Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-07-12 · Heft 95 (12.7.1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 95 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711711--1253-2714456
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 95 Dlfi NEUE WELT Seite 8 „Im Auftrage de9 Seniofenkonvents der zionisti* sehen Verbindungen: Dr. Felix Klug, Präsident, Fritz Last, Alfred Seelenfreund, Josef Franke 1." * Die Angelegenheit steht mit dem letzten H e r z h Grabgange im Zusammenhange. Bei der diesen Gang vorbereitenden Sitzung erklärten Vertreter der soziali* stisch organisierten Jugendverbände, daß ihre Gruppen beim Grabgange nur rote Fahnen tragen werden. Unter Hinweis darauf, daß die Arbeiterschaft Palästinas bei festlichen Anlässen neben der roten immer auch die weißsblaue Fahne hißt, forderten die Vertreter der stu« dentischen und anderen Gruppen, daß auch in Wien die* ser Brauch eingehalten werde. Daraufhin erklärte der Ver* treter der sozialistischen Jugendgruppen, daß die blau» weiße Fahne zur Gesinnung seiner Gruppen im Wider« Spruch stehe. Der Vorsitzende und Präsident des T,an« deskomitees Dr. L. Goldhammer pflichtete denjenU gen, welche die blau*weiße Fahne ablehnten, bei. Als die Studentenvertreter die Verantwortung für die Folg-, die« ser Handlungsweise ablehnten, erklärte Herr Dr. L. Gold« hammer, er werde gegebenen Falles die Ordnung mit fünfzig Polizisten aufrecht erhalten. In einem, an die Zionistischen Organisationen gerichteten, von den Herren Dr. Goldhammer, Dr. Finkelstcin und Dr. Tarta« kower unterfertigten Schreiben des Landeskomitees wurde mitgeteilt, daß sich diese Körperschaft einstimmig auf den Standpunkt seines Präsidenten stellt. Beim Grabgange zogen auch Gruppen nur mit roten Fahnen auf. Dank der würdigen Selbstbeherrschung der zionistischen. Grup« pen verlief die Feier ohne Störung. Wenige Tage später beriefen einige studentische, Gruppen eine Jugendversammlung ein, um in der Fahnen« frage Stellung zu nehmen. Die Gruppen um die rote Fahne besetzten vorher den Saal und verhinderten die Leitung der Versammlung durch die Einberufer, welche sich, um keine Raufereien zu verursachen, entfernten. Ueber die« sen Vorgang brachte das offizielle Organ des Landes« komitees „Die Stimme" einen Bericht, in welchem die Behinderung der Veranstalter — das Organ schreibt von „Couleurstudenten" und der „revisionistischen Gruppe Trumpeldor" — gutgeheißen wird. Ferner wird in dem Berichte bemerkt, daß die zionistischen die Couleur«. Studenten „für ernsthafte, zionistische Tagesarbeit kaum zu haben sind, und nur, wenn es sich darum handelt, zu rc* präsentieren, ihre Ansprüche auf Ehrenlogen, Ehren« wachen und Ehrenkomitees geltend machen 1" — Jeden« falls eine ganz sonderbare Art des Verkehrs einer Partei* leitung mit einer ihr unterstellten Gruppe, mit den zioni« stischen Studenten. Noch sonderbarer aber, wenn man be* denkt, daß die Studentenschaft gerade deshalb im Partei« organ eine Portion Grobheiten abbekommt, weil sie für die Ehre der, blau«weißen Herzl«Fahne eintreten; wollte. In wessen Geiste und Auftrag handelt diese Parteileis tung so? Im Geiste und im Auftrage der Majorität der österreichischen Zionisten sicher nicht! Zionistische Bourgeoisjüngeln! Bei .;den letzten Ausschreitungen de* antisemitischen Raufhelden an der Wiener Universität kam einer der Gesellen an den