Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 94 (5.7.1929)
- Date
- 1929-07-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 94 DIE NEUE WELT Seite 7 ten jedoch die Ehe wegen des Glaubensuntefschiede« nicht zugeben und schließlich willigte mein Bräutigam ein, zum Judentum überzutreten. Niemand war glück« Weher als ich. Die Trauung wurde nach jüdischem Ritus vollzogen, und ich hätte das glücklichste Leben führen können, wenn nicht ein großes Unglück eingetreten wäre. Mein Mann ist nicht nur offiziell zum Judentum übergetreten, sondern hat die jüdische Religion mit allen jüdischen nationalen Eigenheiten so lieb gewonnen, daß er ein treuer überzeugter Jude geworden i s t, alle Sitten und Gebräuche sowie die nationalen Festtage genau einhält, und überdies auch von mir for# dert, daß ich ein jüdisches Haus führe, wie ich es bei meinen Eltern gesehen habe. Raten Sie mir, Herr Redak* teur, was soll ich, eine Freidenkerin, in dieser peinlichen Lage tun? Ich habe nichts gemein mehr mit dem Juden« tum, seinen Dogmen, seinen Sitten und Gebräuchen. Ich habe mich bereits völlig assimiliert , . ." Die Antwort des Redakteurs des „Vorwärts" ist nicht minder bezeichnend wie die Zuschrift der jüdischen „Freidenkerin". Man liest aus der Antwort heraus, daß die Verhältnisse sich in den letzten Jahren auch in Amerika stark geändert haben. Vor etwa 10 Jahren noch hätte der „Vorwärts" sicher der Genossin geraten, lieber alis Assimilantin unterzugehen, und es auf einen Bruch mit ihrem Mann, den sie aus Liebe geheiratet hatte und der ihr das größte Opfer gebracht hat, ankommen zu lassen. Aber das amerikanische Judentum hat seit dem Krieg eine große Umwälzung und Wandlung durchge* macht, und die strengen Einwanderungsgesetze haben das ihre dazu beigetragen, daß auch der „Vorwärts" mit banger Sorge in die Zukunft der Existenz der jiddischen Presse blickt und sich nicht mehr so ohneweiters den Luxus der radikalen Assimilation im nationalen Sinne leisten darf. Daher lautet auch seine Verlegenheitsant« wort dahin, daß die Frau sich nichts vergebe, wenn sie mit ihrem frommen Proselytenmann auch weiter zu* sammen lebt, doch möge sie es versuchen, ihn, natürlich ohne Zwang, in die Versammlungen der Genossen zu bringen, wo er durch die Reden vielleicht doch ,von seinen „Irrwegen auf die richtige Bahn geleitet werden wird". Die Juden in Rumänien. Die Regierung will das jüdische Gemeindegesetz oktroyieren. >,Adeverui" teilt mit: Im Ministerrat fand eine Beratung zwischen dem Ministerpräsidenten Iuliu Maniu, dem Kultusminister Vlad und dem Unterrichtsminister Costachescu statt, in der das Gesetz über die jüdischen Kultusgemeinden und die Einwendungen der jüdischen Gemeinden gegen gewisse Bestimmungen dieses Gesetzes zur Besprechung kamen. Es wurde beschlossen, das Gesetzprojekt, wie es von dem Ministerrat bestätigt wurd e, dem Parlament zu unterbreiten. Diese Mitteilung hat in den jüdischen Kreisen starke Erregung hervorgerufen und die Protestbewegung, gegen die Oktroyierung eines Gemeindegesetzes verstärkt. Die vor einigen Tagen abgehaltene Konferenz der jüdischen Gemeinden Alt-Rumäniens hat sich gegen das Gesetz in der ihm von der Regierung gegebenen Fassung entschieden ausgesprochen und die Regierung aufgefordert, sich vor Einbringung des Gesetzes in die Kammer mit den Vorstehern, der Gemeinden in Verbindung zu setzen. Der jüdische Parlamentsklub überreichte dem Kultusministerium einen Protest gegen die Modifizierung des Kultusgesetzes. Die Bukarester jüdische Gemeinde und das Rabbinat mit dem Senator Landesrabbiner Dr. J. Niemirower an der Spitze veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: „Durch ihr Vorgehen verletzt die rumänische Regierung die der Judenheit verbürgte gesetzliche Autonomie und stellt sich außerdem in Gegensatz zu der einhelligen Willenserklärung der rumänischen Judenheit vom Jahre 1922. Unterdem Vorwand einer trügerischen Freiheit gibt der von der Regierung der Deputiertenkammer vorgelegte neue Gesetzentwurf der religiösen, kulturellen und sozialen Interessen der jüdischen