Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 91 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711707--1200-2714399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ES f Seite 4 rr nmmtmmir Nachdem dieses Commimique von der Presse veröffentlicht war, erschienen Extraausgaben des Hetz- Mattes „Lwowski Knrjer Poranny" und anderer antisemitischer Zeitungen, die eine Kundgebung des Episkopats, gezeichnet von den Erzbischöfen Twardowski, Teodorowicz «nd Lissowski, enthielt, in welcher die Mitteilung des Wojwbden als unrichtig hingestellt und gesagt wird, Erzbisehof Lissowski habe die ihm in den Mund gelegten Worte nicht gebraucht. In der Kundgebung heißt es welter: „Um jeden Zweifel über die Stellung des Episkopats zu den außerordentlich bedauerlichen Geschehnissen zu beseitigen, erklären wir, daß wir einig sind in der Verurteilung dieser zum ersten Male in Polen vorgekommenen Störung und Verhöhnung einer Prozession unserer Religion. Wir sind überzeugt, daß wenn man die Schuldigen sofort zur strengsten Verantwortung gezogen hätte, es zu nachfolgenden bedauerswerten Unruhen nicht gekommen wäre; die beleidigten religiösen Gefühle hätten ihre Genugtuung gehabt." Weitere Ausschreitungen. Aus Warschau, 11. Juni, wird uns gemeldet: Die judenfeindlichen Unruhen und der StudentenstreiK in Lemberg dauerten auch gestern an. Die Bewegung hat auf Warschau übergegriffen, wo gestern ein Regierungsblatt von einer Studentengruppe gestürmt wurde, die sämtliche Fensterscheiben einschlug und auch andere Verwüstungen vollführte, bis die Polizei die Rädelsführer verhaftete. Im ostgälizisdien Dorfe Sulacziki begannen gestern ukrainische Studenten jüdische sowie andere Läden zu überfallen und zu plündern. Es kam auch dort zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen ein Ukrainer getötet, zehn verletzt und sechzehn verhaftet wurden. Die polnische Telegraphenagentur meldet: Einige Hochschüler-Organisationen in Posen hatten für den 8. d. eine Versammlung in das Kollegium Medicum wegen der Lemberger Geschehnisse einberufen. Da die Versammlung auch für Nichthörer zugänglichsein sollte und somit den Charakter einer Öffentlichen Versammlung gehabt hätte, hat. das Rektorat .die Zustimmung zur .Abhaltung dieser Versammlung .auf dem Boden der Universität versagt. Die Höchschüler veranstalteten hierauf eine Versammlung vor -dem akademischen Hause. Ein Teil der Teilnehmer begab^ sich na<?h .;der Versammlung in die Gassen* wo sich jüdische' Geschäfte befinden und begann zu demon-, strieren. Dabei wurden seitens der Demonstranten, an die sich auch andere angeschlossen hatten, Steine in die Scheiben der jüdischen Lädten und der Synagoge geschleudert. In diesem Momente begann die Polizei zu intervenieren, sie sperrte die Straßen ab und zerstreute die Demonstranten nach verschiedenen Punkten der Stadt.'Die Polizei verhaftete 37 Demonstranten, hauptsächlich wegen Ungehorsam gegenüber den Anordnungen der Polizei. Ruhe in Lemberg. Aus Lemberg, 12. d., wird uns gemeldet: Es ist endlich wieder Rühe eingetreten. Der Unterrichi am jüdischen Gymnasium ist wieder aufgenommen worden. Nr . 01 t«i. U-&I8 Streng Orth; Restaurant STERN Baden bei Wien AfitOtt«gaa«e 13 — Franzenarlrtg 34 SVtft 2u Mittag auch Menfl, Suppe, Braten, QemUse, t 1'Cfl. £ JU Mehlspeise. — Anerkannt beste jüdische Küche, J l JU schönster schattiger Garten Badens* kulanteste Bedienung, zivile Preise. Hochzeiten und Diners werden in herrlichen Lokalitäten bestens und billigst ausgeführt. Verband der; Zlewlsten-Revlsloitlsten. Mofitasr, den 17. d., m 8 Uhr abends, im Caf6 Metropol. IX., Bertegasse 33, Wählerversammtühg. Redner: M. Gonrawy, Dr. M. Hdffmann, Df.'M. Landau. Dtonners» t