Unrechten. Der Hakenkreiuzler und Medianer Franz R ö ß 1 e r fiel auf der Universitätsrampe über den zionistischen Exportakademiker Abraham Tenne nb a um her und versetzte ihm mit einem Gumm ikn ü11 e'l mehrere Hiebe über den Kopf. Tennenbaum verabreichte hierauf dem Knüppelhelden einige Faustschläge, packte ihn beim Kragen, schleppte ihn die Rampe hinunter und übergab ihn -der unten aufgestellten Polizei wache. Dieser Tage fand als Nachspiel die Gerichtsverhandlung statt. Der Hakenkreuzler wurde zu drei Tagen Arrest verurteilt. Aber der weise Herr Richter fand es für gut, auch Tennenbaum mit einer Strafe von einem Tag Arrest „unbedingt" zu belegen. . Wegen Ueberschreitung der Notwehr! Tennenbaum hätte wohl zuerst wattierte Handschuhe anziehen, . die Rampe mit einem weichen Teppich" belegen und erst dann den ehrenwerten Herrn Rößler die Rampe sacht und säuberlich hinunter geleiten sollen! .: Die von Juden geleitete und geschriebene sozialdemokratische „Arbeiter-Zeitung" gerät vor Freude über dieses Urteil außer Rand und Band. Ganz besonders über das UirteH gegen Tennenbaum. Ihren Bericht betitelt sie „Verurteilte Radau Studenten". Sie wirft vorerst den jüdischen Studenten Tennenbaum, der sich' doch nur verteidigt hat, mit dem Hakenkreuzler in einen Topf! Sie bezeichnet ihn und seine zionistischen Kollegen und Zeugen als „raufende Bourgeois] üngeln, die mit Gummiknütteln statt mit Büchern zum St.udjiim gehen". Sie schreibt über die Zeugenaussagen: „Dje Anhänger von beiden Seiten bestritten oder bestätigten die Angaben der Angeklagten. Während dieser Aussagen und dem Breittreten der Angelegenheit kam es heraus; daß sich das ganze Leben dieser Burschen ums Raufen* nicht aber ums Studium dreht! Der Richter nahm sich b e i d e tüchtig vor--. -r-t" Die Wiener Öffentlichkeit, vor allem der Rektor der Universität, ein katholischer Priester, hat rückhaltlos anerkannt, daß das Verhalten der Jüdischen Studentenschaft ein tadelloses war, daß sie den Angreifern mit Zurückhaltung und Würde entgegengetreten sind. Den jüdischen Journalisten von der „Arbeiter-Zeitung" bleibt es vorbehalten, sie als „radaulustige Bourgeoisjirngeln" zu beschimpfen. Weil ein jüdischer Student sich und sein Judentum verteidigt, wird er von diesen Herrschaften beschimpft. Freilich, sie laufen immer weg, wenn vom Judentum auch nur die Rede ist. Bourgeoisiüngeln! Es ist zu wetten, daß neunzig Prozent dieser jüdischen Studenten, deren Elend schon sprichwörtlich geworden ist, nicht über ein Zwanzigstel des Einkommens eines „proletarischen" Journalisten verfügen. Aber sie, die jüdischen Studenten, sind und bleiben übermütige, ausgefressene „Bourgeois". 28.000 jüdische Schneider streiken in New York. Aus New York, 4. Juli, meldet die J. T. A.: Benjamin Schlesinger, der Präsident der Damenschneiderunion, deren Mitgliedschaft fast nur aus Juden besteht, hat den Streik der Damenmäntelschneider proklamiert. Etwa 28.000 jüdische Arbeiter sind von diesem \ Streik betroffen. Der Streikproklamierung gingen erregte Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterschaft vor- Jatis. Es kam zu Zusammenstößen zwischen dem rechten und dem linken Flügel, wobei drei jüdische Arbeiter schwer verwundet wurden. Farbige Stoffe. Die Bedeutung der Farbe in der Kleidung und in der Innenausstattung der Wohnung, erreicht immer größere Bedeutung. Wenn wir uns im Freien an den