Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 92 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 92 ' )) SITMAR « Nach ÄGYPTEN und PALASTINA mit den Luxusdampfern H IIUIII" - „ESPERIA" Rundfahrten Im Mittelmeer Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: „Sitmar", I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwaizenbergplatz) Telephon U-45009 US: :HI Untersuchung vom Senat verhängt werden kann, sondern höchstens als vorläufige Suspendierung zu werten. In der Kammersitzung der Deutschen Studenten» schaft hat der Vorstand seine Stellen zurückgelegt. Mit der vorläufigen Geschäftsführung wurde der Geschäfts* führer der Deutschen Studentenschaft betraut. Weiters wurde folgende Kundgebung beschlossen: Die Kammer der Deutschen Studentenschaft der Universität Wien mißbilligt'die Vorgänge an der Universität am 1. und 8. d. und stellt fest, daß diese Kundgebungen ohne Teil« nähme und Wissen der studentischen Führer erfolgt sind. Die Studentenschaft kann jedoch auch die vom Rektor ge» troffenen Maßnahmen nicht als geeignet ansehen, um die Ruhe und Ordnung auf akademischem Boden auf* rechtzuerhalten. « Was ist da an der Universität vorgegangen.? Nichts anderes als der Nachweis, daß der Rektor nicht mehr der .Herr in der ihm anvertrauten Anstalt ist. Er ist nach Berlin gefahren und in seiner Afi wesenhei t ist die Relegierung abgeschwächt' r id eine Untersuchung gegen zwei' jüdische Stüderiten eingeleitet worden. Die Bomipipmfr^ge. Eine kommunistische-Version. ' Die Moskauer „Komsomolskajä Prawda" 'befaßt sich m' dem Siege' - der' Arbeiterpartei in England'- und. den ■ Vermejntliohen Zielen der neuen. Ärb'eiterregierurig und meint, daß nun der Elan von Kenworthy und Wedgwood, diesen einflußreichen* Mitgliedern 5 der-v LabjQur Tarty,;P a l ä s t i-n;a in : ein ...s i ebente sb.-.r i.ti sehe s; Dominion^ u m z u w a n,d e^l n,^-, d e r :<< V^e $,\y i x;k* lichung n.ä hergerückt, sei. Palästina als., britisches Dominion, heißt es dann weiter, werde im Nahen. Osten ein A u s f a 11 s t o r. 'gegen! die ..'So w je tu n i o n bilden. Aegypten und der Irak' seien schon jetzt' zu einer Luftflottenbasis ausgestaltet, s' nun werde Palästina zu einem militärischen Reservoir ausgestaltet werden. „Die jüdische Bourgeoisie werde weiter die Rolle .eines Agenten des englischen Imperialismus : im Kampfe gegen die Araber, die wirklichen Herren Palästinas, spielen;" ' Ornaten und Mänteln, den Weihrauchkessel schwingend, ihrem entseelten Körper einst, den letzen Segen erteilen werden, übermannt oft viele Ueberläufer.. Und der , alte jüdische Witz, .in dem der Rabbiner, seiner, dem Juden« tum wenig anhänglichen Gemeinde zuruft: „Aber auf dem jüdischen Friedhof begraben' werden, das möcht' euch passen 1" hat. einen tiefen Sinn. Keine jähe Anwandlung mystischer Religiosität ist hier im Spiele,'es ist vielmehr das Gefühl der Entwurzeltheit, die Abneigung gegen das Fremde, das einen an Stelle des: Eigenen stets umgibt und bis inden Tod hinein ver»' folgt. Es ist das Bewußtsein der großen. Kluft, die einen selbst im Tode von den Seinigen trennen wird. So kom* men die seltsamsten Testamente zustande und so mancher, der das letzte Stündlein heranschlagen hört, versucht es, wieder heimzufinden, um auf dem jüdischen Friedhof begraben zu werden. So k.am es auch, daß Seine, Exzellenz der kaiserlich königliche Minister a. D. Doktor. Josef Ungcr, Präsident des Reichsgerichtes, auf die geweihte Erde Verzicht leistete und sich in der Familien« gruft seiner Frau auf der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes zu seinen Vätern ve** sammelte. Allein der über achtzig Jahre alte Vämbery hatte nicht mehr die Kraft, „auszuwandern", sich von seiner Umgebung, loszureißen. Er blieb und so kam der kalvi* nische Geistliche zu seinem Rechte. Im Zeichen des Kreuzes ging das letzte Geleite vor sich und geweihte Erde nahm seine irdische Hülfe auf. . So ging Armin Vämbery von dannen. Im Leben glich er. den Marranen, war er doch gleich diesen seines Ursprunges bewußt und, an ihm festhaltend, bestrebt, seinem Volke behilflich zu sein. Er ging ihm bei der Eroberung der alten Heimat an die Hand, wiewohl?v sich vom Volke losgerissen hatte. Und er glich den Marranen auch im Tode. Er trug eine jüdische Seele im Herzen, wenn auch freilich die eisernen Krallen der Diaspora sie zerfleischt! hatten. Diese Seele war zwitterhaft, voller Widersprüche, eine Marranenseele. Verbundene und Verbündete —y. Da ist also ein neues Kapitel der Zeitgeschichte entstanden. Es hat alles an sich, was in diese Zeit paßt: es ist bösartig, ironisch, hysterisch und für jeden, der außerhalb dieses Staates lebt, eigentlich unverständlich. Obzwar es auch innerhalb des Staates nicht richtig verstanden wird. Am wenigsten von den Juden, die's angeht. Das Kapitel nämlich von der Heimwehr und den Juden. Die „Arbeiter-Zeitung" veröffentlicht ein Dokument... Aber reden wir erst später davon. Zunächst hübsch chronologisch die Vorgeschichte: Die Heimwehr — das ist eine Organisation, die zum Kampf gegen den Terror bestimmt ist und aus den Resten der Escherich- und Konsul-Gesellschaft enstanden ist — machte im Februar einen Aufmarsch. Die Spitzengruppe bestand aus Studenten und sie schrie demgemäß stundenlang: „Nieder mit den Juden!" In alpenländischem und norddeutschem Idiom. Dies ging den Juden . . . Halt! Da ist notwendig, zu sagen, daß die Heimwehr, die gegen den Terror, und zwar gegen den Terror der Marxisten, unter denen sie Juden, und zwar die Juden versteht (soweit da von einem Verständnis überhaupt die Rede sein kann), die Heimwehr also hat auch jüdische Förderer, natürlich reiche jüdische Förderer. Diesen Juden nun ging das Geschrei auf die Nerven und sie ließen bescheiden und vorsichtig durch eine den Heimwehren befreundete „Judenzeitung" aftifragen, ob denn, und wie überhaupt. Der Herr S t e i d 1 e, Bundesrat in Oesterreich — Bundesrat ist so eine Art Herrenhaus — und Bundesführer in der Heimwehr, schrieb der Zeitung, daß die Heimwehr als solche Gott behüte HBITJ -SAJLBl .___hZÄPFGIEtt tmui^^örai^ HÄlMALAN nichts, gegen die Herr eh Ist seilten hat. Sie ist nur gegen die Juden, gegen die nämlich aus dem Osten, die den freigeborenen deutschen Bauern die Demokratie beibringen wollen: Die Unterscheidung gefiel dem Herrn Pfrimer nicht; Der ist auch Bundesführer und in 'einer-Rede-in- Villach sagte er gerade heraus: . W i r . s i n d ... r.a.s s e.n an. ti.s e m i t i s c h. Das ging den Juden ^,n|here?§ siehe oben — wieder <ä;uf die Nerven &ij<|< *fi]%|t%?||n Iifdustrieilenver- }bänd, der die Gelder für die Arititerroristen besorgt,!$b denn und wie ül5erhaupt^^.i^|i^^^gifrite«:§^h gesagter Herr Krimer^^^ic^^pttzf'a%^' doch!' 1 fir 'sagte, er habeltias Vn^^is*Anfc^Srliäiif iieine Anfrage jgesagtyAber; eS ^re^o^h falsch, wo man doch von ■den Herren I^raeliterf'-Getd kriegt, sie vor den Kopf 'stoßen zu wollen. .Die,JHenn-e, .die die goldenen Eier legt, darf man nicht s^jlacjiien^ ÄUerdiögs,.'wenn sie ■aufhöft,;zu'legen} dä^:e1^ ohne Kopf im Suppentopf. Wie man da sieht, hat sich der Herr Pfrimer wirklich nicht strapaziert. Aber er ist — im Abruzzensinn — ehrlich. Solang ihr zahlt, habt ihr Schonzeit, Ihr, aber nur für-euch allein. Jetzt ist es Zeit; von' dem Dokument der „Arbeiter-Zeitung" zu sprechen. Die „Arbeiter-Zeitung" nimmt die schöne Gelegenheit wahr, nach Juden zu fischen. Sie läßt sich sonst nicht auf Jüdenschutz ein. 