Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 95 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«A4« f Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 95 Bewährte dfe Administration 600 Einwandererzertiifokate auf Grund der Arbeitsliste ittr das arri 1. Oktober begonnene Halbjahr. 4500 Bürgerschaftszertifikafce wurden jüdischen Einwanderern gewährt. Im Dezember wurden weitere Vergünstigungen an jüdische Industrien in Form eines neue« Tarifes von Im p or t scuu<t<zzöII«n <ind einer neuen Liste von zollfreien Rohmaterialien gewährt. Das Standing Committee für Handel wind' Industrie und die Ausschüsse für Hafen, Wege und Eisenbahn kamen den jüdischen Industriellen und landwirtschaftlichen Unternehmungen entgegen. Die Regierung bewilligte den Schulen der Jewish Agency einen Jahreszuschuß von 20.000 Pfund. Zwei weitere jüdische Unterrichtsinspöktoren wurden 1928 eingestellt. Etwa 1000 Pfund wurden anderen jüdischen Schulen gewährt. Die Regierung gab 4000 P/und für Vollendung des Stadfhospitals von Tel-tAwiw aus und trägt für eine dreijährige Dauer jährlich 2000 Pfund zu der Erhaltung dieses Hospitals bei. In Verbindung mit jüdischen Aerzten traf die Regierung vonbeugende gesundheitliche Vorkehrungen innerhalb des Komplexes jüdischer Siedlungen im Tale Esdrelon. Die Regierung führte Arbeiten.£Ur Abhilfe jüdischer Arbeitslosigkeit durch und' bewilligte 350 Pfund der •Rica für die Herstellung eines Weges von einer ihrer Kolonien nach der Eisenbahn. Der Beginn der Landvermessung und die nochmalige Abschätzung städtischen Besitztums sind administrative Maßnahmen von beträchtlicher Wichtigkeit für die Einwohner. Die Landver-rnessung wird jene Sicherheit von Urkunde und Besitz schaffen, ohne die <|ne landwirtschaftliche Entwicklung schwierig ist; die städtische Besltetumsawf nähme wird mit den Ungleichheiten der veralteten türkischen Schätzung aufräumen. Ein wertvoller Fortschritt wurde in der O r g a n isatioii der jüdischen Gemeinde erzielt. Die Veröffentlichung der Register der Mitgliedschaft fand Jänner 1929 statt. Die Jewish Agency «ab im ersten Vierteljahr 1928 29.300 Pfund für Arbeitslosenunterstützung aus. Kein einziger arbeitsloser Jude fiel dem Regierungs* fonds direkt zur Last. , Die Jewish Agency verteilte Saatgutanleihen an die jüdischen Siedlungen, die von der .Adm&nistraticfa als Hilfsmaßnahmen gegen Mißernte und Trockenheit im Norddistrikt gewährt wurden. Die Jewish Agency Übernahm auch den Bau von Gebäuden.in jenen Siedlungen mit einem Kostenaufwand von 16.000 Pfund, um den Farmern Arbeit zu beschaffen. Ferner führte sie in direkter und indirekter Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Institutionen öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung von Arbeitslosen durch, die eine Ausgabe von etwa einer ViertehniHlon Pfund erforderlich machten, kn April stellte man die Arbeitslosen* Unterstützung ein. Für wirtschaftliche und soziale Dienste gab die Jewish Agency von Oktober 1927 bis September 1928 715.000 Pfund aus. Insgesamt hat die Jewish Agency seit November 1917 rund sieben Millionen Pfund in Palästina verausgabt. Eine wesentliche Arbeit wurde durch unabhängige wirtschaftliche Institutionen entfaltet: Die Zentralbank der Kooperativen gewährte Anleihen an Gesellschaften und kooperative Gruppen in der Gesamthöhe von 96.431 Pfund, die den Gesamtbetrag ihrer gewährten Darlehen in sechs Jahren auf -551.174 Pfund gebracht haben, wovon 60 Prozent landwirtschaftlichen Zwecken dienten. Sie gewährte ferner von Oktober 1927 bis August 1928 29.847 Pfund an indirekten Anleihen. Die palästinensische Hypotheken- und Kreditbank gewährte 1928 75.651 Pfund' für Bodewkauf, Arbeiteransiediung «nd Hypothekenanleihen an- Bauern. ' Jüdische Einwanderung und Bürgerschaft. Von den 1928 nach Palästina gekommenen Einwanderern,'die die Erlaubnis, zu ständigem Aufenthalt erhielten, waren 2178 (70 Prozent) Juden. 