a g, den 20. d.,- om 8 Utaabends, im Caf6 National, IT., TäborstraBr 18 Wählerversammlunc. Redner: Dr. N. Hoflmann, Dr. Weiowinskl, M. Gourawy, Dr. M. Landau. —' Zentralbüro des Verbandes der Z. R. (für die KongxeGwahlen) befindet sfeh fm Cafe" Metropol, IX., Berugasse 33. Amtssttinden täelich. mit Ausnahme vbn Freitag, von 8 bis 10 Uhr abends. Alle Revisionisten werden aufgefordert, dort vorzusprechen. — Klub der vereinigten Zionisten-Revislonisten. Dienstag, den 18. d., um 8 Uhr abends, im Cafö Metropol, IX., Berggasse 33, Klubversammlung, —n iiinniiiiif.....mün—iminn > i i^Mli—mw iirtfciw i—mm in ""' Die erste Weltkonferenz radikaler Zionisten. Aufstellung eines Programmes. — Eintritt in die erweiterte Jewish Agency. — Verlegung des Zentralbureau nach Wien. Unter überaus reger Anteilnahme der jüdischen Bevölkerung wurde am ia und 11. Juni die erste Weltkonferenz der radikalen Zionisten in Warscliau abgehalten. Die Verhandlungen fanden .vor diditgefülltem Saale satt. Die Referate von G r ü n b a u m, S o 1 o w e i tschik, Stricker,'Nalrün Gold mann und Doktor Mirjam Scheuer und die Debatte fesselten das Publikum bis in die Morgenstundeh. Das anläßlich der Konferenz veranstaltete Massenmeeting, auf welchem außer den erwähnten Referenten auch' Drv' K I u m e 1 (Warschau) und Advokat Schechter (Galatz) sprachen, nahm einen imponierenden Verlauf.' Die Konferenz, auf weldier die Länder Ko ngresspol'en, Oesterreich, Deutschland, die Ts che ebb s 1 d w ä k e i, Ä11 r u m ä n I e n, B u k öw i n a und Ost g a 1 i z i e n durch i20 Delegierte vertreten waren, bedeutet ''-eine entscheidende Wendung in der radikalzionistischen Bewegung und damit auch in der zionistischen Gesamtorganisation.' Nachdem der Kampf gegen die Erweiterung der Jewish Agency auf dem kommenden Zionistenkongreß durch Ratifizierung der Erweiterung sein Ende finden wird, eröffnet sich der radikal-zionistischen Vereinigung ein neues, großes Arbeitsfeld. Neben dem Kampfe für Demokratie UBior bSALBl ____wmatWi \m^vs^(ammjwm^simom^ MAI MAL AN ünd nationale FoTd^njfg^fi^pä äe$* erweiterten Agency vör allem-S a m m 1 u n g aller Zionisten um das Programm und die Fahne , des^4älien,(^^h^ Änismus. Ji- -r^. -rr K^lSt^lfc JKK* »1^»» :VTT'/ er, m omsmus. Die Konferenl^^^i^^c^faiig^r, bewegter De- 'fätte^;. ^e^^'-^^l^^l^l^mehrerer Delegierter aus Poletf und Rumänien den Eintritt in die er- ^e^te'r t e Ä g:e*^^ij^^e#^Min1ß;e i-n s t<i m«mig die Leitsätze des. jziopis^^ an,.; welches \ von der ös'tWipMehiSc^n'^radi .-„„.,.,.... Jgy^J?.?.wai\viiv döir ö'sterrfeichi&n^ Gruppe," dein fziönistiscfidemokratischen Verbände österreidiischer Zionisten, vorgelegt und im Referat S tri ck e r begründet worden war. Dieses .Programm.;lis,t .nicht .das. Programm einer Fr akti'on? es:... ist. 4as ^vielfach vergessene und auch vbn leitender Stelle aus. unterdrückte a 11e, reine zio n i s t i s c h e TP r o g r a,m,m. Nicht mehr der«| Kampf um die Jewish, Agency '.innerhalb der. zionistischen Bewegung, sondern Samm 1 ung aller Zionisten um dieses Programm ist nunmehr die Hauptaufgabe der radikalen Zionisten. v Denn er war trotz aller Verwandlungskiinste durch und durch Jude,, ein moderner Marrane, der hie und nimmer vom angestammten Volke loskommen konnte. Ob er auch wollte? Dieser Sehnsucht nach dem Osten/ diesem Hange am Judentum ist es wohl züzuschrejben, daß er sich selbstlos und bereitwillig in den Dienst der jungen Sache der jüdischen Volksbewegung stellte, deren motorische Kraft das. Heimweh zweier Jahrtausende war. Er war es, der Theodor Herzl beim Sultan einführte und' ihm die Wege am Hofe des Padischas ebnete. ' Im Sommer 1900 lernt ihn Theodor Herzl als siebzigjährigen Mann