Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 91 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 91 DIE NEUE WELT Seite 5 Das Programm« Die Weltkonferenz der Vereinigung radikaler Zionisten stellt nachfolgend die programmatischen Grundsätze fest, die den Inhalt der Bestrebungen und der Tätigkeit der radikalen Zionisten bilden. Diese Grundsätze sind nach Auffassung der Konferenz die Grundsätze des wahren Zionismus. Sie zum Gemciiigute aller Zionisten zu machen, ist die zentrale Aufgabe der Vereinigung radikaler Zionisten. I. Das Endziel des Zionismus ist die nationale Wiederaufrichtung und Befreiung des jüdischen Volkes, welche ihren Ausdruck in der Umgestaltung des jüdischen Lebens auf nationaler Grundlage finden in dem Kampfe um die nationalen Rechte in der Diaspora und ihre Vollendung in der Errichtung des Judenstaates in Palästina. Die Mittel zur Erreichung dieses Zieles sind: IL der Aufbau des jüdischen Palästina durch Svbaffung einer jüdischen Majorität auf der Basis folgender Grundsätze: Nationale Kolonisation, möglichst auf nationalem Boden (Nationalfondsbodcn). Jüdische Sclbstarbcit, Freiheit der Siedler in der Wahl der Sicdlungsform, bei voller Gleichberechtigung aller Klassen und Gruppen. Förderung gesunder privater Initiative, Erneuerung der jüdischen Kultur auf Basis der hebräischen Sprache. III. Anerkennung der nationalen, kultu r e 11 e n und ökonomischen Gegenwerts arbeit im Galuth als integralem Bestandteil der zionistischen Arbeit; Wiedereinbeziehung dieser Tätig keitsgebiete in die konkrete Arbeit der Organisation und Schaffung entsprechender zionistischer Ressorts innerhalb der Zionistischen Exekutive. Fortführung des inner jüdischen Kampfes um die Nationalisierung des jüdischen Volkes und Demokratisierung aller Gebiete des jüdischen Lebens. Notwendigkeit einer zielbewußten Erziehungsarbeit innerhalb der jüdischen Jugend, die sie zum Träger der jüdischnationalen und zionistischen Arbeit im Galuth heranbilden soll, unter Voranstellung des chaluzischen Gedankens und der Vorbereitung für Palästina. IV. Durchsetzung einer Politik der aktiven Förderung des jüdischen Aufbauwerkes durch die Mandutarmacht und den Völkerbund.! V. Wiederaufbau der Zionistischen Organisation, der allein legitimen Trägerin djes nationalen Freiheitskampfes, * Politische Resolution: „Die Konferenz stellt fest, daß die palästinensische Administration die im Mandate gewährleisteten Rechte des jüdischen Volkes auch weitet hin mißachtet. Die Politik der palästinensischen Verwaltung, wie sie in der Klagemauer-Affäre, in der schikanösen Behinderung der Einwanderung, in der Nichtbeschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten und auf vielen anderen Gebieten der administrativen Praxis zum Ausdruck kommt, bedeutet eine fortgesetzte Erschwerung des Aufbaues der nationalen Heimstätte, statt der aktiven Förderung des Aufbauwerkes, zu welcher die Mandatsregierung auf Grund des Mandates v e r p f 1 i c h t e t ist. Die Konferenz stellt fest, daß diese von der gesamten palästinensischen Judenheit als ungerecht und drückend empfundenen Zustände zum großen Teil auf den Mangel einer systematischen, zähen und aktiven politischen Tätigkeit seitens der Zionistischen Exekutive zurückzuführen sind." * Die Konferenz beschloß, das Zentralbüro des Weltverbandes nach Wieu zu verlegen. Zu Leitern des Zentralbüros wurden Dr. Leopold Plaschkes, Ing. Robert Stricker Und Dr. David Taubes bestimmt. Zu Führern der