Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-07-05 · Heft 94 (5.7.1929) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 94 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711710--1246-2714448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 94 DIE NEUE WELT Seite 11 v Bevor Sie reisen ^i^^t^x^^r^k SRFRßMANN lir n — — nw f in mmm ■ Strickwaren etc. En gros — en detail DuilHIillfV U&mI BWIIImIIiII KOlflfnen Jie ZU Ufl5» Infoige kleiner Regien tpottbHlig! I, Rabensteig 3 (Etkt Stiltintetttnaaisii) Ihr Herz wurde heiß und ihre Augen begannen zu funkeln. Doch sie hielt an sich und versuchte sich ihre Gedanken auszureden: „Wie schlecht bin ich doch! Sie hilft Buchhol'Z so viel. Sie hat das Stipendium für ihn erlangt. Sie hat die Ausstellung arrangiert und sie bringt die Leute für ihn in freundliche Stimmung. Und ich bin so schlecht gegen sie, habe so böse Gedanken ihretwegen." Unwillkürlich taucht in Dwojre ein Gedanke auf, der sie erbeben macht: Miß Forster wäre für Buchholz eine gute Frau. Sie könnte ihm in seinem Leiben helfen. Was kann ich ihm helfen? Was kann ich für ihn tun? Alles, was ich konnte, habe ich doch schon getan. Auf einmal ist es ihr, als wäre Buchholz nicht ihr Mann und sie nicht seine Frau — sondern er ist ihr Bruder, ihr guter Freund, der ihr sehr nahe steht, und sie denkt nach, was für ihn besser sein wird. Und während sie zwischen sich und Miß Forster Vergleiche zieht, kommt sie zum Entschluß, daß Buchhol'Z lieber mit Miß Forster nach Europa reisen soll, als mit ihr... Da erblickt sie Miß Forster; die lacht ihr so . freundlich zu, daß alle Zweifel in diesem Lächeln schwinden. „Wo warst du, kleine Dwojre? Ich habe dich doch, bisher noch gar nicht gesehen. Du mußt heute mit Buchholz zu mir kommen. Ich veranstalte ein Fest zur Feier von Buchholz' Erfolg. Du mußt unbedingt kommen, alle unsere Freunde werden dort sein." Da sieht Miß Forster jemanden eintreten. „Entschuldige, kleine Dworje, ich muß Buchhol'Z diesem Herrn vorstellen. Es ist ein Redakteur, er kann viel für Buchholz tun. Auf Wiedersehen heute abend!" „Zu'ihrem Fest werde ich nicht gehen!" — faßt Dwojre den festen Entschluß — „Wie sie das ausgeklügelt hat .. Sie wird sehr traurig, obwohl sie gar keinen Grund dazu hat, und verläßt unbemerkt den Saal. Sie kommt äutf die Straße. Sie springt auf einen vorüberfahrenden Omni- . fous auf und fährt nach Hause. ' Sie wirft sich .auf.4as Bett, drückt ihr Gesicht fn die Kissen und murmelt: „Warum? Warum?" Alles, was sie erlebt hat, zieht an ihr vorüber, und in ihren Gedanken taucht das Letzte auf — was sie im „Institut" rnn seinetwillen erlebt hat. „Es kann doch nicht sein, es kann doch nicht sein." Ein Einfall. Sie steht vom Bett auf, wäscht sich, frisiert sich schön, glättet ihr Kleid, holt das schönste Zigeunertuch, das sie besitzt, das, welches Buchholz am meisten liebt, steckt Ohrringe an und setzt sich in den Lehnstuhl, um auf Buchholz zu warten. Sie wartet eine halbe Stunde, eine Stunde, doch er kommt nicht. Endlich ist sein eiter Schritt auf der Treppe zu 'hören. Dwojres Herz klopft, sie weiß nicht, warum. Er tritt ein, strahlend — den steifen Kragen hat er aufgeknöpft, die Schuhe aufgeschnürt und den Schlips in der Hand... „Ich habe Miß Forster nach Hause gebracht"*— beginnt er. Dann fällt ihm etwas ein: „Wo warst du? Wir haben dich gesucht. Wir wölken alle drei soupieren, doch ohne dich wollte Miß Forster nicht gehen." „Ich war so müde; und was hatte ich auch dort au tun? Ich konnte dir doch nicht so helfen wie Miß Forster." „Ist sie nicht ein prachtvoller Mensch? Du hättest hören müssen, wie sie mit den Leuten spricht! Und wie sie mich dem Millionär vorgestellt hat!" „Du hast ihr sehr viel zu danken. Sie hat sehr, sehr viel für dich getan" — sagt Dwojre. „Glaubst du das auch?" — ruft Buchholz freudig. — „Ohne sie wäre doch gar nichts geworden. Sie hat alles getan." „Miß Forster kann sehr viel für dich tun. Sie ist der einzige Mensch, der dir helfen kann.1' Da fällt ihm etwas ein, er tritt auf die nachdenklich schweigende Dwojre zu. „Du bist doch nicht