Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 98 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen DIEMEJIE V.b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zl0ty 2.—, vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc. 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6-8 Telephon: A25-2-82 - Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Der Züricher Die Eröffnungssitzung. Freitag, den 2. August 1929 Nr. 98 Von unserem Sonderberichterstatter. Zur i c h, 28. Juli. Mit einer festlichen Vollversammlung im S t a d U theater wurde der 16. Zionistenkongreß, der etwa 14 . Tage lang tagen wird, am 28. Juli um 16 Uhr 30 er« öffnet. Das mit grünen Pflanzen einfach geschmückte Haus hielten die Kongreßteilnehmer, denen als Ehrengäste zahlreiche. Vertreter des Volksbundes, der Diplomatie, der kantonalen, und städtischen Behörden sowie rund 300 Pressevertreter aus 24 Ländern sich beigesellt hatten, voll* besetzt; es mögen, da auf der Bühne etliche hundert Plätze bereitgestellt werden konnten, etwa 2000 Personen der Eröffnungssitzung beigewohnt haben. Dazu kamen fast hoch einmal so viele, denen die Reden durch Laut* sprecherübertragung im Kongreßhaus „Zur Kaufleuten-* hörbar gemacht wurden. .,. - ^rvV/--Ä.r..--.-.- . Um 16 Uhr 50 betrat, vom Kongreß mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt, der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Ch'aim Weizmann, den Rednerplatz, um die Eröffnungsansprache zu halten. Ohne nach rhetorischen Effekten zu streben, las er in schlichter Weise sein Manuskript. Er führte etwa folgen» des aus: Der Tag, an dem wir uns zum sechzehnten Male zu unserem Kongreß versammeln, ist ein großer natio» naler Gedenktag. Heute sind es 25 Jahre, daß der Schöpfer dieses Kongresses für immer von uns ge* gangen ist. Wir, können den Todestag Theodor Herzls bes gehen im Gefühl der tiefen Dankbarkeit für sein unserer Idee hingegebenes Leben. So ist der 20. Tamus in unserem Kalender ein Tag der Sammlung aller im Geiste Zions .geworden, an dem wir uns unserer nationalen Zusammengehörigkeit, unserer Verantwortung vor unserem Volke und der Größe unserer Aufgaben bewußt werden. An diesem Gedenktag tritt unser 16. Kongreß zusammen. Möge es ein gutes Symbol sein! [ Jeder unser.- Kongresse ist dazu da, Rechenschaft abzulegen über das Getane und Versäumte und Beschlüsse zu fassen für die künftige Arbeit. Dieser Kongreß hat außerdem eine besondere Aufgabe. Er hat für die Verwirklichung des Zieles des Zionismus, für die im Basler Programm postulierte Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdi* sehe Volk in Palästina, ein neues organisatorisches Gebilde zukonstruieren. Es ist dies nur eine Konsequenz aus den inneren Entwicklungen, die sich in den letzten dreißig Jahren und besonders - in den letzten zehn Jahren vollzogen haben- * Als wir die Zionistische Organisation gründeten,, war die jüdische Heimstätte nur eine Idee, keine ^praktische Wirklichkeit. Die Zionistische Organi» sation umfaßte alle, die diese Idee bejahten; sie forderte von den Juden eine geistige Entscheidung. Der Zionismus" war .eine Sache des Glaubens. Der Kampf um dievon uns verkündete 1 lee ergriff das. jüdische Volk in seinen tiefsten Tiefen. Der Zionismus, hat sich in; diesem Kampfe-behauptet. Durch alle, Wecjfrselfälle des [äußeren Geschehens' hindurch hielt er an seinem Ziele fest und beeinflußte auch das Denken , und; Fühlen eines großen Teiles der Judenheit, die ihn ablehnte. Die Balfour» Deklaration, die uns mit einem Schlage vor die politische Möglichkeit 'stellte, unsfer Natipnalheim aufzubauen,' führte eine ne,ue Epoche herauf.'iür die unsere alten Organisator»* sehen- Mittel nicht mehr ausreichen. 