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Die neue Welt · 1929-06-13 · Heft 91 (13.6.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 91 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 dreschen BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, fl^ m* B> ■ ■ Mi BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich vierteljährig S 4.20, ganzjährigS16.-; Polen monatlich E Ifr ■ ■ k Mark 1.-, vlertehährg Mark 3.-; Bulgarien monat- Zloty 2.-f vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei Bf W; J "ch Lewa 20.-, vierteljährig^ monatlich Kc. 6vierteljährig Kc. 15.-; Jugofei 4 ^0 . Mi n,0j?at,Jfh fct0 f—' vierteljährig Lire 14 Schweis slawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-; unnuIcrnD1j0 d/Idcdt CTDir^PD Snd di6i?nb rl^e/1,,i?ndlru m,onatllc£ Schweüef Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährfg Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße^6--8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag J. C. Wedgwood: Zionismus und\ angel* sächsische Demokratie Seite 5 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind -durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: Dr. Paul D i a m a n i: Das liebliche Fest Schewuoth. 1. w.: Lemberg. Die erste Weltkonferenz radikaler Zionisten. Ludwig Bato: Der letzte Marrane: Vambery. M. U s s i s c h k i n: Der Zionismus in der englischen .Wahlpropaganda. A. S. Juris, Tel-Awiw: Habimahs Weg in die Heimat. Die nationalarabische Bewegung. Die jüdischen Pioniere von Nikaragua. Das jüdische Theater in New York. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Austritte aus dem Judentum. Schalom Asch: Die Mutte&i Schalom Alechem: ifCpni^ianten. Aula und Rampe, - Dem Gewerfje-Festzug, der am 9. Juni in Wi^i abgehalten wurde, um den Einheimischen: und Fremden die Schönheit de*" Wiener -Arbeit V£rzufgjre|^ £ijn£. - am Tage •yorher.^^ sten WÜener Gewerbezweiges voran. Die deutschnationalen Studienten der Universität, . ' ' Hakenkreuzler und Nichthakenkreuzler, tiberfielen, ■ 500 Mann siark, eine Gruppe jüdlschnationaler Stu- ' denten und prügelten sie. Für -die Aula war, wie der Rektor bereits am: Donnerstag den Jitdischaiafionalen mitgeteilt hatte, das Bammely« t b o i erfassen worden. A1 s o b u m m e 11 e n die Deutsch nationalen u n g e s t ö r t. Nachträglich Wurde die Ausrede ersonnen, es s.ei vergess e n worden, ihnen das Verbot — das in allen Zeitungen gestanden war i mitzuteilen. Sie waren also drinnen, die jüdisoknationalen Studenten, die sich an das Verbot hielten, draußen auf der vielbekannten Rampe. Diese Rampe ist Njemandslandi Sie ist den Raufbolden freigegeben. In der Kanzlei erteilte der Rektor den Pedellen seine Instruktionen zur Aufrechterhaltung der Ruhe; In der ' Aula erteilte ein Diplomkauf mann den Studenten seine Instruktionen zur Störung der Ruhe. Der Diplomkaufmann war der stärkere und so konnten »eine Getreuen den .Terror der Juden bekämpfen. Vier Juden wurden verwundet. ' Einer von ihnen' konnte, einen Hakenkreuzler,. der d e n . Gu m m i-k nüttel. nicht rasch genug versteckte, .; * fassen und der Wache, die von unten den Vorfällen aufmerksam ' znsiäh, übergeben. Wenn war nicht irren, existiert seit zwei " Jahren ' ein Erlaß des Landeshauptmannes an die Polizei, der, - ihr vorschreibt, bei UnlversltätskrawaHen sofort ein«.' zuschreiten. ■ Um,den Erlaß hat. sich bisher kein Mensch gekümmert. . F,eldt'Uf,dfr Hakenkreuzler war: ' ' ^Deutschland erwache, Juda verrecke!" ' Die'; 50 Juden .wurden von der Rampe nach heftigster - Gegenwehr vertrieben und sammeltensich dann; hinter dem Poltee|;k^ordon.: »Die „Wacht am Rfrejh" beantworteten..sie mit der Hatikwah. Während der Szenen fuhr ein:dicht;be-i. .setzter.J Wagen einer .Rundfahrtgesellschaft vorbei,, die ' höchst: interessiert-zusah. 