300 Jüdischen politischen Flüchtlingen samt Familien wurde die Einreise gestattet; Ein wesentlicher Fortschritt ist in der Jewish-Agency- Kolonisation zu verzeichnen: drei neue Siedlungen im Jordantale und in der Ebene Jezreel wurden bei einem Kostenaufwand von 31.000 Pfund errichtet. Die Institution für. Bodenerwerb der Jewish Agency erwarb rund 30.000 Dunam Boden und brachte. ihren Bodenbesitz auf insgesamt 250.000 Dunam. Sie besitzt ferner 3300 Dunam Wald. J. A. führte in den oberen Regionen des Jordan Entwässerungs- und Urbarniachungsarbeiten mit einem Kostenaufwand von 16.000 Pfund' du-rch. Die Pica machte 6000 Dunam der Kaibbarasümpfe kutturfähig. Es wurden besondere Erleichterungen in der Gewährung von Not-Reisedokümenten und Visen an in Palästina gebürtige Personen, die im Auslande wohnen, eingeführt;, so wurde vielen Juden, denen es nicht gelang, auf Grund1 M iiiiiiiiiiiiiliiiiiiiliiiiiiiiiiiiiilililliiiiiiiiliiiiiiliiiiilll Für meine 26 jahrige Tochter hübsch, grofi, schlank, gebildet, S 20.000 Mitgift, Wobnuog, auch« »ntell. ]M. Bewtrber In Leben»- Stellung. Unter „Qenaüe Angaben" a. d. Fxped. d. Blattei. iiumiiuiiuiiiiiuiiiiiiJiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiui Ii des Natöonalitätengesetzes die Bürgschaft 211 erlangen, die Rückkehr nach Palästina ermöglicht, wo sie für die Naturalisation die nötige Qualifikation erlangen konnten. In solchen Fällen sind Vergünstigungen gemäß Artikel 7 (5) des Gesetzes vorgesehen. 1928 wurden nach diesem Verfahren fünf Juden naturalisiert. Beamte der Administration wurden in entfernte Jüdische Dörfer gesandt, um Bewerbungen um Naturalisation an Ort und Stelle entgegenzunehmen. Polizei und Grenzmacht. Ende des Jahres 1928 gab es in der palästinensischen Poh'zei 18 jüdische Offiziere und 5 jüdische Unteroffizier« und Gemeine. Von den jüdischen Offizieren waren 15 bei der Distriktspoliizei, einer bei der Stadtpolizei und zwei im Gefängniisdienst. Die Gesamtstärke der Polizeimacht betrug 2143 Personen, unter denen 1293 Offiziere und Gemeine Moslemiten waren. In der transjordanischen Grenzmacht dienten 1 jüdischer Offizier und 26 jüdische Unteroffiziere und Gemeine. Die Gesamtstärke dieser Macht ist 67, worunter 8 Offiziere und 340 Unteroffiziere und Gemeine Moslemiten waren. Es wurden 58 Rekruten neu geworben, darunter 29 arabische Moslemiten, 16 Zirkassier, 7 arabische Christen und 6 Juden. Expose" und Erklärungen Chancellors. Am 6. d. hörte die Mandatskommission ein zusammenhängendes Expose* des Oberkommissärs Sir John Chancellor über die politische und wirtschaftliche Lage Palästinas an. Chancellor erklärte, daß in der Verwaltung des Mandatsterritoriums Palästina im Verlauf des Berichtsjahres große Aenderungen nicht vorgenommen worden waren. In den Beziehungen zwischen Arabern und Juden ist eine Besserung festzustellen. Außer dem Zwischenfall an der Klagemauer war im Verlaufe des vergangenen Jahres nidhts vorgefallen, was diese Be- Schwedens beste Rasierklinge rasiert schnell, angenehm, erhält die Haut zart Ziehungen gestört hätte. Seit dem Herbst 1928 haben jene arabischen Elemente Palästinas, die immer der Schaffung eines jüdischen Nationalheimes feindlich gegenüberstanden und die zu wiederholten Malen kundgegeben hatten, daß sie eine Zusammenarbeit mit der Mandatarmach-t ablehnen, diesen ihren Standpunkt zum Teil verlassen. So hat der Oberkorhrnlssär mehrere Vertreter des arabischen Kongresses empfangen, die