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Die neue Welt · 1929-07-05 · Heft 94 (5.7.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 94 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite/ DI£ mm WELT 2* B. Salman Rajzeji: „Ate Gwjfredaik'teur der stoßen Jiddischen Tageszeitung: „Der Tag" erfreut sich Rajzen «•roßer Popularität. Er ist ein kompromißloser Vortkämpfer der Jüdischen Schulbewegung in Polen, die auch zum größten Teil ihm Entstehen xund Gedeihen verdankt." „Der Tos" ist eine der söhärfsten antizionistiscihen Zeitungen Polens. Die jiddisch e, nicfht jüdische, fälschlich als jüdisch ausgegebene Sdrolbewegung richtet sich systematisch gegen die h e b r ä i s c >h e Schul'bewegiiin'g in Polen, mit der Tendenz, sie auszurotten. Andere preist man als die Künder jener SoTiai'iensikraft, „denen jiddisch und jüdisch gleichlautend und gleichbedeutend sind, dessen Sänger sich in den Himmel von Warschau und New York, von Mosikau und Tel-Awiiw (!!) schwingen". Diese 'braven, kompromißlosen Vorkämpfer, denen nioht wie uns Jiddisch ein assrmiJations-hemmendes Kultur- und Literarurelement des Gahithdaseins, ein« Ausdracksforrn de« jüdischen Nr. $4 Geistes todeutet,tontiern siej die Jiddisch sH KämpfinstriHnent gegen die kontinuierliche jüdische Kultuf, gegen Zionismus «und Palästina, kurzum gegen den ganzen historischen Inhalt des Judentums benützen, feiert aüi zwei Seiten mit Balkentiteht das offizielle zionistische Organ in der zynischen Annaihme, daß der vom ebenfalls 'kompromißlosen Landesikomitee erzogene zionistische Leser es nicht merkt. Triwmph in der Koppelung Blumauergasse- Kärntrterstraße! Salman Rajzeu und Melech iRawitsch gegen Biali'k und TscherniChowsky! Das Rariiäten'kabinett ist komplett. Eine hitachdutupoalezionistiscbe, Jiddischis-tische, antiiheibraistische, offiziellzionistische Propaganda des Wiener offiziellen Zionismus zur Rechten, das „aiufbau"-reaktionäre, poalezionistisch ge'koppelte, rotbefahnte, penklub-jiddisohistisClie Zionistische Landesikomitee zur Linken, darüber ihr Bruder im Sinne Herzls — Felix Saiten! o. r. Was der Moskauer „Emes" erzählt. Die zahllosen blutigen Verfolgungen der Juden auf sozialem, nationalem und* religiösem Gebiet werden von den sowjetrussischcii Machthabern in Wort und Schrift geleugnet. Die Nachrichten Über das Anwachsen eines pogromartigen Antisemitismus in Sowjetrußland weiden in das Reich der Fabel und der Lüge verwiesen. Daß in Sowjetruflland selbst der bis in die Arbeitersehichten gedrungene Judenhaß von den Führern gefördert wird, beweisen nachstehende, verhältnismäßig harmlose Fälle, die das offizielle Organ der jüdisch-kommunistischen Partei „Em e s" (Moskau) anführt. Wir bringen die Tatsachen ohne jeden weiteren Kommentar. Pogromszenen in der Fabrik, Eine wilde antisemitische Szene spielte sich am 27. Mai auf dem Territorium der Marianowetzer Hütte ab. Eine Gruppe besoffener Vagabunden überfiel unter antisemitischen Ausrufen die jüdischen Arbeiter Rosenberg,. Baron, Asarwe u. a. und prügelte sie. Wenn jemand sie. verteidigen wollte, bekam, er von den Antisemiten zu hören: „Wir werden jeden erschlagen, der die Zidy verteidigt." Dieses schändliche Faktum, das am hellichten Tag sich vor aller Augen ereignete, war . nur deswegen möglich, weil sowohl die Administration der Hütte als auch die Partei, die Gewerkschaften und die anderen Organisationen der Hütte nicht die geringste Aufklärungsarbeit unter den Arbeitern leistet. Dies wird schon daraus klar, daß die antisemitischen Strolche aus einer Gruppe von