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Die neue Welt · 1929-06-07 · Heft 90 (7.6.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 90 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 90 WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX., ALS ERSTRASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-34 Preisgabe der zionistischen Volksbewegung. Die letzte Sitzung des Aktionskomitees. — Alle demokratischen Forderungen abgelehnt. — Rechtsverwahrung der radikalen Zionisten. Der Plan, aus der Zionistischen Organisation durch die sogenannte Erweiterung der Jewish Agency eine von einigen reichen Juden, richtiger gesagt von ihren Beamten souverän beherrschtes Wohltätigkeitsbüro zu machen, ist durch die soeben in Berlin beendete Sitzung des zionistischen Aktionskomitees in Berlin weiter gefördert worden. Wir erfahren über den Verlauf dieser Sitzung, an welcher übrigens der größte Teil der Exekutive, vor allem Weizmann und Sokolow, n i c h t teilgenommen hat, folgendes: ' Die Sitzung war diesmal kurz (drei Tage) und fast ausschließlich der Beratung der Konstitution der Jewish Ägehcy und der Forderung der Exekutive gewidmet, ihr die Vollmacht zur 'Einberufung des Councils der J. A. nach dem zionistischen Kongreß zu geben. Mit dem letzten Vorschlage wären von vornherein alle Majoritätsparteien einverstanden und lediglich die beiden Vertreter der Radikalen, G r ü n b a u m, und Solo weitschik, sowie der Revisionist Lichtheim stimmten dagegen. Die radikale Gruppe steht bekanntlich auf . dem Standpunkt, , der auch im A. C. asum Ausdruck gebracht wurde, daß solange, der Kongreß : nicht die Vereinbarungen mit den Nichtzionisten endgültig ratifiziert, \tnd vor allem nicht ..die,.von ihmfrüher beschlossenen Voraussetzungenfür die Erwei- .terung der J. A., v o r , a 11 e nii. d a s P r o v i s o r i. u m,> aufgehoben ha.be, die Einberufung des Councils: illegal sei, ida, sie die Entscheidung des Kongresses^- faktisch vorwegnimmt, In der, Frage der Konstitution;, ging-der Kampf vpi\ allem um^ vier, Punkte: ......,.>, ..;;,„. X' Um. die Ergänzungder;. Einleitungder Kon-f stitatipn durch, die , Aufnahme, der, B a 1 f o u r-D e k 1 a-- r a t i o n. Diese Forderung der Opposition wurde vom" -A.ÜC. angenommen. . . >■ .;. % Um: die. Frage der i„prpxies"<>.d, h. des,.Rechtes der Sammlung von mehreren Stimmen bei einem ein" zelnen Mitglied, des Councils. Bekanntlich ^stellen, die ,a.m e ri k a n ige h en N.i cJi t z.i/on i sjte, n diese Forderung und erklärte sich, das A,, Q,. . damit .einverstanden. , - 3. Die Opposition forderte, unter Hinweis auf die Beschlüsse der früheren Kongresse, daß die Wahl zur Agency in den .verschiedensten Ländern in wahrhaft de" m o k ra tisch er We i.s e durchgeführt lind es verhindert werde, daß — ^yie. es jetzt der Fall ist — ni'an. in verschiedenen Ländern einfach die 'Delegationen halb ernennt öder durch irgend welche sogenannte Konferenzen fiktiv wählt. Der diesbezügliche Antrag der radikalen Gruppe wurde jedoch vom A. C. abgelehnt. 