Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-07-19 · Heft 96 (19.7.1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 96 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711712--1265-2714469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seile 3 , >» .... i iiäiiAwfMhM DIE NEUE WELT Nr. % im räl 4 )) SITMAR M Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern u riinrniAii )|klV»«ll||| „I Rundfahrten 9m Mittelmear Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünite: „Sitmar\ I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwaizenbergplatz) Telephon U-45009 IE m Folge besserer Dotierung. Beide Herren sind eben zur Einsicht gekommen oder wurden zur Einsicht gezwungen, daß man als treuer Jude bei der österreichischen Sozialdemokratie nicht gut fährt, als Abfalljude viel hesser. Ein ebenso lehrreiches Beispiel dafür, wie und von .Wem. „jüdische" Angelegenheiten in der österreichischen Sozialdemokratie behandelt werden, findet sich in der Zuschrift eines Lesers an die „Neue W e 11". Der Leser schildert den Verlauf eines Ehrenbeleidigungsprozesses zwischen zwei sozialdemokratischen Juden, Dr. Spitzer und Dr. Bauer, Führern des Verbandes „werktätiger Juden", dessen 'Ohrenzeiige er war. Der Prozeß drehte sich um einen Streit, der anläßlich der letzten Wahlen in die Wiener israelitische Kultusgemeinde entbrannt war. Es ging damals darum, die Kultus gemeinde sozialdemokratisch zu machen! Als Zeuge in diesem Streite wurde auch ein sozialdemokratischer Führer namens Doktor Gruder einvernommen. Auf die Frage des Richters nach seinem Glaubensbekenntnisse, erwiderte Doktor Gruder stolz: „k onfessiohslos". Als der Richter, etwas boshaft, die Frage nach der früheren Konfession stellte, wurde Herr Dr. Gruder etwas weniger stolz und verweigerte die Antwort. Dann wurde nachstehendes Schreiben verlesen: - „P a x te i s e k r e t a r i a t der. Sozialdemokratie Oesterreichs. — Wien, am 15. Juni 1928, V., Rechte Wienzeile 97. — Herrn Josef Pick, Religi.o nslehre r, Wien, IL, Leopoldgasse 20. — Werter Genosse! Anknüpfend an die mit Ihnen und dem Genossen Doktor Ernst Bauer gepflogene Rücksprache, zugleich in Beantwortung eines seither eingelangten Briefes des Genossen Leo Rath teile ich Ihnen mit, daß der Parteiyorstand' folgender Meinung ist: Wir halten die Vereinigung „werktätiger J u d en" für wünschenswert im Interesse unserer Partei. Wir müssen aber von den Sozialdemokraten, die in der Vereinigung tätig sind, verlangen, daß sie dort keine Forderungen vertreten, die unserem Parteiprogramme widersprechen und der Partei taktische Schwierigkeiten bereiten können. Wir halten es daher für unzweckmäßig, daß in der Vereinigung eine Zusammenarbeit mit den Poale-Zio niste n stattfindet, deren nationalistische Forderungen mit unseren Anschauungen nicht übereinstimmen. Es wird sich daher wohl empfehlen, die Verbindung mit den Poale-Zionisten aufzugehen und in der Vereinigung Poale-Zionisten zur Mitarbeit nicht mehrzuzulassen. In welcher Form diese Scheidung am zweckmäßigsten zu vollziehen ist, vermögen wir natürlich nicht zu beurteilen. Wir sind aber zu einer mündlichen Aussprache in dieser Sache gerne bereit. Mit Parteigruß Danneberg. Für das Sekretariat der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs." Eine liebliche Sache! Herr Dr. Danneberg ist Nationalrat und getaufter Jude. Herr Josef Pick ist israelitischer Religionslehrer. Zwischen dem Abfalljuden und dem Religionslehrer entwickelt sich eine genössische Korrespondenz. Der Abfalljude schreibt vor, wie sich die Juden zu organisieren haben. Er verbietet ihnen, allzu jüdisch zu sein, weil das der Partei taktische Schwierigkeiten bereiten könnte. Er befiehlt ihnen auch, allzu jüdische Juden, also die Poale-Zionisten, schleunigst hinauszuwerfen. Wie der Hinauswurf zu gestalten ist, kann er nicht schreiben, ist aber gerne bereit, das Rezept des Hinauswurfes mündlich zu liefern. Die „mündliche" Aussprache scheint inzwischen stattgefunden zu haben und anscheinend mit bestem Erfolge, denn die Poale-Zionisten gehören dem Verbände „werktätiger Juden" nicht mehr an. Auch der Zwischenfall Dr. Gruder ist bezeichnend. Er war Ehrenrichter über die anläßlich der Kultuswahlen streitenden „werktätigen Juden". Der Tauf jude als Richter in jüdischen Ehrenangelegenheiton! Da wage es jemand zu bestreiten, daß der Eintritt in die österreichische Sozialdemokratie den Charakter der Juden, insbesondere der jüdischen Jugend stärkt und veredelt und die Treue zum Judentume festigt. Die zionistisch-sozialistische Jugendtagung in Wien. Anläßlich des internationalen sozialistischen Jugendtreffens weilten Delegationen des We 11 v e r b a n d e s i ü d i s c Ii - s o z i a 1 i s t i s c Ii e r Jugendverbätide »der Poale Zion in Wien. Die Teikiehmer rekrutierten sich aus 30 Palästinenser n, die eine Organisation von 1200 Jugendlichen vertraten, 300 a.us Polen, 70 aus der Tschechoslowakei, 40 aus Belgien,, 25 aus Deutschland, 300 aus Oesterreich. Nach der Teilnahme an den verschiedenen Veranstaltungen des Jugendtreffens fand eine Konferenz der zionistisch-sozialistischen Jugendlichen statt, an welcher über die Fragen des Aufbaues eines Weltverbandes der zionitisch-soziaJist'ischen Jugend beraten wurde. In dex eintägigen Beratung, die größtenteils hebräisch abgeführt wurde, kam seitens der meisten Redner eine Kritik der Methoden bezüglich der Zusammenfassung der jüdischen Jugend im nationalen und sozialen Sinn zutage, die die einzelnen zionistischen Arbeiterverbände in den verschiedenen Lämdern anwenden. Die Diskussion brachte den Beweis, daß die palästinensische Arbeiterjugend ein positiveres Verhältnis zum Zionismus und allen seinen Problemen habe, als etwa die Anbeiterjugendverbände des westlichen und zum Teil östlichen Europa. Eine Reihe von Jugendlichen rief zu einer Wiederbelebung des C h a 1 u fc - G e d. a n k e n s, der unbedingten Einstellung auf Erez Israel und der. hebräischen Sprache auf. Die Beratungen gipfelten in dem Resultat, der Gründung eines zionistisch-sozialistischen Jugend'-Weltverbandes. Aus der deutschen Republik. Wie die deutsche Jugend über ihre jüdischen Mitbürger unterrichtet wird. — Evangelische Milde. In der Berliner „Centralvereins*Zeitung" veröffent* licht Studienrat Dr. Schwarz (Hannover) Auszüge aus einem protestantischen Lehrbuch. Es handelt sich um das von den deutschen Unterrichtsbehörden genehmigte und an fast allen Schulen Deutschlands benützte „Lehr« hSAJLBl tzmam m^mm&wiffl-iimmom-io HAI H ALAN buch für evangelischön' Religionsunter* r i c h t a n h ö. h eje. n. S c h u l e n" t von Dr. Schuster und •Dr.--Franke. In dem Ahschnttte,welcher von den Juden und dem Antisemitismus spricht, heißt es: „Der Antisemitismus beruhte in früheren 'Zeiten und beruht größtenteils noch ■ jetzt auf Rassen» und Religionshaß. Beides ist unchristlich. Daß von jeher aus dem Judentum heraus Haß gegen Christus und die C hri s t en laut geworden ist, ist unleug* -bar, aber die Christen haben das wettgemacht durch die grausamen Judenverfolgungen im Mittelalter und die PÖbelexzesse in neuerer Zeit. Mehrere angeblich im jüdischen Volkscharakter wurzelnde häßliche Eigen* schaften erklären sich aus der Rolle, die den Juden durch ihre Geschichte aufgenötigt worden ist: „Unter* würfigkeit im Dienen, Härte im Herrschen, Rachsucht liegen einem oft verfolgten, Jahrhunderte lang vielfach außerhalb der bürgerlichen Rechtssicherheit gestellten Volk sehr nahe, wie Gewinnsucht und Geldgier einem Volke, das durch Jahrhunderte hindurch ein Volk von Händlern gewesen ist." „Mit Christentum vereinbar ist nur der* jenige Antisemitismus, der die Juden bekämpft als eine sittliche und wirtschaftliche Ge* fahr für das deutsche Volk. Djese Gefahr wird je* doch nicht beschworen durch Ausnahmebestimmungen gegen die Juden, die diese nur verbittern und zu noch engerem Zusammenschluß treiben würden, sondern durch Stärkung der gesunden Kräfte in unserem Volke, die einen Schutz wall aufwerfen und eine Gegen* Wirkung ausüben können." . * * * Das ist die geistige Kost, welche die republikani* sehen Behörden der „reiferen" deutschen Jugend verab* reichen lassen. Allerdings sind die Herren Pastoren und Konsistorialräte Franke und Schuster doch gnädige Herren. Die Juden beschimpfen zwar Christus und das Christentuni, Aber zweitausendjähriges Abschlachten und Verbrennen ist immerhin eine annehmbare Sühne. Also Schluß mit dem Morden und Brennen. Zuviel davon ist unchristlich. Die Juden sind ein Gesindel mit niedrigsten Charaktereigenschaften und eine sittliche und Wirtschaft* liehe Gefahr fürs deutsche Volk. Diese fromme Wahrheit darf der Jugend nicht vqrenthalten werden. Aber Er« schlagen ist unchristlich. Es genügt, wenn man die Juden isoliert und boykottiert. Das ist christlich und wohlge* fällig dem- Auge .Gottes. ', Mussolini für jüdisches WoJiJfahrtswesen. , Der Regierungschef Italiens Benito Mussolini l)at ,50.1)0^) Lire, <jie ihm eiije Abordnung, der jüdischen Gemeinde von Turin" iin vergangenen Moijat zur freien Bestimmung überreicht hat, den Wohlfuhrtsinstitutiorieh der jüdischen Gemeinden Italiens zur Verfügung gestellt. Brief aus Palästina. Die Zukunft des Schnlwerks. "J Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Die Referate, die Miß Henrietra Szold und Dr. B e r k s o n über die Probleme unseres Erziehungs« wesens in einer Journalistenkonferenz des Keren Hajessod gehalten haben, geben erwünschten Anlaß, einige^JerHaupt« Probleme unseres Schulwerks einmal im Zusammenhang zu behandeln, wobei davon abgesehen werden kann, die Lei* stungen der Erziehungsabteiliung der Exekutive in den letzten zwei Jahren einer Sonderbet; c\ tung zu unterzie* hen. Denn diese Arbeit unterschied sich nicht wesentlich von den Arbeiten der anderen Ressorts uer Exekutive: Sparsamkeit und Budgetkürzung waren. ihre Charakteri» stika und, wie Miß Szold selbst erklärte, konnte von kon* struktiyer Arbeit keine Rede sein. In diesem Augenblick jedoch, wo die Hoffnungen auf eine neue Periode kon* struktiver Arbeit in Palästina wieder festere Formen an* nehmen, scheint der richtige Moment gekommen zu sein, um auf die Fragen hinzuweisen, die der Lösung harren, harren. In den zionistischen Schulen Palästinas lernen zur* zeit 19.500 Kinder, während die Gesamtzahl aller jüdi* scheft Schüler Palästinas auf 29.000 geschätzt wird. Die restlichen 10.000 gehen in die Schulen der Alliance Israeiite, die sich den zionistischen Schulen sehr stark angenähert haben, sowie in einige andere Schulen ähnli* chen Typs, zirka 200Ö in orthodoxe jiddische Schulen, 600 in Missionsschulen. Sieht man vom Organisatorischen ab, so kann man die erfreuliche Tatsache konstatieren, daß 25.000 jüdische Kinder Palästinas von im ganzen 29.000 eine moderne hebräische Erziehung erhalten. Das Schulsystem der Zionistischen Organisation im engeren Sinne, beiweitem das größte jüdische Schulsystem des Landes, hat einen komplizierten administrativen Apparat, nämlich an der Spitze des Schulsystems stehen die Er* Ziehungsabteilung der Exekutive, ferner der Vaad Hachi* mich sowie die drei Komitees, die die allgemeinen zioni* stischen Schulen, die Misrachischulen und die Schulen der Arbeiterorganisation verwaltet, also Organe der Autono* mie dieser drei Schulsysteme sind. Noch komplizierter ist die Deckung des Budgets dieses zionistischen Schulwerks. Das Budget wird im laufendes» Jahre wie folgt gedeckt: Zionistische Hvekutive aus Karen Hajessod* Mitteln ......Pfd. 58.300 Pica . ........ „ 5.465 Jischuw (Schulgelder und Beiträge der Kom» munen) . . ..... . . , „ 59.044 Regierung ... ... . . . . „ 19.501 Verschiedene Quellen (Junior Hadassah etc) „ 20.357 . \. ,„ .:.:v;,. ,.; . ./r Tt,d.: 102,667 Diese tatsächlichen Angaben waren erforderlich, um die Probleme des Schulwesens aufzuzeigen. Die eine dieser Fragen lautet, welche Instdnz die G e samt* Verantwortung für unser Schülsys.tem tragen soll.-Heute ist die Zionistische Organisation unbestritten die Herrin des Schulwerks, obwohl sie" selbst nur etwa die Hälfte des Budgets deckt. Aber die anderen Instanzen zahlen an die Zionistische Organisation, sie ist den Gläubigem; vor allem den Lehrern gegenüber für die gesamten Eingänge verantwortlich, nicht etwa nurfür dieHälfte, die sie aus eigenen Mitteln gibt. Das bedeutet für die Zionistische Organisa* tion unzweifelhaft eine außerordentlich schwere Belastung. Die begrenzten Mittel, die der Organisation zur Verfügung stehen, sollten in denkbar höchstem Umfange für Neu* kolonisation und neuen Aufbau zur Verfügung stehen, während die bestehenden Institutionen durch den Jischuw erhalten werden sollen. Es kann kein Zweifel daran sein, daß dieses Ziel ebenso im Interesse der Zionistischen Organisation, beziehungsweise der Jewish Agency wie im Interesse des Aufbauwerks, wie endlich im Interesse der Entwicklung des Jischuw mit allen Mitteln anzu* streben ist. Aber ebenso sicher . ist es, daß dieser Uebergang an den Jischuw heute t e r* f r ü h t wäre und geradezu katastrophale Folgen hätte. Sind die Einnahmen des Schulwerks aus Keren Hajessod* Mitteln unsicher, so sind die Einnahmen, deren Quelle im Jischuw liegt, noch unendlich viel unsicherer. Die Organisation der Autonomie des Jisohuw befindet sich noch immer in den Anfängen. Noch immer verhandelt der Vaad Leumi mit der Regierung wege<. wesentlicher Fragen der Verfasssung. Günstigstenfalls kann im nächsten Jthre die legalisierte Ver* fassung wirklich in Kraft treten. Und dann muß eine komplizierte und langwierige Erziehungsarbeit beginnen: Der Jischuw muß lernen, seinen nationalen In* stanzen Steuern zu zahlen, an Stelle freiwilliger Spenden und einer freiwilligen Organisation, wie es die Knesseth. Jisrael sein wird, Disziplin zu bewahren. Ist diers" Er* ziehungswerk vollendet und die Finanzen der Knesseth Jisrael geordnet, so kann vom Uebergang des Schullwerks die Rede sein. Das aber ist . eine Frage von Jahre:. Von anderer Seite wird der Vorschlag gemacht, dio Schulen der Palästina»Re gte• ung zu über» antworten, die dann eben neben ihrem gegenwärtigen, auf arabische Schüler zuges hnittenem Schulsystem, ein entsprechendes Schulwerk für jüdische Kinder besäße. Man behauptet, daß die, Regierung die nationalen und hebräischen Grundlagen unseres. Schulwerks nicht an« greifen würde, was die gemeinsame Arbeit mit den Ver* tre'tern der Regierung im zionistischen Vaad Hachiriuch bewiesen habe. Man könnte diesen Vorschlag damit er*.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.