deklassierten und demoralisierten Elementen bestehen, deren Platz unter keinen Umständen in einem sozialistischen Betrieb sein dürfte. Hier sind sie: Martin Dratschuk ist einigemal von der Arbeit wegen Banditenumtrieben, Trunksucht, Vagabondage entlassen, aber — und das ist charakteristisch — jedesmal wieder von der Administration aufgenommen worden. Sein Bruder, Anton Dratschuk, ist ein bösartiger Vagabund und Säufer. Die Brüder Schuschkewitsch sind berüchtigte Strolche, die der. Polizei wohlbekannt sind. \ .... Den Ueberfall inszenierte der demobilisierte Rotarmist Losowitzky, der sofort bei den Brüdern Dratschuk Unterstützung fand, . die die Losung „Schlagt die Juden, rettet Rußland!" ausgaben. Weder die Arbeiterkammer, noch, der kommunistische Betriebsrat, noch die Administration unternahmen gegen die wildgewprdenen Banden auch nur das geringste. Neun Monate Zwangsarbeit. Schon das zweite Mal steht er heuer vor Gericht, und zwar wegen Lehrens in der Jeschiwah. Das erste Mal hat er ein so armseliges Gesicht gemacht, daß man ihm nur drei Monate, und zwar bedingt, gab. Diesmal, im zweiten Prozeß, offenbarte sich das Wesen dieses selten zähen, aktiven Klerikalen ganz. Er stammt aus dem Pskower Gouvernement und war in seinem Städtchen — er heißt Bruck — Rabbiner. Dann versuchte er kurze Zeit hindurch gegen die Freidenker zu, kämpfen, anscheinend ohne Erfolg. Er lebte zuerst in Scholbin, später in Novowolinsk. Jetzt hat man ihn erwischt, als er mit fünfzehn Jugendlichen im Alter von 8 bis 17 Jahren Gemara lernte. Schüler für diese Jeschiwa --wurden1 von einem speziellen Agenten in den Städten und Städtchen des Umkreises angeworben. Jeder Junge bekommt freie Kost, alte Kleider und einen Lehrer unentgeltlich. Um seine „Arbeit" in der. Jeschiwa zu maskieren, Übt Bruck angeblich die Schechita aus. Damit hat er audi versucht, sich bei Geridvt herauszureden: er sei ganz zufällig in das Beth Midraseh gekommen, um das Schächtmesser zu schleifen; zur Jeschiwa selbst stehe er in gar keiner Beziehung, Auf seine ^vetteren Antworten bei der Befragung durch den Richter und öffentlichen Ankläger ersieht man aber, daß er im Schächthaus überhaupt nicht arbeitet, zumal er keine Schächtbefugnis besitzt. Eine ganze Reihe Zeugen bestätigt, daß Bruck der Rosch Jeschiwa ist. Man erzählt noch folgende Tatsache: In der Jeschiwa hat der Sohn eines Handwerkers gelernt. Als der Junge unter dem Einfluß seines älteren Bruders und seiner Schwester das Studium in der Jeschiwa aufgab» erschien derselbe Bruck beim Vater und erklärte, daß er sofort 100 Dollar zur Uebersiedlung des Jungen in eine andere Stadt zur Verfügung stelle. Bruck hatte selbstverständlich einen Verteidiger und just keinen von der klerikalen Gilde, sondern einen alten „Aufklärer", wie er sich selbst nannte, der selber sein Leben lang gegen die Religion gekämpft habe. Dieser Verteidiger, namens Feldmann, versudite mit allen Mitteln, den angeklagten. aktiven Klerikalen, der die Hirne der kleinstädtischen Jugend vergiftet, reinzuwaschen. Nach der Anklagerede des Genossen Wasofsky verurteilte das Gericht Bruck zu sechs Monaten Zwangsarbeit, wobei er die drei Monate der bedingten Verurteilung hinzufügte. Nach Verbüßung der neun Monate wird Bruck verbannt. Gleichzeitig beschloß das Gericht, die anderen Funktionäre des Beth Midraseh zur Verantwortung zu ziehen und die Umwandlung des Beth Midraseh in ein Arbeiter-Kulturheim durchzuführen. Die Ritualmordlegende. Aus Moskau, 24/ Juni, meldet die J. T. A.: „Wa* sili Schikula, ein Mitglied des Staatssowjets von Poltawa, wurde