Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 91 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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oene & DIE NEÜC WELT Nr, M Das liebliche Fest Sehewuoth vori Drjpattr j/imfflUt.; * /•:/ Nicht nur Pfingsten der Volker* ekek $chewuoth der Juden ist ein liebfföÄi»-f,est?-' - jjir etf reut der alltagsmiiden Menschen Herz und vejfctlieiit Er klärung seines Ursprunges und Vertieftatg in seine Geschichte. '•; Naturverbunden j itn«J böd&nverwächseniv wie das Volk der Juden in ajter Zeit wär[ f&erte es seine Feste im Hinblick auf die,^ährung^8pendende Natur als kultischen Niederschlag der wichtigsten Jahresabschnitte seines Bauerndaseins. Wenn clas Pessachfest;jtteiV I Beginn, der Gerstenernte darstellt, das /kaubhtittenfest die Zeit ist, da man die Ertragnisse des^ Weihstöcfcs und der Fruchtbäüine^rn^inis*,?, spl'^i' Scftewuptn die Zeit, in der der gesegnete' Boden Palästinas schon die Ernte des Weizens erlaubt. .„Sieben Wochen sollst Du Dir abzählen; von da ab, wo man zuerst eine Sichel an die Halme legt, sollst Du anfangen sieben Wochen zu zählen und Du sollst das Fest .Schewuoth feiern dem Ewigen, Deinem Gotte . . .'* An einer der anderen fünf Stellen des Fünfbuches, die von diesem Feste sprechen, wird es noch deutlicher in festem Zusammenhang mit dem Pessachfest gebracht. ..Sodann, sollt Ihr für Euch abzählen vom Tage nach dem Feste — vom Tage, da Ihr rdas. Omer,, die Garbe, darbrachtet, .sieben vollständige Wochen, bis zum Tage nach dem Feste sollt Ihr fünfzig Tage zählen, dann, bringet .ein Speiseppter vom Nettem dar, dem Ewigen." Das Opfer, das nach biblischer Vorschrift dargebracht werden soll, zeigt deutlich die Verbundenheit mit der Natur, die Nahrung spendet und der menschlichen Tätigkeit, die sie erarbeitet und sichert. Ein Opfer vo.ra Neuen wird verlangt, ein Speise- . opfer aus neuem, frischgewachsenem Getreide- Brot, das wichtigste Nahrungsmittel des seßhaft gewordenen Ackerbauers, wird nebst Opfertieren dargebracht, „entsprechend den freiwilligen Gaben Deiner Hand, die Du spenden wirst nach dem Maße , des Segens,. den Dir der .Ewige, Dein. Gott, zukommen., läßt. ,Und Du s o.1.1 s t D i ch, f r euen vor Gott, Du, Dein Sohn und Deine Tochter, . D,pin Knecht, und Deine Magd,. . Auffällig ist .-die große Bedeutung;, die der! Zahl sieben in diesemZusammenhang beigelegt! wird. Nicht; die einfache Siebehzahl,^ söndeffa; «ieben mal sieben soll die Zahl der Tage*sein,"-; die\ •Schewuoth von ' dem' Eessachfeste ' trennen.- Ehr^-j würdiger, uralter, in die?- gjauö Vp^eit, zurück-; gehender Zahlenmythok ist es, der uns - hier: \eid-\ gegentritt. Der Sabbat, der siebente Tag, Grund-1 bestandteil des stets menschlich und sozial einge-1 stellten Judentums muß siebenmal wiederkehren,^ bis am; 50. Tagfe' nach der Darbringünff des Omer! -Schewuoth gefeiert wird» das- Fest*; an dem Freude? ,.Gebot ist..... - :......v./. ,., * j ,. , . .. , . '. * : s So'würde in Israel Schewuoth gefeiert als j 'Fest der'Sippe und des 'Gesamtvolkes. So wurde es; eines der drei WsLllfahrtsfe£ite,: i ali dem das'Volk | nach Jerusalem pilgerte mit mannigfacher Gabe \ im Korb für den Altar "des Herrn.