Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 97 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711713--1279-2714484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 97 Dlß NEUE WELT Seite 5 Schiff & Stern Maschinen-Fabriken Leipzig~Eu. * Wien * Brünn bauen seit 30 Jahren Autom. Heigwasser-Kessehpeise-Anlagen Abdampf-Verwertung*- Anlagen Zentralheizunge n Rohrleitungen Spezial~ Armaturen Prospekte, Ingenieur-Besuch kostenlos und unverbindlich die dem nach Herzls Tode sich herauskristallisierten „synthetischen Zionismus" (der Verschmelzung von Herzls politischen Ideen mit der Ideologie des modernen Hebräismus, kurz dem lieb räi sehen Judenstaat) zum Trotz die Gefuhr heraufbeschwören, daß der Herzische Judenslaatgedanke eliminiert werde. Die Annahme des ChurchilIschen Weißbuches signalisiert die Gefahr. Die Propagierung eines binationalen Staatswesens rückt von der Lehre Herzls ab, wonach das Anormale der jüdischen Situation im Minderheitsdasein besteht, und gefällt sich in der überlegen snobistischen Geste, Herzl als „veraltet" hinzustellen. Die Gefahr wird vergrößert durch die allenthalben auftretenden Tendenzen, den Zionismus noch vor dem geschaffenen Staat durch Imprägnierung mit außerzionistischen Ideologien sozialistisch-klassenkämpferischer und religiös-militanter Natur kampfunfähig zu machen. Sie wird Vernichtung drohend im Augenblick, wo die zionistische Legislative, die Jewish Agency, nichtzionistischen Hirnen und Händen überantwortet wird, die ohne Wunsch und Willen zum Judenstaat den Zionismus auf das Geleise längst abgetaner Kolonisationsphilanthropie schieben können. Was kann also eine hichtzionistisch erweiterte Jewish Agency anderes bedeuten als die Aufhebung der Souveränität des Zionistenkongresscs, die Nullifizierung seiner schwer erkämpften internationalen Anerkennung und Geltung als des Vertreters des jüdischen Volkes, kurz die Vernichtung der von Herzl geschaffenen jüdischen Demokratie! Am 25. Todestag Herzls, am XVI. Zionistenkongreß, soll Herzls Erbe zur Liquidierung gelangen. Herzl hat im Leben des jüdischen Volkes eine Revolution durchgeführt. Die Konterrevolution steht vor der Tür. Das politische Instrument des Ziouismus, die Zionistische Weltorganisation, ist im Begriffe, sich auf das Niveau eines Kulturvereins zu begeben. Da aber die Situation des jüdischen Volkes in der .Welt der Herzischen Analyse recht gibt, Judennot im ganzen Umfang nach Erlösung ruft, der tragische Kreislauf des Galuthdaseius weiter wirkt, wird der Zionismus wieder zu seinen Quellen zurückkehren. Es kann nicht anders sein. Herzls Erbe, das ist unser Glaube an seinem 25. Todestag, wird wieder lebendig werden. o. r. Herzl-Feier der Demokratischen Zionisten. Eine imposante Kundgebung. Der Verband der demokratischen Zionisten folgte der zionistischen Tradition, das Andenken an Theodor Jlerzl alljährlich zu feiern, über der Gedenkabend am 133. Juli im festsaal des Hotel Continental unterschied sich wesentlich von den obligaten Herzlfeiern: er gestaltete sich dem Programm und der Gemütsstimmung des zahlreichen Publikums nach zu einer Manifestation für den kompromißlosen, Herzlschen Judenstaatsgedanken, den der Führer der demokratischen Zionisten Robert Stricker als Gedeukreduer wieder einmal der vergeßlichen zionistischen Welt formulierte. Erstklassige Küche Maßige Preise Den Beginn der Feier bildete der Jüdische Sprechchor unter Leitung von Oskar Teller und unter Mitwirkung des Schauspielers Erich M a n n. Zur Reproduktion