zu zwei Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil er das Gerücht verbreitete, daß die Jüdin Sarä Lichnizkaja versucht hatte, sein . klle i ne s; T ö c h t e r c h e n in ihre Wohnung zu lockten* wo Charkower Juden an dem Kinde einen Ritualmord be« Schwedens beste Rasierklinge rasiert schnell, angenehm, erhält die; Haut zart gehen w o 111 e n. Bei der Gerichtsverhandlung wurde festgestellt, daß Schikula sein Töchterchen unbarmherzig zu mißhandeln pflegte und daß das Kind sich in der Wohnung der Lichnizkaja versteckt hielt, um den Miß* handlungen des Vaters zu entgehen. In kommunistischen Kreisen wird das Urteil gegen Schikul'a als' zu milde kritisiert. „Prawdä". stellt fest, daß in Poltawa in den letzten acht Monaten fünf eklatante antisemi* t i s c h e F ä 11 e -zur Behandlung vor die Gerichte kamen und daß erst im Falle Schikul'a eine Verurteilung er* folgt ist. Antisemitische Arbeiter der Fabrik „Glawnauka" in Leningrad haben den alten jüdischen Arbeiter David* kin längere Zeit hindurch schweren Peinigungen unter* wqrfen. Sie stachen ihn mit Nadeln, übergössen ihn mit Gipsmasse und beschmierten ihn mit Farbe. Die roten'Soldaten der Moskauer Garnison hielten eine Massenversammlung ab, die der Frage der Be* kämpfung des Antisemitismus in der Roten Armee ge* widmet war. Es wurde eine Resolution angenommen, den Antisemitismus in der Roten Armee mit allen Mitteln zü bekämpfen. , . . Hunderte jüdische Bäcker in Moskau arbeitslos. Aus Moskau, 24. Juni, meldet J. T. A.: 350 jüdische Bäcker wandten sich an die Gesellschaft „ORT" mit der Bitte, ihnen dazu zu verhelfen, sich einem neuen . Hand* werk zu widmen, da sie infolge der eingeführten Brot* Verkaufskontrolle arbeitslos geworden sind. Der erste jüdische Friedensrichter gestorben. Iii Paris st-anb -nach ein&v Operation der Jaüfae: Friedensrichter Fr. Jizchaik N o f a c(h. - In Minsk als der Sohn eines der Führer der Ohöwewe Zion-iBeweaung, Je- •huda S. Nof ach, igeboren, schloß'er sich der zii'onisiisc'hen Bew&gwg -an und wohnte eini-gen Kongressen als Dejegterter ibei. Bei Ausbruch des Krieges weite er in Palästöna und wurde von d«sn Türken interniert. Professor Julius Goldstein-Darmstadt gestorben. Pr, Julius G oil-oVste in, Professor der Piliilosopfoie an der Hochschule in Darm st-adt, ist am Monta-g, de1« 29- Jwi, gestorben. Er war einer der führenden Kämpfer für die; Assim'ilatioiisid'ee. Uni seinei Ern<enpu;ng zown Professor, entbrannte seinerzeit ein antisemitischer Streit, in dem Rudolf Hucken und Ernst Troeltsch öffentlich für Goldstein. «.atrate'a, ...... Einmalige ZMon-Doröpii Dr. A. Jencic & Co., III." Erdbergstraße 35 » Telephon U-11-0-97 Assimilantentypen von rechts und links. Von Jakob Krausz. Unergründlich ist die Psyche des jüdischen Vot* kes und unerschöpflich die Quellen, aus denen jeder zu schöpfen vermag, der sich der Mühe unterziehen will, die vielen Verästelungen und Verzweigungen der jüdischen Volksseele gerade jetzt in der Zeit der mächtigen inne* ren Umwälzung der jüdischen Volksseele bis an die Wurzel zu verfolgen. Auf solchem Studiengang stößt man ab und zu auf volkspsychopathische Erscheinungen, auf Menschentypen, die, innerlich zermorscht, auf dem be* schwerlichen Weg zur Befreiung früher oder später zu« sammengebrochen liegen bleiben müssen, aber vorher noch eine Tat setzen, die als Zeichen inneren Zerfalls des einzelnen, aber nicht als Symptom der Degeneriert* heit des jüdischen Volkes gewertet werden darf. In meinem Zettelkasten befinden sich manche wertvolle Dokumente seelisch zusammengebrochener