Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 95 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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nii ■i -. . *«**#■> äataahJufcatfM mti Brief äus Polen* Von unserem JYarschauef N. R.-Berichterstatter, Die hebrälscben Mittelschulen Polens ohne OeÜent Hchkeltsrecht. In Warschau iand eine Beratung dar Schüler der <ie'b"räfsöhen Gymnasien Polens statt, welche in diesem Jahre die Mattudtä-tsprüfung abgelegt (haben. Es (kamen mehr als 120 Junge Menschen zusammen. Die Tagung wurde von Anfang!bi<s Ende in hebräischer Sprache geführt. In Polen gibt es derzeit « w ö 1 f M111 e 1 s c -h u 1 e n m i t; 5i e b r ä is c ih e r U nt * r r i c h t s s p r a c h e, die von 2994 Schülern, darunter ein Drittel Schülerinnen, besucht werden. Bis jetzt •haben 418 Schüler die Studien beendet und die Reifeprüfung abgelegt. Von ihnen studieren vier an der hebräischen Universität in Jerusalem, drei am hebräischen Technikum in Haifa, , 77 konnten an Universiaten in Frankreich, Deutschland, Belgien, Schweiz und Amerika inskribieren. Alle anderen, die die Matura gemacht haben, befinden sich In Polen und haben keine Möglichkeit, ihr Studium iortzu- . setzten, da die polnische R e g i e r u n g d i e R o i t c- Prüfung der hebräischen Gymnasien nicht anerkennt und die Universitären in Polen auf Grund dieser Zeugnisse keine .Einschreibungen vornehmen. Die fast zehnjährigen Bestrebungen des jüdischen Klubs im polnischen Parlament, für die hebräischen Mittelschulen das Qeffentlichkeitsrecht zu erlangen, sind erfolglos geblieben. Der frühere Ministerpräsident Bartel konnte sich nicht vorstellen, wie man Hebräisch unterrichten kann. Der Unterrichtsminister seines Kabinetts wies auf den Mangel an- Beamten,' aus denen eine, hebräische Prüfungskommission zusammengesetzt werden könnte, hin. Als auf hohe jüdische Beamte, wie Professor Dr. Schorr, Professor Dr. Bai ab an und andere verwiesen wurde, meinte der vormalige Unterrichtsminister (jetzige Mi-rnster.päsklent) Switaiski, daß er mit Rücksicht-auf die polnische öffentliche Meinung - eine aus Juden z u s a m m e nges etzte Prüfungskommission aii cht bestimmen -kann. Ein christlicher Beamter des Unterrichtsntiinisteriuims hat den Auftrag bekommen, Hebräisch zu lernen, aind wurde für die Inspektion der hebräischen Mittelschulen bestimmt, doch will das Ministerium nicht zustimmen, daß er den Vorsitz in einer hebräischen Prüf-un-gs-. konwnissidn übernimmt. Die Bemühungen seitens des polnischen^ Parlamentsklubs werden fortgesetzt. Es ist wohl hoch an der Zeit, daß die polnische Regierung den Bestand eines mustergültigen Mittelschulweseus nicht länger ignoriert und jedes Jahr mehr als 100 junge Menschen deklassiert. Jüdische Soldaten können gezwungen werden, nicht- . koschere Kost zu essen. Vor dem Obersten Militärgericht in Warschau fand" eine Verhandlung statt, die von grundsätzlicher Bedeutung für jene jüdischen Soldaten ist, welche während der Militärdiensteeit «ichtikoschere Speisen nicht essen wollen. Vor dem Gerichtshofe stand der jüdische Soldat Hirsch S ch e;cih t e r aus Brody, der bei einem der Posener Regimenter Dienst leistet. Söheohtep; stammtans. .einet - chassidi-; sehen Fa^milie,; Da er bei dem .Truppenkörper 'keine . koschere' Kost bekam, bestritt;er durch sechs Monate seinen Unterhalt aius Eigenem. Als sein Geld zu Ende war, bat Sohechter das Regimentskommariido, ihm das Kostgeld bar auszuzählen; Die Bitte wuTde gewährt und durch weitere vier Monate konnte Schechter sich 'koscher verköstigen. Als er nach, einiger Zeit erkrankte ,und; vor dem Regimentsarzte erschien, meldete sein' Ahteilüngs'komm.andant, daß Schechter'^i.ch -nicht genügend ernähre, um vom Militärdienst loszukommen. Der.