Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 93 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ftit. 93 DIE NEUE WELT Seife 3 U logischen Grundlagen. Nicht mir die Gegner der Agency, sondern gerade auch ihre Anhänger betonen, daß nur eine starke Zionistische Organisation die Aussicht hat, sich innerhalb der erweiterten Agency durchzusetzen und die Gefahren zu verhüten, die unzweifelhaft mit .der Erweiterung der Agency verbunden sein können. ' Woher aber soll diese Erneuerung der Organisation 'kommen? Es ist klar, daß sie nicht das Werk organisatorischer Maßnahmen sein kann und daß die Möglichkeiten der Zionistischen Exekutive in dieser Richtung notwendig begrenzte sind. Denn in Wahrheit soll nicht die Organisation erneuert werden, sondern die Bewegung, Glaube und Hingabefähigkeit der Zionisten sollen gestärkt, die Organisation wieder zum Träger einer zielbewußt marschierenden Bewegung werden. In diesem Sinne ist die Fusion der Arbeiterparteien bedeutsam, vor allem, wenn auch die Weltverbändc sich vereinigen werden, wenn die •unfruchtbaren Streitigkeiten der beiden Weltverbände aufhören werden und die vereinigte Arbeiterpartei in allen Ländern die Rolle übernehmen kann, die sie in Palästina seit jeher spielt, die Rolle der immer wieder vorwärts treibenden, immer wieder an das Endziel gemahnenden und selbst die Kräfte zair Verwirklichung stellenden Gruppe. Heute mehr denn je ist die Rolle der Arbeiterschaft und des Hechahiz entscheidend für die Zukunft der Bewegung. - *ßJ&*«- -"fSSsF der gesamten Körper-, Teint- und Haarpflege. Naturheilmittel und Rezepte zur Körperverschönung und Teintverjüngerung. 2. Auflage. S 5.50. In allen Buchhandlungen. Prospekt gratis. Verlagsexpedition: I. Sußmann^ Wien I., Salztorgasse 7, Tel. tl-24*4>43 Vertreter allerorts gesucht. mischen Verhältnisse der Juden im russischen Reiche sind zunichte gemacht worden. Trotz der formalen Gleichberechtigung kann von einer Verbesserung der rechtlichen Lage der jüdischen Massen keine Rede sein. Beinahe dfie Hälfte der jüdischen Masse gehört zu den Parias der kommunistischen Gesellschaft." Beschlagnahmte Synagogen. Die Synagogen in Kasan, Jewpatoria, Uman, Klinizi und einer Reihe anderer Städte wurden beschlagnahmt und in Arbeiterklubs umgewandelt. In Proskurov wird jetzt ein Kampf zwischen den religiösen Juden und den Kommunisten durchgefochten, bei dem es um die Beschlagnahme von sechs Synagogen geht. Die 'berühmte Jeschiwa in Sin zk, die in der letzten Zeit noch illegal geführt werden ikonnte, wurde endgültig 'beschlagnahmt; im Gebäude befindet sich jetzt ein Arbeiterklub. ist und damit rechnen darf, sich nach de>r Vereinigung durchzusetzen. Im Hapoel Hazair waren die Bedenken größer, insbesondere in dem sogenannten Nahalalkreis. Unverkennbar haben sich beide Parteien in den letzten Jahren einander immer mehr genähert, und es war kein Zufall, daß man seit Jahren in der Bewegung von der palästinensischen Arbeiterschaft spricht und nur selten die beiden sie zusammensetzenden Hauptparteien erwähnte. Gemeinsam ist beiden Parteien seit jeher der entschiedene Wille zur Verwirklichung des ganzen Zionismus durch Arbeit in Palästina, gemeinsam ist ihnen die Tendenz zur Schaffung eines arbeitenden Erez Israel ohne Ausbeuter und Ausgebeutete, wobei es dann keine so erhebliche Frage mehr ist, ob sich eine Partei als sozialistisch bezeichnete, wie Achduth Haawodah es tat, oder ob sie eigene Formulierungen für den sozialistischen Gedanken suchte, wie der Hapoel Hazair. Gemeinsam war beiden der Kampf für die Stellung des jüdischen Arbeiters in Palästina, der seinen