Weltwahlliste für den Kongreß? Grünbaum, Stricker, Soloweitsciick und Goldmann. Die Zusammensetzung des Zentralvorstandes erfolgt durch die Länder. Seine Zusammmensetzung wird demnächst bekanntgegeben werden. Der amerikanisch-jüdische Kongreß. Zusammenarbeit mit dem amerikanisch-jüdischen Komitee. Aus New York meldet man uns: Der leitende Ausschuß des amerikanisch-jüdisdien Kongresses unterninipit Schritte, um mit dem unter Leitung Louis Marshall v stehenden Komitee eine Arbeitsgemeinschaft in der Verteidigung der jüdischen Rechte im In- und Ausland herbeizuführen. Es wird zunächst die Frage geprüft, ob twenn alle anderen Mittel versagen ■— eine öffentliche politische Aktion gegen die Verfolgung des jüdischen Glaubens, der hebräischen Sprache und des Zionismus in Rußland durch die „Jewsekzia4' und die Sowjetbehörden einzuleiten sei. Eine weiter« Kommission wurde eingesetzt zur Untersuchung von Fällen jüdischer Rechtsungleichheit in den Vereinigten Staaten auf akademischem Boden und auf wirtschaftlichem Gebiete. Grand-Hotel Bellevue Vöslau tiiiiiiiiitiliftfiiiiiiiitifiritttiiiiitffiitiiiiiitiiiiifiiitfiiiiiiiiiiiiffiiiiiififfittiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiii Angenehmster Sommeraul enthalt in 4er nächsten Nähe Wiens Irstklessiges Etablissement! Bürgerliche Preise! Zionismus und die angelsächsische Demokratie. Von J. C. Wedgwood. Qe^cbiplsielor Jür R«bb. Dr. S. Funk. Am 19. Juni (11. Sivan). um 7 Uqr abends, findet im Tempel II.. Pazmanitengasse 6, eine Gedächtnisfeier anläßlich des ersten Jahrzeittages des Herrn Rabbiners Dr. Salome» Funk st»tj. Auf einen Aufsatz Dr. Oh. Arlosoroffs im New Yorker „The New Palestine", der den Vorschlag des Colond Wedigwood bcizüglioh der Umtwandilung eine« jüdischen Palästina in ein Dominion kritisch ablehnte,' .anrtwor,fiet dieser in seiner gewöhn* tempera-; mentu. humorvollen Weise. J. C. Wedgwood, einer der Führer der britischen LabomvPar.ty, zählt beka.nn.tuch-zu den wärmsten und aktivsten Freunden des Zionismus. Wenn wir audh den Ansiahlten Wed'gwoods über die zukünftige staatsreohMiche Gestaltung des jüdischen Palästina nicht beistimmen können, so fühlen wiir uns dennoch veranlaßt, diese Antwort ihrer weltpolitischen Ausblicke wegen zu reprodiuiziferen. Es ist ivur natürlich, diaß es eine umfangreiche, sich' „in den Schwamz beißende" offizielle 'Kritik über die Idee, das Buch und; die Liga für das Siebente Dominion gibt. Aber Dr. Arlo.so.roff ist der erste, der das, was man eine offizielle zionistische Ansicht nennen kann, mit Klarheit und Freimut zum Ausdruck bringt, wofür ihm Dank und Antwort gebührt. Zunächst glaubt er, es sei zu {ruh. Und. dann erwägt er die Vorteile, um sie vom jüdischen. Gesichtswinkel aais zurückzuziehen. Ich glaube nicht, daß es für mich zu früh sei, eine solche Politik ins Leben zu setzen und sie zu .befürworten. Dr. Arlosoroff sagt mit einiger . Wahrheit, daß die, englische Presse die Doniinionidee „als einen Traum, bar aller Realität" behandle. Aber warum ist dem so? Und was ist es, das sie als Traum behandelt?. Warum? Weil die englische Presse und die, Oeffentlichkeit der Ansicht sind,., .daß Palästina 'irgendwie „unser" , ist für alle Zeiten! -^Indien, Cyperu, Aegypten" führen sie;6ie'beV.'; an;)^»^gtanid'.-.