Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 90 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711706--1191-2714389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
? Sdte 8 DIE NEUE WELT Nr. 90 Zur Affäre des hebräischen Technikums in Haifa. In Nr. 85 und Nr. 88 der „Neuen Welt" waren schwere Anlkliagen, welche in Palästina gegen den derzeitigen administrativen Direktor des -hebräischen Technikums hl Haifa Herrn Pewsmex und die zionistische Exeleuti-ve als verantwortliche Besitzerin und Leiterin der Anstalt erhöben werden, wiedergegeben. Dann foligte eine Eerichtigtmig des Herrn Direktors Pewsn e r, .welche jedoch ihren Zweck verfehlte, da der Nachweis, daß eine objektive und gerechte Untersuchung der öffentlich erhobenen Anklagen stattgefunden hätte, in der Berichtigung nicht erbracht wurde. Nun ist an den Herausgeber der „Neuen Welt" ein von Rotterdam datiertes Schreiben des Organisators und ehemaligen Direktors des Technikums, Herrn diipl. In«. M. H e c Je e r (Haifa), mit dem Ersuchen um Veröffentlichung eingelangt. Die Teile des Schreiibens, welche söch unmittelbar auf die berührte Angelegenheit beleihen, werden nachstehend wiedergegeben. Jene Teile des Schreibens, welche sich auf Organ! sationsfragen der Anstalt und das Verhältnis des Schreibers zur Anstalt beziehen, werden gelegentlich nachgetragen werden. Herr diipl. lug. M. Heciker schreibt u. a.: „Während einer Buropareise, welche einige " dem wirtschaftlichen Aufbau Palästinas dienende Aufgaben zu fandern bestimmt ist, kommen mir zufällig zwei Nummern der „Neuen Welt" in die Hände, welche sich mit einigen das Technikum betreffenden Fragen beschäftigen. Leider Sind, mir die vorher erschienen Teile der Artiikelreihe nicht bekannt .geworden, so daß iah mich darauf beschränken muß, auf die Anschuldigungen in «Nr. 85 «nd die darauf erlfolgte ,3eriohtölgung,, in Nr. 88 einzugehen. Obwohl ich glaube, über eine gewisse Urteilsfähigfkeit in den Fragen des.Technikums zu verfügen, hoben mir trübe Erfahrungen . Schweigen auferlegt, nachdem alle Sohri-tte, die ich bei der zionistischen Exekutive als der zuständigen Instanz versucht habe, ohne jode Widcung geblieben sind und auch meine Bennühunig, die Presse, wie z. B. dsu „Haarez" in Tel-Awiw und. die „Jüdische Rundschau" in Berlin, zur Behandlung der Frage nicht vom persönlichen, sondern vom allgemeinen zionistischen Standpunkt zu ver« anfassen, sich als vergeblich herausgestellt halben. Die Berichtigung des Herrn Dr. Pewsmer stellt jedoch mit verblüffender Kühnheit alle Tatsachen derart auf den Kopf; daß es mir unverantwortlich erscheinen würde, auch dazu zu schweigen und auf diese Weise den durch die Berichtigung beabsichtigten Eindruck zu erhalten, als ob einem hochverdienten Ehrenmann durch ungerechte Angriffe bitteres Unrecht geschehe. ■— Die Flucht des Herrn Pewsner in die Öffentlichkeit zwingt auch mich, nachdem ich bisher alle persönlichen Momente vor den sachlichen . zurückgestellt toa.be, mich an die Oeffentliohikeit <zu wenden, um die Dinge im wahren Lichte, darzustellen. Zu meinem 'Bedauern verfüge ich, da unterwegs, nicht über das genaue Uirterlagenmaterdal und kann daher nur meiner Erinnerung folgen,', ohne speziell die Zahlenangaben mit der gewünschten Genauigkeit zu machen." "„Von den sechs Punkten der Berichtigung beziehen sich drei auf Vorgänge, die sich während der Zeit meiner Amtsfüihruhg'als Direktor des Techmkuims abgespielt haben und ' mir daher aufs genaueste /bekannt sind. Ich erkläre •hiemit kategorisch, daß die Berichtigung dieser drei Punkte . von A bis- Z albsohlt falsch ist. Vielmehr stelle ich nachstehende Tatsachen ifiest:" ' „Pewsner hat in seiner Eigenschaft als Schatzmeister des Gomirm*ititee of Management, dem die Verfügung über eingehende Gelder zustand, im Sommer 1926 — also an einer Zeit, in der