Ausdruck in der Schaffung der Histadroi th hatte, der Gewerkschaft, die ja in Wahrheit sehr viel mehr als eine Gewerkschaft ist und in gewissem Umfange die vorweggenommene politische F u s i o n sfo>rm darstellt. Es war also nicht mehr sehr erheblich, ob man den Klassenkampf 'bejahte oder man ihn ablehnte, aber den Kampf iür die Rechte und den Einfluß des Arbeiters zu führen bereit war. Die Formulierungen, die man im Programnientwuirf gefunden hat, entsprechen etwa der hier gekennzeichneten Linie: Man vermeidet die sozialistische Terminologie, betont jedoch sozialistische Forderungen. In Wahrheit ist eben die Arbeiterschaft in ihren Tendenzen und in ihrem täglichen Leben bereit« seit langem so vereinigt, daß es bei gutem Willen möglich sein mußte, auch programmatische gemeinsame Formulierungen zu finden. Schwieriger lag und liegt die Frage, sobald man daran denfkt, daß Achduth Haawodah und Hapoel Hazair Welt- Was bedeutet 777? verbänden angehören. Hier sind unzweifelhaft Unterschiede yoirhanden, obwohl auf dem Kongreß die beiden Verbände weite Strecken zusammen zu gehen .pflegten. Bisher zum Beispiel war es ein Grundsatz der Poale Zion, an der Bildung der Exekutive nicht teilzunehmen, wobei der alte sozialdemokratische Grundsatz mitsprach, nicht in Koalitionsregierungen mit Bürgerlichen zu gehen. Die Sozialdemokratie freilich hält dieses Prinzip nicht mehr aufrecht, wie etwa das Beispiel von Deutschland und 'Frankreich zeigt. Die Poale Zion haben es immerhin für z u 1 äs s i g erachtet, daß ihr Mitglied Kapla nsky dem Finanz- und Wirtsc'haftsrat angehörte und Leiter der Kolonisationsaibteilung der .Exekutive war, ohne ihr formell anzugehören, Ueber die Frage scheint: auch jetzt noch .keine Einigung erzielt zu sein, denn der Entwurf enthält nur die Abmachung, daß beide Parteien auf dem bevorstehenden Kongreß nur ■gemeinsam übeir ihre eventuelle Bet e i$ I g u n g a-ai der E x e ik u t i v e beschließen werden. Immerhin" bedeutet auch das fast eine Aufgabe des poalezionistischen Prinzips. Schwierig ist ferner die Sprachenfrage: Es ist wohl noch in Erinnerung, daß vor einem Jahre die Konferenz (für das arbeitende Erez Israel in Polen an dieser Frage scheiterte, weil die polnischen Poale Zion für jiddisch demonstrierten. Uebrigens wurde ihr Verhalteil von der Achduth Haawodah scharf kritisiert. Hier sind also noch Schwierigkeiten zu überwinden. Die Bedeutung der bevorstehenden Fusion hegt unter anderem nicht so sehr in palästinensischen Gesichtspunkten — wo eben, nur bestehende Tatsachen auch offiziell festgelegt werden — als vielmehr in allgemeinen 'zionistischen Erwägungen. Durch die Zionistische Organisation geht heute 'Stärker als je der Ruf nach Reorganisation, nach Stärkung der Fronit, nach Festigung der ideo- 0^^^^m^mmmmmmmmmmmmmmmm^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmoammmmtam Enttäuschte HoffnuDgen. Die Legenden der großen Erbschaften. In der letzten Zeit hat eine geschäftstüchtige amerikanische Agentur wieder einmal die Juden Siebenbürgens durch die Auffrischung einer schon älteren Erbschaftslegende in Erregung versetzt und dabei kein schliechres Geschafft gemacht. Diesmal is>t es ausnahmsweise keine Horowitz-, sondern eine angebliche B ernst ein-Erbschaft. Der Mitarbeiter des „Uj Keilet" Alexander Parkas, der die Sache untersuchte, schildert den Fisohzug der amerikanischen Erbscbalftssehwindler und ihrer europäischen Komplicen wie folgt: In den Neu'nziigerjahren des vorigen Jahrhunderts starb in Amerika ein aus Siebenbürgen stammender Jude namens Bernstein. Gleichzeitig mit der Nachricht von dem Tode wurde auch