Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 97 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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T Nr. 97 DIE NEUE WELT Seite lf 1 Bevor Sie reisen ^t^^t0^tk^^r^ ISSRFRflMSMM llADMMIAII CIA «Ii imi | Strickwaren etc. Eil gros ~ en detail iftlfllllAHii U Im Ol U IIIflllil Kommen Jie ZU MÜS» Infolge kleiner Regien ipolt billig! I, Rabensteig 3 Die vergessene Telephonlinie. Eine hübsche Gescliichte erzählt der Vertretet der magyarischen Minderheiten von Siebenbürgen am Madrider Minderheitskongrefl, Dr. Stefan Sulyok, aus einem Gespräch mit Leo Motzkin, der gleichfalls Delegierter des Kongresses war. Motzkin hat eine Schwester, die als Zahnärztin in Leningrad lebt und die er seit 15 Jahren nicht gesehen hat. Immer wieder versuchte er mit seiner Schwester Verbindung zu erhalten, jedoch ohne Erfolg. Erst im Jänner dieses Jnhres hatte er ganz unerwarteter Weise die Möglichkeit, mit ihr einige Worte zu wechseln. Motzkin hielt sich damals in Angelegenheiten der jüdischen Minderheit in Heisingfors auf, wo er in Erfahrung brachte, daß die aus der alten Zarenzeit bestehende Telephonlinie mit Petersburg nicht nur auch jetzt noch fungiert, sondern sogar noch. um den alten Tarif benutzbar ist. Man konnte für sechzig Kopeken ein Gespräch von drei Minuten führen. . „Ungeheure Erregung erfaßte mich, als ich von dieser für mich so wichtigen Neuigkeit erfuhr," erzählte Motzkin. ,,Tch . kannte die Telephoninimmer meiner Schwester und ließ mich mit ihr verbinden. Meine Schwester meldete sich persönlich am Telephon. Ihre Stimme war dieselbe wie vor fünfzehn Jahren. Wir hätten nun drei Minuten lang miteinander sprechen können, aber mich hatte die Rührung so sehr gepackt, daß ich von.den drei Minuten zwei am Telephon förmlich ycrschllic'hzt habe. Am nächsteh Tag gelang es mir, wohl noch eine Verbindung mit meiner Schwester herzustellen und ich konnte ihr noch sagen, daß sie sich eine Ausreisebewilligung verschaffen möge und ich würde ihr in Heisingfors eine Aufenthaltsbewilligung erwirken. Die Bolschewiken haben ihraberdie Ausreisebewilligung versagt, sie wissen, daß sie meine Schwester ist und halten sie zurück Ein üiibekanntes Spinoza-Bildnis. Dr. J. L e v y berichtet im : „Kunstwanderer" über die in kulturhistorischer Hinsicht bedeutsame Ent« deckung eines bis jetzt unbekannten Bildes des nieder* ländischen' Malers Samuel van Hoogstraaten, von dem mit größter' Wahrscheinlichkeit angenommen ' werden kann, daß es sich um ein Porträt von-Spinoza handelt. Das Bild, 99,5 Zentimeter hoch und 76 Zentimeter breit, be* findet sich im Berliner Privatbesitz und ist als ein authen* tisches Werk voiy Hoogstraaten beglaubigt. Dr. Levy kähn feststellen, daß Spinoza und van Hoogstraaten zu gleicher Zeit im Haag lebten. Hoogstraaten hatte auch philosophische Interessen«. .. .. Eine Ehrung Abraham Goldfadens. Der Stadtrat von Marienbad unter der Leitung des Bürgermeisters Doktor Jurba hat die Anbringung einer Marmorgedenktafel für den Begründer .des jüdischen Theaters Abraham Gold* faden, der auf seiner Tournee auch kurze Zeit in Märien* bad weilte, bewilligt. Diese Ehrung Goldfadens ist auf die Initiative von A. M ei s eis, dem Dramaturgen der Jüdischen Kunstspiele