Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 92 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 92 Dlfi NEUE WELT Seite 5 Grand-Hotel Bellevue Vöslau iiiiifiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiittitiiiiitiiiiiiiiiiiifliiiiitiifiitiiiiiiifiittiiiiiiiiiiiiiifiiiffiiiiiiiiti Angenehmster Semnieraufenthalt in der nüchtten Nähe Wiens frsfklassiges Etablissement! Bürgerliche Preise! oder unterlassen, auf alle zurück. Dagegen muß sich alles im Judentum wehren, was noch an Ehre und politische Reinlichkeit glaubt, was nicht Verbündeter der durch den Glauben an den Pogrom Verbundenen sein will. Ude für die Ochsen. Herr Oskar Freudma um in Graz schreibt uns: „Herr Professor Ude ist tielf empört. Der Beriaht eines Teilnehmers an seiner Versammlung in der „Neuen Welt" hat es Ihm angetan. Eine neue Versammlung wird durch den Veranstalter der ersten, den Vogel sang-band, einberufen. Landesraibbiner Prof. Herzog — es ist der Eingang des Sabbat — nimmt daran nicht teil. Tagesordnung: Kritik dieses Berichtes, in dem Professor Ude die verwerfliche Denkart jüdischer Schreibweise, wie er sich in seiner kräftigen Sprache ausließ, siclh widerspiegeln sah. (Ein Christ (hätte solches nie geschrieben, war sein pathetischer Ausruf.) Dann ging Professor Ude zu einem Vergleiche zwischen dem, was Doktor Herzog gesagt habe, und dem Inhalte des Artikels über. Kritik an dieser Kritik zu üben, löhnt nicht die Mühe, nur eines sei von mir, als Besucher beider Versammlungen, gesagt: Im Aufsätze in der „Neuen Welt" war die Behauptung zu lesen, die Ausführungen Professors Herzog hätten aulf die Versammlung tiefen Eindruck gemacht, Daß dies nicht der "Fall gewesen sei, ließ sich Herr Professor Ude von seinem Auditorium bestätigen. Ich stelle ausdrücklich fest, daß der vielleicht wichtigste Teil der Rede Professors Herzog, nämlich die Worte: ein Glaube, der solche erhabene Gebote der Tierliebe, predige, könne doch unmöglich Grausamkeiten gegen das Tier begehen, von der Versammlung, die sich sonst durch höchst u nanständige und einem Priester gegenüber unziemliche Zwischenrufe auszeichnete, mit achtungsvollem Schweigen aufgenommen wurde. Herr Dr- Ude, wiederholt beteuernd, von keiner Judenfeindschaft beseelt zu sein, konnte es, seinem Herzensbedürfnisse folgend, sich nicht versagen, das jüdische Volk, unter dem jubelnden Beifall seiner Getreuen, das Volk der Gottesmörder zu nennen und zu .versichern, daß ihn von der Ethik des Talmud (desselben Talmud, der vor dem Auftreten Jesus das Wort Hffiels aussprechen ließ: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) — Gott sei Dank eine weite Klulft trenne. Auch der Herr Vorsitzende, notorischer Judenfeind, konnte sich, soweit e* in die Debatte eingriff, an der höheren christlichen Ethik gar nicht genug satt loben. Als Vorsitzender hat Herr Prof. Kabel'ka allerdings — seinen antisemitischen Instinkten Zügelanlegend — diese Versammlung einwandfrei geleitet, Roheitsausbraiche in Zwisc&erairafen zurückgewiesen. Als Rödner mich mit dem Herrn Professor' der spekulativen Dogmatik in eine Auseinandersetzung über die für den katholischen Theologen feststehenden Begebenheiten zur Zeit des „Gottesmordes" einzulassen, auf die, Forschungsergebnisse nichtjüdischer Autoritäten zu verweisen^ erschien mir zwecklos. Die Feststellung ge-. nügie mir dort, daß Herr Prof. Ude und seine Richtung niemandem das Recht absprechen dürfe, über jene Begebenheiten anderer Meinung zu sein. Auch darüber, ob das jüdische Volk rwas mit der Schächtlr-rage gewiß im innigsten Zusammenhange steht — in die Fremde gestoßen wurde, weil es Jesus kreuzigte, wie Ude meint, oder weil es. seinem Gesetze und dem Geiste seiner Propheten, wie unsere Weisen sagen, untreu wurde, oder weil es, von den Römern aus der Heimat vertrieben, sich in liebloser Fremde nicht mit dem Boden verwurzeln konnte — ich füge dies hier hinzu — 'sei jede Diskussion mit Herrn Prof. Ude und seinen Partisanen abgelehnt. Und eines noch: Geschichtliche Begebenheiten im Schöße eines Volkes bleiben Angelegenheiten dieses Volkes, einzig und allein seiner Verantwortung vor der eigenen Geschichte unterworfen! Prof, Ude, der Fanatiker, glaubt ehrlich an die „Grausamkeiten" des Schächtens. Er will selbst dort, wo er auf „talmudischen Geist" losdrischt, sich gewiß nicht zum Partner schmieriger antisemitischer Gesinnung machen. Aber er hat diese Wirkung, wenn auch unbeabsichtigt, ausgelöst. Das beweisen die leidenschaftlichen haßerfüllten Ausbrüche in seinen beiden Versammlungen. Er weist es mit Entrüstung zurück, Judenfeind' genannt zu werden, doch er wird es nicht verhindern, die Gefolgschaft jener amgeklettet zu haben, denen — gegen das Leid der |I1IIIIIIIIIIIIII!I!IIII!IIIIH | Verband demokratischer Zionisten § g •a__w^n>n_a_as_aa____ — 5- : i I Mittwoch, den 26. Juni 1929 um halb 9 Uhr abends im 1 | Caf£ Produktenbörse II,, Taborstr. 