kennen und setzt die größten Hoffnungen auf ihn, die auch nicht getäuscht werden sollen'. Es mochte Vämbery ungeheuer stolz gemacht haben, als ihm Theodor Herzl Isagte: ^Krönen Sie Ihre Pyramide mit dem Kapitel: Wie ich die Heimkehr der Juden, meines" Volkes, vorbereiten half." Varabe'ry schlug kurzerhand ein: „Ich will kein Oeld haben; ich bin ein reicher Mann. Goldene Beefsteaks kann ich nicht essen. Eine ViertelimilKon hab' ich, ich brauche nicht die Hälfte meiner Zinsen. Wenn ich Ihnen helfe, ist's wegen der Sache." Wenn aber Varabe'ry Sache sagte, so meinte er nicht die** politischen Pläne Herzls, denn er glaubte nicht an sie. Er sagte Sache und raeinte das Judentum. Für ihn war die zionistische Idee aussichtslos. Merkwürdig genug, daß der Orientpolitiker Vämbery, der mit eigenen Augen mit ansah, wie ein Stein nach dem anderen von dem großen Bau des osmanischen Reiches abbröckelte, die zionistische Lösung' für unmöglich hielt, weil dje Türkei Palästina den Juden niemals überlasseh würde. Eine andere Möglichkeit kam ihm gar nicht in den Sinn. Zehn Jahre später besuchte ich ihn in seiner behaglichen, geräumigen Behausung an der Donaulände in Budapest. Er empfing mich in seinem mit orientalischem Komfort eingerichteten Arbeitszimmer. Prachtvolle Aussicht auf die grünumranktca Ofner Berg«. Er sprach tn# großer Wärme von den Kinderjahren der zionistischen Bewegung und se'ne Augen funke.ten in ungewo'.in en Olanze, wenn" er von Theodor Herzl .sprach. „Jammerschade um den. armen Herzl," .sagte: e^;,Er war ein großer Mann und die Juden tun recht,,daran, ihn zu betrautem." Er war stolz. darauf, an den Grundlagen der politischen Arbeit des Zionismus im Orient mitgeschaffen zu haben, , wiewohl er die Sache noch immer für aussichtslos hielt. Sieben Jahre spä.ter erklärte sich das britische Reich bereit, in Palästina eine nationale Heimstätte für die. Juden zu errichten und bald darauf rückten die englischen Truppen an .der: Heiligen Stadt Jerusalem ein! Wenn VämbeVy dies erlebt hätte! * - . . - Vämbery war vom Judentum abgefallen und trotzdöm konnte und wollte er-vom Judentum nicht loskommen. Im Gegenteil, er klammerte sichfest daran und in allen seinen Masken fühlte er sich immer als Jude und wollte nach Mafranenart bei den Juden immer ab einer der Ihrigen gelten. Es möchte ihn zu Tränen gerührt haben, wenn Theodor Herzl' ihm schrieb: „Kedves Vämbe*ry b'äcsi *), das ungarische "Wort ist gut: zsidoember.**) Sie sind einer, ich bin auch .einer. Darum haben wir una so schnell und voll verstanden vielleicht noch mehr im Menschlichen, als im Jüdischen; obwohl dieses bei uns beiden stark genug ist." Dann schrieb ihm Theodor Herttl: „Mein guter Vämb6ry bäesiwenn ich Ihnen etwas sage, können Sie , in Kittel und. Talles darauf schwören.^ Wie mochte dem alten V&mbery zu Mute gewesen sein, als der junge Führer der Juden zu ihm in diesem , Tone schrieb? Stolz und Bangigkeit dürften sein Herz erfüllt haben. (Schluß folgt-) . *) Lieber Onkel Vänibery; •*) Jttde, '.. In der Schlußrede hob Abgeordneter Grünbaum die Wichtigkeit der gefaßten Beschlüsse hervor, weldie seiner tiefsten Ueberzeugung nach die Anhängerschaft der radikalrzipnistischen .Bewegung weit über den biherigen Kreis werden wachsen1 lassen. Nachdem der äußere Agency-Kampf, welcher viele Verwirrung geschaffen hat, beendet ist, werden wahre, unentwegte Zionisten d e n Weg ' zu denen finden, welche die alte zionistische. Fahne wieder hochgehoben hahen. Er hob die -Bedeutung der erstellten programmatischen Leitsätze hervor und dankte Herrn Robert Stricker, welcher in jahrelanger, zäher, unermüdlicher Arbeit den Her zischen Judenstaät-Geda nken wieder, zur Geltung gebracht hat. Mit