in Wien, zustandegekommen. Die Mittel zur Herstellung der Gedenktafel wurden durch eine Sammlung aufgebracht. Wie.uns mitgeteilt wird, findet die Enthüllung (Komitee bestehend aus den Damen H. Dulitz* kaja, Cl. Meisells und den Herren A. Meiseis, M. Zelriik^r und B. Zawadsi) Sonntag, den 4. August, statt. Int „Neuen Jüdischen Theater" (IL, Praterstrafie Nr. 60) wird das erfolgreiche Gastspiel des jüdischen Schauspielers Herrn Nathan Eisikowicz fortgesetzt. Samstag, den 27. Juli gelangt das vieraktige Lebensbild „Drei ' Chasenes" von J. Zalatarow, Musik von M. Kreindler, zur Erstaufführung. Die Novität wird bis 30. Juli wiederholt. Am 31: Juli Ehrenabend der Schauspielerin Frau Saleia Weinberg. Ja, wenn Sie fremde Sprachen sprechen könnten! Dann sähe es ganz anders um Ihre Zukunft aus: Sie fänden weit schneller eine neue und besser bezahlte Stellung, Sie; kämen viel schneller in Ihrem Beruf vorwärts! Schaden» Sie nur einmal in den .Stellenmarkt der großen Zeitungen,; Sie werden dort die Bestätigung finden. Warum nutzen Sie - diese Möglichkeiten nicht aus? Es ist doch gar nicht; so schwer, eine fremde Sprache zu erlernen — und auch recht billig. Es kostet nur drei Mark im Monat (12 Mark, im ganzen), nach der ■ Methode, Toussaint*Langenscheidt' . eine fremde Sprache so gründlich zu erlernen, daß Sie schon nach einem halben Jahr jede fremdsprachige Kor* respondenz oder mündliche Verhandlung in fremder' Sprache übernehmenkönnen. 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Die Reise brachte dem Verein zwar sportliche Erfolge, aber keinen finanziellen Reingewinn, Dazu mußte noch die Wettspielreise abgebrochen werden, da. die Reyaler Vereine ihren Verpflichtungen gegenüber der Hakoah nicht nachkommen wollten. Die Blau*Weißen haben sieben Matches, ausgetragen und davon nur einen Kampf gegen Legja verloren. .Auf der Reise kam es zwi* sehen Neufeld und Scheuer zu Meinungsverschiedenheiten. Der Hakoah*Vorstand wird sich mit dieser Sache be« fassen müssen. Neue Spieler. Dem F. C. Hakoah sind zahlreiche Spieler beige» treten. Die bemerkenswerteste Akquisition ist die des Flügelläufers F r e i f e 1 d vom F. A. C. Zu erwähnen sind hoch Knapp (Viktoria*Wienerherz), Eisinger (Wolkers* dorf) und Placzek (Hasmonca). Der ungarische Spieler Bader, der mit der Hakoah einen Vertrag abgeschlossen hatte, wurde nun auch vom ungarischen Verband frei* gegeben, so daß der Spieler bereits in den nächsten Kämpfen seines neuen Vereines teilnehmen wird. Da* gegen übersiedelt Straß anfangs August nach New Nörk und wird für die dortige Hakoah spielen. Jüdische Leichtathleten. Beim Länderkampf Oester* reich—Tschechoslowakei in> Leichtathletik hielten-'sich die jüdischen Sportler beider Länder ausgezeichnet. So konnte Blödy (Hakoah) im- SOCkMetertaufen den zweiten Platz besetzen (1:584/ö). Es war das schönste Rennen. In 400 Meter landeten die Hakoahner Deutscher und Beck an dritter.und vierter Stelle. Frankl (Hakoah)* endete im 5000* Meterlaufen .auf dem zweiten Platz. Sechs Runden hin« durch hielt sich Frankl1 dicht an den Fersen seines großen Gegners Kosziak, der zu den besten Langstreckenläüfdi'n Europas zählt. , Copyright 1928 by „Die'Neue Weit", Wien. ' (Ecke Settenstettgnsasse Die HakoflhiHandbalLDamensSektion