Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 97 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711713--1280-2714485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
F Seife 6 die mm weh Nr. 97 wohnen und speisen Sie in Wien am besten« In dem seit SO Jahren bestrenommierten W HOTEL GUTH, II., HOLLANDSTRASSE Nr. 14 S Schönes wissend, was hinter den Worten vom auserwählten .Volk steckt : „Meine Volksgenossen sind doch tüchtige Leute." Er verlangte auch den Judenstaat für die Juden nicht deshalb, weil sie besser sind als die anderen, sondern weil ihnen, denselben Menschen wie die anderen, das gehören soll, was die anderen besitzen: das Vaterland, der Staat Noch eine Forderung stellte Herzl an die Juden, die Forderung, aufrechte Menschen zu sein, und sich ganz, nicht teilweise ihrem Volkstum, ihrem Judentum zu ergeben. Er prägte ein Wort, ein gewaltiges Wort, nicht minder gewaltig wie das vom Judenstaat, das Wort vom jüdischen Mauschel. Er legte bloß, was in uns die i n n e r e Schande bedeutet. Mauschel ist nicht durch Ueberredung anders zu machen: man muH zwischen sich und Mauschel eine Scheidewand ziehen. Es gibt keine Versöhnung mit Mauschel, nur einen Kampf gegen ihn, es gibt keine milde Luft des Friedens und der Versöhnung, solange das Ziel nicht erreicht ist. Wir haben tüchtige Führer mit hohen menschlichen Eigenschaften. Wenn wir hören, daß es unseren Führern gelungen ist, einen Teil der anderen versöhnlich zu stimmen, muß uns ein seltsames Gefühl überkommen. Herzl war ein Mensch, dem niemand widerstand, wenn er wirken wollte: schön, geistreich, bezaubernd, von hinreißender Liebenswürdigkeit. Hätte er Versöhnungs-, Ueberredungskünste machen wollen, so hätte er in einem Augenblick das erreicht, um was man fünf Jahre gerungen hat. Er aber wollte alles, er kannte nur ein Entweder~Oder. Sein Zionismus war nicht um ein Jota billiger zu haben. Er arbeitete da und dort, sprach, unterhandelte, aber niemals bemühte er sich, Sympathien von Juden zu gewinnen, ohne daß sie Zionisten wären. Herzl wußte, der Zionismus ist keine Sache, die man groß: oder klein machen kann. Er wußte, daß man die Idee, die Juden herauszureißen und die anderen zwingen, diesem Volk ein Vaterland * zu geben, nicht mit „Sympathie" ausführen kann. Wenn wir uns heute dem Gedanken an seinen 25. Todestag hingeben, so fühlen wir, daß wir in einem harten Kampf stehen, nicht nur nach außen, sondern'' auch nach innen, und wir sagen: wir tun das, was Herzl getan hat. Für uns beginnt der Zionismus mit Herzl und für uns endet der Zionismus mit Herzl. Wenn man in dem Gedanken verzagen wollte, daß es nicht mehr gelingen kann, die große zionistische Masse auf den rechten Weg zu bringen, so sage ich Ihnen: Wie hat Herzl gekämpft! Wie war er allein und wie mühselig mußte er sich seine Schar schaffen I Er hat gesiegt, er ist im Sieg gestorben. Wir wollen an seinem 25. Todestag das Gelöbnis leisten, dahin zu wirken, daß sein Opfer, das allergrößte Opfer, das einem Volk gebracht werden kann, nicht umsonst gebracht worden ist, mit dem stolzen Willen: Zurück zu Herzl!" Dieses programmatische kämpferische Bekenntnis Strickers würde mit tiefem, gläubigem Optimismus auf« genommen. Daran anschließend folgte die Vorlesung aus Herzls Schriften vom bekannten Schauspieler und Rezitator Jehuda Ehren kränz, der außer ausgewählten Tage* buchstellen Herzls „Mansche 1" mit allen seinen ironischen und polemischen Finessen zum Vortrag brachte. Der judische Sprechchor schloß mit dem dramatischen Gedicht „Siphirah" von Jakob Singer die erhebende Feier ab Die Mandatskommission. Der Beschluß über die arabische Klagemauer- Petition. Die Mandatskommission des Völkerbundes hat ihre Session beendet Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, hat die Mandatskommission die Petition des Jerusalemer Waad Hair Haaschkenasi und der Agudas Jisroel betreffend Knesseth Israel (Organisation der jüdischen Gemeinden Palästinas) auch diesmal nicht in Behandlung gezogen. Bekanntlich haben die Petenten seinerzeit um Verschiebung der Behandlung bis zur Beistellung ergänzenden Materials ersucht. Da aber das Material bis heute nicht zugestellt worden ist, hat es die Kommission für richtig befunden, die Behandlung dieser Petition bis zu einem Zeitpunkt zu verschieben, an dem der Wunsch der Petenten genauer umrissen sein wird. Bezüglich der arabischen Petitionen zur Frage der Klagemauer ist die Kommission zu dem gleichen Beschluß gekommen wie in der letzten Session: es wurde OLYMPIA" 99 die auf Grund