Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 97 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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'<3" m ^KOMM* TH ERM AISTRAN DBAD hätten sie ein solches Empfinden, so hätten sie es in Amerika gegen die Einwapdemngsbarbareien genügend zeigen können. Aber sie wollten den Zionismus treffen und sich zudem noch in Moskau gutes Wetter schaffen. Und diese Kreise, die in den Jahren bittersten Kampfes fehlten, die in der Stunde der Entscheidung sich zurückzogen, die den Zionismus aushungerten und das Geld den Sowjets gaben — was hätten mit diesem Geld in Palästina wohl geschehen können! — erhalten nunmehr, wenn der Kongreß zustimmt, die Hälfte der Sitze in der politischen Vertretung des jüdischen Volkes, in der vom politischen Zionismus errungenen jüdischen Körperschaft. Ueber ihre Mitarbeit, um die sie oft genug angegangen wurden, hätte sich der Zionismus gefreut. Aber ihre Mitbestimmung ist eine freiwillige Degradation, zu der nicht der geringste Anlaß vorliegt. . Der Kongreß wird zustimmen. Er hat nicht? mehr die Kraft des Widerstandes. Er hat das Bild Herzls vor sich, aber nicht den Geist Herzls in sich. Er gibt den politischen" Zionismus auf nach der Gedenkfeier für den Schöpfer. ';:" •'• " ■■■■■■ ■ -. ,. y. , J. ■■ Herzl-Ausstellung in der Jüdischen Nationalbibliothek. Aus"Anlaß der'fünfurrdiwanzlgsten 'Wiederkehr, des? ' Todestages von Theodor- Herzl fhaft die jüdische National-: bibliothek. der hebräischen Universität-zu Jerusalem eine Tiheodor-Herzil-Ausstel'l'ung eröffnet,' in der zahlreiche Do-' kumente, Photographien und andere ah die Persönlichkeit . Herzls gemahnende Gegenstände zu sehen sind. Unter den- Photographien befinden sich solche, die das Zusammentreffen Theodor Herizls mit dem damaligen deutschen Kaiser Wilhelm III. im Jahre- 1908 in Palästina darstellen.: In der AitssteUmmg sind auch das 1901 Vo>n Herzl verfaßte Testament, in welchem er bittet, sich-nach seinem Tode , seiner Kinder anzunehmen, sowiedie Origiml'manuskripte t verschiedener seiner Reden auif zionistischen Kongressen; z-u sehen. - " < Das Arbeitszimmer Theodor Herzds '. wurde im Fe- \ bruar 1928 aus Wien nach Jerusalem gebracht. Unter den ] Gegenständen befindet sich der Tisch, an dem Herzl den | „Judetnstaat" schrieb, 17 Biücherschränike -mit seiner!■ Bibliothek und Herzl-BMder /von Israels, Struck u. a. m. j Diese Gegenstände sollen den Kern eines in Jerusalem zu«: errichtenden Henzl-Museurrts bilden. ' ' Ein interessanter Uersach! Y „Schichts" Alumin-Soda bleibt stets Ein neuer weißblanker Aluminiumlöffel in warmer Lösung von:"""^, gewöhnl. Kristall- Silberhell bleibt - blankes Aluminiumgeschirr beim Reinigen mit SGHICHTS Alumin-Soda Verwenden Sie auch zum Kochen und Einweichen dir WBioht nur SCHICHTS '' Alumin-Soda diese entfernt mühelos den grüßten Schmutz od. Ammoniaksoda wird in 5 Minuten silberhell Erhllülch In Kerzen- und Selfengesohiiftefy Drogerien, a«soh|rrhandlungen usw. grau und matt Alleiniger Hersteller: Georg Schicht, Wien-Leopoldau Telephon-Nummer A-40-106 Wie ich Herzl sehe... Von George Clemenceau. (Nach einem Gespräch mit Pierre van Passen.) „/E'coutez", sagte Clemenceau, ah ich ihm den Zweck meiner Mission mitteilte. „Ich habe Dr. Herzl gekannt." „Ich sage, ich kannte Dr. Herzl, aber mt flüchtig. Daudet-.erzählte mir -zuerst von ihm und über ein Buch, das Herzl schreiben wolle. Ich las später dieses Buch. Es ist, igloiu'be ioh, das beste Buch, das . er jemals geschrieben, urad! dies begreiflicherweise. Herzl-war im Kern ein Mann der Tat, und ein großer Mann. Wenn ich sage: ein großer Mann, so .'beurteile ich Größe wicht danach, was ein Mann gesagt oder igescihTieiben hat. I c h w M J w ä's s e n, w a s e r g e t a n h a t.' Gedanken können eitle Zeitlang erstaunen machen, aber es kommt auf die Taten an,'die ihnen folgen. Die Welt Ist voll von Phrasen. Wir halben viel zu Viel literarische •Maskerade