'Einer' der 'Fremden rief so, laut,t daß^es (den L'ärm^übertönte: „Ich bin Arier,'* .'aber ich' ' '|schäme'.mich 'jetet,i;daß'ich''Arier bin!'* :, * Als dann'die Kuh aus dem Stall war, erschien eine . Kundmachung des . Rektors.'Sie sprächt — wem? -h das Mißfallen aus und droht mit der Schließung der Universität. Von Montag an wurde der. hnMmHmszv/mg eingeführt. Die jüdischen Studenten sind vogelfrei.-r. ■ ';'•'•'■ ' ■ ■'■' ' :AW^:<i. ■■ ■ '...... Die jü^isebnatio^en '• S.fÄh'teh.. f ühjfeäi .'am •-1^.. Jiini beim Rektor ßeschwefd'e.'ljer?Reictojr 'nahm^die Be; schwerde entgegen utwjf .yfr«enk.te sie,.in die Mappe.. Ein' Leser schreibt 4ins*; rfloh .habe am; Samstag von der Straße aus die Szenen auf Ber. •ÜmVersitäisrampe angesehen. Bs ist mir und' jedem -'Steuerzahler unverständlich, weshalb das Aufmarschverbot des Landeshauptmannes nicht auch für die Universität gelten soll. Wenn-:es aber vor dem akademischen Boden' zurücktritt*, dann gleiches Recht für alle! Die Hakenkreuzler, die ah ihren .Hei mw e h r u n i f o r ni e n kenntlich waren, , trugen .'Gummiknüttel und Stahlstöcke.' Vor Jahren sind diese^, Gegenstände* als verbotene Waffen erklärt worden, zu deren Führung ein Waffenpaß notwendig'ist. Haben die Hakenkreuzler Waffenpässe?. Wenn ja, dann kann nichts dem entgegenstehen, daß auch die -Jüdischnationaien, die doch ihre Lebensgefahr' nachweisen können, e b e n falls um W a f f e n p ä s s .'er ä nsuchen. Und zwar sehr bald!" Beratung der „alten Herren", Am 13. d. hat im Cafe Arkaden eine vom Senioren« könvent der wehrhaften' zionistischen Verbindungen' einberufene Beratung der „alten Herren" stattgefunden. - Neue Provokationen - der Nationalsozialisten« Im Laufe des 11. Juni 3 versuchten die Nationalsozialisten, denen das Rektorat s traf w e i s e die Änsch 1 agkästen entzogenhattet schiedensten Punkten der Universität antisemitische Plakate zu befestigen, die aber von. den Pedellen sofort entfernt wurden. Am Nachmittag'-'* beklebten"' '• sie^klte Wände, Türen und öffentlichen Anschlagkästen der Dekanate mit ihren aufreizenden Inschriften. Die Nationalsozialisten suchen systematisch die Studentenschaft zu1 verhetzen und;Unrühe zu stiften. Die Stimmung an der Universität ist s e!hr gespannt;: I Verband demokratischer Zioniaten I S; . ,' 3: S■• i - S I. Hi^twoch, den.19. Juni 1939 um halb\9.Uhrabends im I | ProdHkteiibdrf&jllu Taborstr. 10 (Klublokal) f m-l I Eintritt frei! 7^" g s Gäste herzlich willkommen t l Am Dienstag erschien beim Rektor eine fünfgliedrige Deputation des jüdische »Hoc h-> schulausschusses unter Führung des Präsidenten» des Hochschulausschusses Dr. Bukspan. Der Rektor erklärte, den jüdischen Studentenvertretern, daß. er den Nationalsozialisten strafweise das Tragen der Uniform und Abzeichen verboten und ihnen beide Ansdilagkästen entzogen hätte und daß er, soweit es in seinen Kräften steht, für den kommenden Samstag entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen habe* Lord Cecil über den Palästina- Aufbau. Die ungeheure innere Kraft im Zionismus. Lord Rdbert C e c i l, der