Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 90 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 90 DIE NEUE WELT Seite 1 Nach Prof. Dr. Herzog bestieg ein strenggläubiger katholischer Arzt die Tribüne und sagte, er schätze sowohl Professor Ude als auch Professor Herzog als hohe sittliche Persönlichkeiten, müsse aber in diesem Falle alles unterstreichen, was Professor Herzog ge* sagt habe. Denn seine reichen Erfahrungen auf diesem Gebiete verpflichten ihn zu dem Geständnis, daß das Schächten bislang durch eine bessere Methode nicht ersetzt worden sei, was er auch durch Herbeiziehung eines reichen medizinischen Wissens zu erhärten gesucht hat,. Der Vorsitzende, sichtlich erregt, wollte dem Redner das Wort entziehen. Als ihm aber zugerufen wurde, er wolle die Wahrheit nicht hören, mußte er nachgeben, und in der Fortsetzung sagte dann der Redner, es müßte tatsächlich untersucht werden, ob Jesus geschlachtetes Fleisch gegessen habe. Wenn ja, wäre es für einen Christen untragbar, gegen das Schächten sprechen zu dürfen. Einige aufregende, leidenschaftliche Angriffe konnte Professor Herzog in meisterhafter Weise widerlegen, so 1 Mittwoch, den 12. Juni 1929 um halb 9 Uhr abends im 1 Cafe Produktenbörse IL, Taborstr. 10 (Klublokal) * I Eintritt frei! s Gäste herzlich willkommen I daß Professor Ude in seinem Schlußworte kleinmütig zu-" geben mußte, die Sache sei durchaus nicht geklärt. im tratet am22<3uni iiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin jtatuffeff*3ra$rten für 1 $oItt8*$ud)ftafeit, @d)attbuben, $ug&afar, Mitärfottäcrr, ßtcJufitootftellmtflett ufro. ufrrj. Habimali und Zionismus. Habimah an die „Neue Welt". Von der Leitung des beibräil'sahe.n Theaters ♦vH ab im ah" ist folgerndes Schreiben ewig ei ans l: „Tel-Awiw, den 19. Mai 1929. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrer geschätzten Zeitung „Die Neue Wel t" vom 19. April a. c. erschien eine größer« Noti« über ivHabimah und Zionismus". Wir würden Ihnen zu tiefstem Dank verpflichtet »ein, wenn Sie bei der Gelegenheit folgende Richtigste Iking bringen würden: Das Interview des Korrespondenten der „Vossischen Z e i t u nig" mit H. Alex D ik y «eschiah ohne unser geringstes .Wissen und wir erfuhren davon, ebenso wie Sie, erst aus der „Vossischen Zeitamg" sellbst. Wir brauchen Sie nicht zu versichern, daß wir, wieder ebenso wie Sie, davon überrascht und aufs, tleiste verletzt wu rden. Wir wollen iaber ein Dementi an die ..Vossische Zeitung" datreh ihren Palästinenser Korrespondenten einbringen, was uns bis nun infolge der Abwesenheit des letzteren in Tei-Awiiw nicht getanig, was afcier demnächst geschehen soll. Vorderhand möge Ihnen folgendes, gen'ügen: 1. Herr Alex Diiky ist nicht Leiter der ..Habhnah'V sondern er wurde als Gastregisseur für eine bestimmte Zeit zur Binstudierung bestimmter Stücte, die seine Spezialität erforderten, eingeladen. 2. Das Interview ist also vollständig auf das persönliche Konto von Alex Di'ky und eventuell! anif das des Korrespondenten der „Vossischen Zeitung" zu baichen und hat nichts Gemeinsames weder mit den Tatsachen noch den Zielen der .