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Die neue Welt · 1929-06-28 · Heft 93 (28.6.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 93 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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« Nr. 93 DU? NEUE WELT Seite 5 Schächtverbot in Norwegen. Von beiden Häusern angenommen. Am 16. Juni hat, wie aus Oslo gemeldet wird, der norwegische Odelting (die zweite Kammer) mit 88 gegen 21 Stimmen einem Gesetzesantrag zugestimmt, laut wel* ehern in Norwegen das Schächten nach jüdischem Ritus verboten sei. Der Beschluß kam für die Judenschaft Norwegens wie für die gesamte Oeffentlichkeit überraschend. Die Regierung selbst war gegen den Beschluß eines Schacht* Verbotes. Die loyal gesinnten norwegischen Kreise tadeln es, daß sich die Parlamentsmehrheit von Kreisen beein* Hussen ließ, für die bei dem Schächtverbot antisemitische Gründe maßgebend waren und die schließlich glaubten, man könne sich in Norwegen auf das Experiment nur deshalb einlassen, weil man sicher sei, daß die kleine jüdische Gemeinschaft Norwegens nicht genug Widerstand wird entgegensetzen können. Abg. Fjärlie (links) verlangte, daß das Schlacht* gesetz sich nicht gegen gie jüdische Methode richte. Es würden in Norwegen das Jahr über höchstens ein paar hundert Stück Großvieh und Kleinvieh geschäch* tet. Die Schlac! ungen in Norwegen seien keineswegs human. Speziell gelte das vom Schlachten der Renntiere. In der Provinz Finmark werden jährlich zirka 15.000 Renntiere nach einer primitiven, grausamen Methode geschlachtet, wobei die Tiere einen Todeskampf von fast acht Minuten auskämpfen müssen. In dem Vorschlag des landwirtschaftlichen Komitees heiße es aber, daß Ausnahmen betreffend die Renntiere zugelassen sein sollen, während das Schach* ten verboten werden solle. Abg. Bäroe (rechts) gab zu, daß auf dem Lande das Schlachten, insbesondere der Renntiere, auf eine Weise geschehe, von der man abkom* men müsse. Das Schächten gehöre aber auch zu den grausamen Schlachtmethoden. Vielleicht bietet die elek* trische Betäubung einen Ausweg. Ministerpräsident M o w i n c k e 1 erklärt, er sei immer der Auffassung gewesen, daß im Gesetz Bestim* mungen eingefügt werden, welche Ausnahmen für das Schächten gestatteten. Er habe aus den Argumenten gegen das Schächten nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß das Schächten bei Beobachtung bestimmter Formen und unter Kontrolle grausam sei. Für den Redner habe die Rücksicht auf die Religion der Juden eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Er würde es nicht für richtig finden, wenn man ohne absolute Notwendigkeit Schlachtmethoden einführt, welche Andersgläubigen den Fleischgenuß verbieten. Wir könnten vielleicht meinen, daß dies Aberglaube sei, für die wirklich religiösen Juden habe aber die Frage eine große Bedeutung. Das könne man an den vielen Eingaben sehen, die in dieser Ange* legenheit nach Norwegen von Juden aller Länder, von Persönlichkeiten, deren Namen in der ganzen Welt be* kannt sind, gekommen seien. Der Minister stellte dem Parlament anheim, aus Toleranzrücksichten Dispens von der Bestimmung des Gesetzes zu geben. Man müsse auch beachten, daß überall im Lande Schlachtmethoden ange* wendet würden, die nicht eben empfehlenswert seien. Es sei seine Auffassung, schloß der Minister, daß volle Religipns* freiheit herrschen und Toleranz bewiesen, werden müsse. Abg. Sundberg (Bauernpartei) nahm gegen eine Ausnahmebestimmung Stellung. Das Recht der Minori* täten könne nicht soweit gehen. Wenn die Juden Fleisch von geschichteten Tieren haben wollen, so stehe es ihnen frei, es vom Ausland zu beziehen. Abg. Skaardal