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Die neue Welt · 1929-06-28 · Heft 93 (28.6.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 93 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 93 DIE NEUE WELT Seite 7 II. Palästinareise 5689. Die Prospekte für die zweite vom Verbände demokratischer Zionisten und dem P a» lestine Touring Club veranstaltete Palästinareise, die in der Zeit vom 2. September bis 1. Oktober statt* findet, sind fertiggestellt und werden über Verlangen gratis zugeschickt. Die Prospekte enthalten das genaue Programm der Reise, die Pauschalpreise, die näheren Be* Stimmungen für die Teilnahme der Reise, ein Anmel* dungsformular, wichtige Winke für die Reiseteilnehmer und schließlich eine sehr übersichtliche Kartenskizze von Palästina. Die Reise wird kurze Zeit nach dem Zionisten» kongreß in Zürich veranstaltet und bietet daher den Kongreßteilnehmern Gelegenheit, im AnscMuß an den Kongreß mit velativ billigen Geldmitteln Erez Israel durch 14 Tage in bequeme^ Autos, die die Reiseleitung beistellt, zu bereisen, Die Seereise wird hin und zurück auf dem L u x ü s t E i 1 d a m p f e r „Ausonia" zurückgelegt. Besucht werden: Venedig, Genua, Neapel, Syrakus, Alexandrien und Kairo. Gesamt* arrangement von S 1325 aufwärts, je nach Kabinenlage. Auskunft und Prospekte durch Frau Paula Stricker, Wien, IL, Hollandstraße 10, Telephon Rs45»6*89, und Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92, Tel. R.45*905. Das Silberne Buch des Jüdischen Nationalfonds. , Das Präsidium des Keren Kajemeth ('Israel (Nationalfonds) für Oesterreich hat in seiner letzten Sitzung auf Anregung des Gesinnungsgenossen Dr. Siegfried P1 aschkes beschlossen, anläßlich des 2 5. Todestages Theodor Herzls ein Silbernes Buch ins Leben gerufen, das in derselben Weise, wäe das von Herzl 'begründete Goldene Buch bestimmt ist. Juden, welche sich um das jüdische Volk oder die zionistische Sache verdient gemacht haben, durch Eintragung zu verewigen. Begründet wird diese neue Institution mit dem Bedürfnis, auch Personen, für deren Eintragung eine größere Summe nicht zur Verfügung steht, ehren zu können. Die Eintragung soll durch Vereine, Verwandte und Freunde gegen Erlag von 1 engl. Pfund veranlaßt oder bei besonders um den Keren Kajemeth verdienten Gesinnungsgenossen taxfrei verliehen werden können.- Der Initiator dieser Idee. Dr. Siegfried Plaschkes, und der Leiter des Keren Kajemeth, Dr. Chaim T a r t a. kower, wurden beauftragt, alles zur Durchführung Nötige mit größter Beschleunigung zu veranlassen und insbesondere für eine künstlerische Ausgestaltung des Silbernen Buches vorzusorgen. Diese neue Institution wurde mit Freude begrüßt und es liegen bereits Vormerkungen zur Eintragung ins Silberne Buch vor. Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis 60 Jahre. Am 21. d. vol'lendetie der Oberrabbiner von Stockholm, Herr Dr. Marcus Einrempreis, sein 60. Lebensjahr. Dr. Ehrenpreis wurde 1869 in Lemberg geboren, studierte urid promovierte in Deutschland.. Noch in ganz jungen Ja'hren nahm er als glänzender Schriftsteller und Stilist an d&r Bewegung für die Renaissance der hebräischen Sprache und Literatur hervorragend Anteil und war nebein N. J. Berdyczewsky einer der Führer der . junghebräischen Bewegung. Ehrenpreis hat sei t d e m ersten Z i o n i s t e-uik o n g r e ß, an dessen Vorbereitung er lebhaften Anteil iialhm, eine große-Roll«- in d&r zionistischen Bewegung gespielt. Auf den Zionistenikongressen