Farben der Natur erfreuen und uns erholen, kommt es uns selten zum Bewußtsein, daß dies hauptsächlich auf die Wirkung der Farben zurückzuführen ist. Aus diesem Grunde haben auch die farbigen Stoffe die jetzige Bedeutung erlangt, die, durch die Wasch- und Lichtechtheit der Indanthrenstoffe gegeben war. Durch die aparten Muster werden die verschiedenen Farbflächen zur besten künstlerische^ Wirkung gebracht. So sahen wir im Indanthrenhaus in der Mariahilferstraße eine Fülle von derartigen Stoffen, die ein geschlossenes Bild über die derzeitige Geschmacksentfaltung geben. Die Annehmlichkeit, sich sorgenlos der Sonne auszusetzen, und die Gewähr, das die Farben trotz unzähligem Waschen ihre Schönheit behalten, sind ein Plus an Freude in den Tagen der Erholung. E WENN a. s»». „»m«, DANN... NUR i» INDANTHRENHAUS WIEN VI, MARIAHILFERSTRASSE 71 DENN... ÄSS*. SCHON , LICHT-und WASCHECHT Die Mandatskommission. Der englische Bericht über Palästina. Wie bereits berichtet, ist ih; Genf .die Mandatskommission des Völkerbundes zysammerigetreten. Am 5. und 6. Juli hat sie sich mit .der Paiästinafrage beschäftigt. Zur Beratung standen: ein Bericht der britischen Regierung als der Mandatarmactit Palästinas über «die Verwaltung des Landes im Jähre 1928, ferner ein Bericht der Exekutive der 'Zionistisch e n W e Vt o r.g a n i s a t i o n als . der Jewish Agcncy für Palästina über die Fortschritte des Auf-, bau es des jüdischen;'NatibijVl!h"ej'n^s, .schließlich, e'mo Reihe; Petitionen, so unter anderem c/ine;Petition der Agudas J i s r o e 1 vom 4. Jänner 1928 und des der Agwlah nahestehenden Jerusalenier „Waad Hair Haaschkenasi" vom 29. April 1928 betreffend das desetz,, über die jüdische, Gemeindeverfassung und Bemerkungen der Palästinaregicruiig •zu «diesen Petitionen (Berichterstatter der Spanier P a l a? ci a s); Petitionen der A r a b e r? über die Frage der Klageiniauer, wie z. B. i. ein Telegramm der moslemitischen Kon*- ferenz -an die Regierung vom 8. Dezember 1928, 2. ein Telegramm des Obersten Moslemitenrates mit dem gleichen Datum, 3. der Beschluß der allgemeinen Moslemiten-Kpnfereniz, 4. eine Petition vom 8. Juni 1928, unterzeichnet mit Emir Chekil Arsten, dem Iman El Djabri und Riad El Soult 3 Worte: Sportvatter Fischhaut bester Regenmantel Wien, I., WippHngersfraße 20 (Berichterstatter Prof. Rappard). Der Jüdische Nationalrat ihat bekanntlich telegraphisch seine Petition zurückgezogen. Bei der Behandlung der Palästinafragen wurde die britische Regierung durch den Oberkommissär für Palästina Sir John C h a nc e M o r und G. L. M. (blauson vom britischen Kolonialamt vertreten. m Die Feststellungen Englands. Der Bericht der Mandatarmacht kommt zu den iol- ■geiiiden Konstatierungen: Die wirtschaftliche Lage in Palästina war während des Berichtsjahres nicht befriedigend. Trockenheit und' Heuschreckeninvasion drückten auf die Landwirtschaft, die Wirkungen der Viensemphe des Jahres 1926 waren noch nicht überwunden. Regeilknappheit •im Winter 1927-28 und heiße Luftströmungen zu Frühlings» beginn verschuldeten zu einem großen Teil den Rfleksohlag in den Winter- und Sommerernten im nördlichen Distrikt und in'.der Jerusalemer Region. Die Lage der Farmer war ernst genug, um ein großes Maß von Hilfe seitens der Administration zu rechtfertigen. In Einzelfällen wurde die Lei» sfcung des Zehent, der durch eine entsprechende Steuer ab* gelöst