- Als ob man i dankbaren Gemütes Zeugnisablegen wollte für die * vielfache Fruchtbarkeit des mit" mannigfachen! Klimaten gesegneten Palästmas, •. brachte man zu j einer Zeit und jeder in einem Korbe Früchte | .dar,, die, in anderen weniger gesegneten Ländern; nur! zu verschiedenen Zeiten, reifen. Nebst der, Gerste des Pessach, dem Weizen des Schewuoth auch Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln, , Früchte , der herpstjichen Sukkothzeit. Auch Könjg A^rippa schloß, sich tvon diesem Brauche nicht aus, wie die.Mjscnnah berichte!, und brachte , nach der Gewohnheit des Volkes sein Opfer dar. .. . Klar drückt den Sinn unseres Festes der Ale-' ,xajadriner Philo aus, wenn: «r schreibt: „. . . zu danken für die Ver g angenheiti in der wir von den Plagen dfes Mangels und: des Hungers verschont blieben und uns behaglichen Wohlstandes erfreuten und für die Zukunft* weil wir mit den nötigen Vorräten und Mitteln für sie versehen sind und voll schönster Hoffnungen mit Gottes Gaben schalten." Auch gelegentliche Hinweise' im sonstigen alten Schrjfttume Bprechen' von unserem Feste. Das zweite M akkabäe rbuch berichtet von den Juden, die gegen die Syrer kämpften und erzählt: „Und sie, die Juden, kamen nach Jerusalem hin', als das Wochenfest nahe bevorstand. Nach 'diesem Feste, das P f i n g s t e n < genannt wurde, zogen sie aus gegen Gorgias, den Statthalter von Iduamäa." In dem zwar apokryphen, aber vom frommen Geiste erfüllten B u c h e T o b i a, erzählt Tobit, des Tobia Vater: „Als ich in mein Haus zurückgekehrt war, . . . da richte ich am< Pfingstl est, welches das heilige Fest der sieben Wochen ist, ein schönes Mahl." Josephus Flavius aber berichtet: Sieben "Wochen nachher ...» also nach 49 Tagen, an dem Feste, das die Juden Azartha (Azereth), das heißt AuaroNsm au nnm mm>m QAiwthia^ tohg MmmkurtkX Pentekoste (den 50. Tag) nennen; opfert man Gott Brot, das aus 2 Assaron; gesäuerten Weizenmehles gebacken ist und dazu zwei Lämmer»" Aber., auch jener Mann aus Tarsus, ( der Sau Ins hieß und Pa u lus ward, der das Judentum zerstören und aufheben wollte, weil er es für überlebt hielt,, korinte sich von der ..alten Traditiondaß das Scfiewuötlifest ein markanter Zeitpunkt im Jahre ist, nicht' freimachen, denn er schrieb auf einer Reise, auf der er die Welt erobern wollte, nach -dem prunkvollen, üppigen Korinth in seinem Briefe an die Korinther: „In Ephesüs will ich' bleiben bis Pfingsten. ." Das begfnnehde 'Christenturrt übernahm unser Fest, wie manches' andere rvom Judentum, ' jedoch mit einer abweichenden Auslegung des Kalendertermins, wobei es'die herrschende Ansicht der Pharisäer verwarf und sich der abweichenden saduccäischen Meinung anschloß» Auch im späteren Judentum bildete der Kaleiiderstreit . über dieses Fest einen wichtigen Gegensatz zwisohen den K a r ä e r n und den übrigen Juden. Das spätere Judentum, komplizierter als das ursprüngliche Volk der Vorzeit,begnügte sich .nicht damit, im Schewuoth-Fest mir >das Erntefestzu sehen. Mannigfache Gedenktage, legendäre und historische, wurden nlit diesem Feste verbunden. Des Patriarchen Abrahams "Tod, seines Sohnes B mMRi . IL.. . . .-'W:!: t W^UV'.W'^%W^: ül ■i' .rwwraVfc l EM. vt VII., KAISHRSTRASSE 123 lX:i^Äre#H^ WA Ö BIELS ■ ■ y .^Ffp^^^ifeQtiff* -&ea&64 * ..<.:. ■>-^r"1-'.^^"•'■■'i'ity^''^ ■rfii.)->!'\ ' '•>■_ ',';;--:-.■•-•■>•.> ^Jizchaks Geburt, soflesn^sich in diesen Tagen, er- eignet \ha']>en. , $a'"s"J?