Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 98 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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f Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 98 WMM Nf TABORSTRASSE 31 Großes Lager feinster Damen- und Herren-Schuhe Reichste Auswahl Hl tlcfechsen-, Schlangen- und KrokodHtchuhen Staunend billige Preise! sator. Als er im Juli 1904 allzufrüh dahinschied, hinterließ er nicht nur Schüler, sondern eine Verfassung. Herzls Verlust zwang uns, uns um so treuer zusammenzu* schließen und zu versuchen, durch das System zu er« setzen, was wir an Genie verloren hatten. Der Kongreß wird immer eine dauernde Schöpfung Herzls bleiben. Unser Kongreß nimmt die Stellung eines zionistischen Parlamentes ein, und dieses wird ein vollkommenes natio* nales Heim für das jüdische Volk fertigstellen. Nein, der Zionismus wurde nicht in Herzls Grabe beigesetzt; blickt auf den Unterschied zwischen 1897 und 1929, auf unsere gegenwärtigen Kräfte, auf unsere internationale Lage, auf das neue Palästina! Wir wollen, schloß der Redner, da; Andenken Herzls in einer Weise feiern, daß Hügel und Täler in Erez Israel unsere Stimme ertönen lassen, aber das soll ein triumphierender Stufengesang von der Be* freiung unseres Volkes sein. Auf die mit starken Beifall aufgenommene Ge» denkrede folgten eine Anzahl "Begrüßungsadressen. Als erster entbot der Vizepräsident des zürcherischen Regierungsrates, Rudolf Streuli, dem Kongreß den Willkommgruß des Bundesrates, der sich indirekt durch den Sprecher vertreten läßt, als auch des Regierungsrates und des Kantonsrates. Der Redner beglückwünschte den Kongreß zu den bisherigen Erfolgen der Zionistischen Organisation und wünschte ihm weiter* hin bestes Gelingen, wobei er das Ziel der Zionisten nicht nur als Sache des jüdischen Volkes, sondern als An» gelegenheit der zivilisierten Nationen insgesamt bezeichnete. Mit glückläch gewählten und auf* richtig empfundenen Worten versicherte er den Kongreß seiner Sympathie und des herzlichen Willkomms. Stadtpräsident Dr. Klötti begrüßte den Kongreß im Namen der Behörden und der Stadt Zürich, die die Ehre, eine so bedeutende, weltutn* fassende Organisation zu beherbergen, wohl zu schätzen weiß. Mit Bewunderung verfolgen wir die von Idealismus und Optimismus getragenen Bestrebungen des jüdischen Volkes und die beginnende Verwirklichung seines Heim* gedankens. Trotz dem gigantischen Ausmaß der Aufgabe geht es in erfreulicher Weise vorwärts. AMen diesen Be* strebungen,' Vor allem -den interessanten sozialen Ver« suchen und der für die ganze Menschheit bedeutungs* vollen Kulturarbeit wünschen wir besten Erfolg und der Kongreßarbeit reiche Frucht. Der britische Gesandte in Bern, Minister C. F. William Russell, begrüßte den Kongreß im Namen des Britischen Reiches, der Mandatarmacht Palästinas, indem er die Sympathie seiner Regierung füir die zionistischen Bestrebungen be» zeugte. An Stelle des abwesenden r Generalsekretärs des Völkerbundes überbrachte dessen Stellvertreter, Albert D u f o u r * F e r a n c e, den Gruß des Völkerbundes, und ebenfalls die gucen Wünsche für glücklichen Kongreßverlauf brachten zum Ausdruck: C. H. W. W e a v e r, Sektionschef in. der diplo* matischen Abteilung des Internationalten Arbeitsamtes, Dr. Martin Bloch, Vertreter des Israelitischen Ge* meindebundes für die Schweiz und der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich, und Heinrich Reichenbauch, Vertreter des Schweiz. Zionistenverbandes und der zioni* OTEL CONTINENTAL WIEN, SB., PRATERSTRASSE 7 (neben Schwedenbrücke> 200 Zimmer, modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise stischen Ortsgruppe Zürich., Eine Anzahl Begrüßungstele* gramme.. wurden verlesen, so von. Balfour, Albert, Einstein und anderen.;;'i ■ .. ■■: ..;■■■;{>■ ,i .;NIach; z.>veistündi||et DaüetvjW^rde die;Eröffnungs» Sitzung;?nii't dera;lÄb$irigeni;d9f Katikwah geschlossen. England und f^M^tn^ fi«*;;^^,-: "■•f>;r . . Zürich/.29/, JulL r Der heutige erste .Verhandlungstag des Kongresses itand im Zeichen der Palästina-Arbeit. Nahum Soko-!