Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 89 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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"Seile '4 T>IE NEUE WEIT Nr. 9* WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX., ALSERSTRASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-34 tibar die Qualität der exportierten Früchte sich als sehr segensreich erwiesen hat wnd daß das Vertrauen der ausländischen Abnehmer zur Güte der palästinensischen Orangen sich sehr gefestigt hat. Haben doch in gewissen Fällen die Preise bereits dieselbe Höhe erreicht, die für die beste kalifornische Orange bezahlt werden. U&berihaupt ist vieles geschehen, um diesen wichtigsten Wirtschaftszweig Palästinas zu entwickeln. Der Transport von den Dörfern zum Haien erlfolgt größtenteils nicht mehr aajf Kamelrücken, sondern in modernen Lastautos. Durch besondere Sachverständige ist die Art der Verpackung sehr verbessert worden. Im der Saison verkehren direkte Lastschiffe von Jaffa nach Liverpool, wodurch die VerscniffU'ngsdauer von 18 auf 12 Taige iheraibgesetzt worden ist. So scheint es, als öb in der Orange die palästinensische Landwirtschaft endlich ein Produkt gezeitigt hat, das durch seine höhe Qualität mit sicherem Absatz rechnen kann und das der palästinensischen Landwirtschaft einen festen Halt zu geben vermag. Ein- und Auswanderung. ,Im .Verlaufe des Monats Mänz. sind 452 Personen, unter, ihnen 375 Juden, in Palästina eingewandert. 236 Perr sonen, unter ihnen 155 Juden, verließen in dem gleichen Monat das Land. Aus dein Nationalheim' ausgewiesen. Abermals ist in Jerusalem ein Fall grausamer Landesverweisung zu verzeichnen, Ein siebzig-, jähr i ig e r. J.u.d e, : der mit Frau und Tochter 1922 als Tourist nach Palästina gekommen -, war, es aber unterlassen hat, sich rechtzeitig um die Erlaubnis au dauerndem» Aufenthalt 3« bewerben, wurde des Landes verwiesen. Eine, Intervention des französischen Konsuls zu( seinen Gunsten; Wieb ohne Erfolg. Der Auibauionds. \ Die Nettoeingänge beim Hauptbüro des Keren Hajes-, lod betrugen im April-1929 laut provisorischer Auifsteltong 34.073 Pfund. Davon stammen aus den Vereinigten, Staaten 14.912, England 4500, Südafrika 4000, Ailt-' ritmänien 2995, Deutschland 1932 und Holland 1335 FifundJ" Der Rest ging aus anderen Ländern ein. Im Verlauf des Monats März 1929 waren beim Hauptbüro in Jerusalem. 44.700 Pfund eingegangen. Im Februar d. J. betrugen die- Eingänge 37.358 Pfund, im Jänner d. J. 30.990 Pfund. Für die Beduinen. Aus Jerusalem, 24. d. meldet die J. T. A.: Die! Palästina-Regierung hat soeben am Gebiet von J e r i c'h 0 eine Räche von 20.000 Duna-m Boden unter Beduinen verteilt. Die jüdisdhen 'Siedler haben bisher-von der Regierung noch «nicht das geringste erhalten. Die Klagemauer. Herr Proiessor S c h 0 r r, der Oberrabbiner der Warschauer Großen Synagoge, hat dem Rat der jüdischen Gemeinde von Jerusalem zwei Dokumente übergeben, die für die Frage des Status quo an der Klagemauer