Grand-Hotel Bellevue Vöslau tttitttitiifiiiiifiiiiiiiiiittiiiiiiimiiiiBiiiiiiftiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiftitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiifiit A»ej«n«hmsUr Somm«ranfenfhalt in der nächsten Nahe Wiens erstklassiges Itablissementt Bürgerliche Preise! (Arbeiterpartei) wandte sich gegen Dispens für das Schächten. Minister Aar st ad spricht für den Dispens. Das Gesetz mit seinen schematiseben Bestimmungen sei nicht einwandfrei, und wenn es angenommen wird, werde es schwer sein, es zur Ausführung zu bringen. Abg. Lykke (rechts) unterstützt die Ausführungen des Ministers Aarstad. Das Komitee habe nun zwar Erlaubnis zum Dispens beim Schlachten von Renntieren erteilt, und dies sei eine der grausamsten Methoden, andererseits wolle man den Juden ihre Schlacht« methode verbieten. Man müsse der Regierung die Möglichkeit geben, Dispens zu erteilen, gleichzeitig aber sich bemühen, eine Schlacht* methode zu finden, welche den Anforderungen der reli* giösen Juden genügt und auch Anspruch darauf hat, human zu sein. Abg. TÖnder (Arbeiterpartei) betont, man müsse die religiöse Auffassung der Juden so respek* ticren, wie man verlange, daß der christliche Glauben respektiert werde. Abg. Söst ad (Arbeiterpartei): Die Versammlung hat die Pflicht, eine religiöse Ansicht zu respektieren. Im übrigen gäbe es keinen Bauern, der nicht Tier* quäler sei. Abg. Kolstad (Bauernpartei) bestreitet, daß alle Bauern Tierquäler seien. Abg. Steinholt (Arbeiterpartei) wider* spricht seinem Parteigenossen Tönder, Abg. Hundseit (Bauernpartei) ist auch ein Freund der Toleranz, doch sei es verkehrt, in diesem Zusammenhang von Religions* freiheit zu sprechen. Wir haben auch die Juden nicht hergebeten. Schließlich wurde der Gesetzentwurf mit 88 gegen 21 Stimmen angenommen. Das Gesetz soll am 1. Jänner 1930 in Kraft treten. Am 20. Juni wurde das Verbot vom Lagsting (der ersten Kammer) mit allen gegen eine Stimme bestätigt. Rumäniens Judenpolitik. Wichtige Erklärungen rumänischer Minister. . Wie - berichtet, hatte der,Leiter der Jüdischen Telegraphen Agentur, Herr Jakob Landau, gelegentlich seines Aufenthaltes in Rumänjen Besprechungen mit den Führern des .politischen Lebens. Er teilt darüber folgendes •mit: Der Unterrichtsminister Herr VI ad sagte: „Die Regierung hat vor kurzem eine Enquete in den kirchlichen Gemeinschaften eingeleitet, um ihre budgetären Notwendigkeiten, ihren Besitz, ihre finanzielle Lage usw. festzustellen. Natürlich werden die jüdischen Gemeinden auf der Basis der Bevölkerungszahl der Juden und. nach der gebotenen Notwendigkeit Subventionen, erhalten. Nur wo eine Gemeinde sich nicht selbst erhalten kann, muß der Staat helfend eingreifen. E«. ist möglich, daß die Subvention von zehn Millionen Lei, welche die jüdische Gemeinschaft jetzt erhält, erhöht werden wird, wenn es sich als notwendig erweisen sollte. Ich brauche wohl 'kaum zu betonen, daß die jüdische Religion in Rumänien offiziell a n e r k a n n t u n d d e n anderen Religionen gleichgestellt ist. Nach unserer Konstitution muß jedes Gesetz im ganzen Reiche Geltung haben. Das gleiche gilt, auch für das Minorität engesetz, das jetzt in Vorbereitung ist. Es hängt ganz von den Juden ab, ob es auf sie angewendet werden 3 Worte: Sportvatter Bade-Ausriistung Auto-Ausrüstung Wien, l.f Wlppllngerstraße 20 Der Judenberg in Barcelona. Barcelona äst reich m Denkmälern und Erinnerungen aus der trübsten Zeit der Geschichte des jüdischen Volkes. Viele Grabsteine aus alten' jüdischen Friedhöfen wurden zu Fundamenten von katholischen Grafenpalästen oder zur Pflasterung der Stadt verwendet. In Barcelona steht