gekommen waren, um ihm ihren Wunsch zum;. Ausdruck zu bringen, an der Verwaltung des Territoriums mitzuarbeiten. Die arabischen Vertrete? haben; auch den Wunsch geäußert, daß die Mandatarmacht In Palästina ein repräsentatives Regime einführt. Der Oberkommissär hat diesen Vertretern .erklärt, daß verschiedene Grflnde gegen die Verwirklichung Ihres Wunsches sprechen, wobei besonders zu erwähnen Ist, daß durch den Völkerbundsvertrag England Verpflichtungen auferlegt sind, und daß Palästina die Wiege von drei verschiedenen Religionen Ist. Der Oberkommissär hat aber erklärt, daß die britische Regierung nichtsdestoweniger die Frage prüfen werde mit dem Wunsche, sie aufs beste zu lösen. Zu der wirtschaftllchen Lage des Landes bemerkte der Oberkommissär, daß, wenn auch eine Passivität der Handelsbilanz, d. b. ein Ueberschuß des Importes über den Export (Einfuhr 6,770.818 Pfund, Ausfuhr 1,487.207 Pfund) festzustellen ist, dieses Manko in hohem Maße dadurch kompensiert wird, daß die jüdischen. Gemeinden des Auslandes Geld nach Palästina schicken und daß ein sehr entwickelter Touristenverkehr Gelder. In das Land bringt. Jüdische Arbeit in Deutschland. Der bayrisch-jüdische Gemeindeverband. Der' Verband bayrischer israelitischer Gemeinden , hielt dieser Tage, wie der „Neuen Welt" aus München, geschrieben wird, in Aschaffenburg eine Tagung ab.1 Dieser Verband ist durchaus assimilatorisch und weist jüdisch-nationale Tendenzen stets ab. Trotzdem aber zeigt er jüdisches Gemeinschaftsgefühl, das sich auch in einer umfassenden sozialen Tätigkeit äußert, ein. Beweis, daß die wenigen Zionisten in Bayern doch irn Sinne der Erhaltung jüdischer Art wirksam sind und durch. Kritik und Anregung hervortreten. Der Voi?- sitzende der Tagung Oberlandesgerichtsrat Dr. Silber^ schmidt yerwies auf die Resolution des Reichspräsidenten und der Reichsregierung zur Kriegsschuld- Iii g e und erklärte, auchwirhätteneineKriegsschuldlüge zurückzuweisen, soweit sie sich gegen unsere Konfession richtet. Die dankenswerten Forschungen von Rabbiner Dr, Eckstein-Bamberg hätten neben denen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten dei} Nachweis erbracht, daß in Bayern und auch sonst im Reich die jüdischen Kriegsopfer keine geringeren seien als anderswo. Für das bayrische Staatsministerium für Unterricht und Kultus sprach Ministerialrat Dr. Mezger in anerkennenden Worten über die Tätigkeit des Verbandes, seihe stille Ausbauarbeit, seine ruhige, umsichtige Finanzpolitik. Er bedauerte, daß es bisher nicht möglich sei, eine Reichsorganisation der deutschen Juden endgültig zustandegubringen, l! PrATEirRiö., III., Erdberg- Straße 35 Telephon U-11-0-97 Der Präsident des Verbandes Oberlandgerichsrat Dr. Neumeyer dankte zunächst der jüdischen Gemeinde Aschaffenburg dafür, daß sie die Zusammengehörigkeit so getreulich hütet; „gerne sind wir in diese herrliche Stadt gekommen, in die uralte jüdische Gemeinde, in der nach dem Zeugnis des Benjamin von Tudela schon im frühen Mittelalter angesehene und gelehrte Juden gelebt haben". Weiters berichtet er über die Geschäftslage des Verbandes und teilte Ziffern mit, die auch für Oesterreich von Interesse sind, dessen Gemeindeverband infolge der Abstinenz der Wiener Großgemeinde zur Unfruchtbarkeit verurteilt ist In Bayern wurden im Berichtsjahr an Umlagen 3 Prozent der Reichs- und Landessteuern erhoben. Eingegangen sind an Umlagen im Jahre 1928 rund 633.000 Mark, so daß sich auf den Kopf der Bevölkerung ein Betrag von 12.92 Mark berechnet. Für 1929 wurden die Umlagen auf 620.000 Mark veranschlagt. Der Staatszuschuß wurde um 10.000 Mark auf 70.000 Mark erhöht. Der Betrag ist nicht groß, wenn man die