$;üch•'. der'! Jijbil^fen' - mefdet 'äuch.,, daß der Stammesfür&t J'.uda, Heros,, j2po- 'riymbs und Stammv^te^ ,(les "jiidlscneh Volkes,J am Schewuöthtage. diis^ ^icht;der Welt' erblickt häbe. Wie sinnig. isi*"^|sb'|zj' (ai|es;^gendä>en. '$ese Auffassung, wenn; R:man bedenktj daß auf: den SGhewuothtag die sinaitisene Gesetzgebung . ,verlegt wurde, mit der;'-das' jüdische' Volk äxa'" Beginn i'seinei>-} Geschichte, .^j ^iner,^^ f als GescnicHtsvöllt gem^gX'ö^ vbllbraelite. .. - i ■ * a , - " » '- l : » - > /• ■ \ ' . - ..-»... j :. . i .. , %i , :1 J ii ..• Geschichtliche ."Ereignisse,. deren i 'passive Helden und heroische) Opfer, die Juden im. späteren Verlauf ihrer Geschichte wurden» brachten es mit sich, daß Gelegenheit . zu Gedenktagen, die . man zeitlich fixieren w.pllte,; nicht fehlte. Das Massensterben der Schüler-jdes -Rabbi Akiba, die Hinrichtung der 10 Tanaite.n-MHrtyrer, wurde in diese Zeit, verlegt. *;;,,;<:-.■..■>';...... ' Aber''mit hist6rilseherr Genauigkeit kann festgestellt werden, daß1 das:'Fest der heiteren Erntefreude, und die Zeit, in die das Christentum die Ausgießüng, des Prieuma hieröns, ) des heiligen Geistes, feierte, erweitert wurde durch die Greuel-' taten der Kreuzzügler an den rheinländischen Juden,: als die heiligen Gemeinden von Speyer,: W or ms .und M ai n 2- - in Blut und: Feuer, in Not; und zugrunde gingen.'""'■ V*''. Keine Geschichtsbetrachtung bei Juden ist möglich, ohne traurige. Hinweise, auf Haß und Verfolgung, Doch wir woUen' uns-dadurch nicht ablenken : lassen und d^s freudigen Ursprungs dieses Festes gedenken, so wie es unsere Vorfahren auch in den ' ärgsten Zeiten stets taten! , Wie bedeutungsvoll ist doch der Gebrauch, der Synagoge, an diesem:Fest das Buch Huth lesen zu lassen, das: von Naturverbunden-, h ei t erfüllt ist, und"vpn $a ler a nz gegen alle Völker, da es dem ni^chiigen König David, fem Gründer des Reiches/ eine moa.bitische Vorfahrin ohne| Bedenken zusprieibt. . .. Wir leben in einer-Zeit, in der das jüdische. Volk sich eine der denkbar größten Aufgaben gestellt hat, Rüc-kkeJir zu r Landarbeit-uad 1 R ü c k k e kr z u ht:h a~n d e, irt dem es'* einst* begründetes Recht hatte, Erntefeste zu feiern. E i nj r Generatiön ist[ die Aufgabe vorbehalten, die. viele vor ihr versäumt hätten. Groß ist dasi Ziel,' mühselig der Weg ... Weg,sdiwertdie ... die Aufgäbe, aber das Schewütfttjfest, sein ..Ursprung, seine Bedeutung und seine "Gesdiicnte können uns Mahnung sein"; Trost ünd, H o f f n u tkg!% Die ^ükünf^ge< Jfewish Agency- Mitteilungen über den Verfassungsentwurf. Ein Mitglied der Zionistischen Exekutive, Herr Dr. Felix Rosenblüth, machte i, , nach Abscliluß der Berliner J. ,T..j?i»-Sitzung einem Vertreter der J. T. Ä. Mitteilungen über das zukünftige Statut der Jewish - : Agency;: der die Hauptaufgabe 4es- Zionismus, der Aufbau des jüdischen Natiorialheirns in Palästina, überantwortet wefden wird.. Herr Dr. Rosenblüth sagt: Das : Statut ist aufgebaut:;äuf der.