in -unserer Zeit. Es jgibt viel zu viel Lärm Um die Tugend der Einfachheit. Herzl sah dem Leben im A'iiigesich'-tl Urid er ging seinen Weg,' wenig besorgt um Beifall ■und'Popularität. In gewissen Dingen war er ein wenig ri-äiv.: Aber sind nicht alle großen Männer naiv, mehr oder weniger?" . Der „Tiger" versank in Träumerei. Sein Haupt sank auf die Brust. loh hatte einen Moment Gelegenheit," seine ■massiven und außerordentriche'ri Züge m sWdieTen,' die lebhaften, wundervollen braunen Augen unter .den heraibh'änigendeh Brauen und die durblhsicihtige Blässe seiner Haut. Mit -raschen, nervösen Bewegungen zerrte er an seinem Sehniurribart," verschob seine alte Ricbtermütze -und seufzte tief. „Wußten Sie," sprach er ,rhit neuam -Anlauf, „daß Herzl sich. seihst unsterblich glaubte? Er erzählte' mir einst darüber in einer Nacht, «als wir nach einer Sitzung der Kammer nach Hause wanderten. "Es war in .tfer Zeit der Afifftre."-' (Br&ia&Mi&fr}?>-^; ' - "• ,* k Wieder einmal Sühweigen. Dann ein Lächeln über die verhärteten Züge und eiri; Kichern, „loh selbst 'hatte nicht tr "'die' 'Gewißheit dies Div HerzJV Doph,,'ic.h'.glaube, er hattReettt igebabt. Er 4ebt in dei:..Tat.-weiter."., : . Wieder einmal Innefealteja,,' wä.br^d«^J'e}t^eiice|pi ^fachdeniklioh seinen^chr^v^ ''"'""'''' ' 'v!j „to Gödiächlnis seine^iValikes,'' feßr^Präsident:?''. ■.;^ „Pah, nein. Natürlich nicht.' Das jüdische Volk lit nicht dankbarer als. andere. .Ic*h sage'; er lebfweiter, weil ith ihn immer noch bei Gelegenheit sehe. Er kommt'zu Besuch Ihierher .zu mir. Wären Sie hier gegen. Mitternacht,pd;er gegen zwei Uhr morgens.,,.könnten Si,e ihn auch sehen." : „Ich hin sofort 'bereit, Herr Präsiden!" „Nein, schlafen'Sie lieber,'junger Mann. Jungen Leuten tut Schlaf not. Alten-Männern nicht'." Jedenfalls schlafen ' sie nicht." Wieder versinkt er in Träumerei und Stille. Ist 'die- 1 ser -Realist, dieser „Dämpfer; überirdischer Lichter", den; Trugschlüssen des Spiritualismus oder, der Nekromantie in ■ seinen .alten Tagen verfallen? Will er mir von einsamen. Seanc'en mit hüschenden Geistern und tappenden Phantomen'erzählen? ■ „Nichts Derartiges"," stößt er hervor," als hätte'er in im einen Gedanken gelesen. - ,; „Die Vergangenheit ist eine Zuflucht statte immer; noch, auch wenn ich vorwärts schaue. Nachts kommen sie; zu mir her, imlch'besuchen, .die Männer der Vergangenheit.;' Sjie teilen .meine Gesellschaft ..für eine Stunde oder irgend-; wie. Dann verschwinden sie wieder, zu ihren Geschäften, I' hinaus in den Aetherrauim." „So'krates, Gallilei, Hugo, Goethe, Zola, George Washington, a-He 'kommen sie zu mir herein von Zeit zu Zeit. Und viele andere. Papst Leo XIII.. zum Beispiel. Andere auch. -Einige von ihnen pompöse-und komische Gesellen, »dde während ihres Lebens einen schrecklichen Lärm machten. '■■ Sie halben sich ziemlichberuhigt, seit sie tot sind. Sie '' gehen mit gedämpften Schritten, benehmen sich besser als < manche Sterbliche, darf ich sagen. Herzl .kommt auch.' Er ] spricht nicht.'Er sitzt im. Lehustuhl hier und seine Gegenwart füllt den Raum. Er schreit nicht-hinaus seine Seelen-, angst über sein Volk. Er. singt nicht Psalmen der Hoffnung über sein Vaterland .dlrüberi in. Asien unter den Engländern. Erdenkt nur und seine Gedanken fliegen durch die Atmo- \ Sphäre und treten e|n in .mein Bewußtsein. Und ich denüe j an die Vergangenheit. Herzls Erscheinen rüttelt mich auf * a.us-;;rne'lner.'' pr§ta,rr<un«>.i.wl'e. er 'die SQhiiild.un.d <lje' verbre-- Jcheri'schen Völker aufgerüttelt hat, die im Laufe der menschlichen Entwicklung für die Israel angetane Schmach verantwortlich gewesen sind. ' '! Ich will nicht HerSis^Gedaiik'engebiiude analysieren. Ihr jungen Leute habt diese Aufgabe. Doch wenn ihr über hri schreibt und ihn zergliedert, d'ann begrabt nicht den Elan: „seiner Gedanken und laß-t nicht verschwinden das .wuchtige Feuer seiner Vision und seinen Enthusiasmus WIEN II, TABORSf RASSE 