die finanzielle Lage deT Anstalt bereits sehr unigüusUg war <— zu mehreren Malen größere Beträge (zusammen etwa 1900 Hund), die von der Londoner Exekutive fiür das Technikum an ihn übersandt worden waren, nicht an die A. P. C. auif das Konto der Anstalt eingezahlt. Vielmehr hat er sie vorläufig für private oder geschäftliche Zwecke verwendet und sie erst nach tä ng e r e n Zeiträume n in kleineren Raten dem Technikum zur Verfügung gestellt. Außerdem hat er den Kredit der Anstalt bei der A. P. C. dazu mißbraucht, daß er -~ meiner Kenntnis nach mindestens zweimal — Beträge von je 500 Pfund von der Bank entlieh, m i t d e n e n das Techinikum belastet wurde, während das Geld gleichfalls privaten Zwecken diente, Auf diese Weise verschafifte'sich ..Pewsner Kredit bei der A. P. C„ bei der er, wie bei anderen Banken, damals bereits jeden persönlichen Kredit verloren hatte. Uebrigens hat Pewsner diese Tatsachen^.dJe ich erst nachträglich auf mühselige Weise feststellen konnte und ihm schriftlich vorhielt, durchaus nicht abgestritten, sondern sie in harmloser Weise damit zu' erklären versucht, «daß die Bank seine verschiedenen Konten „verwechselt4' hätte. Der Hinweis auf die Kontrolle der Bücher durch die .zionistische Exekutive ist vollständig abwiegig, da alle «diese Manipulationen pjine Wissen d es Direktors und des Buchhalters-vor genommen wurden und daher gar nicht1 in den ^Wienern zum Ausdruck kommen. Daß Pewsner, wie «er behauptet, die Kasse des Technikums aus privaten Mitttin uotersWUzt habe, wird mir hierait zum ersten Male bekannt. Es Ist jedenfalls während der dreieinhalb Jahre, fn weichen ich ai d-er Anstalt tätig war, tatsächlich niemals vorgekommen" „In mindestens drei Fällen, die mir bekannt geworden sind1, hat Pewsner Wechsel, die in Irgend einem gemnmtmmiWffiMHiiimmWHiHHiiimw^ mnm!H(«MMitMHniniMimnniiHimt(iint^ SIEOM. KORNMEHL! OROSSFLEISCHHAUEAEI § Zentrale IX., Berglase 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 f Lieferant für Heilanstalten f ---------»an für «^«Fleisch f unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul- | tusgemeinde Wien | Autozustellurig kostenlos | IX.« Berggasse 15 / XVIII., Währinger str. 97 | iin*itttmMinimmtimniiiiifimifiiiiitMinmtttiiiifii<nMti schäftlichen Zusammenhang oder in seiner Eigenschaft als Vorsitzender vom Hadar Hakarmel durch seine Hände gingen, dagegen mit dem Techmiikum in keinerlei Z usammenhang standen (im Betrag von zusammen etwa 700 Pfund), mit seinem Namen giriert, unter Hinzutfügung des Venmerkes „Scha t zm e i s t c r d e s Technikums". Während seine persönliche Unterschrift sonst von den Banken nicht akzeptiert worden wäre, erreichte er durch diese Manipulation, daß diese Wechsel diskontiert wurden." „Das sind die Tatsachen, die ich der „Berichtigung" des Herrn Pewsner entgegensetze und bereit bin, nach meiner Rückkehr nach Haifa vor jedem ordentlichen Gerichte eidlich zu erhärten. Auf die drei letzten Buntkte kann ich nicht direkt antworten, da sich die darin erwähnten Vorgänge erst nach incln/em Ausscheiden abspielten. Jedoch geben mir der naheliegende' Analogieschluß und außerdem die Kenntnis mancher Einzelheiten Anlaß zu der Annahme, daß es «mit der Richtigkeit dieser Behauptungen ähnlich bestellt sein dürfte." „Was schließlich die von Herrn Pewsner erwähnte „neutrale Kommission" anbetrifft, so muß die Art und Weise ihres Verfahrens nicht geringen Einwänden begegnen. Sie beschränkte sich darauf, in wenigen Stunden einen schwierigen und umfangreichen Fragenkomplex durchzupeitschen, lehnte es ab, irgendwelche Zeugen zu hören und beschäftigte sich schließlich mit sehr wichtigen Punkten, wie z. B. g e rad e mit den zur Frage stehend e n finanziellen Verfehl u n g e n, überhaupt bei Graz billige Pauschalpreis Chefarzt: Dr. S. Weiss nicht. So erscheint es mir also nicht