'Juden sind Personen israelitscher Abstammung, die das Recht und die Pflicht haben, am Wahltag sozialdemokratisch zu stimmen. Ansonsten haben sie Steuern zu zahlen, die phrygische Mütze zu grüßen und das Maul zu halten. Werden sie beleidigt, nun so ist das ihre Sache,. und wenn die Menschenverbrüderung gelingt, so wird einmal eine Zeit kommen, in welcher... auch die Juden sozusagen, wenn*man's bei Licht betrachtet, unter Umständen gewissermaßen auch als Menschen anerkannt werden. Bis dahin —; ja warum sind sie so hartnäckig, auch ein Recht zu. verlangen. Sie sind Leibeigene der Sozialdemokratie österreichischer Observanz. Nun aber sind Juden da,, die mit den Heimwehren kokettieren, andere Juden, deren Geld für die Heimwehren eskamotiert wird. Schreit die „Arbeiter-Zeitung", die das Monopol auf die,Juden gefährdet sieht: „Aber das sind doch Antisemiten!" Und, sie produziert Dokumente. Da ist eines, aus dem hervorgeht, daß die „Dötz" — das ist das ewig geldbedtirftige Tagesjournal der Hakenkreuzler — ebenfalls- Judengeld kriegt. (Es ist da ein lustiger jüdischer Witz von dem goldenen Schwein, dem jede^em Haar ausreißt.) Nun, der „Dötz" ist es herzlich gleichgültig, woher sie Geld 1 Verband demokratischer Zionisten | S mm^m^mmmmmmmmmmm~—*—**~-mi~^»«"^otwm^wm. g | Montag, den 24. Juni, halb 9 Uhr abends in den j Sälen des Hotel de France, I., Schottenring 3 s § Große WählerversammSung 1 § Tagesordnung: Der XVI. Zlonlatonkonarett In I 1 Zürich. 1 I Referenten: Die Kandidat«« Oberbau rat Robert 1 Stricker» Dr. Israel Weidmann, | 1 IPP I'chdk eliahler, erscheinet! "3*8 | IlllllllilllllllllillillillililllililllilllllllllllllUlllW m Tel. 11-54|8 IlfiO Streng Orth. "Kjft Restaurant STERN Baden bei Wien Antonsgasse 13 — Franzensrtng 34 | f VCn zu Mittag auch Menü, Suppe, Braten, Qemüse, f Vtft f i 1 UU Mehlspeise. — Anerkannt beste jüdische Küche, i 1 JU | i schönster schattiger Garten Badens, kulanteste Bedienung, zivile i Preise. Hochzeiten und Diners werden in herrlichen Lokalitäten | I bestens und billigst ausgeführt niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin bezieht, wenn es nur einläuft. Da ist aber ein anderes Dokument, und das ist interessanter. Es ist ein Brief des steirischen Landesleiters Rittmeister Peter- Leiningen an einen Wiener Freund, und wir setzen diese Aeußerungen einer schönen Seele her: Graz, am 30. Jänner 1929. Hoohwohlgeboreai Herrn Obersten Wilhelm Hladiilk Wien. XiIX., Langackerigasse Nr. 15. : Lielber Freiwild! Deine Bemerikiungen >ülber die' Juden sind vollkommen richtig 'Und. unter schreibe idhglatt. Ich ihabe zwar in der ..Heimatsclhutezeitiung" verschiedene Artikel geschrieben, welche -glatt gegen die Jude« gerichtet sind., doch darfst Du nicht vergessen, daß wi.r d ie Un t er s t iita« ng von den semitischen Firmen schwerlich erhalten könnten, wenn sie nicht ent-spr eclbendie Aingist vor dem Heim atschottz hätten. Und diese Angst muß durch entsprechende Artikel a k oi t gehalten werden, diemm wenn sie sicher sind, dann 'gehen sie uns nichts metor. Dein ganz ergebener Peter-Leiwingen,N Der Brief besagt: Der ganze Antisemitismus ist ja ein Blödsinn, aber zu Erpressungen ist er trefflich zu gebrauchen. Wie gut kennen doch diese Heimwehrkämpfer die Psyche dieser