gnstiertet let*« ten Sonntag in Theben und siegte 2 : 1. Das Spiel wurde einige Minuten vor Ablauf der Spielzeit abgebrochen, da einige Zuschauer, als eine Spielerin der Zwirnfabrik ver* letzt am Boden I'ag, auf das S p i e 1 f e l d s t ü r m t e n und so den Abbruch erzwangen. . . RingkampfsMeeüng der Hakoah. Die Hakoah ver* anstaltet am 3. August wieder ein in pressantes Ring* kampf*Meeting. Ihre zweite Mannschaft wird gegen- Mak* kabbäa (Preßburg) antreten, und Hakoahs erste Mann* schaft plant gegen eine kombinierte Wiener Mannschaft zu ringen. Dieses Team soll im Wege von Einladungen aus den Siegern in den Meisterschaften gebildet werden. Gegen Makkabäa wird Hakoah mit der Mannschaft Ochsenliorn, Fadenhecht, K. Göttlieb, Steinhardt, Käd* mon, Koch, gegen das Team mit Flamm, E. Gottlieb, Schlanger, Ochsenhorn, Birnbaum und Hirschl antreten. Touristik und SkUKlub „Hakoah". T, o u r e n pr.o* gramm für den 28. Juli: Fußtouren: Windischhütte (Stadtbahnende Hütteldorf 8. Uhr). Näheres Freitag von 20 bis. 22 Uhr. Jugendgruppe: Nach' Vereinbarung. Näheres Donnerstag von \9 bis' 21 Uhr. Klubheim,. Wien, L, Wipplingerstraße 24 (Durchgang Cafe "Altes Rathaus). — H ü 11 e n b a u s a m m hu n g. Geplant .wird die Er* richtung einer Schutzhütte im Semmeringgebiet. Baugrund bereits erworben. Bisheriges Sammlungsergebnis: S" 10.166, hinzugekommen: Jakob Wallach 20, Hugo I. Kohn 20, Irmgard Kohn 20, Ernst Gerstenfeld' 15;' somit bisher S 10.241. Spenden an die Redaktion oder direkt äuf Post* sparkassenkonto 10.383. ' ..... Rabbinat der Israelitischen KuUtisgemeinde Wien. Zahl 2689 ex 1929. -Wien, 18. Juli 1929.' Kund m a c h u n g. _ \ Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die. Fleischbank des Herrn Benjamin P r e m i t k e, Wien, IL, Im Werd 5, nicht mehr unter Aufsicht des Rabbinates der Israelitischen Kultusgemeinde Wien steht. Dasselbe > kann daher für das Kaschruth in dieser Fleischbank keinerlei Verantwortung übernehmen. , Das Rabbinat der Israel. Kultüsgemeinde Wien. Nachdruck verboten, : Römän von SchaJom Alechem. 'Ins Deutsche übertragen von P, Rosen h a (37. Fortsetzung) Für urisern Holzman war der Besuch ein großer, hoher Feiertag, ein Feiertag, für den man" sich vorbereiteil, muß. „Hol's der Teufel "mitsamt den Knochen! Wenn; man schon zu einem Mäzen zürn Mittagmahl zu gehn hat, muß man'gehn wie ein Mensch.". .. Und er ging .zwischen, den Läden durch und kaufte sich eigens einen funkelnagelneuen Anzug, stritt "mit deii .Lemberger Kaufleuten, feilschte bis ins Mark, handelte sehf günstig ein,, man kann sagen, spottbillig. „So soil der Direktor Jokl ben Flekl keine Kränk haben wie' man bei unseinen solchen Anzug kriegt um dieses Geld. Wie meinst du, Liebling?" „Umsonst wie von einem Dieb!" „Vielleicht nicht?" - - „Gewiß -ja!" Warum , lachst du dann?" („Was willst du? Soll ich.