'Der Zionismus ist mit einem Male nicht mehr nur eine Sache der geistigen Entscheidung, sondern in einem starken Ausmaße auch der technischen Bewäiti* gung und der praktischen Leistung. Diese verwandelte Situation hat Schwierigkeiteft geschaffen, ja sogar Erschütterungen hervorgerufen, die uns in den letzten zehn Jahren oft ■ genüg auf eine harte Probe gestellt haben. Heute können wir ohne Ueberhebung sagen, daß wir ,in der Bewältigung der Aufgabe große Fort* schritte gemacht haben. Wir stehen heute am Ab* schltuß einer großen zionistischen Periode der praktischen Bewährung. Vor zehn Jahren haben wir, in Anlehnung ah die bedeutenden Anfänge, die ': vom Baron. Edmond de Rothschild und den ChpweWe Zion gemacht wurden, mit dem Bau des jüdischen Natidnalheims'begönnen. Wir hatten zu zeigen," daß es uns ernst ist. Diesen Beweis haben wir erbracht. ' "'• ' .' ' '>;.-• , . ,;-<;•;-Wir kabc^,,eh^^ voll* bracht, die die. Kritik nicht zuSsciieuenvhat.n ,v v ./y Wir hatten in der abgelaufenen^ Kongreßpe^iode' die erwünschte Gelegenheit,; un.sefr k.oloQisätör'i< sches Werk von einer Reihe erstrangiger Experten prüfen zu lassen, und; ihr Urteil hat bewiesen, daß die Grundlagen unseres .Werkes, gesund und tragfähig sind. Diese Entwicklung Palästinas hat auf die .gesamte Judenheit eine tiefe Wirkung ausgeübt. Unsere praktische Arbeit hat Freunde gewonnen. Weite Kreise außerhalb der' Zionistischen Organisation haben verstanden, daß es hier nicht mehr um Parteistreit, nicht mehr um ideologischen Zwist geht, sondern, um Leben von jüdischen Menschen, Entstehung einer jüdischen Ge* meinschaft, ein jüdisches Werk, auf das die ganze Welt mit Erwartung blickt, Vor sechs Jahren haben wir die Verhandlungen begonnen, die darauf abzielten, die im Artikel 4 des PalästinasMandates vorgesehene Jewish Agency, mit deren Funktionen zunächst die Zionistische Organi* lation betraut war, zu einer umfassenderen Vertretung des jüdischen Volkes auszugestalten. Alk Kreise, die bereit waren, am Aufbau der jüdi* sehen Heimstätte teilzunehmen, sollten auch organisch mit , der Jewish Agency verknüpft sein. Es ist erklärlich, daß dieser Gedanke Zeit brauchte zu seiner Realisierung. Dieser Kongreß steht in ihrem Zeichen. Als wir vor zwei Jahren zusammensaßen, waren wir beunruhigt von der Lage in P al ä s t i n a. Die allzu große Einwanderung der vorausgegangenen Jahre, für die das Land nicht vorbereitet war, hatte eine Krise erzeugt. Wir standen im Zeichen der Arbeitslosigkeit und der Rückwanderung, wir mußten Unterstützungen be« zahlen auf Kosten des produktiven Aufbaues. In den letzten zwei Jahren hat sich die Lage aufgehellt und wir haben mit Freude vernommen, daß die Zeit des Ueber* Schusses der Auswanderung beendet ist und eine Zeit der Einwanderung beginnt. Die Lage in Palästina hat sich grundlegend gebessert. Wir haben in der letzten Zeit besonders eine Entfaltung des privaten Unternehmungsgeistes zu verzeichnen. Aber such u n s e r e n a t i o n a 1 e K p 1 o n is a t i o n hat Fort* schritte gemacht. Der Kongreß wird' über, alle, diese Zweige der Aufbauarbeit Berichte hören und sich, mit den damit zusammenhängenden Problemen zu beschäftigen haben. Die E r w e i t er ü n g unserer Kräfte und unserer Möglichkeiten durch den Eintritt neuer Kreise; in die Agency müssen wir benützen, um ein Arbeitsprogramm für mehrere-Jahre aufzustellen. Wir vertrauen v unserem Enthusiasmus, aber wir sehen alle Realitäten. In unserer Aufbauarbeit stehen wir unter dem Schutz der Mandatarmacht, mit der uns wie bisher Bande des Vertrauens und des Verständnisses verknüpfen, wenn wir auch gar manches an ihrer Politik auszusetzen haben. Wir haben auch in der " Öffentlichen Meinung der Welt viele neue Freunde ' gewonnen. In der letzten Kongreßperiode sind ver« schiedene bedauerliche Zwischenfälle ges schehen, die Mißverständnisse zur Folge hatten über > unsere Auffassung der Frage der heiligen Stätten. Wenn der jüdische Gottesdienst vor der uns heiligen Klagemauer gestört wurde, so ist die heftige Ent« rüstung der jüdischen Welt eine natürliche Reaktion. 