des Status quo nicht darstellen. """ . •', Nf.ar Zweite Palöstinareise des Verbandes Demokratischer Zionisten und des Palestine Tötrring Club Wien. Vom 2. September bis 1. Oktober 1929. Die Vorbereitungen für diese Reise nähern sich ihrem Abschlüsse und es ist daher geboten, daß die Interessenten ehestens ihre definitive AnmekhwiK dem Sekretariate bekanntgeben. Auskünfte bis zur Rückkehr der Reiseleiterin Frau Berta Taubes durch die Schiffahrtsgesellschaft „Sitmar", Wien, I., Kärntnerning 18, Telephon U-45-009. Prospekte kostenlos zur Verfügung. Weltkonferenz der zionistischen Frauen. t Die Züricher Beratungen. Am 22. Juli, abends, wurde im Gelben Saale des Hauses Zur Kaufleuten in Zürich die V. Weltkonferenz der WIZO (Womens International Zionist Organisation) von der Ehrenpräsidentin der Organisation, Lady Herbert Samuel, eröffnet. Es waren 60 Delegierte aus allen Teilen der Welt, so aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, England, Estland, Finnland, Holland, Italien, Jugoslawien, Lettland, Litauen, Oesterreich, Palästina, Polen, Rumänien, der Schweiz, der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten sowie aus Kanada erschienen. Lady Samuel eröffnete die Sitzung mit einer kurzen hebräischen Ansprache und wies dann, deutsch fortfahrend, darauf hin. daß das Werk der WIZO in den letzten zwei Jahren an Ausdehnung wesentlich gewonnen hat. Es folgten sodann zahlreiche Begrüßungen von Vertretern verschiedener Organisationen. Im Namen der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation begrüßte hierauf Frau Henrietta Szold die. Konferenz. Sie erörterte vornehmlich die Frage: Was kann und was soll die jüdische Frau für Palästina und für das Aufbauwerk tun? Die Rednerin beantwortet* diese Frage dahin, daß die Frau berufen ist. in das palästinensische Leben Ordnung hineinzubringen. In dem Prozeß der Anpassung der verschiedenen Teile des jüdischen' Volkes* die in Palästina zusammengeströmt sind, müssen die Frauen mit ihrem Ordnungssinn eingreifen. Wieder bieten sich uns Gelegenheiten, um Herzls Altneuland in die Wirklichkeit umzusetzen. Die anderen, die bisher nicht verstanden haben, daß der Aufbau Palästinas im Mittelpunkt des jüdischen Lebens steht, kommen zu uns und wollen helfen. Ueberall, wo Hilfe gebracht wird, entsteht ein leiser Zweifel, ob man, wenn man die .Hilfe animmt, nicht etwas von der eigenen Kraft verlieren ird. Deshalb muß wie überall auch in der WIZO die Gelegenheit ergriffen werden zur Ve.r- •fiVf*u¥g :! # er,!'" z'i ö ni's \ i s'c: h e h I'd/e öT6g i e tpd alles,'- was die WTZO an Spezifischem schaffen und'ausbilden will, muß mit" dem Gedanken an die' Grundlagen geschehen, die unser Werk geschaffen haben: Aufdau P a 1 äs t in as, Auf baudes Judentums in -<rer Dia sp\or a, Auf b-a'u de s jüdischen. Volkes 'in Erez Israel, Erhaltung des jüdischen' Volkes, wo es auc.h leben mag. Am 23. Juli trat die Konferenz in die Erledigung ihrer Tagesordnung ein. Das Präsidium besteht aus folgenden Damen: Mayer,/(Zürich), Dr. Margulies (Bukarest), Zimmermann (Krakau), Polak (Holland), Dr. Scheuer (Tschechoslowakei), Lewite (Polen), Freimann (Kanada), Löwenherz (Wien); Sodann erstattete Frau Earl- Goodman den Bericht der Londoner Exekutive über die Galutharbeit. Um eine großzügige Propaganda durchzuführen, fehlte, es uns an der entsprechenden Stei- . gerung der Mitgliedsbeiträge, die der numerischen Anzahl umserer Mitglieder (etwa 40.000 in 40 Ortsgruppen In allen Teilen der Welt) entsprochen hätte. Unsere Sendung im Galuth muß eben über Geldsammlungen für Palästina Galutih muß eiben über 'Geldsammlungen für Palästina foinausgeheru Die Jewish-Ägericy-PoJitik hat die Situation in unserem Lager eher .verdunkelt als geklärt. In der WIZO-Organisation ist aber Klarheit von größter Bedeutung für die . weitere Arbeit. Die Vereinigung aller Kräfte, die sich für ein jüdisches Palästina als das Zentrum jüdischer Verjüngung .einsetzen, ist eine zwingende; Notwendigkeit und sie wird bestimmt auch kommen. An uns ist es, im Interesse Palästinas unsere Entscheidungen beaügHcih der neutralen -Gruppe/n so arg gestalten, daß der Rahmen unserer Organisation derartig erweitert wird, daß wir als die Repräsentantinnen der Frauenarbeit in Palästina auftreten können. Unsere Unternnehmungen in Palästina werden nur dann in Angriff genommen, wenn sie von der Zionistischen Exekutive und deren Sachverständigen gutgeheißen. werden. Aber wir besitzen noch nicht die iorm.el.le Anerkennung der Zionistische:« Organisation, weil in den gegenwärtigen Statuten kein Mpdiis dafür 8st. Jetzt, wo die Zionistische Organisation selbst ein •neues Entwicklungsstadium mitmacht, wäre der geeignete Zeitpunkt, der' WIZO seitens der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency die Anerkennung als diejenige Körperschaft zu sichern, die sich vor allem der Frauenarbeit in Palästina widmet. Gerade in Verbindung damit aber müssen wir mehr denn je darauf bedacht sein, die WIZO in zionistischem Sinne' auszubauen. , Sodann erstattete Frau H. Samuel (Jerusalem) den Bericht der palästinehsisdien WlIZO-iExekutüve ifber die Arbeit in Palästina, ^prauf die Schatzmefcterln Frau M. Marx den Finanzbericht gab. ■