gelangte jene Szene aus Beer-Hofmanns „J a a k o b s Traum",-in der das jüdische Schicksal mit jakob als dem Träger des weltgeschichtlichen jüdischen Gedankens dramatisch gestaltet wird. Oskar Teller als •Sprechchorführer und Erich Mann als jugendlicher, die Mission seines Volkes auf seinen Schultern tragender Jaakob wußten zusammen mit dem Mädehensprechchor, der sprachlich und dynamisch leinabgestimmt war, tiefe Wirkung zu üben. Feierliche Stimmung schuf das „El mole rachmim" des ausgezeichneten Oberkantors Samuel L a n d e r e r, der vom Kapellmeister R ö ß 1 e r stilgerecht begleitet, diese seine eigene Komposition in stimmlicher und ausdrucksvoller Vollendung vortrug. Nach diesen Einleitungsakkordcn legte Robert Stricke r, vojtf überfüllten Saal stürmisch begrüßt, sein und seines Verbaudes unverrückbares Bekenntnis zum. ewigen Führer Theodor Herzl nieder. „Wir haben," führte Robert Striekel* aus, „unsere .zionistischen Freunde nicht hierhergerufen, um vor ihnen mit den marktgängerischen Phrasen das Andenken an Herzl zu preisen, um in schönen Worten über Herzl zu sprechen. Schöiie Worte hat Herzl genug bekommen, er wird sie in diesen Tagen bis zum Ueberdruß bekommen. Mit schönen Worten im Munde hat man sich von Herzl entfernt. Die Erkenntnis, wieweit man von Herzl weggegangen ist, drängte sich mir vor zwei Jahren auf. Es war in Basel beim 15. Zionistenkongreß: es war ein Jubiläum, das dreißigjährige Jubiläum des Kongresses, im selben Saal sich vollziehend, in welchem Herzl vor 30 Jahren den ersten Zionistenkongreß eröffnet und geleitet hat. Auf der Tribüne saß eine Reihe von Männern, Teilnehmer des ersten Kongresses, die jetzigen Führer und Leiter der zionistischen Bewegung. Einer nach dem andern erhob sich und sprach, sprach von sich, von seineu Erlebnissen und von seinen Erfolgen; einer nach dem andern sprach, nur das eine Wort war nicht zu hören: Herzl! Vergessen konnten sie ihn wohl nicht haben, denn sein Bild stand vor den Augen aller an der Jlauptfront des Saales, mit den nationalen Farben geschmückt, der ganze Saal war voll von Herzl, forderte stürmisch einen Reflex. Aber sie sprachen nicht von ihm, weil sie nichts über ihn zu sagen hatten, weil die Kluft zwischen ihnen und Herzl zu breit geworden war. Da sprang einer auf und. schleuderte das Wort in den Saal — es war der alte Motzkjjn —: „Wie könnt ihr ohne Unterlaß von euch und von. euren Dingen reden? Warum sprecht ihr nicht vom -Herzl? Erinnert ihr euch nicht daran, wie wir in diesen Saal gekommen sind, klein, scheu und gedrüpkt, wie »wir es uns noch all der Türschwelle überlegten;1 ob wir eintreten sollen, ob man nicht zu Großes und zu Gefährliches von uns verlangt. Herzl hat zu uns gesprochen, und aus gedrückten Sklaven freie Menschen gemacht." Aus der Wh'kung der Worte Motzkins konnte ich erst erkennen, wie weit wir von Herzl entfernt sind. Die Worte sprangen auf, trafen, aber prallten wieder ab. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Herzls Zionismus wieder in Erinnerung zu bringen. Wenn wir heute zusammengekommen sind, so können wir auch hier unsere Aufgabe erfüllen, hier davon sprechen, was Herzl gewollt hat. Herzls Idee ist dem Bewußtsein entsprungen, daß das jüdische Leben der Gegenwart eine abgrundtiefe Schande und Jämmerlichkeit darstellt. Es gibt Festredner und Festschreiber, die erklären, Herzl sei, tief ergriffen vom Elend der polnischen und russischen Juden, zu dem Gedanken gedrängt worden, für diese seine Brüder und Glaubensgenossen ein Asyl