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Die neue Welt · 1929-06-07 · Heft 90 (7.6.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 90 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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I ' Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 90 üoser Stil i IM Kassapreis S 65.— oder Anzahlung S 10.— und 12Raten ä S 5.80 mit eingebautem Plattenbehälter für 8 bis 10 Schallplatteti und einer doppelseitigen,. Schlagerplatfe. Große Auswahl in jüdischen ü. hebräischen Aufnahmen. MUSIKHAUS EXZELSIOR Inhaber Richard Herzog Wien, I. Bez., Adlergasse 5 Telephon R-23-4-90 Wien, II. Bez., Kl. P/arrgasse 28 Telephon A-41-6-24 bisher keinerlei Forderung an die Regierung gestellt. In einem Stadtteil von Rom ist eine Abteilung unserer Faschistenschulen, die „Baiila", jüdisch. An Sabbattagen besuchen etwa 600 Schüler dieser Schulen unter Führung ihrer Beamten und Lehrer die Synagoge. Auf die Frage, ob er «fen Zionismus fördere, erwiderte Mussolini: Hier in Italien ist der Jude ein freier Mann, ein gleichberechtigter Bürger, ein Italiener; Die jüdische Gemeinschaft in Italien ist mehr als zweitausend' Jahre alt; die älteste in Europa. Der Jude weinte noch am.Grabe Casars und hat seither durch mehr als zwanzig Jahrhunderte an, der Geschichte dieses Landes in allen Wechselfällen teilgenommen. > Auf die Frage, ob an den von Zeit zu Zeit in Zeih tungen erscheinenden Mitteilungen, daß Italien irgendwelche Intentionen bezüglich Palästinas hege, etwas Wahres sei, erwiderte Mussolini: Der Völkerbund hat das Mandat über Palästina Großbritannien gegeben; Italien hat nicht den Wunsch, sich hier einzumischen. Italien hat nichts dagegen, daß Großbritannien das Mandat behält. Die Wahlen in England* Der Sieg der Arbeiterpartei. DieParlamentswahlen . in England haben zu einem gründlichen Systemwechsel geführt. Der große Sieg der Arbeiterpartei hat das Kabinett Baldwin be-. reits gestürzt und Mac Donald wird, wie es scheint,, die Regierung übernehmen. Für die zionistische Sache ist das Ereignis insoferne bedeutungsvoll, als die Arbeiterpartei wiederholt ihren Willen bekundet hat, den Aufbau des jüdischen Nationalheiins als eine Verpflichtung der britischen Nation durchzuführen. Mac Donald hat Palästina wiederholt besucht und die Fortschritte der jüdischen Arbeit selbst besichtigt. Wie sehr* Kenworfhy und Wedgwood für den Zionismiis kämpfen, ist. zu bekannt, als daß man dies noch ausführlich darzulegen hätte. . Die Balfour-Erklärung und das Mandat siud bisher von jeder britischen Regierung als Bestandteil der Politik akzeptiert worden und nach dieser Richtung hin bringt der Systemwechsel demnach keine Aenderung. Es ist anzunehmen,, daß die neue Regierung ihr Verhältnis zum Zionismus auch in Bälde . festlegen wird. Bei einer früheren Gelegenheit hat die Arbeiterpartei eine offizielle Erklärung abgegeben, in welcher gesagt wird: „Die britische Arbeiterpartei stimmt nicht mit denen überein, welche fordern, daß die Regierung die vor der ganzen Welt aus freiem guten Willen übernommenen und vom Völkerbund vor Kurzem im Mandat festgelegten Verpflichtungen in Palästina nicht erfülle. Die Arbeiterpartei glaubt, daß die britsche Regierung ihre Verpflichtungen in Polästina, soweit die Macht der britischen Regierung reicht, erfüllen muß. Die Arbeiterpartei ist der Ansicht, daß diese Verpflichtungen in solcher Weise erfüllt werden können, daß die wirtschaftliche Entwicklung, die politische Autonomie und die geistige Freiheit im Lande sowohl für den Araber wie auch für den Juden gesichert werden." Die Jewish Agency* Die Ailiance Israelite tritt nicht bei. Wie der Pariser J.T. A.