Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 97 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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r Seite 10 i _' Erfolge des jüdischen Schulwesens in der Tschechoslowakei. Im Auftrage der Tarbuthorganisation hat Doktor Engel in einer achttägigen Informationsreise alle Schul* orte Karpathorußlands besucht, mit den Ortsgruppen Be* sprechungen abgehalten und sich von dem Stande des hebräischen Schul Werkes eingehende Kenntnis verschafft. Die Volksschulen von Mukacevo, Uzhorod, an denen in vorschriftsmäßiger Weise die Schlußprüfungen abgehalten wurden, boten einen guten Einblick in die erfolgreiche Tagesarbeit. Der komplizierte Lehrplan, wel* eher der karpathorussischen und tschechoslowakischen Sprache Raum bietet, hat selbst den Beifall der Schul* behörden gefunden, und wie aus einem Artikel der Regie* rungspresse hervorgeht, erkennt man in dem Vorgange des hebräischen Schulwerkes, das die Ansprüche des Volkes, Landes und Gesamtstaates befrideigt, den einzig motfllchen Weg, aus dem Chaos der allgemeinen Schulforderüngen herauszukommen. Die Erfolge in der hebräischen Sprache sind recht gute, zum Teile müssen sie selbst fachmännisch als ü b e r« w e r t i g bezeichnet werden. Die Fortschritte in den slawi* sehen Sprachen sind derartige, daß Kinder an Orten, an welchen eine andere Möglichkeit nicht besteht, in eine slawische Mittelschule aufsteigen können. Die Schulaus* Stellung in Mukacevo zeigt hervorragende Leistungen auf dem Gebiete des Zeichnens, der weiblichen Handarbeiten und des Knabenhandfertigkeitsunterrichtes. Es besteht die Möglichkeit, die schöne Ausstellung im Winter auch hier* rands vorzuführen. Verband englisch-jüdischer und zionistischer Universitätshörer. SommersHochschule. Die Verbände der englisch^ üdischen und zionisti* sehen Universitätshörer veranstalteten unter gemeinsamer Leitung vom 9. bis 23. August in Mostyn House Schoo!, Parkgate bei Chester in England, eine SommersHochschule und l'aden dazu Auslandskollegen ein. Die Lage der Schule ist äußerst vorteilhaft an der Meeresküste in der Graf* schaft Nordwales und sie kann von London leicht erreicht werden. Die Verköstigung ist streng rituell, reichlich und 'abwechslungsreich, Schwimm*, Bade*, Tennis* und Cricket* platze stehen den Hörern zur Verfügung. Zwei Vorlesungsserien werden abgehalten. Die erste Serie, veranstaltet durch die Vereinigung jüdischer Universitätshörer, behandelt das Thema: Der jüdische Student (geschichtlich, von der talmudischen bis zur mo* dernen Zeit) und wird aus fünf Vorlesungen bestehen. Die', zweite Serie, veranstaltet von der Vereinigung Zioni* stischer Höchschüler, wird moderne zionistische Probleme behandeln und besteht aus vier Vorlesungen. .Die Ge< bühren betragen für Vorlesungen, Wohnung und Verkösti* gung Pf. 6.0 für alle vierzehn Tage, Pf. 3.3.0 für eine Woche, Pf, —.10.6 per Tag. Da die Zahl der Teilnehmen* den beschränkt ist, haben Anmeldungen sofort an die Adresse: Dr. E. Newmann, 47, Park Lane, London, N. 16, zu erfolgen. Eine Einstein-Handschrift in Amerika. Aus .New York wird uns berichtet: In einer der letzten Senatssit ) :igen der Wesleyan University berichtete, der Präsident der Universität M. c. Conna ugb y, daß „die Universität sich grenzenlos geehrt fühle, die einzige Anstalt zu sein, die in den Besitz einer Einst e i n - H a n d s c h r i f t gelangt ist." Es handelt sich um das:Manuskript des letzten Werkes Einsteins von der Feldtheorie. Als es bekannt wurde, daß Professor Einstein . seih neues Werk vollendet hat, setzte sich der Präsident der Central Union Trust Compagnie von New York, George