öw wurde zum Präsidenten und Leo Motzkin zum ersten Vizepräsidenten gewählt. 392 Delegierte aus allen fünf Erdteilen sind erschienen. . Dr. ArtuT Rappin behandelte in seinem Referat, über die Bedeutung Palästinas für die Zukunft der Juden die Verfallserscheinungen, die sich durch die Assimilation und durch den Geburtenrückgang seit dem Krieg nicht nur bei den West-, sondern auch bei den Ostjuden zeigten, und wies auf die zunehmende sprachliche und kulturelle Entfremdung innerhalb des jüdischen Volkes hin. Die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina sei das einzige Mittel zur Begegnung dieser Gefahr. Es sei möglich in 10 bis 15 Jahren die Bevölkerung Palästinas, die jetzt erst 160.000 zählt, auf eine halbe Million und in weiteren 15 Jahren auf eine Million zu bringen. Dazu sei die Schaffung einer A n s i e d 1 u n g sb a n k notwendig. Ruppin forderte sodann die Lösung des Araberproblems im Sinne einer absoluten .Gleichberechtigung beider Völker. „Wir müssen dem Chauvinismus, den wir bei anderen Völkern finden", sagt Ruppin, „auch hei uns selbst begegnen". Er wies sodann auf den sozialen Frieden in Palästina hin, wo die Wirtschaft von Unternehmern aufgebaut werde und die Arbeiter keine überspannten Forderungen zeigen. Er sprach die Hoffnung aus, daß sich in Palästina neue soziale Formen entwickeln, die vielleicht auch die Entwicklung der übrigen Welt beeinflussen werden. Schon jetzt sind solche Anfänge vorhanden durch eine weitgehende soziale Fürsorge ohne staatlichen Zwang und eine umfangreiche Ausdehnung des Genossenschaftswesens. Der Wiederaufbau Palästinas werde nicht nur die nationale Heimstätte für die Juden, sondern auch ein neues Band des Zusammenhaltens für die Juden in der Umwelt schaffen, und vielleicht den Orient und den Okzident durch Annäherung beider Kulturen zu einer Synthese verbinden. Zum Schlüsse wies Ruppin darauf hin, daß die Juden im Sinne des Völkerbundes die Lehrer des Gedankens für die Völkerversöhnung sein können, aber nur dann, wenn sie sich als Volk bewähren. Weizmanns politischer Bericht. Hierauf erstattete Professor Weizmaun sein Referat. Der größte Teil seiner Ausführungen bestand in der Darstellung des Verhältnisse« zu England, wobei es Weizmann bei aller Konzilianz an einer '[ Kritik der ijialfigelhaften Unterstützung beim Wieder« . '\.'^ us a^f tiaii Palästinas" -fr * nicht fehlen, aber durchblicken ließ, daß eine Aenderung; »der Methode,, vo.n. der neuen eng- 1 i s c h e n Re g i e r u n g erwartet werde. Eine Reihe von dringenden Problemen, die der letzte Kongreß,.^angeregt •habe,, seien zwar, zum Teil erfüllt worden, dagegen sei die-Frage der Beschäftigung der jüdischen A r beiter bei öffentlichen Arbeiten und die Frage der Einstellung der Juden als Beamte noch immer nicht befriedigend gelöst. Auch die Regelung der Einwanderung habe enttäuscht. Die Regierung bereite besonders der Einwanderung Von Privatkapital noch immer große, unverständliche, Schwierigkeiten: . •' : "'■ Ira allgemeinen habe das Verhalten der Mandntsmacht in den letzten beiden Jahren die berechtigten Erwartungen der Juden enttäuscht, und Weizmann gab der Hoffnung Ausdruck", daß die englische Regierung sich in Zukunft nicht damit begnügen werde, die Ruhe und Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten, sondern vor allem dazu übergehen werde, =J|lllilllllllllIIIIII!IIIIIIIIIlllllllllllIllllllllllllligillll9llliII!IIU 5- Die Wiener weltbekannten ■ ■ 5 Talare u. 