auch noch 4ie „blutige Katlhedrale", welche /für Hunderte von Juden die teMe Station auf Ihrem Leidensweg zum Märtyrertod gewesen ist. Auch das alte Gebäude des Inwsiiionsgeriehites stellt noch, über dessen" Eingang die Symbole der Inquisition: Zange, Nagel, Spieß und Hacke gemeißelt sind. Auch das Museum von Barcelona hat eine; Anzahl von historischen Dokumenten aufbewahrt, unter welcjhen sich die Originale der (herzzerreißenden Bittgesuche der hervorragendsten jüdischen Gelehrten det Inquisitionszeit an den König befinden, Die blutige Kathedrale von Barcelona besitzt einen so ungeheuren Relcom an Schätzen in Gold, Silber und Edelsteinen, daß die Völksmeinung nicht unbegründet sein dürfte, daß diese Schätze ausreichen würden, um das ganze spanische Papiergeld in Goldyailuta zu verwandeln. Aber ebenso kann ohne. Uebertreibung festgestellt werden, daß der überwiegende' Teil dieses Kirchens'diat'zes in Barcelona allem aus dem an den Juden begangenen blutigen Raub stammt. Der in Barcelona lebende jüdisdh© Publizist 'Alexander Rawics bat in dankenswerter Weise das Studiumdieser traurigen Den'kmäler jüdischer Geschichte in Angrii' genommen, und einem seiner Aufsätze entnehmen wir auch die folgende Geschichte des „Judenberges" von Barcelona. Zugleich mit den Juden wurden bekanntlich auch die Mohammedaner im Spanien des Mittelalters aufs blutigste verfolgt. Die Kirche hatte den Ausrottungskrieg gegen Juden und Mohammedaner proklamiert. 'Die türkische Regierung, die zu jener Zeit als eine überaus große, scljlaglfertige Macht anerkannt war, beschloß, .zugunsten der Mohammedaner und auch der Juden beim König von Spanien zu intervenieren. Da die ersten Vorstellungen w^nkungslos blieben, Ticfetete die Türkei an Spanien ein UJit4ma4um, in welchem die KTone von Aragon davon. ver« ständigt wurde, daß die Türkei entschlossen sei, in dem Falle, als die Hinmordiing der nichtlkatholiseh.en Be* v$keruh« kein Ende nehmen sollte, ihren F^|run|eii durdi, militärische Aktionen Geltung zu verschaffen,, £>as Ultl-ma'tüm schließt mit der Erklärung der türkischen Regierung, daß die Türkei bereit sei» alle Mohammedaner und; Julden in der Türkei. gastfreundlich, aufzunehmen* Dieses Ultimatum war wirksam. Es wurde beschlossen, alle Juden von Barcelona und der nächsten Urn^dlwng :aujf einem an der Stadtgrenze befindlichen Berg zu s^nmieln Wi sie dort einem türkischen Geschwader, <d$s .sich bereis " angekündigt hatte, zu übergeben. Diese'?' Berg, den die Juden den Belreiungsberg nannten, |yeiß^.'au;ch heute noch der „Judenberg'4. Die christliche Bevölkerung war bereits durch die Geistlichkeit so sehr gegen die Juden aufgehetzt worden, daß das VoHk glaubte, dje Juden Tjijfär^en nur zu dem Zweck auf dem Berg z«sammeing^trieben, um sie desto leichter und mit einem.. S'cÄg ausrotten .m können, Die spanische Regierung war' daher" sejfost gezwungen, diurcfh militärische Zeroieru'jjg;. Jjjdenberses das Leben der Juden bis zu ihrer .Uebej^aibe an dje Türkei w schützen. Es ist natürlich, daß die Christ« liehe Nächstenliebe der Inquisition auf dem Judenberg den Flüchtlingen keinerlei Unterkünfte errichtete, md ip'w&tfn denn die unglücklichen vertriebenen Juden in Klüften oder seibstgegrabenen Höhlen im Bangen und Hangen .zwischen der Hoffnung auf Befreiung und der Angst 'vor dem Massaker btaschmachren, bis .die -Stunde der Befreiung geschlagen und sie unter den Schutz der Türkei gebracht wurden. .V wird oder nicht. Das Gesetz wird zum Beispiel bestimmen, daß, wenn in einem Orte 100 Eltern ihre Kinder in einer Minderheitssprache unterwiesen haben wollen, sie dann das Recht haben, eine Schule zu gründen. Diese Schulen wird der