böse, Dwojre?" „Warum sollte ich böse sein?" „Weil ich so über Miß Forster spreche." „Miß Forster ist eine gute und schöne Frau — sagt Dwojre. „Oh, wie ich dich lieb habe, Dwojre. Du weißt selbst nicht, wie ich dich lieb habe" — rief Buchholz begeistert aus, kniete vor ihr nieder und begann sie zu küssen. „Warum küßt du mich so?" — fragte sie ärger« Jtob wid suchte ihn sanft fortoudrängen, „Ich habe dich lieb, dich, nur dich allein, nur dich allein." Doch Dwojres'Resignation kehrte wieder. XVII. Die Mutter. Dwojre war entschlossen, nicht zu Miß Forsters Fest zu gehen. Als daher Buchholz sie darum bat, sagte sie entschieden: Nein. „Chaskel, ich möchte, daß wir heute abend beisammen sind, wir beide ganz allein, sonst niemand, wir beide allein wie bisher," — fügte sie leise hinzu — „da wir nun einmal so weit, gekommen sind. Dieser Abend ist ..." — sie beendet den Satz nicht. „Du hast recht, du hast recht" — Buchholz' Gesicht strahlt vor Begeisterung — „heute müssen wir wirklich aHein sein, wir beide ganz allein." Dwojre schwieg. Nach einer Weile erinnerte sich Buchholz: „Doch was soll mit Miß Forster werden? Sie rechnet doch auf uns . und hat unseretwegen Gäste geladen." „Wir können ihr 'telegraphieren, daß wir uns nicht wohl fühlen. Schreibe ihr, daß ich krank bin und du von mir nicht fortkannst." „Gut, ich werde ihr' telegraphieren oder ihr einen Brief durch einen Messenger-Boy schicken. Ich Werde ihr schreiben, daß du dich nicht wohl fühlst — oder ich will' lieber eine andere Ausrede verwenden, damit sie sich nicht beleidigt . . . Weißt du, ich werde schreiben, daß ich ganz unerwartet zum Millionär geladen wurde. Heute Abend werden wir beide zusammen sein und der guten, alten Zeiten gedenken" — er küßte sie auf den Kopf. Nach einer Weile: „Wird sie nicht beleidigt sein, was glaubst du?" j,Wenn du schreibst, daß ich krank bin und du von mir nicht fortkannst, wird sie nicht ..beleidigt sein." . „Gut, das will ich ihr schreiben, du hast recht. Heute Abend bleiben wir allein.. Wir werden zusammen in ein großes Restaurant nachtmahlen gehen. Der heutige Abend gehört uns allein." Dööh nach einer Weile begann er: „Weißt du, was ich mir. überlegt habe? Ich werde ihnen zeigen, daß du, du allein das alles getan hast und daß ich dir am meisten dankbar sein muß. Sie werden doch alle, auf uns' warten. Man kann die Leute nicht vor den Kopf stoßen. Miß Förster wird doch blamiert sein. Nein, gehen wir heute hin. Ein anderes Mal feiern wir allein." „Nein, Chaskel, ich kann wirklich nicht gehen. Wenn du willst, so geh' allein. Ich bleibe zu Hause." „Ohne dich gehe ich nicht" — erklärte Chaskel entschieden und setzte sich neben sie. Doch als es Zeit wurde, hinzugehen, wurde Buchholz sehr unruhig und Trauer und Sehnsucht nagten an seinem Herzen ... Er wünschte so sehr, hei Miß Forsters Fest zu sein, sie noch einmal in dem blauen Samtkleid zu sehen, daß der Schmerz, den ihm seine Sehnsucht bereitete, seinem Gesicht anzusehen war. Dwojre sah, wie er litt. So sehr sie selbst litt, sein Schmerz waf in ihr Stärker und sie forderte ihn selbst auf: „Chaskel, ich sehe doch, daß du hingehen willst, tu' mir den Gefallen und geh'! Ich werde zu Hause bleiben." „Komm mit. ich bitte dich, komm mit!" „Wozu brauchst du mich?" „Ich will dich den Leuten zeigen. Ich will ihnen allen zeigen, daß dir das heutige Fest gelten muß." „Ich kann. nicht gehen, glaube mir, ich kann nicht gehen." ,',Warum willst du mir nicht den Gefallen tun? Gerade heute, da ich so glücklich bin, willst du mir meine Freude zerstören." Jetzt wünschte sie schon, daß er in jedem Fall zum Fest gehe. „Komm mit, ich bitte dich, komm mit" — er bat wie ein Kind. Wohl machte seine Kihderstirnme ihr Herz erbeben, doch nachgeben konnte sie ihm nicht; sie war entschlossen, nicht zu gehen. „Chaskel, ich beschwöre dich, du mußt gehen. Miß Forster hat so viel für dich getan, du kannst sie nicht beleidigen — du mußt gehen, und zwar sofort." „Und du, -Wirst du nicht böse sein?" ■ „Weil du zu Miß Forster gehst? Wie kindisch redest du doch daher!" „Ich komme bald nach Hause, ich