Bevölkerung der Anarchie preis. Jüdische Waisenkinder flüchten aus Yemen? Die in Palästina wohnenden yemenitischen Juden erhalten fortgesetzt Nachrichten aus dem Yemen, wonach dort die Zwangsbekehrung von jüdischen Waisenkindern zum Islam systematisch fortgesetzt wird. Aus Aden, wo der frühere Chefsekretür der. Palästina- Regierung, Sir George Symes, jetzt britischer Resident ist, trifft die Nachricht ein, daß acht jüdische Waisenkinder, die zum Islam bekehrt werden sollten, nach Aden geflüchtet sind. Die yemenitischen Juden Palästinas ersuchten die zionistische Eekutive um Zertifikate zur Einwanderung nach Palästina für diese Waisenkinder, für die die yemenitischen Juden ein Heim schaffen wollen. Ungezlelerplage. Mit dem Zyk'lon-(BIausänre-)Verfahren ist endli;> eine Möglichkeit geschaffen, durch einen einmaligen Vorgang alles Ungeziefer sicher abzutöten. Die Prozedur ist einfach, ungefährlich und von sicherem Erfolg begleitet. Auskünfte erteilt die Firma Dr. A. Jancic & Co., Wien, Erdbergstraße. Tel. U-U-0-97. (Entgeltlich.) Shampoon + Wellen Mayami? Antwort: Weil vom 15. Juni bis 15. Juli In allen Wiener Geschäften zu jedem Päckchen Mayami-Shampoon (Preis 35 Groschen) ein Lockenwickler gratis abgegeben wird. Viele Damen decken daher ihren Shampoonbedarf jetzt auf Monate hinaus. M. E. Mayer, X., Pernerstorfergasse 57, Stadtgcsohäfte Li Graben 17, I,, Lobkowitzplatz 1. DIE NEUE METHODE Zum Shampoonieron und gleichseitigem Wellen der Haare mit t MAYAMI-SHAMPOON hiezu je ein solcher MEM LOCKEN-WICKLER gratis/ Preis des MAYAMI-SHAMPOONS wie bisher 35 Groschen MAYAmF-SHAMPOON MEM LOCKEN-WICKLER macht das Haar flockig und weich, verleiht *»* ,?eum , Haf au< *? 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Die Regierung genehmigte das Budget der Stadtverwaltung von Tel-Awiw für 1929, wie es in den in Jerusalem abgehaltenen Beratungen des Bürgermeisters Dizengofif mit dem Schätzimeister und dem Distriktskommissär bei Anwesenheit des Oberstaatsanwalts B e n t v i eh festgesetzt worden war. Die für 1929 ausgeschriebenen Steuern schließen auch die bisher getrennt eingehobenen Beiträge für Schulen usw. ein. Die Sabbatruhe In Tel-Awiw. Der lnhaber eines Spdawasser-Verkaufsstandes in Tel-Awiw erhielt von dem Gericht die Aufforderung, seinen Stand zu räumen, weil er diesen am" Sabbat offen hielt, obwohl eine Bestimmung des Mietvertrages die Schließung an Sabbattagen zur Bedingung macht. Eine Siedllingsaktion des Moslemitischen Obersten Rates. ■ Die Zeitung ^Feiestin" meldet - aus Tul'kerain,, daß arabische Einwohner des Donies Taillbe 4000 Dunam Boden an den moslemitischen Obersten Rat zu dem niedrigen Satze von 2 Pfund pro Dunarn verkauft haben. Der moslemi'tische Oberste Rat folgt dem Beispiel des jüdischen Nationalifonds und erwirbt Boden als unveräußerliches Eigentum des arabischen'Volkes, um den Erwerb des Bodens durch die Juden zu verhindern. Die Haifaer Zeitung „Anafir" teilt mit, daß eine Gruppe arabischer Einwanderer in Amerika die Errichtung einer arabischen Kolonie in Palästina plant, für welche 5000 Dunam Boden erworben werden sollen. , „Meraat e-1 Shark" hat vor kurzer Zeit mitgeteilt, daß der ■moslemitische Oberste Rat beschlossen habe; einen Fonds von 100.0QO Pfund zwecks Errichtung von Plantagen, für arabische Pflanzer zu gründen. Ein antijüdischer Polizeioffizier. Ein in Jerusalem stationierter arabischer Polizeioffizier wurde zu sieiben Tagen Geifängnis und Htägiger Ge-haltsbuße verurteilt, weil er, ohne Urlaub erhalten zu haben, an den Vorbereitungen zur antijüdischen Kundgebung gegen den Verkauf von Boden durch Araber an Juden, die am 9. Juni in Jaffa stattfinden sollte, aber von den Behörden untersagt worden war, 'teilgenommen hatte. Aus dem Verhör ging hervor, daß der Polizeioffizier beabsichtigt hatte, bewaffnet an der Kundgebung teilzunehmen. Italienische Schiffe vor Palästina* Von den 23 SchiiMs'einheiten der italienischen Floate, die in den Mittelmeerhäfen< kreuzen, haben sechs vor Jaffa Anker geworfen. Am Sonntag besuchten die Offiziere, unter ihnen die Söhne