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Die neue Welt · 1929-06-28 · Heft 93 (28.6.1929) · page 11

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 93 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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'Wr. 93 DIE NEUE WELT Seite lf 1 Bevor Sie reisen—|&r«Ä ISREQflMANN kommen Sie iu unc! ,Strickwaren eic- E» *«•<» -«»™«d üLnillilrHilJ JWS*M umm infolge kielner Regien ipottblllig! I, Rabensteig 3 (ttke SeitßDttettengasse) von der jüdischen Bewegung loslöst und zum Selbstzweck wird, daß der David*Schild nur äußerlich getragen wird, weil' er der „Konjunktur" entspricht und innerlich zu nichts verpflichtet. Der Gang zum HerzUGrabe ist viel« leicht schon etwas unbequem und die Disziplin ist hier nicht so zwingend. Der sonntägige HerzhGang hat dies deutlich ge* zeigt. Während die Turnvereine durch Makkabi II., IX. und XVII. noch leidlich vertreten waren, sah man von den Sportvereinen nur einzelne Vorstandsmitglieder. So hatte es der Jüdische Sportverband verabsäumt, für die* sen Vormittag ein Spielverbot zu erlassen. Und so kam es, daß gerade zur Zeit, als der HerzhGang stattfand, der älteste jüdische. Amateurverein ein Match austrug! Für solche Vereine wäre es besser, den jüdischen Namen abzulegen. Emanuel Fiscus. Hakoah in Rumänien. Das Revanchespiel der Hakoah gegen Juventus (Bukarest) endete abermals mit einem 2 : (-Erfolg dos jüdischen Vereines. Hakoah lieferte ein ausgezeichnetes Spiel. Die Tore erzielten Heß und Stern. Hakoah stellte - folgende Mannschaft: Oppenheim; Scheuer, Simsinovic; Posauner, Slrofi, Pollalc; Neümnnn, Heß. Stern, Mausner, Fischer 2. -— Samstag spielte Hakoah in Czernowitz gegen die dortige Hakoah 3:3 unentschieden. Die Torschützen waren Stern, Fischer und Mausner. — Ebenfalls unentschieden, und zwar 0:0, endete der sonntägige Kampf der Hakoah gegen das Czernowitzer Team. Makkabi-Weltverband. Die Hauptversammlung in Mährisch-Ostrati begann am 27. d. M. im Spiegelsaaf des Hotel National. Rechtsanwalt Dr. Lelewer (Berlin) begrüßte die Erschienenen. ';" Nach der Konstituierung hielten Dr. Lelewer und Doktor Sonnenfeld (Brünn) die Organisatibnsreferate. Heute, 28. d. M. folgen die Referate „Erziehung durch Leibes- - Übungen" (Dr. Rosenfeld-Kowno und Leo Kaminski-Berlin). Am Nachmittag wird über Makkabi-Hazair (Lederer-Brünn und Aron-Wien) referiert, worauf das Wetturnen aller Abteilungen, Vorkämpfe in der Leichtathletik und der Beginn des Tennisturniers stattfindet. Morgen, 29. d. M., folgt das Referat Dr. Wöllsteins (Jerusalem) über „Nationalfonds und Makkabi" und abends der Festakt des1 Tschechischen Kreises. Ansprachen: Dr. Lelewer (Berlin), "Direktor Kareski (Berlin), Dr. Ängelo Goldstein (Prag); -,;Makkabiade in Palästina", Referat Jekutieli (Jerusalem) -und.'Földes (Wien): Sonntag wird ein Festzug durch1 die Stadt stattfinden. Niederlagen der jüdischen Vereine In der Amateurmeisterschaft. Nach einer Reihe von Erfolgen unterlag in der zweiten Klasse Ost Hasmonea gegen den. Döblinger Sip. Gl. 0:3. Durch diese Niederlage, haben die Blauweißen jede Chance auf den Meistertitel endgültig verloren. Schuldfragend an der Niederlage ist in erster Reihe das . vollständige Versagen der Stürmer. Auch die Verteidigung kämpfte schwächer als sonst Ein ß-roßes Debakel erlebte Kadi mah in der zweiten Klasse West. Die jüdische Mannschaft wurde von Vid Sktvia mühelos 10: 1 abgefertigt. .Kadimah trat mit mehreren .Ersatzleuten m. Ganz unmöglich war der Tormann, der die leichtesten Schüsse passieren ließ. Hagibor-Makikabi wurde von D.'A. C. 3 :1 besiegt. Im der dritten Klasse Ost unterlag Menorah gegen Unitas 4 :5. Für' Menorah waren Defrics, Spindler. Eichler und Apter erfolgreich. Die Hockey-Me|sterschaIt. Die vielfache Meister- .mannschaft der Hakoah hat sich in dieser Saison nicht ausgezeichnet. Die Mannschaft erlitt einige Niederlagen und wurde vergangenen Samstag voin W. A. C. in der Meisterschaft 4:0 besiegt. Das DamenrCupwiederholungsspiel •V.