von großer Bedeutung sind. Das erste Dokument ist eine offizielle Mitteilung des Sekretariates der Palästina-Regierung aus dem Jahre 1920, als eben die Zivilverwaltung in Palästina unter Sir Herbert Samuel errichtet worden war, und besagt, daß der Oberkcmmissar die Entscheidung über die Frage der Trennung der männlichen von den weiblichen Andächtigen an der K'lagemauer dem Rabbinat Palästinas überläßt. Das zweite Dokument enthält eine Mitteilung des früheren Gouverneurs von Jerusalem Sdr Ronaid Storrs, ebenfalls aus dem Jahre 1920, Iri der es heißt, daß die Regierung nichts dagegen habe,' wenn längs der Klagemauer Stühle zur Benutzung seitens der Betenden aufgestellt werden. Aus diesen beiden Dokumenten ist klar zu ersehen, daß die Errichtung einer Scheidewand und die Aufstellung von Stühlen keinerlei Verletzung des Status quo bedeuten; Bekanntlich haben, diese zwei Angelegenheiten in den Jahren 1925 und 1928 zu sehr unliebsamen Zwischenfällen geführt, indem die Mosiemiten angeblich in der Verteidigung des Status quo die jüdischen Andächtigen angegriffen haben. Am Ver-! söhnungstage 1925 handelte es sich um Stühle, die zum Ausruhen (für betende Greise und Greisinnen aufgestellt wurden; am Versöhnungstage 1928 handelte es sich um d$e S c h e i d e w a n d. Die Angelegenheit hatbekanntlich: auch den Völ'keribwtDd beschäftigt. Ein unveröffentlichtes Herzl-Manuskript. HerzI und die Arbeitslosen. Einer der treuesten Freunde Theodor Herzls hat mir ein Originalmanuskript des Schöpfers des politischen. Zionismus zur Veröffentlichung freundlich überlassen. Es handelt sich um den handschriftlichen Entwurf eines im Jahre 1892 an den österreichischen Minister Chlumetzky gerichteten Briefes. Den damals noch jungen, verwöhnten Journalisten der österreichischen Bourgeoisie, den Salonjournalisten, hat sein großes Herz zu den Armen und Elenden hingedrängt, das große Herz, das ihn dann zum Erlöser und Befreier des jüdischen Volkes machte. Robert Stricker. Eure ExzellenzI Die Rede, die Sie kürzlich im Ferienkolonienverein hielten, läßt mich vermuten, daß Sie sich für die Sache interessieren werden, welche ich mir erlauben will, Ihnen vorzutragen. Ich lebe seit einiger Zeit im Ausland und weiß daher nicht, ob die Einrichtung in Oesterreich schon besteht. Ist das der Fall, so möge die gute Absicht die überflüssigen Zeilen bei Eurer Exzellenz entschuldigen. Es handelt sich um die „Assi- ^*->M>c*-e<r£« SCZfyL>>U, A*t£t+** Xu~,tt*—"v~ - eCo^f Sc* i>'i£. «£«• %u-A^dj\j^ f *>v-*X~L* -»vi V^-tt^H V-*-Jyk4-*-<L*jA*»^ ' rk*Z*v «-T^«yj'«^-*>«/» tu. ■t *- ■^ÜtJ^-J*** lUlt,' *V-/ -uj- Ifrffcn-» ( 1 i\ >* ulumi "»* ^ih <1&U*U W '1"Jt"'- U ^^ar U^-ujJ-^ 4. «^a-^W ^. .-^^^I^V.^ OJUiM d^'^i <t~-rf-6Cr",*Y~- >*^+~ <f~t* ,&*^C &Z+*^r <** ~f***»>x *^J-iiM££jL'qjLA, , .III, i m ""i ' ^i Lo^uJU- &A**~f-**~*-* /^^y«. tU*. **f*~ ' Av^i»-iA,'^iv«-^. '']J : aU^-A.OJfri L £*. t-t-^so-vSS. >L*!~^~U J^_, (LuU^JU. *^ *^U<JL*^ f^^J . ,, ^o-'' / ' H^M^y^dL yUZ-u r**^>* ~* ^^f^M-^- zi."». r . u , ' WiM^iLUX* JtjL^ u**«* t?