von Mussolini, und ein TeM der Mannschaft Jerusalem. Das Silberne Buch des Keren Kajemeth. Mit Rücksicht darauf, daß die angekündigte Begründung des Silbernen Buches nicht nur einer schönen, pietätvollen und populären Idee entspringt, sondern auch eine Lücke ausfüllt in einem Lande, wo im Hinblick auf die finanziellen Verhältnisse eine Ehrung durch Eintragung ins Goldene Buch erfahrungsgemäß fast unmöglich ist, haben wir uns an den Anreger dieser Institution, Herrn Dr. Siegfried Plaschkes, gewendet, welcher die Güte hatte, uns folgende ergänzende Aufklärung zu geben, bezw. gewisse Einwände zu entkräftigen: , Das Silberne, Buch soll nicht etwa die Sammeltätigkeit des Keren Kajemeth um eine neue vermehren, sie stellt auch nicht eine Konkurrenz gegen andere Institutionen; wie Baumspenden, welche uns mit dem Lande selbst zu verbinden bestimmt sind, dar, sondern es ist < neben einer Ehrung Theodor Herzls, des Begründers des Goldenen Buches, gedacht als eine Möglichkeit, auch ohne Aufbringung großer Mittel Personen, welche sich um unser . Volk und unsere Sache verdient gemacht haben oder denen wir unsere Wertschätzung für ihre Liebe, Treue und Opferfreudigkeit zum Ausdruck bringen wollen, zu ehren und ihnen unseren Dank zu bezeigen. Es handelt sich also um eine neue Art von Auszeichnung, welch« unser Volk zu verleihen hat, in demselben Sinne ungefähr wie es bei diversen Ordensaus2eichnungen verschiedene Grade gibt. In dieser Auffassung stellt das Silberne Buch nicht etwa —• dies soll ausdrücklich betont werden —' eine Konkurrenz gegen das Goldene Buch dar, sondern' hebt seinen Wert noch mehr, da das Goldene Buch die höchste diesbezüglirhe Auszeichnung bildet. Ist das Silberne Buch dazu bestiimmt, unsere Unterführer und Soldaten, für ihre Leistungen und ihre Bravheit zu belohnen, so soll das Goldene Buch nach wie vor für unsere Großen und Führer reserviert bleiben. Uebrigens ist beabsichtigt, in die Satzungen die Bestimmung aufzunehmen, daß eine zwanzigmalige Eintragung ins Silberne Buch die Aufnahme ins Goldene Buch zur Folge haben soll. Das Buch enthält auf jeder Seite, die mit einem künstlerischen Kopf versehen ist, eine Eintragung mit dem Namen und einer entsprechenden Würdigung. Ein vollkommen gleiches Blatt wird dem Eingetragenen, bezw. seinen Freunden und Verwandten als Diplom überreich^ . . An. der einheitlichen .zweck- und stilgemäßen Her Stellung einer solchen Widmungsseite und einer Einbanddecke, für welche sich auch die Malerin Blanka Federn- Lipscbütz interessiert, wird von dem hervorragenden Künstler Prof. Otto Friedrich gearbeitet. Die amerikanischen Liberalen gegen das Nationalheim. Rabbiner Enelow lehnt jüdische Politik ab. Aus New York, 1. Juli, meldet die J. T. A.: In Dedroit tagt gegenwärtig die vierzigste Konvention der Zentralkonf erenz amerikanischer Rabbiner (liberale Richtung im Judentum) bei Anwesenheit von etwa 300 -Rabbinern aus allen Teilen der Vereinigten Staaten. Zu Beginn der Konvention wurde eine Botschaft des Präsidenten der. Zentralkonferenz, Rabbi H;. G. E n e 1 o w, verlesen, in der Rabbi Enelow die Konverotii&n auffordert, gegen die Idee, Palästina als das eigentliche Heimatland des modernen Juden hinzustellen, Stellung zu nehmen. Wo immer Juden leben und bürgerliche Rechte genießen, sagte Rabbi Enelow, da ist ihre Heimat. Er empfiehlt der Konferenz, ihrer Sympathie für jene Bestrebungen Ausdruck zu verleihen, die dahin gehen, Palastina als ein Heim für solche Juden zu erklären, die dort leben wollen, und insbesondere unpolitische Institutionen, wie hebräische Universität u. a. m. zu fördern. Br fordert die Konvention auf, zum Ausdruck zu bringen, daß sie die Jewisb Agency als eine von allen politischen Zusammenhängen und Bindungen befreite i n t e r n a 11 onaletind unparteiische Institution zur För- Wochen-Kalender Juli, 1929 i^d ö*Din Siwan 5689 5 Freitag 27-D Sabbateingang 7.30 6 Samstag 28-ro. Sabbatausgang 8.47 ynrp rbten mtDön rHf 7 Sonntag 29-KD pp nes dv >nn my 8 Montag 30-1 «nn mn'** 9 Dienstag 1-N «nn w*m o 10 Mittwoch 2-a 11 Donnerstag 3-i