neuester Erfahrungen gebaute erstklassige SPRECHMASCHINE Auch gegen Teilzahlung. Verlangen Sie Prospekt! Knoll&Co.,WienII,Taborstr.8b(Pa8sage) Telephon R-45-5-90 (Auch Schallplatten in großer Auswahl) An die Redaktion „Die Neue Welt" W i e ,n. Auf Grund des § 23 des Preßgesetzes ersuche ich um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Sie schreiben in der Nr. 96 der „Neuen Welt": Der vom Zionistischen Landeskomitee zum Chefredak* teur des offiziellen zionistischen Organs „Die Stimme" bestellte Herr M. Groß recte Josef Zimmermann hat als Journalist wiederholt verbrecherische Verleumdungen ver« breitet und wurde von seiner1 Standesorganisation, dem Verband der jüdischen Auslandsberichterstatter in Wien, wegen dieser Tätigkeit ausgeschlossen. Dies ist unwahr. Wahr ist, daß ich keine verbrecherischen Verleumdungen verbreitet habe und daß ich vom Verband der jüdischen Auslandsberichterstatter nicht ausgeschlossen wurde. Sie schreiben ferner: Vom „Joint Distribution Committee" in Wien wurde er wegen betrügerischer Manipulationen entlassen. Dies ist unwahr. Wahr ist, daß ich mir niemals betrügerische Manipulationen habe zu* schulden kommen lassen und daß ich auch niemals »&> einem derartigen Grunde vom „Joint Distribution Conn mittee" entlassen wurde. M. Groß. * Wir bringen diese dem Preßgesetz entsprechende Berichtigung. Eine Klärung des Tatbestandes ist natür« lieh durch eine Berichtigung noch nicht gegeben. Die Redaktion. die Erwartung ausgesprochen, daß die Mandatarmacht energische Schritte unternehmen wird, um die beiden Parteien zu einer Uebereinstimmung zu bringen. Das Protokoll der Sitzungen und die Schlußfolgerungen der Mandatskommission werden wie gewöhnlich erst nach Zusammentreten des Völkerbundrates, dem sie unterbreitet werden würden, veröffentlicht werden. Die Jewisli Agency. Die konstituierende Sitzung des Council der Jewish Agency wird am 11. August, 3 Uhr nachmittags, in Zürich eröffnet und wird zirka drei Tage dauern. Colone! Wedgwood will auf dem Zionistenkongreß das „Siebente Dominion" propagieren. Colonel Josiah Wedgwood, Mitglied des Unterhauses, erfolärt, daß er dem XVI. Zionistertkongreß in Züriah als Gast beiwohnen und die Gelegenheit wahrnehmen werde, für die Idee der Umwandlung des Mandatslandes Palästina in das Siebente Dominion des British Empire m winken. In einem Auifsafcz im „Manchester Guardian" teilt Wedgwood mit, es gelte vor allem, das englische Völk davon zu überzeugen, wie wichtig es für das britische Reich sei, Palästina als ein sich selbst regierendes Dominion innerhalb der Grenzen des Reiches anzuerkennen. Es gelte aber auch, die amerikanischen Juden, die die Geldgeber sind, von der Wichtigkeit dieser Idee zu -überzeugen. Eine Schwierigkeit besteht darin, daß die Zionistische Exekutive in dieser Angelegenheit Unparteilichkeit üben muß. Wir müssen jetzt darauf bedacht sein, freundschaftliche Beziehungen zu Palästina herzustellen. Wenn wir noch zwanzig Jahre warten, bis wir uns vergegenwärtigen, daß eine Zusammenarbeit zwischen Palästina und England für beide Teile eine Notwendigkeit ist, so werden wir dort dieselbe Kampfstimmung vorfinden," wie sie heute in Indien und Aegypten gegen uns besteht. Das rumänische Gemeindegeselz, In der letzten Sitzung-des rumänischen Senats, in der bekanntlich die von der Regierung * vorgeschlagenen Aenderungen zum jüdischen Kultusgesetz angenom» men wurden, führte Kultusminister V1 ad aus, daß die Juden, die das Regierungsprojekt als ein Attentat gegen die jüdische Religion ansehen, sich an das Ausland um Hilfe gewandt hätten. Landesrabbiner Senator Dr. Niemirower trat dieser Behauptung entgegen und meinte, es sei wohl mög« lieh, daß der Widerhall der jüdischen Proteste das Aus« I land erreicht hat, allein die jüdischen Organisationen hat« ten sich nicht an das Ausland gewandt. Minister V1 a d erwiderte, es sei jedenfalls Tatsache, daß das Gesetz im Auslande eine Beleuchtung erfahren hat, die den Absichten der Regierung nicht gerecht wird. Der Regierungsentwurf entspricht dem Geiste der Ver« fassung und dem Prinzip der Gewissensfreiheit. Wenn man mir vorwirft, daß ich den Rat des jüdischen Kongresses nicht eingeholt habe, so erwidere ich, daß die Regie« =ÜIIIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1I1IIIIIW und! PROVIDENTIA »—* 1 allgemeine Versicherungsgesellschaft | Tel. B-43-5-80 ffi., OttO-Wpi« 5, lltytt 3 Tel- B-43-5-80 | 1 betreibt sämtliche Sachschadensversicherungszweige | EE 'Es liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw