Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-07-12 · Heft 95 (12.7.1929) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 95 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711711--1255-2714458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 95 DIE NEUE WELT Seite 7 Dt. Bambergef (Nürnberg, Zion.) trat für Sparsamkeit ein, die aber nicht eine Senkung des geirä« gen und sozialen Niveaus im Gefolge haben dürfe. Auch die Juden hätten sich gegen die Schuldlüge zu wert* den. Wenn es jemand wagen würde, gegen die katholische oder protestantische Kirchauch nur den zehnten Teil dessen vorzubringen, was man sich gegen die Juden vor* zubringen^gestatte, so hätte man längst Mittel und Wege gefunden, dies zu unterbinden. Aus der Wiener Jiidengemeinde. Berlin und Wien. In einer einzigen Sitzung hat die Berliner Judenge>neinde die Errichtung eines Tuberkulosenheimes, eines Keimes für Nervenkranke und eines Obdac Ii losen heimes beschlossen, auf Antrag der jüdischnationalen Vertreter. Dafür tut die Wiener Judengemeinde — nichts. Oder doch, sie tut etwas: Sie hat an alle Wiener Juden die Mitteilung gelangen lassen, daß sie eine 20prozentige Steuererhöhung sofort nachzuzahlen haben, widrigenfalls... Und sie tut noch etwas. Das Präsidium der Wiener Gemeinde hat massenhaft Briefe an jüdische Vereine und Institute gesendet, in welchen erklärt wird, daß ihre Gesuche um Subvention abgelehnt wurden. Unter den so behandelten Gesuchen befindet sich auch dasjenige des h e b r ä ischen Pädagogiums, der Schöpfung der verstorbenen Oberrabbiners C h a j e s. Als die zionistischen Vertreter in die Gemeinde einzogen, waren ihre Hauptprogrammpunktc: Allgemeines Wahlrecht, Wahrung der Schöpfungen des Führers Chajes, erhöhte soziale Tätigkeit, Fürsorge für die leidende Wiener Judenschaft. Was tun sie dazu? Steuererhöhungen ohne Gegenleistung, Einschränkung der ohnehin kärglichen Fürsorge, Abbau der Chajes-Institutionen, Sabotierung des allgemeinen Wahlrechtes erfolgen unter Mitzeichnung und Mitverantwortung der zionistischen Vertreter. Das ist wohl alles eher, als volkstümliche jüdischnationale Gemeindepolitik. Die jüdischen Kreditgenossenschaften. Die Tätigkeit des amerikanisch-jüdischen Wiederanlbaufonds. Im Berliner Büro des amerikanisch - jüdischen Wiederaufbaufonds (american joint reconstruction foundation) hat Ende Juni eine Konferenz der Vertreter der jüdischen Genossenschaftsbewegung der verschiedenen Provinzen Rumäniens stattgefunden. Es waren erschienen: aus Alt-Rumämien: die Herren: Chizes, Dr%Fischgold^ Dr. Singer, F. Saraga; aus der Bukowina: TL Klüger, J. Tröpper, J. Wijnitzer; aus Beßarabien: J. Pagis, N. N. Roitmann, J. Ussoskin; aus Siebenbürgen: Dr. Bardos, E. Fuchs und Direktor Casper. Ferner nahmen an den Verhandlungen teil die Vertreter der Stiftung in den einzelnen Provinzen Rumäniens. Nachdem in den gemeinsamen Sitzungen und Besprechungen mit den verschiedenen Delegationen die Lage der augenblicklich bestehenden 89 jüdischen Genossenschaften in Groß-Rumänien mit ungefähr 70.000 Mitgliedern erörtert worden ist, wurden eine Anzahl Beschlüsse gefaßt und Richtlinien aufgestellt für die Konsolidierung und Weiterentwicklung des jüdischen Genossenschaftswesens in Groß-Rumänien. Es wurden auch die entsprechenden Kreditbewilligungen für die; Arbeiten dieses Jahres vorgenommen. Um die Stärkung und die Ausgestaltung der kooperativen Arbeit zu ermöglichen . und die gemeinsamen Interessen des jüdischen Genossenschaftsnetzes; Rumäniens wirksamer vertreten zu können, beschloß die Konferenz einstimmig die Schaffung eines „Zentral* komitees" der jüdischen Kooperativen aller vier Provinzen Rumäniens, das u. a. mit der Aufgabe betraut! wurde, einen Weg zur Herstellung eines engeren Kon-! taktes zwischen den einzelnen Verbänden zu finden und; einheitliche Richtlinien für alle Fragen von gemein-; sameme Interesse aufzustellen. Dazu gehört auch die Erziehung der jüdischen Bevölkerung in kooperativem Geiste durch geeignete Untersuchungen, Veranstaltungen und! Veröffentlichungen. Das Zentralkomitee wählte ein provisorisches Exe-, kutivkomitee, bestehend aus den Herren N. N. Roitmann und J. Pagis aus Bessarabien und Singer aus Altrumänien« das bis zur ersten konstituierenden Sitzung des Zentralkomitees die Geschäfte zu führen hat. Auch in der Tschechoslowakei. Auch mit Vertretern der jüdischen Kreditgenossenschaften der Ostslowakei und Karpathorußlands wurden Verhandlungen geführt. Es wurden die notwendigen Kredite bewilligt In Oesterreich, das mehr als 200.000 Juden zählt, sind alle Parteien und Richtungen eines Sinnes darin, sich für die Kreditgenossenschaften und ähnliche nationale wirtschaftliche Angelegenheiten nicht zu interessieren. Die Zionistische Sektion VI*VII und die Frauengruppe Marlahlh-Neubau teilen mit, daß während der Sommermonate keine Sitzungen stattfinden. STRENG n^D SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Klost«rn*uburger»traQe 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, St, Ehrwürden des Rabbiners M. Mayeraohn Iv^KB-fj^Km^yT ytoö oonoon p«Mn vrcn 5V nw nnwn nnn m p.d yfym mjn ra» ,«"b^v pktthd tnd Täglich frische und erstklassige SpezlaUErzeugnisse feinster Wurstu. Selchwaren. — ProvinÄversand WILHELM PETYAN, SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Klostemeuburgeratrafle 60 Telephon A-43-1-59 frfnWIPBWlPI|Wf(ffNRRNWB(WPIil Die Herzl-Frage in Budapest. Von unserem Budapester Korrespondenten. Vor einigen Wochen hat das ungarische zionistische Organ „Zsido Szemle" im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau einer Heldensynagoge und eines jüdischen Pantheons in Budapest angeregt, daß die Kultusgemeinde diese Gelegenheit ergreifen möge, um eine alte Schuld an Theodor Herzl, der in Budapest geboren wurde, abzutragen. Das Blatt deckte auch die Schmach auf, die die Budapester Chewra Kadischa vor Jahren damit beging, daß sie Theodor Herzl aus der Liste ihrer Mitglieder gestrichen hat. Diese Schuld ist, wie berichtet wurde, wieder gutgemacht worden. Die Anregung des „Zsido Szemle" wurde aber von der auswärtigen jüdischen Presse bereits als eine vollendete Tatsache hingestellt, und der Uneingeweihte mochte glauben, daß wir in Budapest bereits eine Herzl-Synagoge, ein Herzl- Museum und andere Dinge mehr besitzen, die den Ruhm Herzls mit seiner Geburtsstadt und seiner Judengemeinde für ewig verbinden. Nun, so stehen die Dinge noch nicht, aber es besteht bereits eine Herzl-Frage und es sind alle Anzeichen gegeben, daß Herzls Andenken auch in Budapest, einer der uneinnehmbar scheinenden Festungen des Antizionismus, zu Ehren gelangen wird. Vor allem geschah fast das Unglaubliche: In der Generalversammlung der Repräsentanz der Budapester Kultusgemeinde erhob sich Hof rat Franz Szekely, heute eine der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten in Budapest, um den Antrag zu stellen, daß bei der, Durchführung der geplanten monumentalen Baulichkeiten, in denen auch ein Denkmal für die jüdischen Helden Platz finden soll, nicht an die großen Helden des Geistes vergessen werden dürfe, die durch ihre Werke für das Judentum und gleichzeitig für die gesamte Menschheit die Unsterblichkeit gewonnen haben und mit ihrem Ruhm auch den Ruhm ihrer Geburtsstadt verewigten. Er denke, an Theodor Her. zl und Max Nord au, die in dem zu errichtenden jüdischen Pantheon an vornehmster Stelle verewigt werden! müssen. Der Vorsitzende Dr. Marceil Hajdu gab in seiner Antwort der Zuversicht Ausdruck, daß den Wünschen Szekelys Rechnung getragen werden wird.; Inder Jahresversammlung des Palästina-Verbandes der ungarischen Juden am .20. Juni konnte bereits darauf hingewiesen werden, daß die von den extrem assimilatorischen Kreisen eingenommene und propagierte starre Ablehnung jeder positiven Palästina-Auf bauarbeit in der letzten Zeit gebrochen wurde, was auch darin zum Ausdruck gelangt, daß der gegenwärtige geschäftsführende Präsident ,der Kultusgemeinde Dr. Mareell H a j d u sowie die Präsidentin des Verbandes der jüdischen Frauenvereine in Ungarn Frau Dr. Mareell Baracs dem Propalästinakomitee beigetreten sind und rege aktive Mitarbeit versprachen. In dieser Versammlung wurden auch sehr weitgehende Beschlüsse wegen der Verewigung des Andenkens Herzls gefaßt: Wir geben sie hier auszugsweise wieder: Der Verband nimmt an den Trauerfeierlichkeiten aus * Anlaß des fünfundzwanzig jährigen .Todestages Theodor Herzls, der in der ganzen Welt begangen wird, teil und wendet sich an die Pester Kultusgemeinde mit dem Ersuchen, daß in sämtlichen Synagogen der Gemeinde diese Trauerfeier im Rahmen eines Samstaggottesdienstes durch' entsprechende aufklärende Kanzelreden begangen werde. Dasselbe Ersuchen wird an die Präsidien sämtlicher jüdischen Gemeinden des Landes gerichtet. Die Oberrabbiner derr Gemeinden werden gebeten, die Herzl-Gedenreden zu halten. Der. Verband selbst veranstaltet eine eigene Gedenkfeier in großem Rahmen, deren Einzelheiten jetzt ausgearbeitet werden. Der Verband wendet sich an den Stadtrat von Budapest mit dem Antrag, die Tabakgasse, in welcher Theodor Herzl geboren wurde, Theodor-Herz 1- Straße zu benennen. Auf diese Weise würde die Budapester Stadtgemeinde zum Ausdruck bringen, daß sie die Auserwählten der Geschichte mit Unbefangenheit beurteile. Damit wäre der gegenwärtige TabakrTempel automatisch zum Herzl-Tempel umbenannt. Der Verband richtet an die Kultusgemeinde das Ersuchen, schon jetzt dafür zu sorgen, daß an dem neben dem Tempel zu errichtenden monumentalen Kulturbaus eine künstlerisch ausgeführte Gedenktafel angebracht werde, auf welcher der Geburtsort Herzls durch historische Daten festgehalten wird. Der Text dieser Gedenktafel soll gemeinsam mit dem Präsidium der Kultusgemeinde festgesetzt und die Enthüllung unter Einladung der jüdischen Organisationen der ganzen Welt in feierlicher Weise durchgeführt werden. Der Verband setzt sich mit dem berühmten Bildhauer AJadar Gar dos wegen Entwurfes einer Herzl-Plakette in Verbindung. Das Präsidium des ungarisch-jüdischen Museums wird erstellt, innerhalb des Museums einen Herzl-Saal zu errichten, in welchem sämtliche Reliquien gesammelt, werden sollen, die auf die Geburt, den Stammbaum, die Jugend und das gesamte Lebenswerk Herzls Bezug haben. Die vom Verband eingesetzte Kommission für das Herzl-Denkmal schreitet sofort an die Sammlung des einschlägigen Materials. Ebenso werden die Vorarbeiten für die Herausgabe einer Herzl-Bibliographie und einer Monographie seines Gesamtwerkes in ungarischer Sprache in Angriff genommen. Weltorganisation zionistischer Frauen. Am Montag, den 22. Juli 1929, 7 Uhr abends, wird im Kongreßgebäude des VI. Zkmistenkorigresses, „Vereinshaus zur Kaufleuten" in Zürich, die V. Konferenz der Weltorganisation zionästiseber Frauen durch die Präsidentin Lady Herbert S amtiert eröffnet. Bisher sind 56 Delegierte, darunter Vertreterinnen aus Kanada und Südafrika, angemeldet. Palästina Wird <in diesem Jahre besonders stark vertreten sein. Anschließend an die Konferenz veranstaltet der Züricher Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, gemeinsam mit dem Israelitischen Frauenverein, einen Empfang für die Delegierten. 