zu schaffen. Er war meilenweit entfernt von dieser Asylidee; für ihn war das jüdische Leben keine Schicksalssache,. keine Tragödie, sondern eine Schmach. Herzl schuf keinen Zionismus für polnische oder russische Juden, oder für irgendeine Sorte von Juden. Er schuf den Zionismus für das ganze jüdische Volk! Wenn wir heute hören, es sei die Gewinnung reicher englischer und amerikanischer Juden an der Mitarbeit gelungen, den „verfolgten Brüdern" ein Heim zu schaffen, und wenn es einen Zionismus gibt, der dieses System akzeptiert, dann ist er unendlich weit entfernt von seiner Urquelle und muß verdorren. In Herzl ist die Judenfräge in ihrer umfassenden Größe aufgestiegen — nicht im .Osten, nein — mitten im Zentrum der höchsten Zivilisation, in Paris. Während des Dreyfus-Prozesses erkannte er mit einem Male die fürchterliche Situation, in der die Juden leben. Die Franzosen, die der Menschheit so viele Ideale geschenkt Zentraldirektion: Wien, I., Dominikanerbastei 2 Telephon R-25-5-60 Serie Subdirektion: Wien, I., Stock-im Eisen-Platz 3 Telephon R-24 4 42, R-24-443 und R-28-3-34 Filialen: Linz, Volksgartenstraße 15 Salzburg, Auerspergstraße 20 Klagenfurt, Herrehgasse 6 Innsbruck, Annichstraße 2 a Graz, Kaiserfeldgasse 21 Die Gesellschaft betreibt: Feuer-, BetrSebsstillstand-, Unfall-, Haftpflicht-, Einbruchsdiebstahl-, Kautions~ (Veruntreuungs-) und Transportversicherung haben, erwiesen sich in einer jüdischen Sache nicht besser als Barbaren, nicht gegenüber den gedruckten Ostjuden, nicht gegenüber den Armen und Elenden, sondern gegenüber den der höchsten Kulturschichte angehörenden Dreyfus-Kreisen. Herzl erkannte auch die Notwendigkeit, von den Juden das zu nehmen, was sie mit einem einzigen Volk auf der Welt, den Zigeunern, teilen: die Schande, kein Vaterland zu besitzen. Er sprach das Wort vom Judenstaat, das Wort, das man heute überhaupt nicht oder nur mit verlegener Zaghaftigkeit ausspricht. Mit dem Wort Judenstaat war das Wort Zionismus gegeben. Es war die Forderung für das jüdische Volk: ein Volk! Wenn wir heute hören, es sei gelungen, Menschen zu gewinnen unter der Bedingung, daß sie sich nicht zur Judenheit zu zählen brauchen, dann muß uns die heutige Situation wie eine Karikatur von Herzls Vorstellung und Plan erscheinen. Herzl ist auch nie auf den Gedanken verfallen, das jüdische Volk zu verherrlichen, vom auserwählteri jüdischen ' Volk zu sprechen. Nur in seiner Sterbestunde sagte er etwas Farbige Stoffe. Die Bedeutung der Farbe in der Kleidung und in der Innenausstattung der Wohnung, er« reicht immer größere Bedeutung. Wenn wir uns im Freien an den Farben der Natur erfreuen und uns erholen, kommt es uns selten zum Bewußtsein, daß dies hauptsächlich auf die Wirkung der Farben zurückzuführen ist. Aus diesem Grunde haben auch die farbigen Stoffe die jetzige Bedeu* tung erlangt, die durch die Wasch* und Lichtechtheit der Indanthrenstoffe gegeben war. Durch die aparten Muster werden die verschiedenen Farbflächen zur besten künst* lerischen Wirkung gebracht. So sahen wir im Indanthren* haus in der Mariahilferstraße eine Fülle von derartigen Stoffen, die ein geschllossenes Bild über die derzeitige Ge* schmacksentfaltung geben. Die Annehmlichkeit, sich sorgenlos der Sonne auszusetzen, und die Gewähr, daß die Farben trotz Unzähligem Waschen ihre Schönheit behalten, sind ein Plus an Freunde in den Tagen der Erholung. E WENN si. s,.*, wäM.n, DANN... NUR INDANTHRENHAUS WIEN VI, MÄMAHILFERSTRASSE 71 DENN... ÄÄ» SCHON * LICHT- «m WASCHECHT