Staat, wenn dies notwendig sein soiltc, subventionieren. Die Friedensverträge verpflichten Rumänien, für die Sachsen und für die Ungarn Schulen zu errichten, nicht aber für die anderen Gruppen. Die Staatsscltulen stehen allen offen, und man kann nicht erwarten, daß der Staat außer seinen eigenen, auch noch andere Schulen erhält." Innenminister Vaida Voevod: „Die Nationa|juden haben gemeinsam mit uns gekämpft, mit uns Not und Leid geteilt; wir betrachten sie al s 1 oy ale Bu nd esge n o s s en", erklärte Alexandra Vaida Voevod, der rumänische Minister des Innern. „Ich hege keine Sympathie für die leisetreterische Politik der Union rumänischer Juden, die sich nicht von den Liberalen trennen können obwohl die Liberalen reaktionär sind und jeden Fortschritt in Rumänien zu verhindern trachten. Sie begreifen nicht, daß nun eine neue Zeit für Rumänien angebröchen ist. Die Natioraaljuden haben in mutiger und unerschrockener Weise Schulter an' Schulter mit uns für die Ideale der Demokratie und der Freiheit gekämpft. Ihre Politik, sich zu dem zu bekennen, was sie sind, ist viel geeigneter, aufrichtige und wahrhafte Beziehungen zwischen den Juden und dem rumänischen Volke zu schaffen. Man hat mich einen Antisemiten geschimpft, obwohl Ich zehn Jahre lang für die Juden und ihre Rechte mehr als eine Lanze brach, obwohl ich iür die jüdischen Studenten das aufrichtigste Interesse bekundete und allerlei Maßnahmen für sie ergriff. Ich will bei dieser Gelegenheit A r 1 s t i d e Blank nennen, den einzigen wirklich großzügigen Juden, der es mir möglich macht, die Lage der jüdischen Studenten leichter zu gestalten. Sie wissen, daß seitdem diese Regierung am Ruder ist, es keine Krawalle an den Universitäten mehr gibt und daß überall im Lande Ruhe und Ordnung herrschen." Präsident Buzdugan: Herr Georghe Buzdugan, Präsident des rumänischen Obersten Gerichtshofes, der mit Prinz Nicolaus und Patriarch Cristea die Hohe Regentschaft bildet, die bis zur Großjährigkeit des Königs Mihail das rumänische Reich regiert, empfing Herrn Landau zu einer längeren Unterredung. „Die Juden", sagte Georghe Buzdugan, „erfreuen sich in Rumänien der vollen bürgerlichen und rechtlichen Gleichheit. Sie haben es in diesem Lande im allgemeinen zu Wohlstand gebracht, wenn es auch natürlicherweise viele Juden gibt, die schwer um ihre wirtschaftliche Existenz zu ringen haben. Ich persönlich schätze die Juden als tüchtige, fleißige und arbeitsame Menschen; sie sind zweifellos ein wertvoller Teil der Bevölkerung. Die Rumänen sind ein tolerantes und gutherziges Volk. Die früher vorgekommenen unangenehmen Vorfälle an den Universitäten sind nicht bedeutender Natur und verdienen nicht jene Beaohtug, die man ihnen gewidmet hat. Solche Vorfälle sind auch in Ungarns Oester-! reich und Polen nicht selten. Im allgemeinen geht es in unserem Lande den Juden gut; reiche und sehr bedeutende kommerzielle und industrielle Unternehmungen sind in ihren Händen. Als bester Beweis foiefür kann die Tatsache gelten, daß nach dem Kriege zehntausende Juden aus Rußland, zum Teil auch aus Gallzien in Rumänien eingewandert sind und hier dauernden Wohnsitz genommen haben." Unentgeltliche ArbeitsvermittlungssteJle des 'Jüdischen Hochschulausschusses. Hofmeister. Hauslehrer mit Kenntnissen fremder Sprachen für NadiMlfeunterricht in allen Mittelschulfächern, Reisebegleiter während der Ferien. AushMfekräfte für adle kommerziellen Unternehmungen (während der Udaubszeit) vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, IX., Zimmer- •mannpl'atz 8, Telephon A-2ö^2-28. Telephonischer- Anruf oder Postkarte genügt . .......

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