^Habimiah". , 3. Dasselbe gilt auch für das seiinienzeitige Interview der Frau Rowina mit dem Vertreter eines Wiener Blattes. Bs waren gerade die letzten Tage vor der Abreise der „Habimab" nach Erez Israel, die voll und giana iihr Hera und Hirn fesselte. Das Interview wurde auf dem Wege zur Vorstellung gegeben,, in aller Eile und Nervosität. Was dann in Druck erschien, stimmt weder mit den Worten noch der Meinung von Frau Rowina. Auif die Frage: „Ist es wa'hr, daß ihr alle Zionismen seid?" hat die Frau Rowina. die die Frage im Sinne der Parteimgeihörigkeiit verstanden hatte, geantwortet: „Die „Habimah" ist unsere Partei und unsere Arbeit ist die beste Antwort, was wir sind." Es is t doch sonnemklar, daß, wie Zionismu-s mit Hebräisch i d e n t i s c h, s o d i e „H a b i m a h" mfi t Erez Israel wonach sie immer strebte, wozm sie eigentlich ins Leben geruffen wurde. Aus dem hier beigelegten Aufsatz unseres Presseleiters Herrn A. S. Juris ersehen Sie ausdrücklich unsere Auffassung. Wir werden Sie also im Interesse der gemeinsamen Sache allerhöfilichst ersuchen, diesen Auifsatz in Ihrer geschätzten Zeitung zum Abdruck bringen zu wollen. Mit Hochachtung und Ziowsgruß iiir die .vHabimah"-Leitung: Ben Ghaim, für die Presseaibteilung: A. S. Jawis. * lieber das Verhältnis des Theaters „Habimiah" zur jüd/ischnationialen Renaissaneefoeiwegung herrschte in letzter Zeit Unklarheit, Daß die „Habimah" eine der Formen des jüdischen Streben« nach nationaler Selbständigkeit ist, das wurde in der deutschen Presse geflissentlich verschwiegen, soweit die Leiter dieser Presse antinational eingestellte Juden sind. Die ton Brief erwähnte, gegen den Zionismus zu deutenden Aeußerung von Mitgliedern der „Habimah" wurden in der Wiener und Berliner Presse mit sichtlichem Behagen mfi auigemacht. Das bot der „Neuen Welt" Veranlassung, energisch aurf Klärung m dringen. Um so energischer, als die gesamte zionistische Presse diese Vorfälle einfach iwierwä'rwt ließ und sich In ein wenig mutiges, wenig charaktervolles Schweigen hüllte. Die „Neue Welt" hat an diese Dinge gerührt, nicht um der „Habimah" zu schaden, sondern um ihr zu nützen, um eine Entfremdung »wischen diesem Institut, das als erhabener Ausdruck jüdischer künstlerischer Schaffenskraft nicht hoch genug zu werten ist, und der zionistischen Bewegung zu verhüten. Das schöne, volle Bekenntnis der „Halbimah" zur nationalen Freiheitsbewegung, zum Zionismus, das in ihrem Brief zum Ausdruck kommt, beweist, wie richtig die „Neue Welt" gehandelt hat, als sie durch offenherzige Kritiiik auf Beseitigung eines gefährlichen Mißverständnisses hinarbeitete. Der im Brief erwähnte Artikel des Herrn A. S. Juris wird in einer der nächsten Nummern erscheinen. Die jüdische Einwanderung nach Palästina. Von der Regierung unterbunden. — Statt für 2400 Jüdische Arbeiter nur für 1000 Zertifikate. Aus Jerusalem schreibt uns unser 1. C^Berichterstatter: Nachdem in den Jahren 1926-28 'die Einwanderung fast gan2 geruht hatte, beschloß die im Juli vorigen Jahres in Berlin abgehaltene A. C.