4. Der heftigste Kampf ging um die Frage der eventuellen Wiederauflösung der erweiterten Agency. Bekanntlich haben die amerikanischen Nichtzionisten . das vom Kongreß beschlossene dreijährige Provisorium abgelehnt und statt dessen das Angebot gemacht, daß, wann immer die erweiterte J. A. aufgelöst werden sollte, die Zionistische Organisation wieder in ihre Rechte als J. A. eingesetzt werden soll. Selbstverständlich bedarf es dazu einer Zustimmung der englischen Regierung. Entscheidend wird jedoch die Frage, wann die er" weiterte J. A. als aufgelöst zu gelten habe. Der Antrag der radikalen Gruppe forderte, daß jeder, beiden .Parteien, die zionistische wie die nichtzionistische Hälfte jederzeit nach vorheriger entsprechender Kündigung aus der erweiterten J. A. austreten könne, wodurch dieselbe dann als aufgelöst zu gelten habes Wie esf des Anschein ho,t, wollen jedoch maßgebende Gruppen der Nichtzionisten dieser. Forderung nicht zustimmen, sondern verlangen einen qualifizierten Majoritätsbeschluß innerhalb des gesamten Councils, um die J. A. für aufgelöst erklären zu können. Auch in diesem Falle fügte sich das A. G den Wünschen der Nichtzionisten und leimte den ' radikalen Antrag ab. Kein Wunder, daß naturgemäß auch der Exekutive schließlich die Vollmacht gegeben wurde, den Council schon jetzt für Mitte August einzuberufen. Auch aus der diesmaligen Sitzung und den Beschlüssen des A, C. geht hervor, wie weit die Tendenz :der Nachgiebigkeit-gegen'»Ue nichtziotiistischen-Forderungen und der Preisgabe wichtigster Grundsätze der bisherigen zionistischen Politik bereits geht. Man geht darin sogar soweit* Beschlüsse früherer Kongresse einfach zu ignorieren (demokratische Wahl, Provisorium) und in völlig illegaler Weise die Entscheidungen des kommenden Kongresses vorwegziinehmen und bereits jetzt festzulegen. Konkrete finanzielle Zusicherungen der Nichtzionisten sind auch jetzt nicht gegeben worden» alle diese Kompromisse werden nur völlig vager Hoffnungen wegen gemacht, die sich sehr leicht als Illusionen erweisen können. Die wichtigsten Anträge der radikalen Fraktion lauteten: „Das A. C. erachtet es als unerläßlich, daß in die Konstitution der erweiterten Jewish Agency eine Bestimmung aufgenommen wird, derzufolge sowohl der zionistische wie der nichtzionistisdie Teil der erweiterten Jewish Agency das Recht hat, aus derselben auszutreten, wodurdi dieselbe als aufgelöst zu betrachten ist. Das A. C. verweist auf die Beschlüsse des XIV. Kongresses, wonach die Wahlen zu der erweiterten Jewish Agency in den versdiieclenen Ländern auf demokratischer Grundlage vorgenommen werden sollen und beauftragt die Exekutive, dafür Sorge zu tragen, daß dieser Beschluß ernsthaft zur Durdtführuug gelangt, da die Gefahr besteht, daß die Delegationen in einer Reihe von Ländern in völlig undemokratischer Weise bestimmt werden und daß auf solche Weise zustande gekommene Vertretungen nicht befugt sein werden, die jüdische Gemeinsdiaft ihrer Länder zu repräsentieren. In Anbetradit dessen, daß der Kongreßbeschluß über das dreijährige Provisorium nur vom XVI. Kongreß aüfgeliöben werden kann und daß das Recht der Zionistisdien Organisation zur Auflösung der erweiterten Jewish Agency durd) ._ einen Kongreßbeschluß bisher durch Verhandlungen mit den Nichtzionisten noch nicht gewährleistet ist; in Anbetracht dessen, daß bezüglich der finanziellen Verpflichtungen der nicht/zionistischen Partner der erweiterten Jewish Agency noch k e i n e Klarheit erlangt worden ist; in Anbetradit dessen, daß es bei den Verhandlungen mit den Nichtzionisten bisher nidit gelungen ist, einen Verzidit auf die allen demokratischen Prinz i p i e;n, w i d 6 r s p v e C h ende Klausel?"des „Proxy"-Votums"' )B Umzusetzen,;\ beauftragt das ■ A. C. die Exekutive, auf dem Wege weiterer Verhandlungen mit den Niehtzionistqn* ^ine 'Zustin^mTin^ der- •Sselben zu allen ob^genannten Forderungen zu erllangen und dem XMÄjtöngre-ß eine in diesem Sinne |;a^fgesteü|^^lP@g9,u^ zu unterbreiten." vr V ^Nadnde'm alle' diese Resolutionen verworfen wur- $dra!i |"'gal>j, *He^f Abgeordneter ^Jiachak * G i^ü^bxa u m rWmens der*" .raJiKa|e&, örup"p"e' nädfstehende .'