Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 94 (5.7.1929)
- Date
- 1929-07-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Mmen tfi 'iTHiflrii' Kl «S« Dffi NEÜE WELT dele /Kosak, Nicht deshalb' etwa, Welt die Zwei, bewahre, die Karten nicht mögen, Im Gegenteil. Von Brejndele Kosak sagen ihre Kollegen, daß sie bei den Karten drej Männer in den Sack steckt. Ihr einen Groschen abge-| Winnen, ist, behaupten sie, wie aus der Wand Wein; abziehen. Brejndele Kosak, wenn sie gewinnt, schleppt sie, sagen sie, „die Mütze mitsamt den Nüssen" weg und futsch, adieu! So behauptet es von ihr die Gesellschaft der Schauspieler. Und Brejndele besorgt das Ihrige. Wenn sie gewinnt, — das Geld tief in den Sack stecken. Sieht sie, daß ihr die Karte nicht fällt, hört sie auf zu spielen. Ein solcher Mensch ist Brejndele Kosak. Auch Rafalesco haßt die Karten nicht. Im Gegenteil, man kann sagen, daß er sie sehr gern hat, Worini liegt;es also? Sein Spiel ist ganz anderer Art. Ihn interessiert nicht so sehr das Gewinnen oder Verlieren wie das Spielen selbst. Der La|uf der Karte an und für sich! fesselt ihn. Chachachal- Schon das sechstemal, daß ich auf König; Pick setze und er ist noch nicht ein einzigsmal gekommen! Oder, chacha, was sagt ihr dazu, hab schon wieder verspielt. Die Zwei, Brejndele Kosak und Rafalesco, warteten den Augenblick ab, da der Lärm groß genug und alles hypnotisiert war, um sich zur Seite zu begeben, und rasch entspann sich zwischen beiden ein intimes Gespräch. ,Es komme ihm vor, wenn er sich nicht irrt, daß er sie einmal in Holeneschti gesehen habe.' ,Nein, er irre sich nicht.' Der Mme. Tschernjak rundes Gesicht wird rot und die Oberlippe beginnt zu schwitzen. ,Sie habe ihn bald erkannt, obwohl er erwachsen sei, groß geworden. Vielleicht könnte man für eine Weile platznehmen.' Und sie setzen sich an, einen abgesonderten Tisch und das Gespräch schält sich immer mehr heraus: Holeneschti ... Theater ... Truppe ... Schtschuppak ... Er läßt nebenbei die Frage fallen, wo er also jetzt stecke, dieser Schtschuppak? Wo Schtschuppak stecke? Hehehe! Er ruhe in Frieden! — 'und sie macht mit beiden Händen die Geste dazu. Rafalesco springt auf: „Gestorben?" Mme. Tschernjak lacht hell auf, zeigt alle Zähne. ,Schtschuppak gestorben? Schtschuppak ist nicht der Mensch, eine solche Dummheit zu begehen. Er ist gesund und stark in allen Gliedern, nur mit dem Kopf; — |ist er in der Erd u<nd wie in der Erd. Alußer daß er es immer mit den Weibern zu tun hat — der Kerl Schtschuppak hat sichs vergönnt, drei Weiber zu haben, drei Geschwüre im Hals soll er haben — hat -er überdies1 noch einen Schlag bekommen, an den er denken wird und er wird mit Gottes Hilfe nicht so rasch wieder auferstehen.' Die Mme. Tschernjak rückt näher an ihn heran ttnd erzählt ihm' mit Herz und Hitze und Händen von Schtschuppak. Wie es ihm, dem Armen, schlecht geht, sehr schlecht, Kleinigkeit, der Mensch hat alles hergeben müssen, versetzt und verkauft das ganze Bißchen Brillanten, das er besessen hat. Und wer Schtschuppak und «eine Brillanten kennt, weiß, was das bedeutet. Und um wessentwillen? Wegen eines Mädchens, von dem es sein Traum war, daß es mit der Zeit sein Um und Auf, sein Schmuck und sein Alles werde. Eine Primadonna sollte sie bei ihm sein. Eine Primadonna, aus der er sich später ein Vermögen bilden würde, ein Geschwür soll sich ihm im Hals bilden. Aber was tut Gott? Passiert eine Geschichte, lernt da das Mädel irgendwo bei einem Konzert die weltberühmte Sängerin Marcella Embrich kennen tfr. 94 imd die Marcella Embrich hört das Mädel und ist von! ihr zu Tod begeistert und nimmt sie zu sich und gibt sie nach Wien in ein Konservatorium. Na, soll er sich da nicht krank ärgern, Schtschuppak, wenn er ein solches Primadonnachen verliert, das ihn hätte auf die Beine bringen können? Ei, ein Primadonnachen! Was Schtschuppak für Hand hat! Ein Mädchen? Gold!... Ein Kind noch, Milch und Blut, schön wie der Tag, und singerf singt sie, daß die Welt vergeht! Rosa heißt sie. Rosa Spiwak.' ,Resl?!