10 (Klublokal) | IM EMU El 13 1 I |0 ü S g Eintritt frei. Gäste herzlich willkommen 1 | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiip armen Kreatur herzlich gleichgültig — in der Schächthetze wieder einmal ein erwünschtes Mittel an die Hand gegeben ist, Haßinstinkte auszutoben. Keine pathetische DeklamaT tion wird die Tatsache aus der Welt schaffen. Herr Dr. Ude ist ein Kämpfer für Recht und Wahrheit, Streiter gegen Trunksucht und Prostitution, für Völkerversöhnung, Tierschutz und reine Politik. Den Savonarola von Graz drängt es dorthin, wo es gilt, heilige Güter der Menschlichkeit zu verteidigen. Steht er in der „Schächtfrage" (für uns äst sie keine) auf dem richtigen Platze?! Drei, vier Tiere werden für die Juden der Steiermark allwöchentlich mit „entsetzlicher Grausamkeit" geschlachtet. Tausende fühlender Wesen fallen in gleicher Zeitspanne dem Messer des Kälber- und Sohweineschläditers (Abstechen heißt es bezeichnenderweise im Volks- Aus Budapest wird uns berichtet: In aller Stille, um nicht durch den Alarm der Presse und ganz besonders durch die scharfe Kritik der auswärtigen Presse gestört zu werden, wird vom Ministerium des Innern von Bureau zu Bureau, von Amt zu Amt durch das ganze Land jetzt eine unmenschliche Fremdenkonskription durchgeführt, durch welche selbst solche Familien —'es kommen fast ausschließlich jüdische Familien in Betracht—die anläßlich der großen Razzien und Fremdenausweisungen in Ungarn'sich die Aufenthaltsbewilligung zu erwirken vermochten, betroffen werden. Neuerlich sollen hunderte jüdische Familien, die aus den gegenwärtig zu den Nachfolgestaaten gehörenden Gebieten stammen, als Fremde behandelt und kurzerhand ausgewiesen werden, weil sie aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, ihre Heimat «Zuständigkeit in Ungarn nachzuweisen. Schon jetzt werden diese .^Fremden" immeriort 3 Wortes SporftvatSer Trerich-Coafs Rockhemd Wien, B., Wipplingersfraße 20 vor die Behörde zitiert, wo sie jedes Mal den für die meisten von ihnen nicht unbeträchtlichen Betrag von 25 Pengö an Meldegebühren zu entrichten haben, und die Mitteilung erhalten, daß ihre Ausweisung bevors t ehe. Von den „Galizianern" ist ja Ungarn dank seiner barbarischen, hauptsächlich gegen die Juden gerichteten Fremdenpolitik, bereits so .gut wie gesäubert. Hunderte jüdischer Familien irren infolgedessen heimatlos, zügrundegerichtet und bettelarm in aller Welt umher, obgleich sie in Ungarn geboren, zum Militärdienst und zu Steuerleistungen herangezogen worden waren. Nunmehr sollen auch die Juden aus dem ehemaligen Großungarn daran glauben, daß der christiiohnationale Kurs in Ungarn, besonders in den Verwaltungsämtern, noch in voller Blüte steht. . Die polnischen Bischöfe hetzen weiter/ Ein zweiter antijüdischer Aufruf des Lemberger . Episkopats. Aus Lemberg meldet die J. T. A.: Die Erz* bischöfe T w . r dowski, Teo dor owiez und Lis*. sowski, die vor einigen Tagen der amtlichen Mitteilung, daß von jüdischer Seite eine Verhöhnung oder Angriffe gegen die katholische Prozession in keiner Weise erfolgt. sind, durch eine Kundgebung entgegentraten und an der Version, daß jüdische Schüler und Schulerinnen die ka* tholische Prozession verhöhnten und angriffen, festhielten, haben soeben einen Aufruf an die Studentenschaft er* lassen, der bezwecken soll, die aufgeregten Gemüter zu beruhigen und die Studentenschaft zu veranlassen, den proklamierten Universitätsstreik zu liquidieren. In dem Aufruf werden die Studenten, die einige Tage lang die öffentliche Ruhe störten, zahlreiche jüdische Einwohner mißhandelten und mehrere öffentliche Institutionen zer* störten, <■":■.