-f..;B.- gegen Hakoah endete ' mit einer unverdienten. Niederlage der Hakoahtierintien. Parteiische Schiedsrichter bei den Ringnieisterschaften. Die Hakoa'h-Riiijjer sind nicht nur in Wien anerkannt, sondern gelten auch am Auslände als erste Marke. Vergangenen Sonntag wurden die Ringmeisterschaften von Oesterreich durchgeführt, . bei denen es zu großen S k a n d a 1 s z e n e n kam. Die Scihriecterichter amtierten sehr parteiisch und benachteiligten auch den jüdischen Verein in ärgster Art. Es kam schließlich so'Weit, daß die Hakoah sich veranlaßt sah, Ihre Starter nicht antreten zu lassen und im Federgewicht, wo sie bereits den ersten Platz besetzt hätte, de n Preis zu r üc k z uw ei sen. Die Hakoah-Handballer unterlagen in der Meisterschaft gegen Nicholson 1 :5. : :\ Die Hakoah-Ringsektion veranstaltet kommenden Samstag am Konstantinhügel ein Gartenfest, verbunden mit .einem Klubringkampf zwischen Ha-koah und dem slowakischen Meister Slavia (Preßburg). In der Wasserballnielsterschalt wurde Hakoah von W, A. C. 3:2 besiegt. Die jüdische Mannschaft führte bis knapp yc* Schluß 2 :1. Die Tore für Hakoah erzielten- FLesch und Rosenblatt. Ein Internationales leichtathletisclies Meeting der •Hakoah soll am 7. und- 8. September stattfinden. Die Hakoah feiert 'heuer' das JuWum ihres zwanzigjährigen Bestandes und wird es dmrdi Abhaltung, großer Veranstalt'Uitgen auf den Gebieten aller von-Ihr gepflegten Spordzweige, feiern. An dem leiQhtathletischen Meeting solien die betontesten internationalen Athleten teilneHmen. . j" Touristik- und Ski-Klub „Hakoah". Tourenprogramm für Sonntag den 3 0. Juni: Fußtouren; Freie? Wände- ■mng ab Pötzleinsdorf. Oehler (Abfahrt am Vortage). Näliß- ,res Freitag von 20 bis 22 Uhr; J u g e n d g r up pe nach V^rabredun-s;, Näheres Donnerstag , von 19 bis 21 Uhr. Klubheim: Wien. 1.. Wiipplingerstraße 24 (Durchgang Cafe" Altes Rathaus).; i DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst. Wien. iö9. Fortsetzung) XV. Im Netz des Glücks. Buchholz hatte mit seiner Ausstellung alle Hände voll zu tun. Miß Forster half ihm viel. Er beriet sich mit ihr in allen Dingen und war daher selbstverständlich wenig zu Hause und viel mit Miß Forster beisammen. Dwojre erschien dies selbstverständlich. Sie war auf Miß Forster nicht eifersüchtig. Sie bedauerte sich nur selbst, daß sie Buchholz nicht helfen und mit ihm nicht den ganzen Tag zusammen sein konnte wie die andere . . . Selbstverständlich arbeitete sie nicht mehr, so sehr es sie auch zur Arbeit zog. Es kam ihr vor, als verbrächte sie ihre Tage im Müßiggang. Doch Buchholz machte solchen Lärm, daß Dwojre nicht einmal eine leise Andeutung wagte, sie Wolle zur Arbeit zurückkehren. „Wir fahren doch weg. Wir müssen doch die Reisevorbereitungen treffen" —- predigte er ihr unaufhörlich. Sei es, daß Dwojre selbst sich ein solches Glück nicht vorstellen konnte, sei es, daß eine Ahnung es ihr voraussagte —- sie war sicher, daß sie nicht mit Buchholz fahren, daß irgend etwas geschehen werde, und sie erwartete es geradezu. Die Tage, da