33 Großes Lager feinster Damen- und Herren-Schuhe RaUhste Auswahl in .titfetitstn», , Schlangen» und Krokodilschuhcn Staunend bi II ig e Pr e i s et dureft einen Schwall von mumifizierten Worten. Wenn ihr das rtut, habt ihr eure Aufgabe 'verfelhl't." ,;Bin Fe^er kann niohit versteckt gehalten wcrdlen. Es war der Aitern der Ewigikeit in diesem Manne Herzl. Der brennende .Dornbusch und der revolutionäre Sinai vereinigten sich in seiner Ersaheinung. Er war eiin Mann von Genie, nicht zu verwechseln mit einem Mann von'Talent. Es gilbt einen'Haufen von Talentmenschen auf der Welt. •Männer von,. Genie; siind. selten. Wie sie beide -auseinandierhalten? Das muß manherausfühlen. Männer von Genie sind gekennzeichnet durch gigantische Proportionen, oft eingeschlossen in einen Ring gewöhnlicher Elemente. Ihre Entwicklung vollzieht sich mach einem unbegreiflichen Prozeß. Ihr We« des Handelns, des Verstehens,: der Entdeckungen idter wahren Substanz von Ding und Wesen •manifestiert sich in einer ganz und g.ar persönlichen und. originellen Weise. Sie stehen jenseits aller Logik, sie überflügeln ihre Zeitgenossen und werden deshalb oft mißverstanden; oder, besser,'gar nicht verstanden. Solch ein Mann wer Herzl. Mitten inder Brüchigkeit der Charaktere, die für seine Zelt bezeichnend ist, mitten in der Schwäche des Denkens, im Trubel der sich widerstreitenden Interessen " wagte er, vi c h s e 1 i> s t zu gebe n. Das Nicht-zur- Ruhe-Gekommeuseiii Israels von altersher drückte sich in ■ihm aus. Welche ./Kühnheit, welcher Mut! Welche Glut des Lebens! Er war wie ein Projektionsapparat, der Licht auf den. Weg nach vorwärts wirft, auf den Weg, der von jenen beschritten werden soll, die nach ihm kommen. Seine Stoßkraft gab Impulse den Ereignissen, die ihm folgten. Er kannte die Enttäuschung. Er stand, kann man sagen, unter einem Kreuzfeuer. Seine Eigenen erkannten ihn nicht oder ständen, wenn überhaupt, nicht mit spontaner Bereitschaft zu ihm. Er starb, ohne den Begiriu der Realisier«ngspft'ase: seiner Vision erlebt zu Haben. Aber er gab Israel 'das--Gefühl für seine Bestimmung,'' die ihm'-:1n der Zerstreuung verloren ging. Das kann nich' geleugnet werden. Er (befestigte dieses Gefühl im Judentum." ' 'Clemenceau; blieb mittenim-'''Hhiundherschreiten stehen:- Berge'*' von' Mä-rtUskfipten]' 'auf' ■'-"'dem^ 'Schfüi'bpiiit •umf "def1 ürns:raii.cr,",dtfß-''man tri Paris 'weiß, unter welch schweren Bedingungen er arbeitet, klärten mich'darüber auf, wie unangebracht es sei, ihm weiter seine Zeit izu nehmen. So .'beschloß ich, mich zu■ entfernen. : „Er war vein Kämpfer," setzte Clemericeau fort, selbst ein Meister -des Kampfes seit 50 Jahren. „Aber wofür kämpfte er? Sagen Sie .mir. das!" „■Er kämpfte, .,wie ich glaube, für die Anerkennung Israels", sagte' ich. „Nichts davon", schnaubt der Tiger. „Er rang mit Israel." . „Er rang mit Israel, Herr Präsident?" „Ja! ^Kennen. Sic Delacroix' Bild zu St. Sulpice?" „Von Jakob, der mit dem Engel ringt?" „Prachtvoll." , „Es ist'ein furchtbarer :Kampf, den uns der Künstler ■zeigt. Und dennoch hat man: den Eindruck, daß sie nicht (kämpfen. Jakob scheint mehr damit beschäftigt, den Engel an sich auf der Erde zu halten als ihm zu widerstehen. Und der Engel ist ganz und gar befähigt, Jakob ^llinillllllUllllllllllllllllllllllllilllHllllilllllllllUIIIHIIlllllg£! Elle Wiener wellbekannten Talare u. Barette! inden mannigfaltigsten FormGn erhalten Sie fertig und nach MaO In bester Qualität zu den billigsten Preisen! | nur in der altbekannten § UnHormieiungs-u.MaBsthneiderei WienJI.IaUaBelir.yi Athtung auf Hausnummer!) W E Tel. R 45-6-29 Oegr. 1866 E Zahlreiche belobende 5 . Anerkennungsschreiben 5 ■ Versand nach allen Weltteilen ~ Reich illutrlerte Kataloge gratl t.— Feiriste Herrengarderoben nach Mass s 5Reichhaltiges Stofilager. Zivile Preise. ZahlungserleichterungerS 7UIIIIIIUIIIII|||l||||IIIIIIHIHIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII|lllllllj?