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Weizmann gab dann Einzelheiten über den wirtschaftlichen Aufschwung Palästinas, wies auf das Aufhören der Arbeitslosigkeit, auf die gesteigerte Industrietätigkeit und auf die Möglichkeiten hin, die sich durch den Bau des Hafens von Haifa, die jetzt begonnene Elektrifizierung und endlich die in Aussicht stehende Ausbeutung des Toten Meeres ergeben. Auch die finanzielle Situation der Organisation habe sich durch Verminderung der Schulden auf 150.000 Pfund verbessert. Mit Nachdruck empfahl Weizmann die Annahme des mit den nichtzionistischen Organisationen abgeschlossenen Vertrages. ' Die JWish Agency. Zürich, 30. Juli. In einer Nachmittagssitzung, der nach kurzer Pause eine Nachtsitzung folgte, hat gestern der Kongreß die Grundzüge des künftigen Statuts der „Jewish Agency" beraten. Das Referat erstattete Dr. Felix Rosenblüth (London). Das Dokument wird sich auf dem Völkerbundmandat aufbauen, das durch die „Balfour-Deklaration" ergänzt wird und daher den Grundsatz von der Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina enthalten wird. In der Verfassung wird der nationale Bodenbesitz. — wie ihn der „Nationalfonds" erwirbt — geschaffen, neben dem aber auch Privatbesitz an Grund und Boden weiterbesteht. Den Siedlern steht die Autonomie bei der Wahl der Siedlungsform zu, die genossenschaftlich oder ' privatwirtschaftlich sein kann. Die Behörden sorgen aber für wirtschaftliche Betriebsführung, um Katastrophen bei neuen Wirtschaftsformen zu verhüten. Diesen materiellen Bestimmungen der Boden- und Eigentumsverfassung folgen Bestimmungen über die Behördenorganisation: Die „Agency" wird aus einer parlamentarischen Körperschaft bestehen, dem „Council", der zur Hälfte aus Nichtzionisten besteht, dann einer „Administrative", einem Parlamentsausschuß von 40 Personen, der m der Zeit zwischen den Sessionen die Verwaltung leitet, ausschließlich der Exekutive, die die Rolle der Regierung spielt und in Ressorts zerfällt, gleich einem Ministerium., Präsident der „.Agency' ist gewöhnlich der* Präsiclent. cler Zionistischen Organisationein anderer nur mit qualifizierter Majorität. Das finanzielle Instrument der „Agency" und ihres , Budgetrechts ist der Keren Hajessod, aus dem die Verwaltungsausgaben bestritten werden, während der Nationalfonds ein eigenes Budget für Bodenkauf besitzt. Die Aufbringung des Budgets wird Sache der „Agency", also auch der Nichtzionisten sein. Sollten einmal die Nichtzionisten ausder Agency austreten wollen, so gehen die im Völkerbundmandat vorgesehenen Funktionen wieder auf die zionistische Exekutive über. An diese Darlegung schloß sich eine lebhafte Debatte, in der die Opposition — Radikale und Revisionisten — oft sehr scharfe Töne anschlägt. Wladimir J a b o t i n s k i (Jerusalem) wandte sich gegen die Exekutive, die immer zurückweiche. Nach ihm sprach Abg. Grünbaüm (Warschau). Dem Aktionskomitee wurde insbesondere Abweichung von der Idee des Judenstaates vorgeworfen, aber auch Illegalität, da die konstituierende Sitzung der Agency bereits einberufen ist, ohne daß 4as Statut noch zu Recht besteht. Der Referent, wies auf das Ergebnis der Wahlen hin, deren Plattform die Einsetzung der Agency war. Die amerikanische Opposition, geführt vom Richter Dr. Mack, verlangte besonders schnelle Siedlungsarbeit, die auch die Gruppe Jabotinski fordert, ferner eine Befristung des Agency-Paktes. Scharfe Kritik wurde von den palästinensischen Arbeiterdelegierten an der Finanzgebarung der Palästina-Verwaltung geübt, namentlich gegenüber dem Budgetreferenten Sacher, der für sozialpolitische Zwecke nicht genug freigebig wäre. Die Misrachi stellten namentlich religiöse Forderungen und Schulforderungen, besonders Freiheit in den von ihnen selbst erhaltenen Institutionen. Die Debatte dauerte den ganzen Tag an. Die amerikanischen Vertreter* Aus New York meldet die J. T. A.: Unter den 41 Vertretern der amerikanischen Nichtzionisten für den Council der Jewish Agency, befinden sich die bekanntesten Führer der amerikanischen Judenheit, auch zwei Führer der Agudas Jisroel und drei Führer der sozialistischen Arbeiterschaft, Joint-Taguug in Zürich. Im Anschluß an die am 11, d. in Zürich, beginnende Tagung des Council der Jewish Agency wird eine Sitzung cler Exekutive des American Joint. Distribution Committee abgehalten werden, Es wird dies, die erste Joint-Tagung außerhalb der Vereinigten Staaten sein. :., .