sie nicht arbeitete und wartete, waren für Dwojre die schlimmsten und unseligsten. Buchholz begriff ihre Stimmung nicht. Er ging strahlend umher in der Sonne des Glücks, die für ihn zu scheinen begann, und Dwojre saß da wie ein. Klageweib, still, schweigend, traurig. Ihr gewohntes frohes Lächeln war verschwunden. Nur ein trauriger Abglanz dieses Lächelns war noch auf ihren Lippen geblieben. * Buchholz wurde von seinem Gefühl und seinem Temperament in den Kampf zwischen Miß Forster und Dwojre gerissen, der nicht einen Augenblick lang in seinem Herzen ruhte, seit er Miß Forster mit anderen Augen zu sehen begonnen hatte.'Vergeblich war jeder Einwand, jeder heilige Vorsatz, vergeblich waren seine Selbstvbrwürfe und Rechtfertigungen. „Warum nicht beide? Mein Gefühl für sie ist doch so wahr und klar!'4 — er sah nicht ein, daß weder Dwojre noch Miß Forster zu jener Gattung von Menschen gehörten, welche mit der Hälfte zufrieden wären . . ." ■ So oft Buchholz nach einer Begegnung mit Miß Forster heimkam, erwachten Herz und Gewissen für Dwojre. Gerade heute War Miß Forster so gut zu ihm gewesen. Als er nach Hause kam, fand er Dwojre, allein im dunklen Atelier sitzen. „Warum sitzest du allein im Dunkeln?" „Es ist nichts" ~ sie versuchte, ihm zuzulächeln. „Du hast geweint!" — Er zog sie an sich und spürte das Salz ihrer Tränen auf seinem Munde, als er sie auf die Augen küßte. —- „Warum hast du geweint?" „Es ist nichts. Ich hatte Lust, ein wenig zu weinen"— beteuerte sie unter Tränen lächelnd. Buchholz war so gerührt, daß er in diesem Augenblick den heiligen Entschluß faßte, für ihn existiere ein für allemal, für immer und ewig nur mehr eine Dwojre. „Sie ist meine Bestimmung, mein Schicksal und mein GUiclv." „Ich habe die Koffer für unsere Reise gekauft' und du sitzest da und weinst." -' „Ich weiß nicht, ob ich überhaupt fahren werde, Chaskel" — erwiderte sie. Buchholz setzte sich auf den Boden neben ihre Füße. „Warum denkst du so, Dwojre? Sag' es mir." „Ich weiß nicht'warum» doch mein Herz sagt es mir." - ' . „Dein Herz, dein Herz ist mein schlimmster Feind. Ich möchte es her/ausreißen, so möchte ich.es herausreißen!" Dwojre schwieg. t Er faßte ihre Hände, sah ihr tief in die Augen und flehte mit seiner tiefen, warmen Stimme, der sie niemals hatte widerstehen können. „Dwojre, Dwojre" —- er sprach das Wort wie ein Kind das Wort „Mutter" ruft und sah ihr dabei tief in die Augen. „Was. willst du?" „Warum sprichst du so? Warum denkst du so? Bjn ich die Ursache? Habe ich etwas Böses getan? Sag' es mir!" Seine Frage kam so unschuldig, so kindlich heraus, daß sie in Dwojres Herzen alle Mütterlichkeit für ihn erweckte. „Nein" — mit ernstem Lächeln schüttelte sie den Kopf. > ' „Aber Warum sprichst du so? Was ist denn mein Leben ohne dich? Was bin ich ohne dich?" Sie hob seihen Kopf von ihrem Schoß und sah ihm mit ihren großen Augen, in denen Tränen standen, enlst ins Gesicht. „Ist das wahr, was du sagst, Chaskel?" „Was bin ich denn ohne dich, Dwojre?" — wieder beugte er seinen Kopf auf ihren Schoß. „Chaskel, Chaskel lieb!" — ihre Finger fuhren liebkosend durch sein dichtes Haar, das zugleich ihre Tränen benetzten. „Chaskel, mein Chaskel, nur wir beide ganz allein?" „Wir beide, wir beide, niemand sonst als wir beide" — wiederholte er. Und wieder kam eine Nacht leidenschaftlichen Vergesseiis, die mit ihrem Sternenhimmel mitten im Zimmer zu sein schien. Wieder trug er sie auf seinen Armen ... Er saß ihr zu Füßen und malte ihr seine Zukunftspläne, seine Arbeit an großen Werken, die