unbedenklich, sich auf das. nicht einmal einmütig gefaßte Urteil der Kommission zu stützen, das auch bisher noch niemals publik gemacht wurde." Abschließend schreibt Herr Ing. Hecker über seine auf Betreiben des Jierrn Pewsner von der Exekutive ver-, anlaßte Kündigung., und sein vergebliches Suchen nach Recht: „Meine., mündijichen.: und schriftlichen Bemühungen, von den Mitgliedern der Exekutive und speziell von dem für meine Entlassung verantwortlichen Kolonel K i s c h an Stelle der von ihm benutzten fadenscheinigen Begründung eine wirkliche Aufklärung der Dinge zu erlangen, war vergeblich, da dieser jede Aussprache mehrmals kategorisch ablehnte. Alle ihm schriftlich vorgelegten Vorwürfe — zu denen-unter anderem auch d i e bezüglich P e w s n e r s Ver f e hin n ge n geh orten — lehnte er als unbegründet ab, deckte somit die von mir angegriffenen Handlungen.'1 „Auch die neue Exekutive, und In ihr Miß Szold, zu deren Ressort das Technikum gehört, hat trotz Kenntnis, des vorerwähnten Tatsachenmaterials nichts zur Aenderuns der Situation getan, sondern sie noch dadurch sanktioniert, daß sie die vorher nur provisorisch bestimmten Direktoren definitiv ernannte und ein neues, von Pewsner ganz beherrschtes Komitee einsetzte. — Dies sind einige der Rätselfragen, deren Zahl sich noch vermehren ließe. Werden sie einmal Antwort und Aufklärung finden? Ich glaube, die zionistische Oetfientlichikeit hat ein Recht, 'sie zu erhalten, aber auch die Pflicht, sie zu fordern." ' * .. Angesichts dieser. unter voller Verantwortung erhobenen Anklagen muß die von der „Neuen Welt" gestellte Forderung nach objektiver Prüfung und restloser Bereinigunig der ganzen Angelegenheit neuerlich und nachdrücklich wiederholt werden. Solche Dinge werden , nicht da^ durch aus der Welt geschafft, daß man zuerst den Direktor Hecker und dann einen fachlich hervorragenden Professor, weil er an Herrn Pewsner und der Exekutive Kritik übte, aus der Anstalt entfernt und einseitige Berichtigungen, und Protokolle in die Welt schickt. Man kann an anderen Orten' nicht fnber solche Dinge hinwegsehen, ohne sich ' eines schweren Vergehens schuldig zu machen. Geschweige denn in. Palästina, wo neues, sittlich reines' Leben geschaffen werden soll. Alle ehrlichen Freunde der; zionistischen^ Organisation werden der Forderung nach'sofortiger objektiver Untersuchung und Klärung beipflichten. Gedächtnisfeier für General Bein. Die Türkei, Polen und Ungarn veranstalteten in Gemeinschaft Gedächtnisfeiern für den einstigen Feldmars^iall der türkischen Armee Murad JAsmur^d,) Pascha, der auch als General Joseph Bem~an den ungarischen Unabhängigkeitskämpfen neben Kossuth teilgenommen hat. Joseph Bern wurde 1794 in Polen als Kind jüdischer Eltern geboren. In denjahren 1812 bis 1830 nahm er an den polnischen Aufständen gegen Rußland hervorragenden Anteil, mußte dann nach Paris emigrieren «nd kämpfte später für die ungarische Unabhängigkeit. Er gehörte 1848 zum engeren Stabe Ludwig Kosstiths, flüchtete nach dem Niederbruch des Aufstandes nach der Türkei, wo er zum Islam übertrat, an den türkischen Kriegen Anteil nahm und ein Günstling des Sultans wurde, der ihn zum Befehlshaber der arabi" sehen Division in Syrien, dann zum Generalgouverneur des großem Syrien-Distriktes ernannt hat. Bern starb 1850 in Aleppo und wurde dort bestattet. Eine polnische Delegation wird sich in kurzem nach Aleppo begeben,, um die Gebeine Joseph Berns auszugraben und nach Polen zu überführen. Die Urne mit dem Ehrengeleitwird die Türkei und Ungarn passieren, wo Feiern veranstaltet werden sollen, und dann nach Tarnow in Galizicn gebracht weiden, wo für Bern ein Mausoleum errichtet worden ist. Konteradmiral JosephtJial gestorben. Konteradmiral Louis M. Joseph thal, Kommandant der New Yorker See-Miliz, ist im Alter von 61 Jahren in New York gestorben. Sein