• ^B;a,.l f^ti r- Deklaration> der Hervorhebung der historischen Verbundenheit des. jüdischen Volkes mit Palästina, und dem Palästina-Mandat, in dessen Artikel 4 ja auch die Bestimmungen über die Jewish Agency enthalten sind. In ßklfout-Deklaration und Mandat wird auch das Ziel der jüdischen Palästina-Arbeit klar gekennzeichnet. Die jüdische Aufbauarbeit beruht auf einer Reihe von grundlegenden Prinzipien, die vom Ziohistenköiigreß formuliert wurden und denen auch die Nichtzionisten zugestimmt haben, i E die Förderung der jüdischen Einwanderung, der jüdischen Arbeit, der hebräischen Sprache, des nationalen Bodenbesitzes und des Selbstbestimmüngsrechtes "der Siedler bei der Wahl der Siedlungsforme'n innerhalb, der Grenzen wirtschaftlicher 'ßetriebsführung/'Ä'l 1 e d i e s e 'B e s t i m in u n g e n' sind in dem Entwurf verankert. Nach dieser' Zweckbestimmung der Jewish Agency folgen dann inder Konstitution die einzelnen Paragraphen, die die' formellen Bestimmungen über die Tätigkeit der Agency und^ihrer Organe enthalten. ' - ° '. Voraussichtlich wird die. Agency .drei Organe hab.^n, einen Council' (Rät), " der in seiner nichtziottistiäfchen Hälfte die direkt von den Ländern gewählten jüdischen Vertreter umfaßt; und im . allgemeinen, .einmal in zwei Jahren tagt,; dann ei n 4 0 g 1 i e d ri g.e^s ■ A;dm i;h istriat^ko m iie e, 5 das in .der Zeit zwischen >den Plenartagungen des" Council zweimal jährlich zusamrriehtrilt, 'und:drittens die-Exekutive.' ■ •■■ »r-fjtä ui'ft•;»Jö-.i-i'«' ••.•;;/:>. hviu .«v-jK'/-!- »uf?. mh. ^f.^r|si^n|.0^- ^s^ jso^ einsprechend ■ {einem Kongreßbes,ehlu% der Präsident; der- Zionisti- sehen . Organisation sein, doch , kann, „von. jdieser: jBesiimmung'/abgegangen werden,,^wenn der Council "mit dreiviertel Mehrheit täes^escliliefit; *d. h. also, wenn aiißer,^derr!gesamten^ .nichtzionistisqhen Hälfte auch noch 50 Prozent der zionistischen Hälfte,einer solchen Aenderung zustimmen.. Der Keren Ha jessod wird als d«is Instrument der AgenCy zur' ' Deckung des jährlichen' Palästina- Budgöts erklärt, •' während der Status des jüdischen Nationalfonds (Keteü Eäjemeth) unverändert ibleib.t. . Eine Streitfrage, bildete eineTnstitutiön,Ydie für uns Zionisten eine,rNeuerung bedeutet. Es handelte sich darurA,, da^. /die Amerikaner gefordert Hatten, die Möglichkeit zu bieten,, . - .. . daff ein Mitglied : des. Council von mehreren abwesenden Mitgliedern ermächtigt werden kann, in dessen Namöh zu stimmen. Innerhalb des Zionismus hat man von einer solchen Einrichtung stets" abgesehen, aber; es kann nicht geleugnet werden, daß die .Bewohner überseeischer Länder, besonders die Amerikaner! dadurch benachteiligt" smd,; 7 da die' meistert Sitzungen in Europa stattfinden; Um aber zu verhindern, daß zu viele Mitglieder-des Council ohne äußeren Zwäng von dieser Einrichtung Gebrauch machen, wurde bestimmt, claß eine Vertretung von Stimmberechtigten durch "Kümulierüng von Stimmrechten nur hei überseeischen Ländern zulässig, ist; also gilt diese Vergünstigung füY'Ameri-, kaner,« wenn die Sitzung in Europa,und für Europäer,' wenn sie in Amerika stattfindet.. Uebereinstimmnng bestellt darüber, daß im Falle der Wiederauflösurig der erweiterten Agency die Zionistische .Organisation in den Status der Jewish Agency im Sinne des .Mandates zurückversetzt wird. Ueber die Voraussetzungen der Wiederäuflösung und über gewisse Fragen der Exekutivbildung schweben noch Verhandlungen. . .Es ipt.selbstverstäncUich, daß der ganze Entwurf, nachdem er von der pegengeite .angenommen 8,ein. wird, noch der Ra.tifizieTung durch den Kongreß unterliegt. Trotzdem hat die Exekutive von dem A, G. die Ermächtigung gefordert, den Council der Agency jetzt schon für August - einzuberufen, da sonstdie Abhaltung der Tagung un. möglich wäre.