* . als verdienstvolle Katholiken und ehrenwerte Pas trioten hingestellt, bei denen parteiische Motive keinerlei Rolle spielten. , „Wir haben uns überzeugt," heißt es in dem Aufruf, „daß die heiligsten christlichen Gefühle in einer schweren Weise beleidigt worden sind und daß nur munde), Tausende der Kastration für Genußzwecke, dem Angelsport, der Jagd zum Opfer. Dorthin den Blick, dort ist der Ort zum Anruf jener allmensciMichen Ethik, die Professor Ude überheblich die christliche heißt.. Ethik, Moral, Menschlichkeit sind, wie Moses, Buddha, Konfutse beweisen, keine christliche Pachtung. Herr Ude lebt in einem Staate, in dem das von ihm so gern angerufene Gebot, das jüdische Gebot des „Du sollst nicht töten'4 Kindern nicht die Mordwaffe, auf den Vater, auf die Mutter gezückt, aus der Hand schlägt. Er wirkt in einem Lande, wo der Kindesmord endemisch ist. Dort mögen -die Lehren seiner Ethik in die Menschen dringen! Für uns, denen Löben heilig, der Mord an seinem Kinde, seinem Vater, seiner Mutter etwas unfaßbar Grauenhaftes äst, genügt vollauf die jüdische Moral. dies allein den Anstoß zu den Geschehnissen ge* geben hat." In der jüdischen Bevölkerung der Stadt Lemberg wirkt es peinlich, daß die Bestrebungen der staatlichen Behörden einzig und aHein auf die Erhaltung der äußeren Ordnung gerichtet waren, ohne daß auf die Ehre und die Interessen der jüdischen Bevölkerung Rücksicht ge* nommen wurde. Die Studentenschaft durfte einige Tage lang gegen die jüdische Bevölkerung und die jüdischen s Instiutionen wüten, ohne daß die Behörde mit genügenden Kräften eingeschritten wäre. Erst als sich die Unruhen gegen die Regierung selbst richteten und die Interessen der Hochschulen in Mitleidenschaft gezogen wurden, trat die Behörde mit entsprechenden Maßnahmen auf den Plan. Die Ausschreitungen in Posen. Die antijüdischen Ausschreitungen in Posen am vergangenen Samstagnachmittag waren sehr , ernster Natur und nahmen fast den Charakter eines Pogroms an. Am Nachmittag hielten* die nationaldemokratisohen Studenten im Akademikerheim eine Versammlung ab, die sieh mit der streikenden Lemberger antisemitischen Studentenschaft solidarisch erklärte. Hierauf marschierten etwa 500 Studenten . durch die Straßen und verbreiteten H e t zaufrufe gegen die Juden, in denen erklärt wurde, die Juden haben in Lemberg die katholische Religion verhöhnt und eine katholische Prozession angegriffen. Jüdische Passanten, die den Demonstranten entgegenkamen, wurden umzingelt, niedergeschlagen » n d .mit Knüppeln und Fußtritten bearbeitet. In jüdischen Gesohäftsläden wurden die Schaufensterscheiben eingeschlagen. Plötzlich, - wie auf ein Signal, wandte, sich die Menge der Studenten unter den Rufen „Tod den Jude«* gegen das meist von Juden bewoltonte Stadtviertel!. Es ents stand eine ungeheure Panik. Wohnungen und G«^ schäftsläden der Juden wurden schnell geschlossen. Die Menge stürmte das Haus der jüdischen Gemeinde, schlug alle Fensterscheiben ein und zertrümmerte die Inneneinrichtung. Zwei große Synagogen wurden mit Steinen bombardiert, so daß sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Zahlreiche jüdische Restaurants, darunter die „Bar Ansselski" in der Saskowagasse 7, das Restauirant Lipinsiky sowie sämtliche Restaurants in der „Zydcwska-Kramarska'*' wurden demoliert. In zahlreichen jüdischen Geschäftsläden wurden Schaufenster und Türen zerstört. Die Einrdchtu*g der jüdischen Völksbank wurde volkommen zertrümmert. Auf der Landesausstellung Posens wurden der Kiosk der jüdischen Presse und Kioske jüdischer Geschäftshäuser zerstört. Der Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde wandte sich nach Eintreffen der enflst lautenden Nachrichten aus Posen an das Innenministerium um, Schutz für die Posener Juden. Es ■wurde versprochen, daß nach Posen Weisung ergehen wird, die schärfst*» Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung durc-hzu«; führen. Es scheint, daß die aus Warschau m Posen eingetroffene Weisung ihre Wirkung getan hat. Dem Einwirken der Polizei, die einen dreifachen Kordon um die von Juden bewohnten Gassen gezogen hat, Ist es gelungen, die Demonstranten abzudrängen, Etwa 20 Personen wurden verhaftet Während des Sonntags waren die von Juden bewohnten Gassen stark von Polizei besetzt. Antljüdische Exzesse In ZaleszczykK Letzten Montag kam es in Zaloszczyki (Ost-, galizien) während der Assentierung m antilüdischen Exzessen, an denen die Bauern aus den umliegenden Dörfern sich beteiligten, Di« Bauern nahmen zunächst einer armen Wieder Fremdenrazzien in Ungarn. Der christlichnationale Kurs. <