Vater, Moritz Josephthal, kam 1835 aus Deutschland nach Amerika. Louis M. Josephthal trat 1S91 als gewöhnlicher Matrose in die See-Miliz des Staates New York ein, zu deren Organisatoren er gehörte und stieg allmählich bis zum Kange eines Generalzahlmeisters (i. J. 1917) auf. 1918 und 1919 diente er in der Marine der Vereinigten Staaten und wurde zum Kommodore und Verwaltungschef der See-Miliz ernannt. Während des spanisch-amerikanischen Krieges machte er Dienst auf dem Panzerschiff „Nahant*. Seit 1916 war er Chef der BankfirÄa Joscphthal and Company. Auch im jüdischen sozialen Leben tat er sich hervor. Er war neun Jahre lang Sekretär, dann Direktor des Mount Sinai Hospital. Eine jüdische Familie verbrannt. Aus Lemberg, 27. Mai, wird der „Neuen Welt" geschrieben: Am Freitag abend hat sich in Pogorzeliska bei Lemberg ein gräßliches Verbrechen zugetragen. Nachdem der Schanker Moses Mensch, nach Verrichtung des Sabbatgebetes und nachdem er mit der Familie, seiner Frau und den beiden acht und zehn Jahre alten Kindern das Nachtmahl eingenommen, zu Bett gegangen war, wurde er gegen 10 Uhr nachts von Einlaß begehrenden Männern geweckt. Als Mensch die Türe öffnete, sah er einise Bauern, welche Einlaß und Getränke verlangten. Mensch verweigerte ihnen ihre Bitte und zog sich zurück. Aus Rache begossen die Bauern das Haus mit Petroleum li n d zündeten es an. Mensch, seine Gattin und die beiden .Kinder wurden am nächsten Tag verkohlt in den Trümmern des verbrannten Hauses gefunden. .•Hingen israelit. Kultusgemeiside Wien. Lieferungsausschreiben. Seitens der israelitischen Ku!tusficmeiircic Wien gelangen im Laufe der nächsten Zeit die Arbeiten für die Erneuerung der elektrischen und Gas-Steigleitung im Amtshause, I., Seitenstettehgasse Nr. 4, zur Vergebung. Jene Installateure, welche zur Offerrerstcliun.ee herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens Dienstag, den 11. Juni 1929 dem technischen Amte der ist. Kultusgemeinde in Wien, L. Scitenstetttengasse Nr. 2. IV. Stock', bei welchem auch während der gewöhnlichen Amtsstundcn (Samstage ausgenommen) alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. , Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks Heranziehung zur Offertstellwiig für die einzelnen Arbeiten behält der Vorstand der isr, Kultusgeuicinde seinem alleinigen Ermessen vor. Ein FEST für S ist der e Eviei bei Schifimann, II., Tabörstraße Nr. 48! Wegen vorgerückter Saison werden verkauft: Waschkleider au S 1.70, Sommerkleider, für starke Damen, viele Dessins, S 4.90, Rgpa!einem»Tennl3kleider, mit gest. Emblemen und färbigen Aufputz, S 4.90, Prima Ripsleinen-Tenniskleider, moderne Dessins, S 6.90, K-Selden-Kleider (Composes) S 8.90, K.-Seiden-KIeider, herrliche Dessins, S -9.80, Kasha- Kleider, mit langen Aermeln, S 9.80, Georgette-Kfeider, entzückende Fassons, S 16.90, Seiden-Foulard-Klelder, mit langen Aermeln, reizende Dessins, S 19.50, Crepe de Chi»e>K6elder, aparte Fasson, lange Aermel, alle Modefarben, S 19.90, WoBl«f»epeline-KleSder, (Composes) bestickt, alle Farben, S 19.80, Complets, Kleid und Jacke, aus prima Woü-Popeline, modernste Farben, S 29.—, Crepe-Schlaf* rocke, viele Farben, S 4.90, Sommer*Schlalröcke, fabelhafte Dessins, S 9.80 und S 6.90, Seldenbrokat-Schläfröcke, das Neueste, S 18.50. Wegen Räumung des Lagers werden Mäntel um jeden Preis abgestoßen! Mäntel aus Modekarostoff nur S 9.80, Engl. Sportmünlel, neueste Modelle, S 19.80, Engl. Trenchcoats, prima Modestoff, mit Lederknöpfen, S 29.— usw. Bei Einkauf eines Mantels 1 Badetrikot gratist Die beim Gewitter vom Wasser »e* schädigten Waren werden zu verblüffend billigen Preisen abgegeben: Chiffons, per Meter 90 g, Wasch»de laihQ, für Kleider, per Meter 89 g, Waschseide, für Kleider, per Meter 98 g. Fahrtspesen werden vergütet. — Provinzversand per Nachnahme. g