englische Vorkänipfer für die VöBkerlbundidee, weilte dieiser Tage in Beriin. Bei einem vom Pro-Pa'läistina-Kamitee ihm au Ehren , ver-. . .'ansta.iteten Emtpfaiig, bei wielohem der Gast von Herrn Blum enfe-I di ünd^Kolonel K i sc h begrüßt wurde, hielt Lord 'Cecil •eine Anispradhe, in der etiu. a. sagte: „Ich freue mich sehr, durch meine Anwesenheit -hier zwm Aiusdruok-.zu briiigeri, daß ieih ein überzeugter Förfder er d'e s Zionisimu s bin. Eirier der Re;d;ner hat ■h'ieir 'afigelapiellt aiiif!die große VensiäimmflfUhg 'in Äi& er t .HiaU im Jahre 1920. Manche von Ihnen;kenn«» vielleicht .diesen Riesensaal, der-mellirals 10.000 Menschen faßt. Ich halbe an vielen Versiaimimiliungen yiersohiedensiter Art in .'Aitbert. Hall teülgenoimmen, alber keine von all diesen war ■ irgendwie m VergHeiclhien mi'fc jener großen izio>niisris0hen Kundge'bu.ng. Die B.e g eis t eiriung, die daimais deniSjaal ■erfüllte, war gianiz ahderer Art <afa afes, was ich an dieser Stätte oder auch sonst wo .in der Welt jemals geseihen habe. Das war (ßü<r anich der Beweis für das, wais. ich schon frü/her gewußt, hatte, mämh'oh iür die unsjehieure Innere Kraft des Zionismus unidl für die großen Hoffnungen, die er für das jüdische Volk — oder wenigstens große Teile dieses Volkes —■ bedeutet. , Mau »hatte während des Krieges die Errichtung der jiüidischen natioraalen Heimstätte ins Auge gefaßt, abe^m'an wfuißte nicht, in welcher Weise sie verwirlklücht werden sotl. Als mun der Augenblick dier praktisohen Durohifülhrung mähte, da gab es vielte Dislkussionen, wie die ipotitische Gestaltung Palästinas. sein soll. Es gab Vorschläge, Palästina amerikanisch m machen oder französisch oder englisch' oder aber es einiem internationalen Kondominiuim ru unterste'lllen, aber jeder dieser Vorschläge hatte 'fast imüber* windlidhe Sobwieriglkelten. Da Ikam die Idee des Völkerbundes «nid man e'rlkann'te, daß sich Wer eine Lösung dar-v bot/'die ganiz anderer' Ant ist als alle die fnüher erwähnten 'Vbrsbüiläige'und' die eine Durohführiuing des; Planes imöglidh imacht1 ohne den Nachteil der Verlbind-ung der jüdischen Heimstätte ani.t. einer einiz'elnen Macht. Diese Lösung aller 'Sohwierlgkeiten- »war 'eiite'; sehr ''gWWkJiche.' Der Zionismus In seiner jetzigen politischen Stellung ist eine der Früchte der Idee des Völkerbundes, eines der konstruktiven praktischen Resultate des Völkerbundgedankens. Palästina zeigt, daß der Völkerbund nicht eine akademische Idee äst,, sondern ein prak ti s c he s. Ins trat m.en t djer .^d^erjioiiiiik, von größtem Wert.-' Gerade dies imöchte ich' besonders betonen, weii es selhr wichtig ist, ' daß die „Menschen erkennen, daß der VöHkerlbund nicht ein Traum nV.on: Idealisten oder ein künstliches Gebilde ist,'sondern «jih ..wohlersoiiniener, reittlich iilberlegter Plaaprafetischer, Pojitik./ Ich habe also e i n d opp e 11 e s I n t e r e s s e am Zj.o'nismus: erstens um •seiner selbst wiMen, zweitens Lais eiri^n Beweis dafür, daß fdie Idee desSVölikörbunides richtig);ist und;sich,gewährt;'hat,und daß -sie/geeignet ist, ein neuies Stadtilm de-r Weltgeschichte im : Zeichen ' der Völfoerverbindung herberziuführen. Ich möchte nur noch versichern, daß ich ininerhalb der Grenzen metner persön-. liehen Kräfte ftiwd MöglicWkeiten stets auch weiterhin ejn Anhänger der zionistischen Idee und ein aufc rieih^fer Fjörderw fax zMsti&bm Saebe seJa (Werde,"

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