-weinen?" r „Wer will, daß du weinst! Ach, du kleiner Trottel von einem Dummkopf," macht Holzman und beide lachen vergnügt und beide machen "sich bereit zürn hohen Besuch. Holzman setzte sich hin, um sich „in einem Zug herunterizuschaben" das eingetrocknete, gelbgrüne Gesicht, ließ der Schönheit zuliebe zwei schwarze Backenkoteletts stehen« Die Backenkoteletts paßten auch sehr gut zu seinen/ mageren,, eingefallenen Wangen und zu seinem langgezogenen Hals, der aus einem schneeweißen Stehkragen mit kunstvoll geknüpftem Schlips hurvorguckte. Ein paar neue Lackschuhe mit breiten Schuhbändern und der. hohe glänzende Zylinderhut auf dem spitzen Kopf gaben seiner zugespitzten Figur noch mehr Grazie, so daß sein junger Freund sich nicht zurückhalten konnte, ihm das Kompliment zu machen, daß er von Tag zu Tag schöner und jünger*, werde. „Schofler -r»,möglich, aber — jünger, Gott weity" sagte Holzman ganz ernst, ihm den Kopf zuneigend.. , „Siehst, Vögelchen, graue Haar, die Cholera komme auf Schtschuppak, das hab ich ihm zu, verdanken." .'. Auch Rafalesco warf sich des Besuches wegen in die letzte Mode. Seine großen, weißen, selten schönen* Hände schienen aus dem Smoking hervor, der auf ihm ein wenig eng und kurz aussah,, da Rafalesco damals im richtigen Wachsen begriffen war. Die breite,'volle, scheeweiße, geschmackvolle Hemdbrust löste sich von der aus-' geschnittenen Weste und wetteiferte mit dem schöne^ weißen Hals. Seine ganze Gestalt zeigte soviel Jügencflijchkeit und Frischheit, daß es wirklich eine'Freude "und ein Vergnügen war, ihn anzusehen. Nicht umsonst hat die Primadonna Heiirietta Schwalb alle, ihre Kavaliere und Freier abgelehnt und ist ganz ernst daran gegangen, diesen „grünen Jungen zu erobern", der „entweder das Herz eines Tataren hat oder das Herz nicht am FfecW oder überhaupt eine unreife Gurke ist." ■•'.•• Henrietta Schwalb, die gewohnt war, daß alle „fürsie den Hals hinhalten", konnte nicht begreifen, \was mit diesem Jüngling vorgeht. Was ist das? Sie, Henrietta, ist immer in seiner Nähe, vor seinen Augen» macht seinetwegen Toilette, erst vor kurzem hat sie sich ein Samtkleid „Reform" machen, lassen, belegt mit „Flitter", alles tut sie,' was sie kann, " macht die . Welt rebellisch und er? — nichts. Kurioser junger Mann, eine fwjlde, wilde Sache! Bald ist er froh, springt, tanzt, singt, bald ist er, wenn ihr wollt, traurig, schreitet einher wie ein träumender Engel.... „man muß den Knaben in die Hände nehmen..." Der ,jl<nabe" (Rafalesco) dachte aber nicht im entferntesten an die Primadonna Schwalb. Hirn und Herz waren ganz wo anders — in Wien. Nachts im Traum lund ain wachen Tag sah er vor steh nur Wien, und Wien. Wien war .für ihn jetzt der Garten Eden, wohin es seijne Seele drängte. In Wien gab es jetzt für ihn zwei Menschen, die ihn wie ein Magnet anzogen. „Die zwei sehen und sterben." . \ Daß Resl jetzt in Wien ist, weiß er von Brejhdelef Kosak. Daß er. sie in Wien finden wird, besteht kein Zweifel. Die Frage ist nur: Wird sie ihn erkennen? Und sie selbst, wie sieht sie aus? Wie wird ihre erste Begegnung sein? Was wird er ihr zuallererst sagen? Er wi'rd ihr nicht verraten, daß er es sei, nein, soll sie ihn selber erkennen. Und sie erkennt ihn auch, gleich, hu Augenblick. Und sie fallen einander um den. Hals. Und Worte silnd nicht da; Keine Sprache mehr, Nur zwei gezählte Worte: Resl... Lebl! PIWIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIMIIIIM KonareBliuctihcindlung Dr. Heinrich Glanz 1 Wien, VIII., Langegasse 32, Tel. B-42-9-12 Wien 1925 j — Basel 1927 — Zürich 1929 Kongreßgebände. Be- ] Stellungen werden prompt ausgeführt HIHIIinWIlllHIIIUMIIIIimilliHllltUMIIIIUIIUliul