1 Wir haben klargemacht, daß wir eine Verletzung unseres Rechtes auf Andachtsübung nicht hinnehmen können. Zugleich aber wiederholen wir, was wir häufig erklärt haben, daß uns nichts weniger in den .... Sinn kommt als eine Antastung der religiösen Rechte oder heiligen Stätten anderer Konfessionen. Wir be« dauern auch, daß diese Affäre Anlaß gegeben hat zu einer akuten Mißstimmung zwischen uns und den mohammedanischen Mitbürgern in Palästina. Wir wollen unsererseits Calles' tun, um in dieser und" anderen Fragen eine Verständigung mit den Arabern Palästinas herbeizuführen. ••'? Unsere Bewegung ist der klarste Ausdruck des Er* wachens der jüdischen Seele, das sich im letztenhalben Jahrhundert vollzogen hat. Mit brennender Schärfe empfinden wir die Verantwortung für das ganze Volk. Die Botschaft des Zionismus ist noch lange'nicht in jedes jüdische Haus gedrungen. ■ ■■<■ Noch immer dient ein großer Teil unserer Jugend fremden Göttern in verschiedener Gestalt/1 Wir waren in den letzten Jahren auschließlich könzen» triert auf die praktische Arbeit in Palästina. Heute, wo eine neue Generation herangewachsen ist, empfinden wir, daß es an der Zeit ist, den Zionismus mit erneuter Hingebung als eine Sache ., der sittlichen Entscheidung vor die jüdische Welt zu bringen. Worauf es ankommt, ist die Gewinnung der Jugend für die Entscheidung zu ihrer nationalen Verantwor* t u n g. Der Zionismus ist der Wille, ein neues Judentum zu schaffen, er ist die innere Wie derauirieh* tung der jüdischen Seele. Aus diesem Grunde muß der Kampf' um die Seele unserer Jugend in Zukunft einen noch größeren Platz bei uns einnehmen als bisher. Der Zionismus muß dem jüdischen Volk nicht nur ein nationales, sondern ein menschliches Ideal gehen. Wir glauben, daß heute wieder tausend jüdischer Men* sehen, die1 aus dem Chaos ihrer Seele keinen Ausweg finden, von diesem Kongreß ein neues Wort erwarten. Die Befürchtung, daß durch die Erweiterung der Jewish Agency die Zionstische Organisation überflüssig' wird, scheint mir kleinmütig. Der Zionismus hat niemals Garan* tien seines Bestandes gehabt, er war stets ein großes Wagnis, seine einzige Stütze der feste Glaube der . Ge* treuen. Wenn unser Geist stark ist, dann wird aus jeder äußeren Veränderung der Zionismus bereichert und ge* stählt hervorgehen. Möge dieser Kongreß durch seinen würdigen Verlauf und durch den Ernst seiner: Verband* hingen uns dieses große Gefühl der Selbstsicherheit geben, auf dem jedes zionistische Wirken beruht. Mit diesen Worten erklärt der Präsident den 16. Zjonisten* korigreß für eröffnet. Sokolows Herzl-Rede. Der Kongreß nahm die Eröffnungsrede sehr bei» (fä$g auf und wandte, nachdem Dr. Weizmann noch die Ehrengäste speziell begrüßt hatte, seine Aufmerksamkeit 'dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive zu,vN^Üm Sokolow, der in hebräischer Sprache eine Gedächtiiis* rede auf Theodor Herzl hielt. Er schildert-Heryls Ent» Wicklung von den Jugendjahren bis zu dem bedeutungi** vollen , ersten Zionistenkongreß von 1897 in Baftel. kenn* zeichnete, unter Einflechtung zahlreicher persönlicher Er» innerungen, Herzls Wirken als Lehrer und als Organi«