-Militärarzt ordnete an, daß ihm das Kostgeld entzogen und ihm "befohlen werde, die Mann-' sehaftsköst/falsd :»i.cfet-, ''koscher,' zu essen. Dies wurde in einem besonderen Regimentsbefehl kundgemacht. Schechter verweigerte;; es auch weiterhin, niphitkoschere Kost zu essen. Er -wurde wegen •Gehorsamsverweigetun.g verhaftet. Das Militärgericht in Posen. .verurteilte ihn zu sechs Wochen Ar-r e.S't. Schechter appellierte an den Obersten Gerichtshof in Warschau. Sein Verteidiger wies darauf hin, daß :der Militärbefehl undurchführbar, sei, ..weil, er i reMgiöse Gefühle vedetzt. Das Oberste Gericht hat das Urteil igegen .Schechter bestätigt. Ukrainischer Terror gegen jüdische Händler. In Ostgalizien mehren sich die Berichte über Terrorakte der 'Ukrainischen Bauern gegen Juden. In den ukrainisehen Dörfern entstehen immer zahlreicher Konsumgenossenschaften, deren Leiter bemüht sind, den Boykott der jüdischen Händler durchzuführen. Diese wild gef(i.lirte Agitation hat schwere Exzesse mx Folge: Anzünden jüdischer Häuser, Ueberfälle usw. So wuirde im Dorfe Mi-chalO'Wicze, Bezirk Rohatyn, die Familie des jüdischen Händlers Isak Krön berger überfallen. Die ukrainischen Bauern schleuderten durch das Fenster der Wohnung Kronbergers eine Granate, welche explodierte. Kronberger und seine Tochter Esther erlitten schwere Verletzungen. „Uisache war der Umstand, daß Bauern das Geschäft Kronhergers trotz Errichtung einer ukrainischen Konsumgenossenschaft aufsuchten. Angriffe gegen jüdische Passagiere. Immer häufiger sind Insultierungen jüdischer Passagiere durch Arbeiter in den Zügen in der Nähe Lembergs zu verzeichnen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß man e,s mit einer orgänisier'ten Aktion zu tun hat, als Folge der Lemberger Geschehnisse. Ein besonders krasser Fall er- "<*i*0;-il- DIE NEUE WELT Nr. 95 wirnämgän tnwtNtntnRnitflRtttfriiifltvftRM SIEGM. KORNHEHL aftOSSPLIISCHHAUIRII Zentrale IX., Bcrggaaae 19, Teigphon 17-3-99 u. 16-9.34 Lieferant für Heilanstalten JaääSSSSßSm^^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Auto«ust*lluna kostenlos IX., Bernau« 13 / XVIII., Wfthrliif «r*tr. »7 sttmnHmnminniAimimuifmMtmriH^^ rtnumranrnnmurninmiimunimn^^^ eignete sich vor einigen Tagen im Zuge Bolszowce Lemberg. Der 67jährige Moses S t e i n g r n b wurde dm Zuge von einigen Eiseiibahnarbeltern ohne irgendwelche Ursache überfallen und schwer mißhandelt. Die Banditen verhinderten das Anziehen der Notbremse. In der nächsten Station verschwanden sie, ohne daß sich die Sicherheitsbehönde bemüht hätte, der Täter habhaft zu werden. * In der Sitzung des Geinoindcraies der Stadt Posen wurde der Antrag des Magistrats zum Beschlüsse erhoben, 37.000 Zloty behufs Gutrhachuug der Schäden, welöhe während der autiftidischen Exzesse im jüdischen Viertel entstanden sind, zu bewilligen. Ein zionistischer Erfolg bei den Kultiisgenieindewahlen in Stryj. Bei den neuerlich in Stryj durchgeführten Genieindewahlen haben von 2400 Wählern 1920 ihre Stimme abgegeben. Die zionistische Liste erhielt 851 Stimmen (acht' Mandate), Aguda 305 Stimmen (drei Mandate), Jad" Charuzim zwei Mandate (darunter ein organisierter . Zionist), eine unparteiische* Liste zwei Mandate. Die Ziouisten haben somit die Majorität. Gegen den Wiener Hochschul- Antiäemitismus. Eine Resolution des Verbandes christlicher Studenten in Amerika. Aus New York wird uns berichtet: Dieser Tage fand im Staate Panama die Jahresversammlung: der „Tnterkollegiate Stüdents Christian Association" statt, an welcher 460 Delegierte der verschiedensten Universitäten Amerikas teilnahmen. Den größten Teil der Beratung-feil füllten die Diskussionen über die Haltung der christlichen Studenten., der Vereinigten Staaten . gegenüber dem Antisemitismus an den europäischen ' Universitäten, vor allem^an den Hochschulen in Wien; sowie gegenüber dem ins letzter Zeit auch an amerikanischen UniVersitäte'n" '% Erscheinung tretenden juderifeindlichen Tendenzen aifs. Die Konferenz sprach sich mit; aller Entschiedenheit ^gegen. den kulturwidrigen und barbarischen Antisemitismus^anöden der Erziehung der Jugend gewidmeten Lehranstalten und ganz besonders an den Hochschulen aus, die der Vertiefung der. gereiften Jugend in die wissenschaftlichen Probleme und die Fprt- .eiitw^cklung^^ haben. Eine der von der Konferenz angenommenen Riesolutjonen hat folgenden Wortlaut: . V „Mit Rücksicht auf: die Berichte über die schweren Ueberfälle auf jüdische Studenten an den Universitäten in Posen und W i e n beschließen die vejisammelteh 460 Delegierten des Verbandes der christlichen Stüdenten,uhr .tiefstes Bedauern' über diese Vorfälle sowe; ihre Empörung darüber auszudrücken, daß christliche Studenten an solchen Verbrechen teilnehmen* '< konnten.'•' . '■' Den;:--'Opfern; dieser ,|üeberfalle drücken wir unser tiefstes M i t g e f ü;hT aus . und protestieren gleichzeitig gegen die an <len amerikanischen Hochschulen sich zeigenden judenfeindlichen. Tendenzen. Wir '-erklären hiemit, daß . wir es als unsere moralische Pflicht ansehen, dagegen mit aller Entschlossenheit zu arbeitend Pie Todesstrahlen. Wie Berlin Judenrein gemacht werden sollte,: Aus Frankfurt, ,5. d., wird gemeldet: £>fts-'^Erweiterte Schöffengericht Frankfurt a. M. verhafodeite gegen den „Ingenieur" Albert B r ü h a Ii n, . eineih Stahlhelmer und völkischen Agitator, der vorgab, eine Art „Todesstrahlen"-Maschine erfunden'" zu haben und ein schlesisches Adelskonsortium um e^inje große Summe Geldes geprellt hat. Brühahn, 'von Beruf Elektromonteur, hatte sich noch während des Krieges an militärische Stellen gewandt und behauptet,, er vermöge elektrische Energien drahtlos in weii# Ejjtfernügen auf bestimmte Körper zu jage$. Iift/^Npr vember 1918 soll er einen Vorschuß von' £(L<tä»'Mpi% v Herstellung seiner Apparate erhalten ^|jen,?P|;^ Verbindung wurde mit ihm aber abgebrochen^ Ein sejile; sisches Adelskonsortium, dem Generalleutnjan|. jOsJjar von St, Auge, der frühere Platzkommandant von Breslau, der die Geschäftsführung übernahm^ ein Fürst Bismarck, Graf Püekler, Graf Malz1 ahn, E^;l zpllenz von D i r c k s e n und andere schlesisch^ Magnaten angehörten, brachte 60.000 Mark für die B^ühäh^schy „Erfindung" auf. Oberst Reinhardt soll die'. Erfindung befürwortet haben. Es wurde Brühahn ermöglicht, in der Universität Breslau vor, einigen Wissenschaftlern-sein Experiment auseinanderzusetzen. Diese Wissenschaftler korinten aber kein richtiges Bild gewinnen, per Stahl' helmer Brühahn,, der stets auf die Juden und die Republik schimpfte, gewann jedoch das Vertrauens des genannten Adelskonsortiums. Dem Generalleutnant von St. Ange, der Geschäftsführer des Unternehmens war, setzte er auseinander, man könne eines Tages alle Juden auf dem Tempelhofer Felde versammeln, ein Fingzeug werde aufsteigen und den Todesstrahler in Tätigkeit setzen. Innerhalb drei Minnten sei Berlin judenrein. Als aber aus der Erfindung nichts wurde und Brühahn auch bei einem Frankfurter Spediteur 16.000 Mark erschwindelte, wurde die Anzeige gegen ihn erstattet. Das Gericht verurteilte Brühahn wegen mehrfachen Betruges zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. „Juda, verrecke!" Die berliner Hakenkreuz-Studentenschaft verunstaltete am 20. Juni eine Versailles-Kundgebung. Zum besseren Ausdrucke des Patriotismus wurden unter der Parole „Juda, verrecke!" Juden verprügelt. Einen Angriff auf ein Auto verhinderte die Polizei. Knüppel-Kunze. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Glatz, hatte sich der unter dem Namen KnüppeWtunze bekannte Ver* leger Richard Kunze aus BerlimFriedenau, wegen Aufrei* zung zu Gewalttätigkeiten gegen jüdische Staatsbürger zu verantworten. Kunze hatte in einer von der Deutsch*sos zialen Partei einberufenen Wahlversammb'ng in Glatz etwa geäußert: „Endlich ist die Zeit gekom» inen, den Rebekkas die Perlen u n d B r i IT a n« ten vom Halse zu reißen." Kunze bestritt vor Gericht, sich in diesem Sinne geäußert zu haben. Er kenne die Strafgesetze genau und sei daher sehr vorsichtig mit seinen Worten. — Durch drei Zeugen wurde jedoch be* stätigt, daß Kunze jene Redewendung gebraucht hat. Das Gericht verurteilte Kunze wegen. Aufreizung zum Klassen* kämpf zu 200 Mark Geldstrafe, beziehungsweise zwanzig Tagen Gefängnis. V Der völkische Prinz zur Lippe verurteilt. Das Landgericht in G1 o g a u verurteilte den Prinzen Friedrich Wilhelm zur Lippe wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz in zweiter In* stanz zu 500 Mark Geldstrafe. In der Berufungsverhänd' lung wurde ein Brief des Prinzen zur Lippe an den Land« gerichtspräsidenten Berthold Verlesen, der nach an.tis semitischen Beschimpfungen mit den Worten endet: „Ich gratuliere Ihnen zum Oberlandesgevichtspräsi« denten inJerusale m." Der Gerichtspräsident hat wca gen dieses Briefes ein neues Verfahren gegen den Prin* zen anhängig gemacht. ..... .„.;.....,.. .... :yi- ~~\ :-'> \\ 'i, Otto Warburgs 70. Geburtstag. Am: 28. Juli wird Professor Otto War bürg, ehemals Präsident der zionistischen Organisation, seinen 70. Geburtstag feiern. Die zionistische Exekutive und das Direktorium des Nationalfonds haben zur Ehrung Warburgs die Schaffung eines botanisch e n G a r t e n s b e i R e c. h o b.ot -h; beschlossen und .lord-em alle Zionisten;auf, sich diircfir Spenden an. dieser Gründung zu beteiligen. Adolf Wolf gestorben. /;.. -5 In Ischl ist am 7. Juli der Weingroßhändler Adolf Wolf aus Eisenstadt, der Senior der bekannten Firma, im 92. Lebensjahre gestorben. Er war der Onkel des derzeitigen 'Firmenchefs S a n d o r W o 1 f, der als Kenner jüdischer Altertümer; großes Ansehen-, 'genießt. Das Leichenbegängnis hat am 9. Juli unter großer Beteiligung in Eisenstadt stattgefunden.... Kommunisten in einer Jabotinsky-Versammlung., Aus J e r u.s a lern meldet die. J. T;-.'A.:i Kommunisten drangen in eine von den Zionisten-Rivisionisten einberufene Massenversammlung,/in der Wladimir Jabo* t i n s k y im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen zum 16. Zionistenkongreß das'revisionistische Programm auseinandersetzte, ein, und versuchten, die Versammlung zu "■■ sprengen. Sie verteilten kommunistische Liter atur und störten durch Lärm "die Absingung der „Hatikwah"..Dem Tumult folgte :,eine Schlägerei, in die zahlreiche Personen aus beiden Lagern verwickelt wurden. - . >'..,-■; Zusammenstöße in Hebron. Zöglinge der großen Jeschiwah inH e b r o n, die sich bekanntlich aus Rabbinern und Bachurim zusammensetzt, haben den Versuch einer. Grnpper bewaffneter Araber, das Vieh der läridwirtschaftlichen" Kwu?5ah ain Hebron-Weg zu rauben, mit Erfo.lg .abgewehrt. Die Araber flohen und ließen das Vieh/das.sie bereits aus den Ställen geführt hatten und mit sich, nahmen wollten, in der Kwuzah zurück. . 7.7 TI": Alle Vorzüge, die ein Sprechapparat im allgemeinen und ein^ Kofferapparat im besöftd^rpu aufweisen kann, vereinigt die neue Type des- Hoinocovd Elektro- Koffers iii sich. Die neuesten technischen Errungenschaften auf diesem Gebiete haben in diesem Modell ihre Verwertung gefunden, doch auch die äußere Ausführung und Eleganz dieses Apparates ist vorbildlich und außerordentlich. Es ist zu erwarten, daß sich'die Beliebtheit, deren sich bisher die Schallplatten von Homocord E1 e k t r o erfreuten, sich nunmehr auch auf die Sprechmaschinen dieser Marke erstrecken wird.