-Vertreter erfährt,, hat die A4 Ii a nee Israelite Universelle in Paril, an die wegen Ihrer Beteiligung an der Jewish Agency herangetreten war, diese Einladung damit beantwortet, die Ailiance Israelite Universelle sei ein« internationale jüdische Körperschaft und nicht lediglich eine Vertreterschaft •der fran.zäsiseJien Judenheit; sie fühlte sieb darum nicht als diejenige Körperschaft, die die französischen Juden In d«r Jewish Agency repräsentieren Könnte. Mit dieser Erklärung steht die Tätigkeit der Ailiance Un Orient «*n Widerspruch. Die Ailiance. hat immer im französischen Sinn gewirkt und dar nationalen Aufklärung den heftigsten Widerstand geleistet. Takt! Von Wladimir Jabotlnsky. In der von Um .geleiteten lerusalemer Tageszeitung „Doarr Halom" bespricht Jabotinsky den Vorfall, der sich auf der Welflkonferemz der Vöökerbundtitgen in Madrid abspielte, als Argentinien spontan Silr die Errichtung des Judenstaates durch den Völkerbund eintrat. Ein französisches Sprichwort sagt: „Versäume nie ' die schöne Gelegenheit, zu schweigen . . Schade, daß Präsident Dr. Weizimarm diesen guten Rat nicht befolgte, als bekannt wurde, daß auf dem Weltkongreß der Vftikerbumdligen die Delegation Argentiniens — also die itiofofcjüdischeii Abgesandten eines großen Staates — eine Resolution zugunsten der Errichtung eines Juden- Staates in Palästina einbrachte. Dr. Weiamatin beeilte sich, die Delegierten der piafrästinensischen Liga, die Herren Motzkin und Fekibengr «u bitten,-den Delegierten Argentiniens beikanntzugeben, daß die Stunde für einen solchen Beschluß noch nicht gekommen seil Noch mehr: der Rat, zu schweiigen, welchen Dr. Weiiamatiu den argentinischen Zionsfretinden erteilte, wunde sofort in einer palästinensischen Zeitung v e r Öff ein. ti i ch t. Sonderbar! Seit fast drei Jahren 'besteht in London ein parlatn ent arisch es Komitee «zur gelegentlichen Unterstützung des Zionismus, dessen Präsident Herr Feinbeng ist. An dieses Komitee ihat sich Dr. Weiamann während der gafuzen Zeit mit keiner Bitte 'gewendet. Ferner wurde nach dem 14. Zio.rastenlkoiigreß in England die sogenarwite Man d a t <s k o im m i s s• i o n ' geschaffen," welcher Lloyd George, Baffour und Macdonald aragekiören, mi der Aufgaibe, dien Zionismus von englteoh-staat- ■licher Seite zu fördern. Auch an diese Kommission, deren •.Gründung noch jubetoder begrüßt wurde, wie die Gründung des parlamentarischen Komites, hat sich unseres Wissens Dr. Weiamann nie - gewendet. Man hat von der Tätigkeit dieser Körperschaften auch nichts mehr gehört. Und nun 'kommen die Delegierten Argentiniens, um auf dem Weltkongreß einer hochwichtigen internation-aten iKörperschaft ein richtiges Wort auszusprechen, das Wort;„J ud e n s t a a t". Was geschieht? Es gibt Leute, welche sagen, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation hätte den Argentiniern seinen Damk aussprechen müssen, iAndere wieder mögen sageu, daß er diplomatisch hätte; schweigen sollen. Weidmann'hat keines .von beiden getan.;Es scheint bei .ihm, Tradition zu sein, keine Geliegemheä't ^versäumen,/dia'S: zu sagen, (was .man nicht sagen soll. Als;dje Kauffleutf ,u,nd Industriellen Palästinas um die,Verbesserung des -Zollsystems. kämpften, glaubte -man, Präsident vWeiizntann'; Werde nicht helfen,'' "äiber ' -wenigstens nicht {'störeri/Mari' •irrW./'Er':'hleit.-''daimais -eine Rede über den j',;Hosenlknopferzeugcr in der großen Hauptstadt Schnipjjj.czek", weicher., nach Schutzzoll .söhreit. Aehnlich sprach |:er sich auf dem letzten Kongreß .über Teä-Awiw und seine i Euliwioklungsimöiglichlkeiten' aus, gerade als diese Stadt mit [/ungeheuren Schwierigkeiten, kämpfte, welche von ihren 'Gegnern weidlich ausgenützt wurden. Die Rede gab d&n : Feinden Tel-Awiiws moralischen RücMiialt. Die neueste Ang.ele.genhelt^ra^entinischen Deiegiecten ist nur das, Glied einer Kette. .Sie :zei>gt, wie leichtfertig die zionistische Be-, weg'ung politisch" geführt wird. Josef Schurberg und Belly Gildiugorin Verlobte | Wien-Leipzig wmxm Konferenz der Radikalen Zionisten. In Warschau am 9. und 10. Juni. Im Einstein-Saal des Jüdisch-Akademische.i Hauses in Warschau, Namiestnikowska 7, tritt am Sonntag die Konferenz der Vereinigung der Radikalen Zionisten zusammen. Das Programm lautet: Erste Sitzung von Sonntag 11 Uhr bis 3 Uhr: 1. Eröffnung: Herr Podlischewski; 2, Begrüßungen; 3. Wahl des Präsidiums und der Permanenz-Kommission; 4. Referate: a) die Lage im Zionismus: Dr. M. Soloweitschik (Berlin); b) Die Lag« in Palästina: Ingenieur R. Stricker (Wien) und Doktor Nachum Goldmann (Berlin); c) Probleme des XVI. Kongresses: Herr J. Grünbaum (Warschau). Zweite Sitzung: Sonntag abends 8 UAr: Generaldebatte zu den vorstehenden drei Referaten. Dritte