berichtet, daß der Verstorbene ei/ Vermögen von neun Millionen Dollar hinterlassen habe. Daraufhin meldete sich ein ganzes Heer von Bernsteins, die alle Anspruch auf die Dollarmillionen erhoben. Fieberhaft wurden Nachforschungen eingeleitet und die amerikanische Botschaft in Wien hatte nicht wenig unter dem Drängen dieser dollarhungrigcn angeblichen Erben zu leiden. Die Recherchen ergaben, daß der alte Bernstein tatsächlich in Amerika gelebt hat, und vier Bernstein-Familien erbrachten den behördlich bestätigten Nachweis, daß sie zu dem Verstorbenen in naher Verwandtschaft standen. Diesen vier Bernstein-Familien "wurde die angebliche MiHionenerbschaift zum traurigen Ver-> t$»gnis. Noch ehe das Vorhandensein der Erbschaft überhaupt festgestellt werden kannte, brach schon ein blutiger Brodwikaropf a«s, wirkliche nahe Bluiteverwandtschaft Immer das Neueste auf fomeCcrd- Oecir© Orientalische Fox-Serenaden: Rajah Pharaon Tangos: Recuerdos In einer kleinen Konditorei Sie seh n heut wieder reisend aus, gnädige Frau! Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst Foxtrots, Slow-fox, engl, Waltzes etc.: Wlng s Glad Rag doli Jeannine (Am Herzen einer schönen Frau) Schönste allerFrauen, lausch'meiner Melodie .. Verlangen Sie von WIENER PHONIX-VERLAG/LsSTRAUCHGASSE 1 Kataloge gratis! Die Not der Juden in Rußland. Wirtschaftlich haltlos. Die J. T. A. meidet aus Moskau: Herr. Tscheine r i s;k i, Sekretär der „Jewsekzia'' erklärte, daß mehr als 900.000 Juden in: der Sowjetunion wirtschaftlich verwurzelt werden. müssen."' 70" Prozent von ihnen könnten nach und nach in Kolonien, Heiniarbeitzirikeln und in der Industrie, der Rest; in allgemeinen staatlichen Unternehmungen 'Untergebracht werden. Könnet teilt mit, daß in der. Ukraine 100.000 jüdische Familien o h n e e i n stand i «es E i n kommen sind. Man hofft, 50.000 Juden in Milchwirtschaft, Gartenbau und Geflügelzucht unterzubringen. In der Ukraine bestehen gegenwärtig 12.000 jüdische Gärtnereien und Milchwirtschaften. >■ Die Parias des Kommunismus. Professor Boris Brutzkus schreibt in dem „Archiv für Sozialwissenschaften" (Berlin) ^über die Lage der Juden in Rußland: „Die Revolution hat nicht nur die •breiten Schichten des jüdischen Bürgertums ihrer Existenzmöglichkeit beraubt,, sie hat auch einen sehr bedeutenden Teil der jüdischen arbeitenden Massen wieder in „L u f t m e n s c h e n" verwandelt. Die Ergebnisse einer langjährigen positiven Entwicklung der sozialökonowurde entzweit, eine Unzahl von Prozessen und Ehrenbeleidigungsklageu wurden geführt, und 'keine dieser Bernstein-Familien wollte es« glauben, daß die andere nicht bereits die große Erbschaft erschlichen hätte. Diese vier Familien waren bis dahin wohlhabend und lebten in Frieden und nun zerrann das ganze Vermögen in den Prozessen und 'kostspieligen Nachforschungen. Jahrzehnte hindurch tobte dieser Erbschaftsstreit ohne Erbschaft, übertrug sich von den Vätern auf die Kinder, wobei es auch an mancher tragikomischen Episode nicht mangelte. So wurde unter anderem festgestellt, daß eine ganze Anzahl von Zeitungen aus den Neunzigerjahreu in der Sammlung der Biibliot-'hök des Budapester NationalirmseAims Lücken aufweist, die dadurch entstanden sind, daß' unbekannte Täter einzelne Notizen aus den Zeitungen ausschnitten.' Die Nachforschungen haben damals ergeben, daß Bernstein-Erben in ihrer Manie alle auffindbaren Zeitungsnotizen über die ' Erbschaft ausschnitten, um ihren Enbschaftskonkiurrenten auch auf solche Weise Schwierigkeiten zu bereiten. Diese irrsinnige Jagd nach der imaginären Erbschaft hat einige Mitglieder der Familie ins