2. Palästinareise 5689. 2. September bis 1. Oktober 1929. Für die vom Verbände Demokratischer Zionisten gemeinsam mit dem Palestüne Touring Club Wien veranstaltete Hertotsreise nach Brez Israel laufen fortgesetzt Anmeldungen ein, so daß es empfehlenswert ist, je früher die Teilnahme an der Reise nach den im Prospekte angegebenen Bedingungen vorzunehmen, damit die Reiseleltung in der Lage ist, die besten Kabinen auf der „Ausonia" au belegen. Ausführliche Prospekte und Auskünfte durch das Sekretariat der Reiseleitung, Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92, Tel. R 45-905 und „Sitmar", Sdhiffahrtsgeseilscihiaft, Wien, I., Käratnerriwg 18, Tel. U-45-009. - Zu den Kongreßwahlen« Ich erhielt folgende Zuschrift: „Linz, 5. Juli 1929. An den verantwortlichen Redakteur der Revue „Die Neue Welt" Herrn Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenossel Sie haben in Ihrer Sondernummer vom Dienstag, den 2. Juli 1929 in dem Artikel „Die Linzer Wahlen die Unterzeichneten des Wahlbetruges geziehen. Wir verwahren uns gegen die schwere Beleidigung und rufen zur Klarstellung des Sachverhaltes und zur Widerlegung der unberechtigten Vorwürfe laut § 23 der Statuten der Zionistischen Landesorganisation das zuständige Parteigericht an. Als disziplinierte Zionisten versagen wir uns jedwede Preßpolemik oder gar den Weg zum Schwurgerichte, sondern unterwerfen uns dem allein kompetenten Forum der Organisation. Wir erwarten von Ihrer Loyalität die kommentarlose Veröffentlichung dieser Zeilen und zeichnen hochachtungsvoll Fritz P i s i n g e r, Dr. Gustav Morgenstern." * Ich erkläre mich bereit, jedem paritätisch beschickten Ehren- oder Schiedsgericht oder dem Kongreßgerichte das Beweismaterial für meine Behauptungen, die ich aufrecht erhalte, vorzulegen. Als Angehöriger des Verbandes demokratischer Zionisten muß ich es ablehnen, das österreichische Parteigericht anzuerkennen. Mein Verband hat es abgelehnt, an dem letzten österreichischen Parteitage teilzunehmen, gegen dessen willkürliche Zusammensetzung protestiert und dessen Beschlüssen als ungesetzlich die Anerkennung versagt. Das derzeitige Parteigericht, in das Vertreter zu entsenden mein Verband abgelehnt hat, ist von diesem Parteitage eingesetzt worden, daher kein Forum, dessen Spruch ich mich unterwerfen kann. Hinzu kommt, daß ich mein Beweismaterial dem Herrn Präsidenten dieses Parteigerichtes zur Einsicht übermittelt habe. Er hat es nicht für nötig gefunden, zu veranlassen, daß dieses Material durch die Hauptwahlkommission auch nur geprüft werde. Die Vertrauensmänner der Liste, deren Listenführer er ist, also seine Vertrauensmänneis haben die Prüfung meines Materialsin der Haupt Wahlkommission einfach verhindert. Und er hat dies ruhig zugelassen. Ein Grund mehr, dem Parteigerichte mein Vertrauen zu versagen. ' Robert Stricker. Brith „Trumpeldor". Am 16. d. um 8 Öhr abends Jan Cafe Metropol, JX., Berggasse. 9, Vorbesprechung zur Trurnpeldor-Tagiung in Zürich. Herr S'ternberg, der Vertreter in Zürich, wird ein einleitendes Referat halten. Vorher ausgearbeitete Anträge sind erwünscht. Zutritt nur für Dargah beöh, Dargah gimel und für organisierte Revisionisten. Wochen-Kalender Juli 1929 ttDtt wenn Tamus 5689 12 Freitag 4-n Sabbateingang 7.25 13 Samstag 5-n Sabbatausgang 8.41 Stw tdwi mtsen mp 14 Sonntag 6-1 15 Montag 7-1 16 Dienstag 8-n 17 Mittwoch 9-tö 18 Donherstag 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.