< — 58. Kapitel. Wer auch klug ist — schön ist sie. Brejndele Tschernjak oder „Brejndele Kosak", wie sie Rafalescos Aufschrei „Resl!" hörte, konnte nicht länger an sich halten. Sie machte sich, Hand in die Hand klatschend, das Kompliment: ,Oh, oh, na? Wer auch schön ist —, klug bin ich!' Ja. Sie kann sich wirklich dessen rühmen, daß sie ein Aug hat. Ein Aug, ein Aug! Sogleich, im ersten; Augenblick, da sie ihn hinter den Kulissen erblickte),, diesen „Leo Rafalesco aus Bukarest", ist es ihr in den, Sinn gekommen, das sei „er"... jener, den sie zusammen mit der Spiwak gesehen habe, nicht nur einmal geschehen, einigemal, vielemal. Und sie ist sofort darangegangen, in ihrem Gedächtnis nachzuforschen: Herr der Welten, wo hat sie ihn denn nur zusammen mit Rosa! Spiwak gesehen? Na, versteht sich, in Holeneschti im Theater. Erst heute ist's ihr klar geworden, klar wie der Tag. Wenn dem so ist, erklären sich viele Dinge. Zui nächst ist es in Ordnung, daß diese Rosa Spiwak die Welt verrückt gemacht hat, oh, nach solch einem jungen Mann fürwahr darf einem bang sein... ach, wenn er nur wüßte, wie Rosa sich nach ihm gesehnt hat... „Gesehnt?" Rafalesco fühlt, daß ihm der Atem stockt. Und die Mme. Tschernjak versetzt ihm einen Schlag über die Hand. „Sieh mal an, wie er sich dumm stellt, der Arme,; der Arme, so jung und kann schon trügen! Eieiei, „gesehnt" fragt er. Sehnsucht und Sehnsucht ist doch nicht dasselbe. Verbrannt, verbrannt wie ein Licht, das Mädel wußte nicht, wohin mit sich. Woher sie das weiß? Chacha! Eine schöne Geschichte. Sie und Rosa waren doch wie! einzige Zwei, wie Schwestern, wie leibliche Schwestern. Gab es denn irgend etwas, das Rosa ihr nicht anverq traut hätte? Einmal ist eine Geschichte passiert... psst.». wo ist das nur passiert... sie kann sich nicht mehrj genau , erinnern... wo waren sie denn nicht überall?j Wie die Zigeuner haben sie sich mit dem Schtschuppak herumgeschleppt, verschleppen soll ihn der Herr der Welten, von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, wo getagt dort nicht genächtigt, lange an einem Ort verweilen hat ihm nicht gepaßt, seiner Weiber wegen, die ihn gejagt und verfolgt haben. Jedesmal, jedesmal kommt auf ihn ein t neues Weib, es sollen auf ihn kommen Pharao^ Plagen. Und eine Truppe hatte er damals, ein solches! Jahr über ihn. Einer mehr Holzklotz als der andere: Wäre sie nicht dagewesen, Brejndele Tschernjak, mit ihrem Spiel und Rosa Spiwak mit ihrem Singen, hätte er . den Bettelsack nehmen können und in die Häuser gehen oder überhaupt draufgehen. Sie Beide, kann marn sagen, haben das ganze Stückchen Theater gehalten und überhaupt (das Singen von Rosa, wie sie Lieder singt,! das war ein Singen, das waren Lieder... Mme. Tschernjak! war die erste, die schon damals prophezeit hat, daß das! Mädel einmal groß und berühmt sein wird, denn sie, die Mme. Tschernjak, kennt sich gerade in solchen Dingen gut aus. ,Was sie schon in ihrem Leben gesehen natu eieieiei. Sie hat Rosa vielemal schon gesagt, daß nicht hier ihr Platz ist. Niemand hätte