der Aufforderung, die neue, Erfolg verheißende Arbeit in allen Ländern, vor allem die Arbeit f tir die fcongresswählen,' ungesäumt auf zunehmen, schloß Grünbaüm die Tagung. * ■ ';/ •. >•' ■' . . '. ' Nachstehend, .,diev wichtigsten Resolutionen und Beschlüsse^: , r . . - „Die Weitkonferpnz: der Vereinigung radikaler Zionisten erhebt in Jetzter Stunde noch einmal,ihre warne n,d e Stimme gegen die, verhängnisvolle Pplitik der. Erweiterung der Jewish Agency in ,der geplanten Form, gegen welche die radikale Vereinigung, seit Jahren kämpft. Sie erachtet diese Politik als im Widerspruche stehend, zn den elementaren zionistischen und demokratischen .Prinzipien." : „Falls der Zionistenkongreß die Erweiterung der Jewish Agency in der geplanten For,m endgültig ratifiziert,, werden wjLr; unter diesem Zwange genötigt sein, an; den Organen'1 der erweiterten Agency teilzunehmen. Wir werden dort alles tun, um die von uns vertretenen Prinzipien für den Aufbau Palä< s ta n a s duEchzusetzen. . und unseren Kampf für die JD.^möik«Ea tiCs feei,ju*n*g:L,-:Üer erweiterten .; Jewish Agency.« ung'eschw&chf -fortzuführen.'* i •: s. ' ' ViDte Weltkbnferenz hebt nachdrücklich:'die- Bedentung der 'Von den radikalen 'Vertretern im A. C. erhobenen nationälen und demokratischen Forderun g'e"h-;'bezüglich der Konstitution' der erweiterten'Agency--hervor.'Insbesondere legt sie Nachdruck auf die 'Förderungnach demokra tischen Wahlen bei Entsendung der nichtzionistischen Vertreter in die f. Ah dä die Gefahr besteht, daß durch die willkürliche "Ernennung von einzelnen Delegationen keine wirklichen Vertretungen der jüdischen Gemeinschaften der Länder zustande kommen. Ferner weist die Konferenz darauf hin, daß das vom A. C gebilligte Prinzip der „proxi'V da heißt des Rechtes der Stimm- Prinzip der „proxi-'; das heißt des Rechtes der Stimmü b e r t r a g ü n g urid ' der H äu f u n g mehrerer Stimmen bei einzelnen Delegierten, den elementarsten Forderungen der Demokratie und den parlamentarischen Grundsätzen widerspricht." - ^.Die Konferenz legt den stärksten Nachdruck auf die von den radikalen Vertretern erhobene Forderung der konstitutionellen ' Sicherung des Rechtes d e r Zionis tischen Öf ganisa tiön, durch den Be> schluß des Zionistenköngresses aus der erweiterten J. A. nüszütreteh, wodurch dieselbe als h of gelöst zu gelten habe, und die' Zioh'is'tische Organisation' wieder" den Charakter als Jewisli Agency erhält. Die Nichterfüllung dieser Forderung bedeutet die unauflösliche Bindung der Zionistischen. Organisation an die Nichtzionisten, und die Unmöglichkeit^' für den Zforiistenkongreß, auch bei den uugünstig:s,ten Erfahrungen den Versuch der Erweiterung der J, A. rückgängig zu machen. Dainit' Würde-' ''die •'•endgültige Entrechtung' der Zionistischen Organisation als Jewish Agency vollzogen sein.4* „Die Konferenz erachtet es als unerläßlich, daß dem Zionistenkongreß sowie derzionistischen Ver* tretüng in der Agency das Recht gesichert wird, [durch Majoritätsbeschluß bei wichtigen Fragen die Stimmen der zionistischen Vertreter zu binden. Die Nichtsicherung dieses Rechtes, würde dem Kongreß seine Bedeutung als höchste Instanz der zionistischen Bewegung nehmen und die, Zionistische Organisation der Gefahr der Spaltung und des Zerfalles aussetzen." - - ' * „Die Konferenz erachtet es als notwendig, daß Vorsorge getroffen wird, daß die zionistischen Mitglieder der Exekutive der erweiterten Jewish Agency der Zionistischen Exekutive angehören. Außer diesen müssen noch andere Mitglieder in die Zionistische Exe* kutive entsendet werden, welche lediglich mit der I/e i t u n g d er G e s'ch ä f t,e de r Z i o n t s ti s eben Organifla'tion betraut werden." iL \