jüdischen Oberschicht, die immer zahlt. Wenn sie gelobt wird, zahlt sie, wenn gegen sie gehetzt wird, zahlt sie. Im letzteren Fall wahrscheinlich mehr und rascher. Sie lebt in einer ewigen Angst, verfolgt nervös jede Aeußerung, zuckt zusammen, wenn man das Wort „Jude" ausspricht und fällt in ihrer seelischen Unfreiheit jedem Flibustier zum Opfer. Wobei die Angehörigen dieser Schicht ganz genau wissen, wie der Stecken schwimmt. Die Heimwehren sind das koordinierte Organ des deutschen Stahlhelms, der militärischen Sturmtru'ppe der deutschnationalen Hugenberg- Partei, die sich mit den Hitler-Pogromisten verbündet hat. In Oesterreich marschieren an der Spitze der Heimwehren die Hakenkreuzstudenten als akademische Legion,'die von Zeit zu Zeit ihren Tatendurst an jüdischen Universitätshörern austoben. Die letzten Aulakrawalle haben sogar die Langmut des Rektors herausgefordert, der drei Krakeeler hat suspendieren lassen. Es bleiben aber für die* Zukunft .noch genug andere, Kameraden übrig, die in ihrem jugendlichen. Elan vielleicht noch nicht wissen, daß sie sich eigentlich nur für die Ideen des Pfrimer, Peter-Leiningen und anderer Reisläufer in Gefahr begeben und das Mittel sind, der Henne einige Eier abzupressen, sei es für die „Dötz", sei es für die Bewaffnung der Heimwehren. Denn um Waffen geht es ja in der Hauptsache. Das wissen alle und alle sehen jetzt, wo Briand dies alles festgestellt hat,< in entrüsteter Verwunderung auf: „Mama, was ist ein Leutnant?'4 Sie streiten manchmal um die Ziele. Einige sind Republikaner, einige Faschisten, einige Monarchisten; die einen sind protestantisch, die anderen. katholisch orientiert. Verbunden sind sie durch den Judenhaß. Sie stehen in Fühlung mit den russischen Weißgardisten, mit den Ebredös in Ungarn, mit den Cuzisten in Rumänien, mit den antisemitischen Neutürken, mit den weißen Rittern in England, mit dem Ku-Klux-Klan Amerikas, mit allen Richtungen,, in deren Programm der Judenmord Wesen und Ziel ist. Und bei allen diesen Strömungen gibt es schlaue Köpfe, die den Lärm dirigieren, wenn ein reicher Israelit geschröpft werden kann, der in der Angst seines Herzens Sinn und Haltung verloren hat. Er bezahlt den Pogrom. Und da entsteht die Pflicht, auch die Stellung dieser jüdischen Oberschicht, dieser korrupten, ehrvergessenen Gesellschaft, innerhalb des Judentums anzugehen. Würden sich diese Personen öffentlich, formell und faktisch vom Judentum lossagen, so wären sie für uns keine Frage mehr. Aber sie tun das nicht und darum sind sie eine unerträgliche Belastung, eine permanente Gefahr für die ganze jüdische Gemeinschaft. Es gibt ihrer zwei Sorten: mißvergnügte Intellektuelle, die sich von der sozialen Entwicklung in das Linkslager treiben lassen, und Geldmenschen, die zu den offenen Erpressern rennen. Beide maßen sich den Anspruch darauf an. im Namen der Juden zu sprechen und zu handeln. Sie verlegen dem jüdischen Volk, der braven, arbeitsamen und friedlichen Masse den Weg zur Freiheit. Sie maßen sich an, in der jüdischen Gemeinde zu regieren, sie schieben sich in fremde Lager, wollen aber im eigenen ihre Geltung um die Macht nicht aufgeben. Damit aber fällt in den Augen der Außenwelt.ihre Verantwortlichkeit auf die jüdische Gemeinschaft, Es ensteht dann die Meinung, daß „d i e J u 4 e n" radikälpolltisch sind,daß sie die Revolution oder dieReäktion anströben, daß sie ein gemeinsam und einheitlich solidarisch haftbarer Organismus sind. Wenn ihnen jüdische Wähler Mandate erteilen und ihnen so ihr Vertrauen aussprechen, dann fällt alles, was sie £un