Irrenhaus gebracht, einige wieder haben Selbstmord begangen und. die übrigen schlössen ihr Leben als bettelarme Menschen ab. Einer der Mitbeteiligten an diesem unseligen Bruderkampf, 'Baruch Bernstein, ist erst vor zwei Jahren gestorben. Viele erinnern sich noch dieses unglücklichen Menschen, der bei Hi'tze und Frost barfuß durch die Straßen zog und in einer kleinen siebenbürgischen Stadt von wohltätigen Menschen erhalten wurde. In den wenigen lichten Momenten, die er hatte, sprach er yon den neun Woldemars spricht hebräisch . . . Kowno, 19. Juni. Aus Kowno meldet die J. T. A.: Ministerpräsident Woldemars legte den Grundstein zu einem neuen jüdischen Krankenhaus in Kowno. Er hielt dabei eine hebräische Ansprache und schloß mit den Worten: „beschaah muzlachatU" („zu glücklicher Stunde"). ... und seine Polizei arrangiert Ritualmordhetzen. Kowno, 19. Juni. (J. T. A.) In der Synagoge zu Kroszsch, einem Städtchen in der Nähe von Schaulen, erschien die Ortspolizei, um nach einem verschwundenen christlichen Kinde zu suchen. Die Thora-Lade und alle Schränke wurden geöffnet und durchsucht. Hand in Hand damit ging eine Pogrom-Propaganda gegen die jüdische Bevölkerung, die des Ritualmords bezichtigt wurde. Schließlich wurde das verschwundene Kind im Hause eines Christen wohlbehalten aufgefunden. Auszeichnung jüdischer Gelehrter in Italien. s Die Akademie der Wissenschaften in Italien hat den Preis für Archäologie dem jüdischen Gelehrten Pro'fesor Alcssandro Deila Sota von der Universität Rom und Preis für Archäologie dem jüdischen Gelehrten Professor fessor Carlo ¥ o a von der Universität Mailand 'zuerkannt. pllllllM | Verband demokratischer Zionisten | I Mittwoch, den 3. Juli 1929 um halb 9 Uhr abends im I | Cafe Produktenbörse II., Taborstr. 10 (Klublokal) § | Ausschuß Sitzung I g zu welcher alle Ausschußmitglieder dringendst M H geladen werden. 1 I * ' , 1 | KIubv@frsammlung entfällt! | äiilllllllllllllllllllllllllllllllllllll/lllM Millionen Dollar, die ihm als Erbschaft gebühren und nur deshalb nicht im 'seinen Besitz gelangen 'können, weil er nicht die Mittel besitze, die Angelegenheit legal durchzuführen. Und sonderbar, auf Grund des Gefasels' dieses geisteskranken Menschen hat sich wieder eine Gruppe aus der Seitenlinie dieses Baruch Bernstein gefunden, die ihr erspartes Geld zusammenlegte, um die Nachforschungen nach den neun Millionen, die ja inzwischen mi't Zinsen und Zinseszinseu beträchtlich angewachsen sein müssen, durchzuführen. Es ist begreüflicih, daß in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Depression der Nachkriegszeit jede noch so bedeutungslose Nachricht von dem Ableben eines Teichgewordenen Einwanderers In Amerika die Phantasie der gleichnamigen Familienin Europa zu entflammen vermag. Aber eine ganz neue Art der E^bsdiaftslegendenbildiing und damit im Zusammenhang die Ausbeutung zahlreicher. Menschen ist jetzt in auffallender Weise in Erscheinung getreten. In Siebenbürgen zum Beispiel gilbt es gegenwärtig bereits eine ganze Anzahl jüdischer Familien, die zum Zwecke der Nachforschung nach reichen Dollarerbschaften mit amerikanischen und Londoner Agenturen in Verbindung stehen, die dann auf Kosten der betreffenden Familien die Recherchen nach den angeblichen Erbschaften durchführen. Für diesen Zweck wandern jährlich ganz ansehnliche Summen an die Adresse amerikanischer Agenturen in die Vereinigten Staaten aus.. So ist es zum Beispiel bekannt, daß ein aus Gro0wardeiner und Marosvasarhelyer Familien geblN detes Erbschaftslkonsortium seit Jahren durch eine amerikanische. Agentur, ergebnislose Recherchen pflegen läßt,