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Die neue Welt · 1929-05-31 · Heft 89 (31.5.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 89 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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' Nr. 89 DIE NEUE WEET Seit« I trag für die Zionistische Partei und Beiträge für den Fonds zur Unterstützung verhafteter Zionisten. Ein gewisser Marianowsky, 23 Jahre alt, hebr. Lehrer und Mitglied des Hechaluz seit 1917, wurde Pro vokateur im Jahre 1924. Er entwickelte seine Tätigkeit in Winitza im unterirdischen Hechaluz und bei der zio «istischen Jugend. Er wurde entlarvt, als er versuchte,, mit den Zentralkomitees dieser Organisation in Kontakt au kommen. Z. G o 1 d i n, Mitglied des Hechaluz-Komitees rn Nowaja Belitza, begann seine Provokationstätigkeit im Jahre 1924, in der Hoffnung, eine Anstellung bei der Regierung zu bekommen. Die Menschen werden nicht immer freiwillig Provokateure. Es vollzieht sich folgendermaßen: Die angeklagten Zionisten werden mit mittelalterlichen Methoden bearbeitet. Man schleppt sie um Mitternacht vor den Untersuchungsrichter, droht ihnen mit den härtesten Strafen einschließlich dem Tode. Ihre Verwandten werden verhaftet, eingekerkert, ihrer Arbeit beraubt, aus den Lehranstalten ausgeschlossen^, aus ihren Wohnungen hinausgeworfen, die Steuern erhöht ü. a. m. Das Resultat ergibt, daß die so zermürbten und terrorisierten Juden einen Schein unterschreiben, wonach sie sich in die Reihe der Provokateure aufnehmen lassen. Ein späteres Weigern, diesen Zwangsvertrag zu erfüllen, wird aufs grausamste bestraft. Solche Methoden wurden an verhafteten Zionisten während der letzten vier Jahre in Novzybkow, Reschitz, Kamen ez-Podolsk, Hornel, Minsk, Jelisawetgrad geübt. Im Jahre 1925 unterzeichnete das Mitglied dies Hechaluz Isaak Fisch mann eine Erklärung, wonach er sich verpflichtet, die G. P. U. über konterrevolutionäre Personen und Organisationen in Hornel zu informieren. Fischmann weigerte sich später, diese Informationen zu geben und wurde in ein Gefängnis nach den Slowetz- Inseln gebracht. Im März 1925 gelang es dem Untersuchungsrichter der Minsker G. P. U., durch allerlei Torturen von der 16jährigen Berta Lewin vom Haschomer-Hazair das Verbrechen, Spionage zu treiben, zu erpressen, das heißt die Namen einiger ihrer Parteigenossen anzugeben. Sie wurde aus dem Gefängnis entlassen und beging am nächsten Tag Selbstmord. Im Jahre 1928 lockte G. P. U. den Z. Pinkowski, ein Mitglied der zionistischen Jugendorganisation in Jekaterinoslaw, in ihre Falle. Da er ihrem Willen nicht gefügig sein wollte, schrieb er an seine Kameraden vor seinem Selbstmord einen Brief: „Obwohl ich nicht länger mit euch bin, glaubt nicht, daß ich mit „jenen" gemeinsame Sache gemacht habe. Das Leben ist für mich unmöglich geworden," so werfe ich . es also hin." ■' . So ist die wahre Lage der russischen Zionistenverfolguri'g. Alle Erklärungen, wie beispielsweise die seinerzeitigen der Sowjetmachthaber in Moskau an namhafte' Ausländer, des russischen Botschafters Rakowski in London 1924, daß weder die hebräische Sprache noch der Zionismus in Sowjetrußland Verfolgungen ausgesetzt seien, sowie die im Jahre 1925 vom Volkskommissär für Aeußeres, M. Tschitscherin, den deutschen Zionisten abgegebene Enunziation, daß nur jene Zionisten verfolgt werden, die sich konterrevolutionärer Umtriebe schuldig machen, können nicht über die eine Tatsache hinwegtäuschen, daß die Zionisten