sich getraut, mit ihr; so aufrichtig zu sprechen wie sie, und vor niemandem1 würde Rosa ihr Herz geöffnet haben wie vor ihr, denn niemand kennt, nein, niemand kennt so den Schtschup-1 pak, wie sie ihn kennt, seinen Namen soll man nicht kennen. Hat sie ja auch darum gewußt, was das heißt... ein Mädchen allein... ein Kind noch... Milch und Blut.... es hieß zwar vor der Welt, daß Rosa SpiwaW von Schtschuppak eine Verwandte ist, eine Nichte, die er aus Warschau hergebracht hat. Eine Nichte aus Warschau? Chachacha! Das kann er seiner Großmutter erzählen, nicht ihr. Sie, Brejndele Tschernjak, hat es bald heraus, daß Rosa genau so seine Nichte ist wie sie eine Kaiserin. Aber will er haben „Nichte", hol* in der Teufel» soll's Nichte sein... Und sie begann nachzuspüren, von! Schtschuppaks Flügeladjutanten herauszubekommen, Scho* lern Meir heißt er, Rafalesco wird sich wohl an ihn erinnern ...' ,0h, er erinnert sich sehr gut. Warum soll en sich nicht erinnern!' Ein kleiner, ein fröhlicher. Kauz* eine verschleppte Kränk.' ( „Eine verschleppte Kränk?" greift Brejndele Kosak das Wort auf. Ein Vagabund, ein Dieb, ein Auswurf! von der Natur, ein noch größerer Gauner als sein Chefj Wie ein getreuer Hund ist er diesem Schtschuppak er-< geben, weiß der Teufel die Gebeine, was sie immes beisammen hält, die Zwei. > , Und sie hört nicht auf, Pech und Schwefel auf die Beiden zu schütten, und unser Held verschlingt jedes! Wort. Er würde von ihr schon so etwas hören wollen^ was Resl betrifft und sie redet ihm den Kopf voll über Schtschuppak und wieder einmal über Schtschuppak. Sie selbst sieht auch scnon ein, daß es „zuviel Schtschuppak"- ist und fällt sich selbst ins Wort. „Ja also, wo hält man, heißtdas, immer nocft bei Rosa Spiwak... kommt einmal zu ihr sie, Rosa heißtdas, und fragt, ob sie Karten aufschlagen kann. Was auf einmal? Können kann sie, aber sie kennt, sagt sie, eine Meisterin, die Kartenl aufschlägt, vdaß die Welt aufhorcht... Fällt siej Rosal heißtdas, ihr um den Hals: ,Seelchen, Herzchen, Liebchen, ich soll sie zur Meisterin führen!. Ja, aber aufi der Stelle. Was hast du auf einmal, Vögelchen? Sie will es nicht anders. Ein Mädchen mit Capricen gewesen, die Spiwak, Feuer und Flamme... Plötzlich konnte sie aufweinen, den Kopf im Kissen vergraben, nicht essen, nicht trinken, nichts, gar nichts. Und wieder ein andermal um den Hals fallen und am hellichten Tag tanzen. Mitten drin: Verrückt oder närrisch geworden? Und ein anderr mal kann sie singen und singen, aber wirklich wie eine Nachtigall, ein kapriziöses Mädchen, diese Spiwak! Also, wo halten wir? Ja, sie gehen also zur Meisterin, heißtdas. Gut. Zur Meisterin gekommen —- eine kluge Hexe. Eine schlaue. Sieht ihr in die Augen, legt die Karten auf, da fällt Herz-As. „Eine Liebe!", heißt das. Und Karo-Ober. — ein „blonder Kavalier..." Und ein Sechser, immer ein anderer Sechser — ein „Weg'4 heißt das... „Liebe", „blonder Kavalier", und ein „Weg". Gut. Sie läßt kein Aug von ihr, die Meisterin, und deutet es, daß der „blonde Kavalier" fortwährend an sie denke. Fortwährend... Tag und Nacht denkt er an sie, der Blonde. Tag und Nacht. Er strebt nach ihr, nach1 Rosa heißtdas, mit allen Kräften, mit dem Leib und mit .der Seele. Er will, sagt sie, mit ihr zusammenkommen, er vergeht, er erstirbt und er weiß nicht wie. (Fortsetzung folgt.) ■ ' '. wm BSTEINE \F RIEDLÄNDER & DEUTSCH \Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, Telephon U-28-1~28 \XI.t Zentralfriedhof, neb. d. 7. 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