W. Davison, mit Berlin wegen Erwerbung der Handschrift in Verbindung. Frau Einstein erklärte, daß ihr Gatte gegen den Verkauf des Manuskripts .keine Einwendung erhebe, vorausgesetzt, daß dadurch hinreichende Mittel erzielt würden, durch welche es ihm und seiner Gattin ermöglicht würde, das Wohlfahrtswerk zugunsten der Höchschüler, an dem sie beide so sehr interessiert seien, in wirkungsvoller Weise fortzuführen. Dieser Bedingung wurde sofort entsprochen. Der Kaufpreis des Manuskripts wird ■wohl nicht veröffentlicht, „doch", schließt der Präsident . seinen Bericht, „kann gesagt werden, daß er i n keinem Verhältnis zur wirklichen Unschätzbar k e i t des Manuskripts steht. Die Wesleyan University wird es sich immer vor Augen halten, daß sie als Hüterin dieses unschätzbaren Manuskripts gleichzeitig auch eine wichtige Aufgabe im Interesse der ganzen Welt des wissenschaftlichen Gedankens erfüllt". Das Manuskript der Relativitätstheorie hat Einstein bekanntlich der hebräischen Universität in Palästina geschenkt. Der Deutsche Studententag in Hannover. In Hannover tagt gegenwärtig der 12. deutsche Stu'dentehtag, der von mehr als 200 Vertretern der allgi* meinen Studentenschaft der deutschen und ÖsterreichU sehen Hochschulen besucht ist. Da die Vertreter der .studentischen Minderheiten ferngeblieben sind, setzt sich die Tagung aus mehr oder minder völkisch eingestellten Gruppen und Verbänden zusammen. Es liegen Anträge 4er Studentenschaften Würzburg und Erlangen vor, in denen die Einführung des Numerus clausus für1 jüdische. Studierende an deutschen Hoch* schulen gefordert wird. Referendar Kerst,en, der den Jahresbericht erstattete, empfahl die Ablehnung der Numerus clausus*Forderung der bay* rischen Studentenschaft, die die Würzburger und Erlanger Anträge vertrat, und führte aus, die Stu* dentenechaft habe sich auf ihren Grundcharakter der DIE NEUE WELT Häuser in Wien übernimmt zur Verwaltung behördlich autor. Gebäudeverwaltung M. Weichselbaum, VIII* Pfeilgasse 34 Tel. B-42-505. Kulant mit fachmänischer Interessenverwaltung. Prima Referenzen. allgemeinen studentischen Zusammenfassung zu besinnen. Er trat auch für die Förderung des Studiums von Aus* Iändern in Deutschland ein. Der Numerus clauses in Ungarn. Der ungar-'^he Kultusminister Graf Kleb eis* b e r g hat soeben die Zahl der an den Universitäten und Hochschulen aufzunehmenden Hörer festgestellt. Die Zahl ist gegenüber dem Andrang zum Hochschulstudium eine ziemlich geringe. Sämtliche Universitäten und Hoch* schulen sind verpflichtet, alle Vorzugsabiturienten, die sich melden, ohne Rücksicht darauf, welcher Konfession sie angehören, aufzunehmen. Der König von Abessinien für eine Falascha-Schule. Dr. Jakob F a i 11 o v i c z, -.der unermüdliche Freund der unter dem Namen Falascha bekannten schwarzen Juden, erhielt in New York, wo er sich gleichfalls im Interesse seiner Schützlinge aufhält, die Mitteilung, daß der König von Abessinien Tafari Makonen für die Zwecke der Errichtung eines neuen Schulhauses und jüdischen Zentrums in der Hauptstadt von Abessinien Addis Abeba den Betrag von 2500 Dollar gespendet hat. In dem Begleitschreiben versichert der König, da II er die Bemühungen um den religiösen und erzieherischen Aufschwung der in seinem Reiche lebenden 50.000 Falascha mit dankbarem Interesse verfolge. Kleine Geschichten des jüdischen Lebens. Von Jakob Krausz. Idi sammle gerne lebenswahre Dokumente aus der jüdischen Geschichte, wie sie" durch jüdischen Geist, jüdischen Witz und jüdische Erfindungsgabe in der Bedrängnis belebt wurde, und auch jetzt hoch', während unsere Geschichte sich fortspinnt, immer von neuem belebt