trat er als Referent '.in Kulturfragen hervor. Von 1900 bis 1914 war Ehrenpreis Großrabbiner von Bulgarien und ist seitdem Oberratobiner von Schweden. Vor einigen Jahren wählte ifon die große Jädische Gemeinde Saloniki amm Oberrabbäner, .gleichzeitig wurde ihm das Laiidesrabbinat für gawz Griechenland' äiflgeboten. Dr. Ehrenpreis zog es vor, auf seinem Amtssitz in Stockholm zu verbleiben. In Schweden hat er' viel dazu beigetragen, das Verständnis für Jüdiisohe Kultur zu wecken. Er veröffentlichte mehrere Werke, diarurotier ein Palästina-Reis ©buch in schwedischer Sprache und sorgte für schwedische Ausgaben jüdischer und thebräischer Standardwerke. Von seinen Büchern und Soeben erschienen! F.Bernstein: Der zionistische Gedenke auf Irrwegen IEin Mahnruf zu zionistischer Selbstbesinnung. Das Judenproblem. Konstellations- oder Qualitätsproblem? Palästina als Laboratorium. Bedingter oder bedingungsloser Zionismus. Ausstrahlung und Galuth-Nationallsmus. Der Sinn der Majorität Das jüdische Staatsbedürrais.ZionismusoderStaatsblirgertreue. Der binationale Staat. Palästina oder jüdisches Volk? Bestellungen an den Verlag „Die Heue Welt«« Wien, IX* BeslrH, Mnlversltätssfrasse Preis Mk. 1,80, für Oesterreich 9 Zeitschriften seien erwähnt: „Die Entwicklung der EmanaMonsleihre in der Kabbala des 13. Jahrhunderts" (Frankfurt a. M. 189-5); In schwedischer Sprache: „Neuhebräische Lyrik" zusammen mit Ragnar Josephson; „Vom Waohtturme" (Predigten 1921); „Die Seele des Morgen landes" (1926); „Das Land zwischen Orient und Okzident" (Weltverlaig Berlin 1927) u. a. m. Ehrenpreis "hat sich auch im Rahmen der jüdischen Fürsorge hervorragend betätigt. Professor Levy-Dorn gestorben. Der Berliner Röntgenologe Professor Dr. Max Levy-Dorn, Ehrenvorsitzender des deutschen Landes Verbandes der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden OSE, ist wenige Wochen vor der Vollendung seines 66. Lebensjahres gestorben. Kurz nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen, 1896, hat Levy-Dorn bereits das erste Berliner Privatröntgeninstitut eröffnet. Fachmännischer Berater beim Bau des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, wurde er sofort nach dessen Eröffnung mit der Leitung der Röntgenabteilung betraut. Volle 22 Jahre hat er diesem Institut vorgestanden wobei er sich internationalen Ruf erwarb. Er war Vorsitzender der Berliner Röntgengesellschaft und Ehrenmitglied mehrerer Gesellschaften des In- und Auslandes. Durch die Wirkung der Röntgenstrahlen wurde der Gelehrte gesundheitlich so schwer geschädigt, daß er im Laufe der Jahrzehnte d i e F i n g e r einbüßte und in seinem letzten Leben siahr sich sogar einer Amputation der Hände unter werfen muO.te. Er war es aber auch, der wirksame Schutzmaßnahmen gegen die" Röntgenstrahlen erfand und es auf diese Weise seinen Nachfolgern erleichterte, der Röntgenforschung, die ihm selbst verhängnisvoll wurde, zu obliegen. Moses Starer gestorben. Am Sonntag verschied hier im 68. Lebensjahre Herr Moses Star er, einer der älte« sten Wiener Zionisten. Das Leichenbegängnis hat Diens* tag unter starker Beteiligung stattgefunden. Chnjes-Realgymnasium in Wien. Die am 21. d. M. unter dem Vorsitz des Heim Direktor Dr. Alfred Koppitz stattgehabte Reifeprüfung hatte folgendes Ergebnis: Von 22 Kandidaten erhielten die nachstehenden zehn ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung: Beller Johanna, Bloch Mania, Gerstler Julia, Margulies Heinrich, Modiinger Alexander, Ohrenstein