Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 93 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife? . toi.- Mi« DIE NEUE WELT Mr. n ein literärisclies ^stämMt^ (am 12. Februar 1897). . Von Theodor HerzL Dieses »um erstenmal veröffentlichte Dokument ist dem von Dr. T. Nussetiblatt herausgegebenen Buche „Zeitgenossen über Herzl", erschienen im Buch- und Kunstverlag in Brünn, entnommen. Es gebührt sich, auf den Tod vorbereitet zu sein. Ich will keine Redensarten machen. Was ich den Juden war, wird eine kommende Zeit besser beurteilen als die große Menge der Gegenwart. Mein hauptsächlicher Nachlaß sind die tagebuchartigen Aufzeichnungen über mein Wirken in der Judensache; Es sind bis jetzt vier Bücher, die teils bei meinem Vater, teils bei mir liegen. Ich werde sie vielleicht später an einem sicheren Ort. deponieren. Diese Memoiren sollen bald nach meinem Tode publiziert werden.- Zur Herausgabe, Sichtung der Texte usw. ist eine Kommission zu bilden. In diese Kommission entsendet der Zionsverband »*ür Oesterreich" zwei Mitglieder; und einen literarischen Beirat, der, wenn möglich, meinem Freundeskreise angehören soll, ernennt der Vormund meiner Kinder. Es ist mit einer anständigen Verlagsfirma ein Vertrag über die Herausgabe, und zwar in deutscher und englischer Sprache, abzuschließen. Das- ' Vermögensrechtliche daran obliegt dem Vormund meiner Kinder. Vielleicht wird auch' eine Sammlung meiner zionistischen Artikel und Reden erwünscht sein. ' Hiefür gelten die gleichen Bedingungen wie für die Memoiren. Ferner empfehle ich einen Verleger für meine anderen Schriia-.n zu suchen. Ich denke, man soll meine Theaterstücke in einer Sammlung herausgeben. Mein liebstes Stück ist das;„Ghetto". Auch das Fragment der „Ehekomödie", die,ich in .Wiesbaden zu schreiben begann, soll in die Sammlung kommen', als Nachtrag dazu die Notizen, die für schaffende Künstler ein' Kuriosum sein . dürften. Ein Band - soll die aus Frankreich für die „Neue Freie Presse" ger schriebenen, noch 'nicht in Buchform publizierten Feuilletons und Artikel enthalten. .•"••' Meine übrigen noch nicht-in Buchform publizierten- Feuilletons werden' wohl; mehrere' Bände füllen., .--v-■' - •<':;•-.-,<••- vr-v* [ Mein Name wird nach .meinem Tode' wachserii Darum glaube ich, daß für. alle meine. Werke sich-ein Verleger finden wird. Ich habe heute, wie in jedem Augenblick,'.-seit ich schreibe, das Bewußtsein, die Feder stets als1 ein Ehrenmann geführt zu haben. V ' .; : . . Ich habe meine Feder nie verkauft, nie Gemeinheit, nicht einmal Kameradschaft durch, sie getrieben. Dieser letzte Wille kann publiziert'werden. Es wird sich selbst nach meinem Tode niemand finden, der mich Lügen strafen kann. Kundgemacht beim k. k. Bezirksgericht Wätiring ' am 4. Juli 1904. . Dr. Bendel m. p. (Dieser Beitrag darf nur mit der genauen Quellenangabe veröffentlicht werden.) Berta von Suttner und Theodor HerzL Eine Anregung zum 15. Todestage Berta von Suttners. Sie waren miteinander befreundet, beide dienten der Idee der Menschenverbr.