in Sowjetrußland nur deshalb verfolgt werden, weil sie Z i o n i s t e n s i n d. In die Sümpfe! Ein neues Kolonisationsprojekt der Sowjets. In der Vorwoche war es das Kuban-Gebiet, das „studiert" werden soll Jetzt hat die .Jewsefczta 'die Siwasch- Sümpfe auf der Krim ins Auge gefaßt. Ein Projekt nach dem anderen geht zugrunde* aber die jüdischen Kommunisten gelben nicht nach, solange aus Amerika Geld zu halben ist. Sie finden immer etwas Neues und die jüdische Presse der ganzen WeM, die seit eih und je alles getreulich abdruckt, was an Schwindeitneldungen aus Rußland kommt, halt bei dem Betrug mit! Jetzt wird aus Moskau gemeldet, daß sich eine Kommission nach den Siwasch-Sümpfen begeben hat. Aber noch ehe ihr Bericht vorliegt, erklärt schon Herr Rosen, der Joint-Ddrektor, daß die Urbarmachung 15 bis 20 Millionen Rubel kosten werde. Man werde auf dem du roh Austrooknung gewonnenen Boden 40.000 jüdische Familien ansiedeln können! Eine solche Erklärung zeigt, wie wenig seriös dieser Herr Rosen ist. Woher kennt er die Kosten und die Ansiedlungsmöglichkeit, wenn, die Kommission erst abgereist ist? Aber die in bezug auf Palästina so skeptischen Amerikaner werden Geld schicken. Solange sie das tun, 'halben die Forscher und Sachverständigen der Jewsekzia gute Tage und fette Diäten! 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Nimmt man an, daß durchschnittlich von jedem kaufmännischen Unternehmen fünf Seelen leben, so folgt daraus, daß Polen 6 Prozent Kaufleute hat. Der Nationalität nach leben von der jüdischen Bevölkerung 48 Prozent, von der nichtjüdischen 1,5 Prozent, vom - Handel Dagegen beweist ^vesellbe; VjOliro&zäihlung, daß die ntobtjüdisohen Handelsuntemehniungen ' viermal soviel Beamte und' zweimal soviel' Arbeiter beschäftigen wie die jüdischen. In Kongreß-Polen kommen auf 100 Kaufleute 63 Juden, in Galiziien 74, in den Randgebieten 88, in Posen und Pommern nur 8 Juden. In Warschau entfallen auf 100 Kaufleute 67 Juden, 65 Prozent aller jüdischen Kaufleute sind nach dem Ergebnis der erwähnten Volkszählung Kleinhändler, während nur ein ganz unbedeutender Teil des Großhandels in jüdischen Händen rufet. Di e H ändl e r k a t ego ri en. Main würde, alber fehlgehen, würde man sich nur auf diese Volkszählung stützen, da eine Reihe von Kauifleuten sich vor gewissen strengen Erlässen und Steuervorschriften fürchtete. Wir müssen als Grundlage unserer Berechnung die Statistik der faktisch „ausgekauften Patente" nehmen. Das Ergebnis wird ein viel seriöseres sein. Im Jahre 1924 kauften Juden 3476 Patente der ersten Kategorie, im Jahre 1925 nur 1715 und im Jahre 192*6 nur 1026 aus; an Patenten der zweiten Kategorie wurden im Jahre 1924 45.000, 1925 37.000 und 1926 nur mehr 28.000 ausgekauft; an Patenten der dritten Kategorie (Kleinhändler) 1924 204,000, 1925 187.000. und .1926 186.000; die niedrigste Kategorie (Stände und Kramläden) wies im Jahre 1924 127.000, 1925 153,000 und 1926 bereits 158.000 aus. Daraus ersieht man, daß die Zahl der jüdischen Großkaufleute im Verlaufe von drei Jahren um ungefähr 20.000 fiel, während die Zahl der Kleinhändler niedrigster Gattung im Wachsen begriffen ist. Im allgemeinen fiel die Zahl der ausgekauften jüdischen Patente im Verlaufe von drei Jahren um 13.000. Nach meiner privaten Statistik, die ich betreffs Angehens von Unterstützungen für Pessach in Gemeinden mit einer summarischen Einwohnerzahl von 1,122.000 Seelen angestellt habe, haben im Jahre 1925 19 Prozent, 1926 21 Prozent, 1927 