und genußreich gemacht wird. Diese kleinen psychologisch herrlichen Empfinduugsausdrücke sind wert, aus dem . Wust bedeutungsvoll erscheinender Ereignisse herausgehobeil zü-werderi. Der Traum vom Erzvater Abraham. Hebron, die Sagenreiche Stadt in Palästina, gilt den Arabern besonders heilig, weil sich in ihr angeblidi das Grab des Erzvaters Abraham, des Vaters Israels befindet. An den Patriarchen Abraham dachten die Araber von Hebron, als sie ihre Stadt arabisch „AI Dalril", der Gottgelicbte, nannten. Aber trotz der Heiligkeit der Stadt sind die Araber nicht dazu zu bewegen, auch das geringste für ihre Reinlichkeit und hygienische Verbesserung zu tun. Hebron starrt von Schmutz, ist eine Gefahr für die nächste Umgebung und die Regierungsbehörden wissen ein Lied davon zu singen, was es heißt, im arabischen Hebron Ordnung und Reinheit einführen zu wollen. Als die Behörde sich doch veranlaßt gesehen hat, gegen diese von zahlreichen Fremden stark besuchte Bazillenbrutstätte energisch vorzugehen, stieß sie auf den härtesten Widerstand. Sie erließ strenge Befehle und Anleitungen zur Reinhaltung der Straßen und Höfe und drohte sogar mit empfindlichen Geldstrafen im Falle der Nichteinhaltung der Verordnungen. Unter den Arabern von Hebron brach fast eine Revodenn auch nach einer stürmischen Protestversammlung beauftragt, alle Mittel anzuwenden, um die altehrwürdige Stadt Hebron von der Schmach des Reiuheitszwanges der Ungläubigen zu befreien. Der Mukhtar entledigte sich des Auftrages in echt, arabischer Weise. Er suchte den Chef des Sanitätsdepartements, als den Hauptschuldigen des Anschlags gegen den Jahrhunderte alten Schmutz von Hebron, auf und sagte: Brüder Sc&iffmann, II.,Tab6rstr. 48. Samstag, den 20. Juli eröffneten wir unsere Kleiderschwemme, Unerreichtes wird geboten, die besten Qualitäten, in modernster Fasson gearbeitet, werden zu Preisen abgegeben, die Wien noch nie geboten. Einige Beispiele Fesches Waschkleid S 1.90 Voilekleid, schick gemacht S 2.90 dasselbe in Marocaine S 3.90 Ripsleinen, die nette Sportbekleidung S 4.90 / K. Seide, Compose S 5.90 gesticktes. Kashakleld S 8.90 ein praktischer Mantel zum täglichen Gebrauch S9.80 Reizende Schlafröcke aus diversen Sommerstoffen aller Arten S 4.90, 5.90, 6.90. Da wir das gesamte Sommerlager räumen müssen, sind wir gezwungen, diese unerhörte Preisreduzierung vor' zunehmen und freuen uns wenn Sie die Gelegenkeit benätzen werden, sich fesch und dennoch billig zu BEKLEIDEN. J_^__' Nr. 97 „Ich bringe dir, hoher Herr, zur Kenntnis, daß ich schon seit einer Woche im Begriffe bin, dich aufzusuchen und dir mitzuteilen, daß in der letzten. Zeit mir wiederholt der Erzvater Abraham, er ruhe in Frieden, im Traume erschienen ist. In der letzten Nacht seines Erscheinens hat er nun zu mir gesprochen: .Verflucht seien die Menschen, welche meine Kinder, die Bewohner von Hebron, mit Reinlichkcitsreglements und Geldstrafen quälen. Das Wehgeschrei meiner Kinder ist bis zu mir gedrungen und mein Zorn wird sich über die Köpfe ihrer Peiniger ergießen!' So sprach zu mir unser Vater Abraham, Friede sei mit ihm, und ich halte es für meine Pflicht, dir hoher Herr, seine Botschaft zu übermitteln. Der Chef des Sanitätsdepartements hörte höflich zu und antwortete mit Würde: „Es ist gut, daß du zu mir gekommen bist, denn gerade jetzt wollte ich dich aufsuchen. Denn wisse, lieber Mukhtar, daß der Vater Abraham, er ruhe in Frieden, auch mir im Traum erschien und zu mir folgendermaßen sprach: ,Der üble Geruch der Stadt Hebron ist bis zu mir herauf gedrungen, deshalb ist mein Zorn über die Kinder von Hebron entbrannt. Sie haben die Reinlichkeitsgesetze ihres