Sara, Petyan Theodor, Schärf Menasche, Schallinger Alfred, Seitmann Gedalje. Die übrigen zwölf erhielten ein Zeugnis der Reife. Der Minister für Unterricht hat mit Erlaß vom' 8. d. M. der ersten bis vierten Klasse der Anstalt für die Dauer des Schuljahres 1928-29 bis einschließlich 1931-32 das OeffentiVchk'eits recht verliehen. i Zionistisetite Kuriosa. Kein Parteigenosse, aber ein Bruder. Die Repräsentanten der Österreichischen zionistischen Landesorganisation in Wien haben die Tradition bewahrt, des Todestages Theodor Herzls zu gedenken. Dieser Tag, ist seit jeher der Besinnung auf den Sinn und den Weg seiner-Idee gewidmet, dem Rückblick auf eine Tat, die das Antlitz des jüdischen Schicksals in der Gesdiichte der Volker von Grund auf verändert hat. Vierundzwanzigmal haben Männer, menschlich und politisch vom Geblüt des Mannes, dessen Werk sie mit dem heiligsten Feuer ihrer Gesinnung und ihres Temperaments fortsetzten, den Juden ihrer Zeit, , der jüdischen Jugend Theodor Herzls Persönlichkeit zum Bewußtsein gebracht. Zuletzt hat Zwi Perez Chajes das Vermächtnis unseres Führers an dessen Todestage plastisch neu gestaltet, indem er zeigte, wie Herzls Judenstaatgedanke konform geht mit der geistigen und politischen Neugestaltung der Welt. Die Reden des großen Chajes waren stets programmatische Bekenntnisse, den ganzen Herzlsdien Zionismus umreißend und ihn von allen unorganischen Gebilden reinigend, die seinen Kern verfälschen könnten.. Heuer, am 25. Todestage Theodor Herzls, versammelte sidi wieder das zionistische Wien, um neue Kraft aus dem Geist seines Vermächtnisses zu schöpfen. Auf dem Podium erschien: Felix Saiten. Er nennt sich Zeitgenosse, Kollege, indem er sich darauf beruft, daß Herzl seine „Wiener Redaktionsstube" mit den höchst feschen Worten eines strammen Wiener Zeitungsmannes: „Ich. grüße das Handwerk", betrat. Dieser Ausspruch ist zwar nicht verbürgt, kann allerdings auch leider nicht berichtigt werden, wenn er audi nach Hardens Bismarck- Memoiren riecht. Wie dem auch sei, wir wissen authentisch, wie Herzl über das Handwerk dachte, dem Saiten täglich vom Morgen- bis zum Abendblatt sein Kompliment macht, just in der „Neuen Freien Presse", die vor 25 Jahren Theodor Herzl als einen ihrer begabtesten und pflichteifrigsten Feujlletonisten und Redakteure betrauerte. Kollege Saiten schafft sich also in der Einleitung seiner Festrede die Legitimation, diese zu halten, nicht etwa, weil er zum Festredner designiert wurde, sondern ans Treue zu dem Mann, der das Handwerk grüßt. Aber als ein Mensch, der die nuancenreiche jiddische Sprache mit dem kernigen Wort „kultur? nik" bezeichnet, begibt sich Saiten, dem nichts Menschliches, V09. der „Josefine Mutaenbagher^ de» pikanten Schlafzimmerroman, bis zu „Simson'% dem biblischen Helden fremd ist in das Gebiet dvi soziologisdien Situation des jüdisdien Volkes, die Theodor Herzl zwangsläufig zur Schaffung dos „Judenstaates" geführt hat. Saiten zeichnet die Atmosphäre dieser Schaffung. Bei ihm wirbeln Liberalismus, Lueger, Dreyfus, Redaktionsstubenluft, Oesterreich unser Vaterland, Herzensliebe zu Wien, ..in dessen Erde seit vielen Jahrhunderten die Gebeine unserer Vorfahren ruhen", in holder Harmonie durcheinander. Saiten weiß alles. Er kennt die großen historischen Zusammenhänge — vom Cottage aus gesehen. Er hat von Jakob Wassermann gelernt, daß „die langandauernde Kneditsdiaft in diesem Volk (gemeint sind die Ostjuden) Feigheit gezeitigt