-Sitzung,'die Exekutive zu beauftragen, wiederum neue Zertifikate anzufordern. Nach langwierigen Verhandlungen bekam die Exekutive von der Regierung 600 Zertifikate, .die f'ür die Zeit vom 1. Oktober 1£28 bis 1. April 1929 berechnet wurden. Die Zertifikate werden bekanntlich von Halbjahr zu Halbjahr angefordert und beziehen sich lediglich auf die Einwanderung gelernter und ungelernter Arbeiter, für deren Beschäftigung die Zionistische Organisation die Verantwortung übernimmt, während die übrigen Einwandererkategorien, die Kapitalisten, Verwandte,, politischen Flüchtlige usw. nicht in die Quote der Zertifikate eingerechnet werden, sondern auf Grund der allgemeinen Einwanderungsbestimmungen das Einwanderungsvisum erhalten. Die 600 neuen Einwanderer wurden mit einer auch den Optimisten überraschenden Schnelligkeit an Arbeitsplätzen untergebracht, der größte Teil von ihnen kam sogar von vornehereriin als Mitglied bestimmter Kwuzoth und anderer Gruppen ins Land. Nunmehr tauchte die Frage auf, welche Einwänderungsquote für die Zeit vom April bis Oktober 1929 verlangt werden sollte. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß heute bereits fühlbarer Arbeiterinangel in Palästina herrscht und daß bei einigermaßen günstiger Lösung der Frage der jüdischen Arbeit beim Hafenbau keine Möglichkeit besteht, der Anforderung aus dem Arbeiterreservoir des Landes gerecht zu werden, daß aber auch nur im Rahmen der jüdischen Wirtschaft, die sich ständig ausdehnt, eine große neue Einwanderung erforderlich ist. Die Arbeiterorganisation hatte die Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte auf 4000 veranschlagt. Die Exekutive, vorsichtig wie sie ist, forderte nur 2800 Zertifikate. Und die Regierung? Zunächst wurde bekanntgegeben, daß sie 2400 Zertifikate bewilligt habe und trotz der fehlenden 400 war man mit der Nachricht zufrieden, die zu beweisen schien, daß die Regierung, wenn sie schon aus eigener Kraft nichts für das Aufbauwerk zu tun bereit ist) doch uns wenigstens arbeiten lassen will. Leider haben sich diese Meldungen als voreilig erwiesen. Es ergibt sich nämlich, daß die Regierung die Zertifikate unter Bedingungen geben will, die einen Bruch mit der ganzen ISCHL (SAUKAMMIROMT) ✓ STRBNd m PENSION „NEUE WEIT" C08.MOOSOASS610 Unter persönlicher L*]tuna des bekannten Reetaurateiirs Adolf Glatter« Wien VI, Schmalzliofgasse 12 GEÖFFNBT AB 17. JUNI •bisherigen Tfadltiion in Einwanderurngsdlngen bedeuten. Die 2400 Zertifikate verteilen sich auf 300 Facharbeiter, 1500 ungelernte männliche und 600 weibliche Arbeitskräfte. Jedoch sollen die 300 Zertifikate für Facharbeiter nicht einfach der Exekutive tibergeben werden, sondern die Exekutive muß jeden einzelnen Facharbeiter bei der Regierung namentlich anfordern, was nicht nur zu einer Verschleppung >edes derartigen Gesuches führen dürfte, sondern überdies die Wirkung haben muß, daß die Regierung sich im die internen Einzelheiten unserer Arbeit mischen und vielleicht den Versuch unternehmen wird, über Jeden Angeforderten Arbeiter erst po A i t>i s c h e Untersuchungen anzustellen. Von den 1500 Zertifikaten für Männer soll die Exekutive 1000 erhalten, während die restlichen 500 bei der Regierung ais Reserve bleiben sollen für polltische Flüchtlinge und für Touristen, die im Latlde zu veribleiben wünschen. Von den 600 Fraueiizerti/fiikaten erhält die Exekutive 400 unter der Bedingung namentlicher Bekanntgab« der anzufordernden Arbeitskräfte und des Naohweises, dia>ß jede von ihnen Verwandte im Lande hat. Die verbleibenden 200 bleiben bei der Regierung als Reserve, die ebenso verwendet werden soll, wie die Reserve für Männer. Das bedeutet etwa folgendes: 1. Die Regierung gibt in Wahrheit nur 1000 Zertifikate, nämlich die 1000 für .ungelernte männliche Arbeiter zur Verfügung gestellten Zertifikate. 