Aufwendungen von Verband und Gemeindon dagegen hält, die im Lande 31/* Millionen Mark betragen. Unter den Ausgaben stellt sich die Beamtenbesoldung mit 312.000 Mark dar. Ab 1. April 1928 erhalten die sämtlichen Rabbinate einen Zuschuß von 50 Prozent, das Bezirksrabbinat Schwabach 75 Prozent, das Bezirksrabbinat Neumarkt 70 Prozent. Regelmäßige Gehaltszuschüsse bekommen 56 Gemeinden. Das Beamtenrecht soll ergänzt werden, es dürfte dann wohl so ausgebaut sein, wie dies in keinem anderen deutschen Lande der Fall ist. Die Bauzuschüsse an 44 Gemeinden betragen rund 28.000 Mark. Für soziale und kulturelle Zwecke wurden rund ' 241000 Mark aufgewendet. Bayrische Wohlfahrtsanstalten mit mehr als lokaler Bedeutung erhalten etwa 40.000 Mark. Für die Verpflegung von Hilfsbedürftigen in aen Gemeinden wurden zum ersten Male 10.000 Mark eingesetzt. Wir beteiligen uns an den Wohlfahrtsausgaben im Reiche, wie bei der Zentialwohllahrtsstelle, der Hauptstelle für Wanderfürsorge, des Frauenbundes u. a. m. Die Lehrerbildungsanstalten in Würzburg und Höchberg erheischen an Betriebszuschüssen 58.000 Mark, für Stipendien 9000 Mark. Im Reiche erhalten die drei Rabbinerseminare Beihilfen, ebenso die Gartenbauschule Aalen, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und die Akademie. Wir schreiten vorwärts in der. Inyentarisatiori jü discher K u n s t d e n k m ä 1 e r und in den geschichtlichen Forschungen. Wir pflegen die körperliche Ertüchtigung der Jugend. Wir pflegen die jüdischen Siedlungen auf dem Lande. In Unterfranken befinden sich nahezu 1000 Hektar Grundbesitz in jüdischen Händen. Die Schächtfrage, sagte der Redner weiter, erfüllt uns mit der größten Sorge. Der Landtag hat beschlossen, die Eingabe von zehn Tierschutzvereinen auf Durchführung des Beschlusses von 1926 (die Schlachttiere vor Beginn des Blutentzuges zu betäuben) der Staatsregjerung zur Berücksichtigung zu überweisen. Es muß hiernach damit gerechnet werden, daß die Staatsregierung demnächst den Gesetzentwurf dem Landtage zugehen läßt. Eine Betäubungsmethode, die den religiösen Vorschriften entspricht, konnte bisher nicht ermittelt werden. Wir werden, unsere Bemühungen nach dieser Richtung fortsetzen. Solange uns aber eine religiös gebilligte Betäubungsmethode nicht zur Verfügung steht, kommt das angekündigte Gesetz einem Verbot der rituellen Schlachtung gleich. Ein solches Verbot besteht in keinem deutschen Lande; sein Erlaß würde einen schweren Eingriff in die Gewissensfreiheit und Religionsübung der Israeliten in Bayern bedeuten. Es sei eine zunehmende unfreundliche Haltung der Oeffentlichkeit gegen unsere Glaubensgenossen. ' festzustellen. Allgemeine Studentenausschüsse an bayrischen Hochschulen haben in Beschlüssen die Einführung eines Numerus clausus für jüdische Studierende gefordert. Wir verwahren uns, daß staatlich anerkannte Zwangsorganisationen ihre verfassungsmäßige Neutralität und unsere Gleichberechtigung und Ehre in so schwerer Weise verletzen. Dr. Neumeyer wies auf die Ritualmordlegende in Manau hin und stellte mit Dank fest, daß der Kultusminister angeordnet hat, daß durch Aufklärung in den Schulen der Bewegung entgegenzutreten sei. In der Aussprache über das Budget erklärte Rechts« anwalt Dr. Feilchenfeld (Nürnberg), angesichts der Ritual» mordhetze stehe man mit Entsetzen vor einem Abgrund, der sich im 20. Jahrhundert aufgetan hat. Die Fremden« politik der bayerischen Regierung habe sich in keiner Weise geändert. Leider sei der Gedanke der jüdischen Schule noch nicht Allgemeingut geworden. Er stelle den Antrag, die Erhöhung des Staatszuschusses um 10.000 Mark (von 60.000 auf 70.000 Mark) für Zwecke der Mittelstandshilfe zu verwenden. t