.Dekla- ^^jl^^^lplglle^'^l^^äge '-..18v namens w f^^l'^i^ und Resolutionen; und durch die wesentlidie nationale z i o n Fs fct s c-li e ' F o r <f e r ü h g e n sowie Kon- MBICT rSAiM) ________ i-iOTFCHES \AEj^wom^ws&-rsxAmm-u> HAI M ALAN Tel. n-84|8 ^3 Streng orth. «Nto Restaurant STERN Baden bei Wien Aittonstiasse 13 — Franzeitarlns 34 Sl'Cfl zu Mittag; auch Menfl, Suppe, Braten. Qemüse, f l'Cfl L JU Mehlspeise. — Anerkannt beste jüdische Küche, J £ JU schönster schattiger Qarten Badens, kulanteste Bedienung, zivile Preise. Hochzeiten und Diner« werden in herrlichen Lokalitäten bestens und billigst ausgeführt. greßbesdilüsse zur Verwirklidiung gebracht werden sollten, abgelehnt worden sind, konstatieren wir, daß die Bevollmächtigung der Exekutive zur Einberufung des Councils der erweiterten Jewish Agency sofort nadi dem Kongreß formell eine Verletzung der B e s c Ii 1 ü s s e der früheren Kongresse sowie eine Vorwegnahme der Stellung des XVI. Kongresses bedeutet und sachlich die Existenz der Zionistischen Organisation und den nationalen Charakterdes Aufbauwerkes in Palästina gefährdet. Aus diesem Grunde erklärt die radikale Fraktion, daß sie alle diesbezüglichen Beschlüsse des A. C. n I s illegal betrachtet. Sie wird ihre Vertreter aus den Kommissionen der versdiieclenen Länder, die zur Vorbereitung der Wahlen zur erweiterten Jcwislt Agency eingesetzt worden sind, zurückziehen und an die zionistische Oe f f e n 11 i c h k-e i t appellieren, damit der kommende Kongreß der Politik der Preisgabe fundamentaler zionistischer Grundsätze Einhalt gebietet." Die zionistische Opposition in Amerika. Das Kongrsßprogramrru Aus New York meldet die J. T. A.: Die von Richter Julian W. Mac k geführte oppositionelle Gruppe innerhalb der Zionistischen Organisation Amerikas veröffentlicht soeben ihr Programm für die Kongreßwahlen, das unter anderen die folgenden drei Richtlinien enthält: 1. Vollendung des jüdischen Nationalheimsdurch schnelle Siedlungsarbeit auf gesunder wirtschaftlicher Basis, so' daß bald die Juden eine Mehrheit in Palästina bilden sollen. Die Mack-Gruppe bekämpft jene Politik, die sich mit einem kulturellen Zentrum begnügen will* 2. Die Gruppe halt an den von den bisherigen Kongressen bezüglich der Jewish Agency gefaßten Be-! Schlüssen fest und;'Betont insbesondere die Unverletzlichkeit des Mandates und die Notwendigkeit; den Ageficy-Pakt nur für eine Zeitdauer von 3 bis 5"jähren hei einjähriger Kündigungs- 'frisf -abzuschließen:"' Dle&e Kündigungsfrist erübrigt",1 sich, wenn zwei Drittel1desgesamten A'gency-Rates für die sofortige Auf lösting sind.: 3. Die Verfassung der Zionistischen Organisation soll dahin abgeändert werden, daß es keine Ex officiö'-Delegierte, sondern nur aus allgemeinen Wahlen hervorgehende Delegierte geben soll. Da'aber die; Konstitution .der Mack-Gruppe gegen die Bindung von Delegiertengruppen an ein bestimmtes Votum ist, so erhalten die Kongreßdelegierten! dieser Gruppe das Recht, stets nach bestem^ Wissen' und Gewissen zu handeln. Als HerzI begann. Aus den Anfängen des politischen Zionismus. — Herzl und die Ahawath-Zion. Von Dr. Abraham Salz, Tarnow. Aus dem demnächst im Buch- und Kunstverlag Hidkl in Brünn erscheinenden .