üderung... Sie, die im „MaschinenzeitaJte'r" den Krieg in Sicht nicht mißachten konnte und ihm den flammden Ruf „Die Waffen ni ed-er!" entgegensetzte, er, der eine der furchtbarsten Waffen, den A n t i s e m i t i s m u s, der einen Kampf gegen eine waffenlose Minorität bedeute-t, durch das Aufrichten der jüdischen He im a t gefahrlos machen woMte. Auch sonst zeigt der Weg dieser großen Menschenfreunde viel Aehnlichkelt. Wie Herzl durch sein Werk „Der J u d e n s t a a t" zum Führer einer weltumspannenden Bewegung wurde, so Berta von Suttner durch ihr Werk „Die Waffen nieder!". In diesen Tagen ist es 15 Jahre geworden, daß Berte Suttner, adht Tage vor dem Ausbruch des Weltkrieges, durch- &in gütiges Schicksai abberufen wurde, ohne das Gräßlichste erlebt zu haben. Die vornehme Vorkämpferin für den Weltfrieden, deren Einfluß bekanntlich Alfred Nobel dahin brachte, den Friedens-Nobelpreis z» stiften, war eine eifrige Anhängerin des Zionismus in seinen Anfängen um die Jahrhundertwende, Berta Suttner und' ihr Gatte Artur Gundaccar-Suttner hatten stets ein großes Verständnis für die rechtlose und trostlose Lage der Juden. Dem Wüten des Antisemitismus stellten sie den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" entgegen, den sie im Jahre 1801 in Wien gründeten. Einige Jahre später zeigte Herzl den richtigen Weghaut Lösung der Judenfrage: den Judenstaat! . „Die edle. Berta, von .Büttner-' lesen, wir in den Tagebüchern, '(f., S. 57) v4" ,;ist-"im- Irrtum, fr-eilicn in einem Irrtum, der sie hoch' ehrt, wenn sie glaubt, daß ein Verein zur Abwehr des Antisemitismus helfen kann." Berta Suttner verstand .die Bedeutung der politischzionistischen Bewegung,', und. gehörte bald zu den eifrigen Förderern denselben. Viele Stellen in; Henzls Tagebüchern legen darüber beredtes.Zeugnis ab: '/.Meine großmütige und hochverehrte Freundin-BeMä yöü Suttner wird'inir zur Audienz'beim Zaren "verhelfen;'" (TageSbuch," II., 255.) Im Haag bei-der FHed,eh's,könfereh2Mrh, Jahre 1899 '•ernt Herzj .im Salon der :Sitttner die Spitzer?.;der europäischen Politik kennen. uM eio.hgc.'deT großen Führer gewinnt Frau Suttner für die iuinge.zion.istisQhe-. Bewegung. Wie erfrischend winken .'rfooh heute'.-''die'., Gespräche Berta', von Sütfners'.mk Leon. B o <ti x. g e.o'i s'AÜn'd 'dem Botschafter der Vereinigten . Staaten in Berlüü Mr.. Andrew, W.h i t e, über den Zionismus,;die in ihrem Buche^.„Die. Haager F.riedensköitferenz"'i"u finden. sjudV. w . ."' . ....... ' ' „Ziohist sein '•fieißt^'^e^fen* '^/Antjser^jisifius Front machen. Und noch' mehr äis'~äie•'•Juden' w'Ird'äfe' ührige Be- ÜALB1 mm rtmmom-u> f?*7rTin7?TiIfT?I?iIiiTri7ntffi{tfir111flTi RMftfttttitttftJJ Tel. n-54|8 . .T#3 streng orth. Restaurant STERN Baden bei Wien Antonsgasse 13 —- Franzensring 34 zu Mittag auch Menü, Suppe, Braten. Gemüse, t Vcfl Mehlspeise. — Anerkannt beste jüdische Küche, 4 L JU schönster schattiger Garten.Badens, kulanteste Bedienung, zivile Preise. Hochzeiten und Diners werden in Herrlichen Lokalitäten bestens und billigst ausgeführt. fllllil!l![lliillllllllllllllllllllllWIW!J<liilMiltMI!llHmiHIIIH 3 völkerung durch den Judenhaß geschädigt — er wirkt verrohend, er wirkt kuitunhemmend, namentlich hemmt e* die Verwirklichung der Ideale, um deren Namen Wir im Haag versammelt sind.' Um mit Nachdruck Kosmopolit sein zu können, das heißt zu erkennen, daß die Interessen der Menschheit, die Interessen des Väterlandes überragen oder vielmehr in sich begreifen, muß mair vor' altem" und Leon Bourgeois endete den Satz, indem er sagte — „ein V a t er 1 a n d h a ben!" Durch Berta von Suttner brachte Herd — nach seinen eigenen Worten — „den Zionismus vor dias, versammelte Europa". Berta von Suttner, die edle Freundin Herzls, ward zur Freundin des jüdischen Volkes. Als Herd starb, kurz nach dem Tode ihres heißgeiieibten und edlen Gatten, schrieb sie, „daß die Welt jetzt ärmer sei, .da in ihr jetzt Herzl nicht mehr lebe!". .. . Es ist -an der Ze.it; daß wir uns. unserer DamkespfMcht erinnern!, Es wäre, eine große Tat,, den Namen, .der edlen christlichen. Freundin des Zionismus zu ihrem 15. Todestage sinnvoll und. dauernd mit Palästina zu verbinden. In erster Reihe scheint mir dazu die jüdische F.raU' b e r u f c n, d.i e se Tat z u .v o 1.1 b r <i n g e n, b e i de r.e a A u s f ü h r u n g s i-e a u f d i e Unterstütz <a< n g a l11 e f rechnen kann. Dr. T. Nussembtlart. Dier ^p^^e^eii' Vorfälle in Pplen. •?- (; v > /.•: .' Die Demolierungen in Posen.;« A n, Ä-u. f R e c h n u n g Institutionen zugefügten Aus, Posen', 18. Jun);,V.me1d^ Präsidium der . Jüdischen Gerh§i;iide(. Iti" Posen. riohtete an den Stadtpräsident'eri. jRäta'Jski^^as ''•iqig.e.nde. Schreiben.:- , •' . . „Es.äst .Ihnen''i^k^^^fr'"^;. jüdische Gemeinde Ppsens Sc'Were,s.:4ur.chzum"ächerr gehabt .hat. .Man hat alle Fensterscheiben.' jn.u^ man 'iiat .uns.ere..'lSyina^qi:"e\..dßriiplLer man hat inden jüdischen GescHäf^släderi, #e,.^ßchauienfter-^aertr'ümmert» man. tot .Polens.,^ameii jj^-^Man^e, .wig/lim... Auslande Schaden'-'zugefügt.. Mit Ün^edü^ tiäfyen wir< als die -traurigen .Geschehnisse, vorüber^ waren,, einem A,u.,s dr ii,-c k 4^--Ml,ii.g..e f ü h..Ls, i |^;S;.d..e-s M a g j.s-t.i\a t e &. v-,o n P.Q..seii;'e.ii t.g.e k.-e.ng jpjpnw^Ein^-soiciier.? ist, nn c-hvt e;r.'f oJ g tti" Wjr, .gyl>uJ^H.vJu^\^es^'Ib4t''. ah .' Sie", dieses ^'Schreirjen'^'zu'; fichten', In de;r 'Äri'nah'niip, daß..die.'" erwartete Ces'te'seitens"'des'Sta^forfcsiaeriteh endlich doch erfolgen ward.'* ,"''r" 1 ■ ' Der .M-agi^rilv^rft.i^'lii ^der Stadt die den jüdiseüeri - Schäden wieder gutzumachen^,! f"v^,,^-: -1 ,;• ^'J'i'-.v*;--''.' V r.'- -V. '•". t-. ..'. . .•Ter^pßjphr.^^r4|en^ ' Eäne^Abpjdnung-, j|idis^erÄ^esse;besueher des Distriktes P o Ve'n-- erschien- :irrl£ w^rs^hliüer- I^teinhändlerverband \ und ^berichtete Jiber ..deri.: Tgrcqr^ der gegen, die. jüdischen i Händler , und '•BesüCheT'!aer<:- Messeri im Gebiete von Posen \ geübt'wird.;$a,tii^ä^;mi t ' ph.o t,o g r a,j3'hi s.ph^ jüdi--- s.chen Warenstap4: und stehen Photo gr ap Ji ie .n j o n e h r i s.t I i c h e n .. K ä u f e Tjn....h,er, die ,den Jiiden. V''- 'in abnehmen. Dabei werden Pl^zreden gegen die. Juden gehalten und die bekannten Legenden, über S.c h ä n i g der k a th o.l i s.c^.en R.e Ii g ion durch Juden, verbreitet. ,In Szrem, Kszo.nc? undti in . anderen Orten, überfielen iic Banditen die Warenlager de(r. Juden, zerstörten die Kioske und schleuderten", die Waren nach allen 'Richtungen. Die jüdischen Händler; Wurden -schwer mißhandelt^' Es heißt, daß das Innenministeritirh abermals Weisungen zürn Schutze der judischen Händler imi Pqsener' Gebiet , ergehen ließ. Boykott. D;ie natiowaldemökfatiscrie' Presse in Warschau und in ganz Polen, die seit den Lembe.rger ■Geschehnissen' eine ununterbrochene' antijüdrsche' Hetze führt und -täglich . Legenden über angebliche Ueberialie seitens ^jüdischer Provokateure" aiüT Christen ühd christliche Iristifutionen " * verbreitet, setzt sich nunmehr für'die' Pröklamlerung' einer Parole für wir'tsci'aftlleihen 'Boykott der Juden ein. In einer auf Initiative" ^'es: ,:,,:Christlichen Vereins der' arbeitenden Jugend" stattgeknyenen'Prötestversammlung der christlichen BerufsVereihigun'gen gegen' die „jüdischen; Provokationen in Lemberg" forderten die Redner die Durch-; führung eines Boykotts gegeft die . Ju'dem Es wurde eine Resolution angenommen, In der die , Juden als die Feinde der katholischen Religion und des polnischen Volkes hingestellt werden; Die Bevölkerung wird 'aufgefordert^ ihren'Bedarf an Waren nur bei christlichen Erzeugern und Händiern zu decken. ' ' ' : •''-' »> Ein Schlag gegen die. jüdischen Fachschulen. \ Das p6inis.ghe-, Unteri1chVsminis,^rium. hat .hinsichtlich 4er vom 19. bis 2$. Juni, in .Polen ^bzuhaite.ndeb Prüfungen der Lehrlinge Vorschriften erlassen, die dajj Resultat haben werden, daß nurga n z wen i g e jüdische Le-hrlinge zu den . Prüfungen zugelassen werden.- Die jüdischen Fachschulen sind schon darum eine Notwendigkeit, weil die allgemeinen Fortbildungsschulen infolge des unter Lehrerin und' Schülern - herrschenden antisemitischen Geistes nur von sehr wenigen jüdischen Lehrlingen" hesuent werden. Etwa 40.000 jüdische Lehrlinge in Polen bedürfen ,4er methodischen ..Fachausbildung, während nur 1500 jüdi-. sehe, Lehrlinge^^Fortbildungskurse hesuchen. Aus dem Verhalten des polnischen Unterrichtsministeriums schließt die jüdische Presse, daß es das Zi el d er :Beh örxle ü Spe.i, d:i;e J ,u.d e n.: a .u s de m Han;d w.e r k z u v e r 4 r ä n- .-g-e n.- - Man ^bemühe, sich mit •..•^HejnKräftem.; d*.a:SiSAii i- ■ k o mi m e n e.rn e s..-j ü d i -s che n•• Ha n d w e r k e r.'n a c hw u.c h s e s z u: u n t e r b i n. d e n.1 Die, Zukunft des. jüdischen Handwerks .sei bedroht. Horthys Helden. Kein einziger Jude erhält Land. von Vor .200 einigen Tagen ..fand in Budapest die Aufnahme ehemaligen ■ Frontkämpfern, unter ihnen der Pogromführer Ivan He j j a s und der Antisemit G,ö m b ö sfin das ungarische Heldenikapitel statt. . Der Führer der . jüdischen Magyaren, Abgeordneter Paul Sandor, hat sich .im Finanzausschuß des Abgeordnetenhaus : darüberheschwert, daß. in den Heldenorden kein einziger jüdischer Soldat Aufnahme gefunden hat.. Die .Mitglieder des Ordens erhalten vom Staat Ackerboden und die Mittel für die Bewirtschaftung. Dieser Boden ist den Juden bei 'der Bodenreform abgenommen worden.; Graf Bethlen antwortete dem Abgeordneten'Sandor, er wisse von, nichts, werde sich jedoch interessieren. Darauf' erfolgte die Aufnahme des Massenmörders Hejjais uind" des GÖmbös. Antisemitische Brandstifter in Amerika. Mehrere jüdische Organisationen von Milwaukee haben den Gouverneur des Staates Wiscounsin aufgefordert, in der Angelegenheit, der. Niederbrenitiunig und teilweisen Ausplünderung von zehn von Juden bewohnten Landhäusern in einer Vorstadt von Milwaufcee eine strenge Untersuchunig durchzuführen. Der Besitzer dieser Landhäuser, Samuel Melz'er, hat am Morgen, nach dem Brande einen anonymen Brief erhalten, in welchem er aufgefordert wurde, nic.-'h t wieder Landbäussr .an Jiiden z u. v er mi e te«i. Fünf Juden im südftfrikanisclien Parlament. Bei den jüngst durchgeführten Wahlen für das südafrikanische Parlament wurden von den bisherigen sieben jüdischen Parlamentsmitgliedern fünf wiedergewählt,, nämlich Sir Ernest Oppenheimer, Eli Buirski, Emile Nathan und Charles P. Robinson, die .auf der Liste der Südafrikanischen Partei kandidierten, sowie M. Kentridg'o, der Mitglied der Arbeiterpartei ist. Morris Alexander, der seit 21 Jahren dem Parlament als unabhängiger konstitutioneller Demokrat angehörte, wurde« nicht wiedergewählt; Der über 70 Jahre alte Sir David Harris, der durch mehrere Perioden dem Parlament angehört hatte, hat diesmal auf eine Wiederwahl verzichtet. . . <