23 Prozent, 1928 24,5 Prozent und 1929 27 Prozent Juden die erwähnten Unterstützungen angefordert; ein Beweis für den Zusammenhang dieser Anforderungen mit der Verelendung des jüdischen Kaufmannsstandes. i. Numerus c 1 a u s u s i m Kreditwesen. Die Gründe für den Niedergang des jüdischen Handels in Polen sind mannigfaltige. Zunächst die u n g ü nstige Politik der polnischen Regierung*, kreise gegenüber dem Handel im allgemeinen und dem jüdischen Handel im besonderen. Hierher gehört in erster Reihe die Z w a ng s s o n n t a g s r u h e. Die Juden handeln um 65 Tage im Jahre weniger als die Nichtjuden. An zweiter Stelle steht hier die Umsatzsteuer und die Kalamität der Kreditbegrenzung, die den Juden gegenüber seitens gewisser antijüdischer Kreise der Bawk-Polski und anderer ■ staatlicher Banken geübt wird, Hier herrscht sozusagen ein numerus clausus in der' Kreditgewährung. Von allen Krediten, die die Bank-Polski gewährt hat, fiel auf den Handel im Jahre 1924 untmitteilbar kaum 1 Prozent und davon erhielt der jüdische Handel einen ganz geringen Bruchteil. In Deutschland erhält die Kaufmannschaft von der Staatsbank 25 Prozent des ganzen Diskontkredits, also achtmal soviel wie bei uns, .sie kann daher jede KrlSe überstehen. Während in Deutschland mit seinem stark entwickelten Handel im Gesamtbudget bloß 8 Prozent Umsatzsteuer enthalten sind, weist Polen, ein Agrarland mit verhältnismäßig geringem Handel, in seinem Budget 12 Prozent Umsatzsteuer auf. Die Meinung etwa, daß der deutsche Kaufmann solider sei als der, polnische, ist irrig. Das beweisen die Bankerotte und 'Zwangskonkurse, deren Zahl in Deutschland der polnischen nicht nachsteht. Bs ist charakteristisch, daß d a s Ausländ mehr Vertrauen zum polnischen Kaufmann hat als die Leiter der polnischen Staatsbank. Gehört es doch zu den alltäglichen Fällen, daß der ausländische Kaufmann die bestellte Ware im vorhinein bezahlt. Ich will aufrichtig sein: es kommt vielleicht daher, daß die ausländischen Abnehmer größtenteils Juden sind und darum wissen, mit welchen Partnern sie es zu tun halben. Antisemitische Wir ts ch af t s p olitik. Eine antisemi tische Politik führen au'ch sehr viel städtische Sparkassen, an zahlreichen Orten die einzige Kreditinstitution darstellend, eine Politik, 'die sich in der Schaffung neuer Handelsunternehirnungen durch ausgiebigen Kredit bekundet, worunter die alteimgessenen Firmen leiden. . Auch die Regierungen nach dem Maiuirnstunz haben ihr Verhalten znr jüdischen Kaufmannschaft nicht geändert. Die Enquetekommission hat auf Grund einseitiger Iniformationen unsere Kaufmannschaft der Unsolidität beschuldigt und festgestellt, daß der zu große Zwischenhandel das Wirtschaftsleben schädige, eine Feststellung, die nur' für die Zeit der Inflation Berechtigung hatte, trotzdem sie aber für den gegenwärtigen Augenblick nicht zutraf, doch den dem Handel feindlichen Kurs der polnischen Bürokratie noch verschärfte.. Die Feindseligkeit traf am intensivsten den jüdischen Handel. Ungeachtet dessen, daß die Regierung die G e n o s s e n s c h a f t s b e w e g u> n g in reichem Maße unterstützt, hat die Jüdische Genossenschaftsbank in- Wochen-Kalender Mai—Juni 1929 VN tysnn Ijar 5689 31 Freitag 21-ND Sabbateingang 7.50 Omer 36 1 Samstag 22-:d Sabbatausgang 8.35 n mtaon »Tiprn 2 Sonntag 23 -» Omer 38 3 Montag 24-13 Omer 39 4 Dienstag 25-HD Omer 40 5 Mittwoch 26 -t> Omer 41 6 Donnerstag 27 ~T3 Omer 42

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