-setzt -;nfe; seinen. Fuß auf eine morsche Brücke?,'?: sagen -sie und bedienen 3 Worte : sich noch aller anderen Gliches. Das isit verständlich. Ach, was sie als Traum .behandeln, das ist die Möglichkeit, die Juden ernst zu nehmen — als unsere Freunde, unsere Verbündeten, unsere Pioniene. Wir 'haben, was wir wünschen., ohne düe Juden, so scheinen sie zu sagen. Daß die Juden uns helfen können, das sehen 'sie als Tnauim an. Es ist also sicherlich nicht verfrüht für einen (Engländer, diese Art.des Denkens zu zerstören. Aber auch die Juden sprechen nun davon und auch hier gilt das als verfrüht. Man sagt uns, sie mögen d&zu»- schauen, ihre Miilchwirts'chiafit rentable! 'zu machen und; das Denken den Autoritäten zu überlassen. Ich habe ein gewisses 'komisches. Vergnügen^ den Juiden, die. uns vor 3000 Jahren die Augen geöffnet haben, zu erzählen, daß es ni'e verfrüht ist, den Leuten die Auigen zai öffnen. Die alten PriesteTkasten waren schlinim genug;' nehmt nicht ein neues Priester tum an, selbst wenn es von Greät Russe! Street (Sita der Zion. Exekutive in1 London. Anm. d. Red.) kömmt. Es ist auch nicht verfrüht, freundschaftliche; Beziehungen zwischen zwei Völkern anzubahnen. Wenn ich gesagt hätte, daß alles schön sei dm Garten, und so gelogen, hätte das der Freundschaft gedient? Die Juden hätten gewußt, daß ich gelogen habe und die britischen Offiziellen hätten keine Aenderung eintreten lassen. Jedenfalls beginnt eitie. Aenderung und: die Juden der ganzen Weif wissen, daß wenigstens einige Engländer ilhre Freunde sind. Sie haben die Freundschaft erwidert und sie umso leichter auf •mein Land: ausgedehnt. Nein, ich könnte nicht warten. Je rascher die Ideen wie die meinen unter den Eng^län'd'ern verbreitet werden können, umso besser für die Juden. Ich hätte das, was schlecht ist, angreifen können, ohne die Idee dejj ,5ieben'ten Dominion herauszustellen. Würde das dem D?vArlosoroff mehr gefreut haben? Würde das irgendeinen Nutzen für die Juden bedeuten? Oder würde das der Wirte llühkeit entsprechen? Nimmt'jemand-wirklich an, djäß Palästina nicht auf dem Weg ist, ein englisches Dominion zq werden? Ich habe in der Tat Juden, die außerhalb Englands erlogen und von praktischer Politik weit entfernt sind, mit dem Gedanken hasardieren gehört, England könnte das Mandat Italien überantworten oder das Land au Faisul und an eine arabische „Föderation" in die Hände geben. Derartiges wird eine englische Regierung nicht tun. Dr. Arlosoroff äußert die Ansicht, daß die Juden Rußlands und Amerikas, da Juden überall und .in allen Staatsverbänden leben, durch ihre Anlehnung an England «w! besondere Ewuadscbaft jnat uns unter dieser Kojistefla-, tion leiden würden. Er denkt hiebe! auch an die Juiden in Rumänien, Ungarin und Polen, ich fürchte, auch an die in Deutschland, Frankreich und Italien. Aber ich stelle ihm die Frage, ob sie mehr leiden werden als jetizt. Ich habe darauf nicht zu antworten. Die Juden der Diaspora allein können das tun. Ich denke, die Frage bezüglich Rußlands kommt zu spät, denn dort ist der Zionismus bereits als pro englisch registriert. Auc/h in den anderen Os-tstaaten würden die Juden, glaubt Arlosoroff, durch eine Verbindung mit England die Nachteile, nicht aber etwaige Vorteile genießen. „Sicherlich auch in anderen Ländern." Ist das Deutschland? Es wird mir berichtet, daß man über die Dominionidee in Berlin diskutierte und Herr Oskar Wassermann mit einem „Und wenn auch" schloß. Ich hatte keinerlei Begegnung mit Herrn Wassermann, aber ich glaube, er und ich und Deutschland würden einander verstehen. Italien und Frankreich würden mehr antibritisch sein, aber Italien ist bereits autizionistisoh und