öarame^uch*) Dr. T. Nussenblatts „Zeitgenossen ^über, Herzl" bringen wir hier, den uns.vom. Verlag ifreundlic'hst zur.Verfügung gestellteil '.Aufsitz zum Vorabdruck. Der vom Vizepräsidenten .des ersten Zionistenkongresses verfaßte Artikel beleuchtet dns- - besondere .die aktive Stellungnahme Herzls zur. jüdischnationalen Landespolitik. Herzl und die Awath-Zion. Im Juli 1896 nahm, ich als Vertreter der galizisohen Zionisten an einer Konferenz teil, die Schnirer, Kökesch und Birnbaum nach Wien einberufen haften. Wir berieten über den Plan der Schaffung einer zionistischen Zentrale in Wien'für Öesterreichijufid die'angrenzenden Länder. Da stürzte jemand ins Beratungszimmer' mit dem Rufe: „D\r. H e rz 1 vQ'n d eir' :*N eu e ri. Freien Presse' hat 6 in BuCh unter <fe m;T j f e l''',per Juden- 'st'-i"ä'P ra«"jsge't«"^e-ii." Dies wirkte wie eine Bombe. Von jetzt ab. wurde... nur über dieses Ereignis gesprochen. Schließlich wä/hl'teh wir eine Delegation, bestehend, aus Dr. Schnirer tin<d) .^r. K.ökesph," die.: BetrzJ für die zionistische Bewegung gewinnen \ spule.'. Jgh * ver- *) „Zeitgenossen über Herizl/' Im Buchun^'K'unstverlag HicW in Brünn erscheint anläßlich des 25. Todestages Theodor Herzls ein Sammelbuch „Zeitgenössen über Herzl". das von Dr. T. NussenWatt herausgegeben w;ird. Das Buch enthält zahlreiche Beträge hervorragender indischer und nichtiüdischer '■ noch lebender Zeitgenossen Herzig" Unter anderem werden hier 'Beiträge von Bentwich, Prof, Betkovsky, Buber) C<>wen, Ferdinand I. von Bulgarien, Priedemaon, William HecHler, Min. a. D. SpitzmüWer, Prof. Reinach, Prof. 'Ludwig Stein, Ussischkiii, Yor'k-Steiner, Stephan Zweig uswf.veröffentlicht. Ue'berdies enthält da« Buch viele unveröffentlichte Bilder aus dem Leben Herzls, wie auch unbekannte Briefe und literarische Fragment* -H*rai». schaffte mir eiin Exemplar des „Juidemstaates" und fuhr •heim. Niaoh lainzer Zeiit' b'enachrichtiig'te mich Dr. Schnirer, Herzl studiere den Stand der Bewegung und wiiinsche, mich kennenzulernen. Ich leistete diesem mir sehr erwünschten Rufe sofort Folge und erschien am darauffolgenden Tage in Herzls Arbeitszimmer. Unvergeßlich bleibt .mir jene Stunde, während welcher ich mit Herzl in intimem Gedankenaustausch verweilte. Auch Herzl erwähnt in seinem Tagebuch unsere erste Unterredung. Herzls feurige und forschende Augen drangen tief in meine See|e, während loh ihm 'über meine bisherige Tätigkeit und den Stand der zionistischen Bewegung in Galizien Bericht erstattete- Herzl war damals in der Aeußerung seiner Pläne sehr karg. Eitles war mir jedoch aus seinen kurzen Bemerkungen klar: Herzl war . entschlossen,, den Zionismus zu einer W e l t b e.weg.11 n g zu machen und ihn in große politische Bahnen zu 1 eiten. .•. ,. Im -Dezember 18P6 'beschied mich Herzl wieder nach Wien. Es handelte sich damals, um-:den Plan .der Einberufung -des ersten Zionistischen Weltkon g r e s se s, zu welchem Zwecke Herzl seine Wiener Freunde und mich zu einer. Konferenz eingeladen. hatte. •Es wurde damals beschlossen, diesen Kongreß nach München einzuberufen. Nach - Schluß dieser Konferenz forderte Herzl mich auf> ihn am nächstfolgenden Tage zu besuchen. Zwei wichtige Gegenstände bildeten den Gegenstand unserer Besprechung, Der galizische Kölonisations'vereln „Ahawath-Zion*4, .dessen Gründer und Vorsitzender ich war, welcher .tausende Mitglieder und Zweigniederlassungen in allen Städten Galiziens umfaßte und den Zweck verfolgte, in Palästina eine aus gallischen Juden bestehende Ansie4'luug zu

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