2. Die Zionistische Exekutive, die bisher "nur die Verantwortung für diejenigen Einwanderer übernahm, die sie auf Grund ihrer Zertifikate anforderte, soll plötzlich auch d i e materielle V, e r a n * w o r t u n g für Jeden Touristen übernehmen, der im Lande zu bleiben wünscht, obwohl ein solcher Tourist nicht verpflichtet ist, auch nur ein einziges Mal mit der Zionistischen Organisation in Verbindung zu treten. 3. Während es bisher Einwanderungskategorien gab, die nicht unter das Zertifikatsystem fielen, versnobt die Regierung jetzt, auch einen Teil dieser Kategorien in die halbjährlich festzusetzende Arbeiterquote, einzubezlehen und dadurch die Zahl der jüdischen Arbeitskräfte im Lande zu vermindern. 4. Die Bedingungen, die für Facharbeiter, und für Arbeiterinnen gelten sollen, wirken wie Schikane and werden wohl praktisch ungefähr denselben Effekt haben, als wenn diese Zertifikate abgelehnt worden wären. Diese Erläuterung dürfte jede weitere Kritik überflüssig machen. Die Exekutive hat sich vorläufig mit diesen Bedingungen nicht einverstanden erklärt; Palästina-Wanderung im April. Im April wanderten in Palästina laut offizieller Statistik 417 Personen, unter ihnen 322 Juden, ein. In dem gleichen Monat wanderten 172 Personen, unter ihnen 70 Juden, aus. Der Ueberschuß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung steigert sich in den letzten Monaten progressiv. Im März waren 452 Personen, unter ihnen 375 Juden, eingewandert. . 236 Personen, unter ihnen: 155 Juden, verließen im März das Land. Geringe Sterblichkeit unter den Juden Palästinas, Laut der offiziellen Statistik zählte man im vergangenen Jahre in Palästina auf 1000 Christen 49 Geburten, auf 1000 Moslemiten 75 Geburten, auf 1000 Juden 42 Geburten. In dem gleichen Jahre zählte man auf 1000 Christen 22, auf 1000 Moslemiten 37, auf 1000 Juden 12 Todesfälle. 3000 historische Stätten in Palästina. Mr. E. T. Richmond, der Direktor des Departements für Altertümer bei der palästinensischen Regierung, hielt einen Vortrag über den Stand der Altertumsforschung in Palästina. Er erklärte u. a., daß dile in Vorbereitung befindliche Liste aller palästinensischen Altertümer etwa 3000 Namen enthalten werde. Demnächst soll ein neues Gesetz zum Schutze der Altertümer veröffentlicht werden. Zusammenschluß der palästinensischen Arbeiterparteien. Aus Jerusalem meidet die J. T. A.: Die zionistische Arbeiterpartei Hapoel Hazair (Hitachduth) und die •zionistische Arbeiterpartei Achduth Awoda (Poale Zion) haben eine gemeinsame politische Front gebildet. Sie werden bei den Wahlen zum 16. Zlonistenkongreß eine gemeinsame Liste aufstellen. Wochen-Kalender Juni 1929 VN »"Bin Ijar 5689 7 Freitag 28-ro Sabbateingang 7.56 Omer 43 8 Samstag 29~K53 Sabbatausgang 8.42 . «mn ino 'tssn ,'nn 'ao >"iaw 9 Sonntag 1-K Omer 45 - «rin wn 10 Montag 2-a Omer 46 11 Dienstag 3-3 Omer 47 12 Mittwoch 4-1 Omer 48 13 Donnerstag 5-n Omer 49 - my\DW 31*