durch die neue Alliance zwischen Mussolini und dem Raipst ist eine Verschärfung dieser Tendenz möglich. Der Doktor geht nun zu Amerika über., wobei er die Möglichkeit eines britisch-amerikanischen Konfliktes Ins Kalkül zieht. Ich muß ihm freimütig sagen, daß er bei besserier Kenntnis Englands wissen wiüridc, ein solcher Konflikt sei unmöglich. Ich weiß nicht, wie Fremden das klarmachen. Es wäre ungefähr wie ein Krieg Englands mit Australien und Schottland, ein Bürgerkrieg, daran auch nur zu denken, der englischen Mentalität widersipric'ht. Amerika stellt für England keine freunde Macht dar: auf einer Front von 3000 Meilen (Kanada—Amerika) gibt es keine Festung, keine Armee, kein Gewehr. Nach dem großen Krieg wissen wir, daß wir an einem Konflikt mit Amerika geschlagen würden. Kein vernünftiger Mensch hegt diesbezüglich' Illusionen, kein Fremder scheint verstehen zu können, wieviele und wievieilerlei Fäden England mit Amerika verknüpfen. Wenn wir unserie Arbeit in Palästina mit vollem Glauben vorrichten, wird das Judentum, loyal gegenüber Amerika und: .freundschaftlich--gegenüber England, noch zur Verstärkung der angelsächsisch denkenden Demokratie beitragen. Viscount Plumer. Feldmarschall Lord Plumer, der frühere Oberkonimissar für Palästina, wurde aus Anlaß des 64. Geburtstages des Königs von England zum Viscount erhoben. Lord Plumer ist im März d. J, 72 Jahre alt geworden. Aus Anlaß des Geburtstages des Königs erhielten mehrere Beamte der Palästina-Regierung Auszeichnungen; unter den Ausgezeichneten. is:t kein Jude. Der Zionismus als englische Wahlparole. Von M. Ussischkin. In den letzten, sehr scharf geführten . englischen Wahlkämpfen hat der Zionismus und die Stellung Großbritanniens zum Palästinaproblem keinerlei Rolle gespielt. Daß es bei den vorangegangenen Wahlen in England in den letzten Jahren nicht so war, wird im Rahmen einer in „Doar Hajom" erscheinenden Artikelserie des Präsidenten des jüdischen Nationalfonds und bekannten politischen Publizisten M. Ussischkin dargelegt. Er schreibt hierüber: Ende Oktober 1922 war das längst erwartete Ereignis eingetreten. Die Partei der Konservativen kündigte die Koalition, das Kabinett Lloyd George demissionierte* und der Führer der Konservativen, Bonar Law, bildete eine neue Regierung. Der extreme Flügel der konservativen Partei war in der Regierung stark vertreten, während die gemäßigte Richtung fast unvertreten war. Der größte Teil der Zionistenfj-eunde in der vorangegangenen Regierung, Lloyd George, Balfour, Birkenhead, Churchill und »andere schieden aus der Regierung aus, und an ihrer Stelle waren die extremsten Gegner des Zionismus, wie . Johnson-Hicks, Mac Neil und andere getreten. Diese Tatsache machte den Zionisten hinsichtlich der künftigen Politik der britischen Regierung schwere Sorgen, während die Gegner des Zionismus hieraus bereits große Hoffnungen schöpften. Aber ein Ereignis wirkte 'als ernüchternde Warnung an alle, die da glauben mochten, daß die britische Außen- und Kolonialpolitik so leichthin von Regierung zu Regierung eine Aenderung erfahren könnte. An die Spitze des Kolonien ministeriums, in dessen Bereich auch die palästinensischen Angelegenheiten gehören, wurde der Duke of Devonshire, das Haupt einer der angesehensten Adelsfamilien Englands, gestellt, ein Mann, der auf sehr wichtigen verantwortungsvollen Posten, so als Generalgouverneur von Kanada, tätig war, aber am politischen Leben Englands keinen .aktiven. Anteil »ahm. i