Sitzung; Montag vormittags halb 11 Uhr: Das Programm der „Vereinigung Radikaler Zionisten": Referate: Ingenieur R. Stricker (Wien); Dr. Mirjam Scheuer (Tschechoslowakei); Dr. Stern (Bukarest); Debatte. Vierte Sitzung: Montag nachmittags 4 Uhr: a) Resolutionen; b) Wahlen; c) Aufstellung der Wöltwahiliste für die Kongreßwahlen. All THEHÜITa nnm wmmt l^B^F-BT ECHTE IWPfftBUTTCR. Denkschriften aus Oesterreich. —y. In Oesterreich, dem Lande, das a}s erstes die Bekämpfung des Terrors in sein politisches Programm aufgenommen hat, gab es demzufolge am letzten Samstag an der Wiener Universität den üblichen Ueberfall auf jüdische Studenten. Die Hakenkreuz-Akademiker marschieren an der Spitze der Freiheitsbewegung und so griffen sie, 50 Mann stark, 20 Juden an, von denen sie sich terrorisiert empfanden. Ein Jude wurde durch einen Faustschlag am Mund, ein zweiter durch einen Messerstich an der Hand verletzt. Weiter ist nichts geschehen. Die Juden wurden nicht verhaftet. Es gibt noch Gerechtigkeit. Der Pedell, an den sich die Juden wandten, wies sie an die Rektoratskanzlei. Die Rektoratskanzlei wies sie an den Pedell. In der Antiterroraktion scheint ein betrübliches Durcheinander der Kompetenzen zu herrschen, was au der Universität, der Stätte der Bildung und vorurteilslosen Wissenschaft zur Schlamperei führt. Wer darf prügeln lassen? Die Frage ist nicht geordnet. Die Hakenkreuz-Akademiker setzten aber in der Nacht den Kampf gegen den Terror fort. Sie kamen in ein Kaffeehaus, in dem jüdisch-nationale Studenten in ihren Farben saßen. Die Hakenkreuzler verlangten, daß das aufhöre. Denn es ist Terror, wenn Juden ruhig sitzen und die Kappe tragen. Die frechen terroristischen Juden warfen die germanischen Lamperln hinaus.. Die kamen mit einem Wachmann zurück, der den Juden das Nationale abnahm. Die jüclisdieit-Studenten werden nun ein Memorandum abfassen und es dem Rektor übergeben, der es in die Mappe der anderen jüdischen Memoranden legen und ansonsten den Juden versichern wird, daß sie diesmal noch ohne weitere Strafe davonkommen. In. diesem .Oesterreich, gibt es besondere Sitten und die .hier"erzählten Vorfälle gehören ..ins Bild. Der Staat und seine Gesellschaft überfließen von Kultur, wenn sie sich dem Ausland gegen über sehen, und sie starren von Roheit, wenn sie sich nur im Innern auseinandersetzen. Man hat auf der ganzen Welt Propagandaplakate angeschlagen, che die Fremden in die schönen Alpenländer locken. Aber in den Alpen gibt es Städte, Dörfer, Gemeinden', in denen Juden nicht zugelassen werden. Die Freizügigkeit ist für Juden aufgehoben und sie gilt höchstens dann (und auch dann nur eingeschränkt), wenn die Juden fest und tüchtig zahlen. Daß die Juden sich diesen Dingen aussetzen, gehört auf ein anderes Blatt, in das so reiche Kapitel der Würde]osigkeit. Aber das ist eine Sache, die nur die Juden angeht. Es besteht die Tatsache, daß^Gemeindebeschlüsse die Verfassung außer Kraft setzen, wobei der Staat ruhig zusieht, und das ist draußen zu wenig bekannt. Man weiß nichts davon, daß hier eine Minorität beleidigt wird und daß sich in diesem schönen Werk die Antiterroristen aller Riten freundschaftlich begegnen. Da liegt z. B. vor uns ein offener Brief des Vereines der Heimatlosen, der Aermsten der Armen, an den sozialdemokratischen Herrn Bürgermeister. In diesem Brief wird das Folgende erzählt: „Ein Staatenloser namens Glückselig, weldier meinals 50 Jahre ununterbrochen in Wien seßhaft st, wurde bereits zweimal (mit dem Gesuch um die Bundesbürgerschaft — Red.) abgewiesen. Herrn Stadtrat Li nein er war der Name nicht genehm. Die Spatzen auf dem Dadi pfeifen bereits von dem roten antisemitisdien Stadtrat." Heil Lindner! Wir sprechen von diesen Dingen zu der jüdischen ßevölkerung im Ausland, weil sie in ihrem Uebermaß an materiellem Leid Oesterreich als ein Dorado anzusehen geneigt ist. iiiiiiimii J trifft sich Sonntag, den 9. Juni in Mauer, Haupt- platz 2, „Weintraube", beim der zion. BezirksseUtlon IV|V. Tanz, Musik, Belustigungen für Erwachsene und Kinder. Zum ersten Male in Wien I m Beginn 2 Uhr, Ende 11 Uhr. üarten im Vorverkauf- Eintrittskarte S 1.50, Famillenkarte S3.50 1

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