ist, fast ganz" erlassen; wo der Rückschlag weniger ernst war,- wurde die Zehentleistuing zum Teil gestundet. Ferner, beschloß die Administration, in solchen Fällen auf Zahlung von Raten für landwirtschaftliche Anleiben nicht zu drängen. Von Zinsenberechnung für verzögerte Zahluh» gen des abgelösten Zehent wurde abgesehen. Diese" Maß-. nahmen wurden ergänzt durch .positive Hilfeleistung in der Form der Vergebung von BaTanleiihen und von Warenvorschüssen an Landwirte im Gesamtbetrage von 20.000 Pfund, die aus der Ernte 1929 zuzüglich 5 Prozent Zinsen rückzahlbar sind. Die jüdischen Bauern erhielten Anleihen im Ausmaß von 2500 Pfund. Nach anderer Richtung bin .litt Palästina in. den Winter- und Vorfrühlingsmonaten immer noch unter den Nachwirkungen der u n ökon omd sehen Ein wanderung von 1925. Nachdem zu Beginn des Jahres 1928 5000 jüdische Arbeitslose gezählt wurden, durfte eine neue Zuwanderung ungelernter Arbeiter n i c h t zugelassen wer d e n. Die Zionistische Exekutive Palästinas war mit Hilfe anderer jüdischen Institutionen in der Lage, einen wesentlichen feil von Arbeitslosen bei Unternehmungen unterzubringen, was eine Ausgabe von 25.000 Pfund erforderlich machte. Auf diese Weise war es möglich geworden, Endo März die Verteilung der Arbeitslosenunterstützung einzustellen. Die Administration, ihrerseits griff dem normalen Programm der öffentlichen Arbeiten vor und führte g ewisse Hilf s arbeit e n durch, außerdem wurde eine Anzahl von Arbeitslosen von privaten Unternehmungen absorbiert. Dies alles hatte zur Folge, daß eine Krisis vermieden wurde und es zum Jahresende nur noch etwa 1700 Arbeitslose gab. , Hand in Hand mit diesen Maßnahmen war ein« A u s w a n d e r u n g s b e w e g u n g solcher Elemente festzustellen, für die keine Aussicht bestand, sich in befriedigender Weise in Palästina zu verwurzeln. Uniökonomische Unternehmungen wurden entweder geschlossen oder auf gesünderen Grundlagen wiedererrichtet. Gleichzeitig war eine positive Entwicklung in .mehreren Richtungen zu verzeichnen. Die Zahl der O r a n g e n p 1 a n t a g e n und der Umfang des aufgefor-: steten Gebietes erhöhten sich. Fabriken erweiterten iure Betriebsaulagen und erhöhten ihren Absatz. Die Bautätigkeit wurde erneuert, der Touristenverkehr ausgedehnt. Gegen Ende des Jahres war ein Stadium stetiger Besserung erreicht, so daß man sich , dafür entschied, die Einwanderung von Arbeitskräften zu begünstigen. Was die politische Atmosphäre betrifft, ging das Jahr in Ruhe vorüber, wie das .gleiche auch in dem Bericht für 1927 vermerkt wurde. Die wachsende gegenseitige Toleranz unter Juden und Arabern wurde nur durch den unseligen Zwischenfall am Versöhnungstage , an der Klageinauer •in einem gewissen Maße verzögert. Keinerlei Schritte wurden ergriffen, um eine repäseutative .gesetzgebende Kör-, iperscihaft zu errichten. Der Bericht macht sodann Mitteilungen über die Verhandlungen mt Erweiterung der Jewish Agency und sagt weiter: Mit Aegypten wurde, hauptsächlich auf Veranlassung und zum Nutzen der Jüdischen Tabakpflanzer, ein Handelsabkommen mit Meistbegünstigungsklauselti hinsichtlich Zolltarife geschlossen. Zum Besten Palästinas wird an dem Handelsver trag mit Jugoslawien festgehalten. 2176 jüdische Einwanderer kamen im Berichtsjahre nach Palästina. Auf Ersuchen der Jewish Agency. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.