Sorglosigkeit und die neue künstlerische Atmosphäre. Von großen Kunstwerken angeregt, durch Dwojres Begeisterung aufgemuntert, sah er neue große Werke entstehen. „Glaube, glaube daran, glaube daran!" er küßte ihre von Tränen salzigen Augen — „es wird so sein oder es wird nichts sein" — sagte Buchholz aufstehend in feierlichem Ton, als legte er einen heiligen Eid ab. Und Dwojre glaubte. ■* Am nächsten Tage ließ er sie nicht los. Sie mußte sich zeitlich früh ankleiden und mit ihm das für die Reise Nötige einkaufen. Nach den Einkäufen nahm Buchholz sie in die Galerie1 mit, wo seine Ausstellung ein paar Tage später eröffnet werden sollte. In der Galerie trafen sie Miß Forster. Dwojre betrachtete sie und sah, was sie für Bucholz tat; es kam ihr zum Bewußtsein, wie gut Miß Forster war und sie war ihr dankbar. Miß Forster bemerkte sie, ging auf sie zu, schlang ihren Arm um sie und zog sie in eine Ecke; dort fragte sie: „Bist du schon gerüstet für die Reise, kleine Dwojre?" „Ja, Buchholz kauft mir alles" — erwiderte Dwojre verlegen — „doch ich weiß nicht, hab ich eigentlich ein Recht darauf?" „Du hast ein, Recht darauf, kleine Dwojre, du hast es. Du hast schwer dafür gearbeitet." „Sie sollten mit Buchholz ' nach Paris fahren, Sie sind so gut . . ." „Ich?".—• Miß Forster' lachte verlegen — „Mich wird Buchholz' nicht mitnehmen. Ich bin nicht seine Geliebte. Öh, kleines, süßes Mädel." — Miß Förster schlang voll Rührung ihren Arm um Dwojre. ' XVI. ', ' ' .., Die Ausstellung. Dahn kam der große Tag der Ausstellung. Hervorragende Persönlichkeiten, Künstler, Kunstfreunde, Gourmands, Kritiker, - Intelligenzlerohne,, jegliches Vorzeichen, auch einige Politiker - von East-Side hatten sich eingefunden, die aus der Sache eine „jüdische Angelegenheit" machen wollten. Die Galerie war geschmackvoll mit Palmen und Blumen dekoriert. Zwischen den Palmen erhob sich der „Simsoh",'der „Adam" uri<3' m der Mitte, von großen ■ Qhrysanthemen umgeben, die „Mutter". Hier, im Vvolle'rt"Oberlicht, erhielt: die Statue ihren richtigen Ausdruck. Das. Mädchen mit dem freien, herausfordernden Blick, das jetzt seine Aehnlichkeit ,mit Dwojre deutlich offenbarte, mit dem wirren Lockenhaar und den großen Augen, die aus den Löcken hervorschauten — sah aus, als führte es seinen kleinen, vollen, körnigen Leib, der spitz war wie bei einer Schwangeren, vor sich Her ... Sie schien stolz darauf zu sein, daß sie schwanger war ... Ihre offenen Augen blickten herausfordernd und stolz, als rühmte sie sich Irgend etwas. , Alle blieben am längsten bei der „Mutter" stehen, »nd da sie Angst hatten, ihre Unwissenheit zu verraten, waren sie begeistert und drückten ihre höchste Bewunderung aus. Die Seele der Ausstellung war Miß Forster. Sie besorgte gewissermaßen „die Hausfrauenpflichten und tat dies ganz natürlich und selbstverständlich. Mit liebenswürdigem Lächeln empfing sie die Gäste, führte sie bei den Bildwerken umher, ga-b Kommentare und Erklärungen, wo es nötig war und schwieg, wo es nötig .war. Den verlegenen -und schüchternen Künstler zQg sie aus seinem * Versteck hervor, stellte ihn vor, wo es nötig war, und stellte ihn nicht vor, wo es nicht nötig war ... Und als der Philanthrop, der Buchholz das Stipendium ausgesetzt hatte, den Wunsch ausdrückte, den Künstler kennen zu lernen und zu beglückwünschen, führte Miß Forster Buchholz dem Millionär vor. , Der -standzusammen m it Mister Davis, weicher ihn bei seinem Rundgang b?- gteitet*. (Fortsetzung folgt.)

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