hat, List, Tücke, Betrug". Herzl war der Arzt (das ist Saltens Vorstellung vom Wirken des Mannes, den er im Auftrage unserer gegenwärtigen zionistischen Parteileitung darzustellen hatte), der sie von diesen Krankheiten heilt. Sie, die Ostjuden aus Polen, Rumänien, Rußland, haben es unter der Wirkung dieser Kur recht weit gebracht. Sie sind nicht nur neue Mensdien auf alter Erde geworden, die europäisdie Luft hat „aus den Kaftan- und Pajesjuden, Handwerkern. Hausierern, Kutschern, den Rabbis, den Denkern, den Bewahrern der Bibel, den Hütern uralter Weisheit Meister auf den Feditböden, in den Hörsälen, auf den Sportplätzen, auf der Bühne, auf dem Konzertpodium gemacht", — sie sitzen im Parkett der Hoftheater, begei-stern sich an den Kritiken von Saiten und Kerr, hören die Vorlesungen von Karl Kraus, wenn sie nidit gerade auf der Jagd sind. So hat Theodor Herzl aus Hütern uralter Weisheit gleidiwertige Genossen Felix Saltens gemacht. Das konnte nur einem Mann gelingen, der die Wesensart des Festredners besaß, einem „kultivierten, einem westlichen, einem wienerischpariserisdien Juden". Was wollte Herzl noch? Vielerlei. Saiten hat' die Unzulänglichkeit seines Werkes erkannt. Er hat erkannt, daß Herzls Zionismus niemals die ganze Judenheit erfassen kann, da doch ein immerhin umfangreicher Rest mit der Aufgabe zurückbleiben muß, dem deutschen Volk seine Kultur zu diktieren und den politischen Parteien die Führer zu liefern. Er, Felix Saiten, hat längst verstanden, „daß niemand, der irgendwo in Europa wurzelt, sich von seinem Mutterboden losreißen soll, um nach Palästina auszuwandern". Er weiß, „daß dieser Weg den Wurzellosen geöffnet ist, den Entrechteten, den Erniedrigten, der Weg in die Freiheit, in das Land der Väter". Diese Erkenntnis präsentiert Felix Saiten einem zionistischen Auditorium am 25. Todestage Theodor Herzls als die tiefste Weisheit der zionistischen Weltanschauung. i Mit Saltens Ignoranz könnten wir uns abfinden, unbeschadet der Verantwortungslosigkeit der Veranstalter, die anscheinend des Glaubens sind, daß die bei der Gedenkfeier erschienene zionistische Jugend auf dem jüdisch-zionistischen Niveau Felix Saltens steht. Aber Saiten ist auch keck. Nur die Verachtung eines Assimilationsjuden für ein jüdisches Publikum, für eine jüdische Leserschaft, für eine jüdische Oeffentlichkeit konnte dem Festredner Felix Saiten den Mut geben, die Festversammlung mit der Blasphemie „Ich bin ihr Bruder im Sinne Herzls" zu apostrophieren. Und nur der Gesittetheit der von Herzl erzogenen Jugend hat er es zu verdanken, daß er Ungestört bis zum letzten Abschnitt seiner Rede gelangen konnte, die im Dunkel seines Geschwätzes den einzigen Lichtpunkt enthält, das befreiende Wort: „Ich bin nicht ihr Parteigenosse!" Das bekam unsere Jugend 25 Jahre nach Theodor Herzls Tod und nach fünfunddreißigr jähriger zionistischer Erziehung an einer Gedenkfeier durch die offiziellen Bewahrer seines Erbes vorgesetzt. Die revolutionären Kinder. Am nächsten Morgen marschierte das zionistische Wien zum Herzl-Grab, um ihren vor 25 Jahren verstorbenen Führer stumm zu grüßen. Man sah viel Jugend in bunten Farben, das Grau der Pfadfinder, das Blau-Weiß der jüdisdien Mittelschüler, Wochen-Kalender Juni 1929 n^D tD"sin Siwan 5689 28 Freitag 20— 3 Sabbateingang 7.4Q 29 Samstag 21 -as Sabbatausgang 8.49 nriDW mtsön .inWyns 30 Sonntag 22-33 1 Montag 23-» 2 Dienstag 24-13 3 Mittwoch 25-H3 4 Donnerstag 26-13

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