Juden, die ihren Zusammenbruch pathetisch mit bewußtem Assimi« lantentum zu bemänteln trachten. Zwei dieser Typen mögen aus der Versenkung erstehen. Sie beweisen, daß der jüdische Assimilant sich im Wesen und in seiner Lebensäußerung gleichbleibt, ob er politisch oder wirt» schaftlich rechts oder links steht. „... weil ich Assimilant bin." Vor einem Pariser Richter steht ein jüdisches Ehe* paar, das die Trennung der Ehe anstrebt. Die Sache verläuft glatt,, Schwierigkeiten bereiten bloß die zwei Kinder, die dieser Ehe entstammten. Die Mutter bittet den Richter unter Tränen, die Kinder ihr zuzusprechen. Der Mann wieder reklamiert die Kinder für sich, und nun folgt das Kreuzverhör. Richter (zum Vater): Sie haben ja die Kinder schon seit vier Monaten überhaupt nicht gesehen. Als die Kinder auf dem Lahde waren, fiel es Ihnen gar nioht ein, sie zu besuchen.. Vater: Ich hatte keine Zeit. Richter: Und Sie haben Ihre Frau arg mißhandelt, geprügelt und in ihrer Wohnung alreB demoliert. Der Mann: Weil sie meine Kinder zu ihrem Vater brachte. Richter: Was störte Sie, daß man die Enkelkinder zum Großvater führte? >■■'■■ : «•■., -; Vater: Weil der Großvater ein religiöser Jude ist und auch meine Kinder zu religiösen Juden erziehen wollte. Richter: Wie alt sind denn Ihre Kinder? Vater: Fünf und drei Jahre. ■ Richter: Wer hat Ihnen denn gesagt, daß man dSe Kinder religiös erziehen wollte? Vater: Die Kinder erzählten mir, daß der Groß* vater mit ihnen, am Freitagabend und auch am Samstag früh in die Synagoge ging und mit ihnen dort Jiddisch gelernt habe. Richter: Woher wissen Sie das? Vater: (triumphierend): Hier, Herr Richter, diese jiddische Zeitung habe ich bei meinem Kind gefunden. Und das Kind erzählte mir freudig: „Papa, siehst du, der Großvater l'ernt mit mir durch diese Zeitung jiddisch. Als ich das hörte, wurde ich vor Zorn fast wahnsinnig... Richter: Und; schlugen das Weib. Was sind Sie denn 'eigentlich? Pole. oder Jude? Vater: Ich bin Assimilant, und weil, ich Assimilant bin, wünsche ich, daß meine Kinder auch so seien, wie ich bin. Richter (ironisch): Also, Herr Assimillant, Sie wollen die Kinder bei sich haben, und wer soll sie erziehen? Vater: Ich allein. Richter: Wie beweisen Sie, daß Sie aüch fähig sind, Ihre Kinder zu erziehen? Vater: Während des Krieges wurde mein Vater ins Gefängnis gesetzt und ich allein habe meine vie* Brüder und eine Schwester aufgezogen. Richter: Nun, ist Ihnen die ' Erziehung gelungen? Sind Ihre Geschwister auch solche Assimilariten wie Sie? Vater: Ja, Herr Richter, genau so wie ich. Richter: Werden Sie auch ihre Frauen prügeln wie Sie? Der Mann: Wenn,die Frauen es verdienen werden, dann schon. Der Richter fällt das Urteil): Die Kinder gehören der Mutter, die Wohnung gehört der Mutter und Sie werden verpfDichtet, der Mutter für die Erziehung der Kinder monatlich 2000 Francs zu zahlen. Und sollten Sie, Herr Assimilant, unbedingt den Wunsch haben, assimi« lierte Kinder zu besitzen, dann, in Gottes Namen, heiraten Sie ein zweites Mal, aber eine assimilierte Frau. .. der Ger äst zu jüdisch. Dieses Dokument jüdischer Assimilantenpsychoio* glo fand ich unter den „Zuschriften an die Redaktion" des Organs der jüdischen Sozialisten in Amerika, des New Yorker „Vorwärts". In diesem Brief wendet sich eine Genossin in folgender schwieriger Situation an den Re* dakteur: „Ich bin die Tochter eines konservativen frommen Juden. Ich lernte einen jungen Christen kennen und lieben, und fand bei ihm Gegenliebe. Meine Eltern wolfc

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