werde nur ein wenig dort bleiben und -bald nach Hause kommen. Du bist heute so schön, Dwojre lieb!" — er küßte' sie. „Komm her, ich werde dir die Krawatte'richten. Du bist so zerrauft" — sie richtete ihm die Krawatte und kämmte ihm das Haar zurecht. Bucholz hatte Eile, er fürchtete, zu spät zu kommen. „Warte, nimm die Blumen mit" — sie reichte ihm "die Veilchen, die'er ihr auf dem Weg zur Ausstellung gekauft hatte: — „und gib sie Miß Forster; bitte sie in meinem Namen um Entschuldigung. Sage ihr, daß ich nicht kommen konnte, daß ich sie vielmals um Verzeihung bitte." (Fortsetzung folgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", WJ Nachdruck verboten. Roman von SchaJom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. R o s e n h a 11. (34 Fortsetzung) ,Auf Wiedersehen!"1 „Gesegnet das Losgewcrdenscin!" rief einer aus der Schauspielerschar, als der Dr. Lewius bereits hinter der Tür war. „Alles zu seiner Zeit,"' fügte ein anderer hinzu. „Es gibt nichts-Bleibendes unter dem Mond, wie Don Pedro sagt!" „Trottel! Was für ein Don Pedro? Das hat doch gesagt Mosche Rabbenu!" „Du meinst wohl König Salomo?" < „Meinetwegen König Salomo! Kinder an die Arbeit, die Nacht steht nicht." Und die Oeselisphaft erhebt sich vom Tisch und man marschiert dorthin ab, in das separierte Kabinett»- wo man zu den Karten greifen kann. 5 7. Kapitel, Bei den Karten, Hat sich die Gesellschaft der Schauspieler einmal hineinbegeben, dorthinein in das kleine Spielzimmer des Cafe" Monopol, weiß man nie> wann es mit der Zeit Schluß ist. Setzt man sich zum Spiel, muß jemand das Opferlamm abgeben, der die meisten Spottworte und den größten Teil der Flüche auf sich zieht. ' Meistens ist Schwalb das Opferlamm, unser bekannter Tragödist Isaak Schwalb. Diesmal erhitzte sich Schwalb beim Kartenspiel mehr als sonst — „ein Nackter ist ihm über' den Weg gelaufen!". Es wollte sich das richtige Blatt nicht ein"4 stellen, einfach zum Hingehen und Sichaufhängen. Beide» er wie seine Schwester, die Primadonna Henrifctta Schwalb, taten nichts nur Oeld wechseln und beide brannr ten wie höllisch Feuer. Lieber die Schwester ärgerte er sich mehr als über mh selbst, Er begann «e ihr, var altem vorjubalteü, daß, sie „das Oeld einfach verbrenne" — worauf sie erwiderte, sie verbrenne i h r Geld und nicht seines:,, worauf er erwiderte „geh Wäsche waschen", worauf! sie ri-viderte „geh Zigaretten stopfen", er ihr, sie ihm, ein Wort für ein Wort, es beginnt hochinteressant zu werden. Die Leute mengen sich ein, viele nehmen sich der Primadonna an, es gibt aber auch solche, die es mit dem Bruder halten, sich für ihn einsetzen. Da wird Schwalb noch, aufgeregter "und sagt, er bedürfe keines Helfers und brauche keirien Fürsprecher. Es wird; lustig und das Gelächter wächst. Langsam werden ins Spiel auch die beiden Direktoren hineingezogen. Oetzl ben Getzl und Bernhard Holzman. Als Theaterchefs sitzen die beiden Herren vorerst nur so für sich. Sie schauen züj, wie die Leute spielen. Es ist interessant zu beobachten, wer da gewinnt und wer da verspielt, dann beteiligen sie sich selbst am Coup* Bewahre, nicht etwa um zu gewinnen, nein, nur so, Spasses1 halber. Sie wollen den Reiz genießen, wessen Karte schlagen wird. Und wie es nun bei einer blinden Karte geschieht, verlieren sie natürlich, und da sie sich den Verlust zurückholen wollen, fallen sie wieder um. Da legen sie sich erst recht hinein und so vertiefen sich alle' in die Arbeit und man sieht die Welt nicht mehr vor sich, nur drei Dihge: den Bankier, das Geld und die Karten, .... Dje Karten fliegen. Gesichter flammen. Augen brennen. Oeld klirrt. Lärm Wächst. Man reißt, man schlägt steh <u!m ©ine Karte. Der eine lacht, der andere lacht nicht, der eine ist zufrieden, der andere ist nicht zufrieden, aufgeregt sind alle. Man ist fähig, einer den andern zu erschlagen, lebendig zu verschlingen. Nur zwei Personen haben keinen Auteil am Rausch des Kartenspiels. Das sind unser junger Held Räfalesoo. und Brejfldete.Tfichemiak oder, wie man sie ruft, Breja«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.