heiligen Koran vergessen, außer acht gelassen und meine Stadt verunreinigt und besudelt. Ich befehle dir darum, Doktor, die ausgesetzten Strafen gegen die Nichteinhaltung der Reinlichkeitsgesetze' zu lution aus. Der Mukhtar, das Stadtoberhaupt, wurde erhöhen, sonst würde sich mein Zorn über deinen Kopf und die Köpfe meiner Kinder in Hebron rgießen!'" Stumm hörte der Mukhtar die Worte des Arztes an und war vor Entsetzen unfähig, ein Wort hervorzubringen. Aber der Leiter des Sanitätsdepartements fuhr fort: „Wann, Mukhtar, ist Vater Abraham, er ruhe in Frieden, dir im Traum erschienen? Vor einer Woche, am letzten Mittwoch. „Mich aber hat er erst in der verflossenen Nacht aufgesucht. Welcher Befehl des Erzvaters besteht also zu recht: Der von der vergangenen Woche oder der von der letzten Nacht?" Gewiß, der Befehl der letzten Nacht. Der Mukhtar kratzte sich verlegen unter dem Turban, verbeugte sich tief und zog ab. Der Zar gewahrt die Bitte eines Juden. Diese Geschichte wird teils als Witz, teils als ernstes Geschehnis verzeichnet. Zur Zeit des Weltkrieges besuchte der Kaiser von Rußland ein Kriegsapital, das überfüllt war mit verwundeten Soldaten. Er wurde in einen Saal geführt, in welchem zufällin vier Soldaten nebeneinander lagen, von denen der eine der Sohn eines echt russischen Bauers, der zweite ein Finnländer, der dritte ein Pole und der vierte ein Jude war. Der jüdische Soldat war sehr fromm, vergaß auch im Spital nicht morgens und abends zu beten und beobachtete, soweit es im Spital nur möglich war, die jüdischen Gebräuche. Zunächst geruhte der Zar den russischen Bauernsohn anzusprechen: „Du hast dein Leben für dein Vaterland in die Schanze gestellt, hast auf dem Schlachtfeld tapfer gekämpft. Hast du einen besonderen Wunsch an mich?" „Ich hätte bloß den Wunsch, daß ich, wenn ich noch gesund ins Dorf zurückkehren sollte, etwas mehr Bodeu bekäme, denn mein Vater besitzt nur ein ganz kleines Stück Böden, von dem er mir nichts abgegen kann. „Notieren!" befahl der Zar seinem Adjutanten. Dann wandte sich der Kaiser an den Finnländer mit der gleichen Frage nach einem besonderen Wunsch. „Ich wünsche Freiheit für mein Volk," antwortete kurz entschlossen der Gefragte. Wortlos schritt der Zar an das dritte Bett, in welchem der Pole arg zugerichtet lag, und fragte ohne jede Einleitung: „Hast du irgendein besonderes Verlangen?" „Ich bitte, Polen wieder freizumachen. Unwillig wandte sich nun der Kaiser von Rußland an den Juden. „Du bist wohl ein Jude, aber da du auch für das Heilige Mütterchen Rußland mitgekämpft hast, gestatte ich dir, daß du einen Wunsch vorbringst und wir wollen sehen, was wir für dich tun können." Und der schwerverwundete jüdische Soldat antwortete: „In einigen Tagen ist unser heiligster Feiertag, der Versöhuungstag, Jomkippur. Wir Juden 6ind verpflichtet, an diesem' Tag zü fasten. Ich habe aber Angst, daß der Spitalsdirektor mich zwingen könnte, am Jomkippur zu essen. Ich möchte daher bitten, man möge mir gestatten, an diesem unserem heiligsten Tag zu fasten. Der Zar antwortete: „Ich' werde schon ciazuschauen, daß deine Bitte erfüllt werde." Als der Zar den Krankensaal verlassen hatte, brach unter, den verwundeten Soldaten ein höllisches Ge* lächter aus. „Eine wichtigere Bitte ist dir gar nicht eingefallen, als daß man dich fasten lassen soll? Aber der Jude antwortete: „Ich wußte, was ich tat Ich wollte der einzige in. dem Saal sein, dessen Bitte der Zar sicher erfüllen wird. Ich wußte, daß alle eure Wünsche in den Wind gesprochen sind. Aber meine Bitte wird sicher in Erfüllung gehen. Einem Juden das Hungern zu erlauben, wjrd der Zar ganz gewiß geruhen I"