~zy\ th*-u, i'bvut** 'tvyd^f ' ßy f^^?~ £est~*^U , -V^' K^^^ O^ULT 6*^9^*»~-y 11* ^ä, :-^fYA^f' ,; V s t ä n c e' p a r 1 e t r a v h i'V'y um di-e Unters l üt z u n g d u r c Ii A rlo e i t, sagen Svir^ kurz; Ärbeitshilfe. Der Gedanke, ein einfäcKer ,u.nd'grpßer, ist, glaube ich, zuerst in Ho]la\|d%nd Belgien aufgetaucht; im Elsaß, in der Schweiz,, in.,£ngland gibt es ähnliche1 .Versuche.. Arrnen pjh(ne; Alniosen, das heißt ohne D e m üH i g u n gj zu he^fe Zugehörigkeit zu einer^jG^ej^'cle^.»noch zu einer Nationalität oder Koniels^ionVzü -fordern, und indem man sie scheinbar nur-zurn iäglTchen Brotverdienen lassen will, sie durch das Sittliche und Tröstende der Arbeit aufzurichten — dieser Gedanke hat etwas Ergreifendes. Im ersten Augenblick glaubt man sogar, auf der Spur einer freisinnigen Lösung der sozialen Frage zu sein. Das ist freilich vorläufig ein Irrtum. Was ich bisher sah, ist noch etwas Dürftiges und Primitives. Aber enthält es nicht Keime, die versprechen? Gegenwärtig ist es nur eine neue und höchst sinnreiche Form der Wohltätigkeit. Wird es sich weiter entwickeln lassen, . praktisch werden, dem Bedürfnisse nicht nur von Arbeitnehmern, sonderi} aiich von Arbeitgebern genügen? Kann es zur Größe ausgestaltet werden, arbeitslustige Kraft in Massen dahin bringen, wo man sie braucht, kann es zur Milderung von Produktiqnskrisen verwendet werden, die Streiks vor revolutionären Ausartungen und von cler geschlossenen Werkstatt die Arbeit auf die offenen Felder leiten' und wieder zurück? Das sind Fragen. Es ist unmöglich und unnötig, sie jetzt schon zu beantwor-: ten. Von einem Vorwurf aber kann die Arbeitshilfe' die Gesellschaft befreien; daß Menschen, die arbeiten wollen, verhungern oder sich das Leben nehmen^ müssen. Einzelne Fälle dieser Art kommen ja vor/ ___- Wenn aber auch die große Frage, die aus un--* Tel. 11-64(8 ■KiO Streng orth. «Hp- Restaurant STERT Baden bei Wien Antonftgnste 13 — Ft*anzen*rlng 34 Sl'tfl zu Mittag auch MetlÖ, Suppe, Braten. Oeinüse, f VCfl t JU Mehlspeise. — Anerkanrrt beste jüdische Küche, J £ Ju schftnster schattiger Garten Badens, kutanteate Bedienung, zivile Preise. Hochzeiten und Diners werden in herrlichen Lokalitäten bestens und billigst ausgeführt. serem Bewußtsein nicht mehr zw entfernen ist, durch die „Arbeitshilfe" noch nicht gelöst: ist, so löst sie doch einige kleinere. Die Frage: wer ist der Unterstützung würdig, wird jedenfalls schon gelöst. Es kommt Sinn, Gerechtigkeit und ein höherer Zug in die Wohltätigkeit, die sich nicht mehr auf der Gasse zu verzetteln braucht, nicht erschlichen und erheuchelt werden kann. Ich werde Eurer Exzellenz eine Gesellschaft für Arbeitshilfe schildern. Es gibt deren einige in Paris. Ich kenne sie noch nicht alle, will sie aber nach und nach besuchen, studieren und sobald ich ein Gesamtbild habe, werde ich darüber in der „Neuen Freien Presse" — deren Korrespondent ich bin — schreiben. Die „Arbeitshilfe" der Bezirke Batignolles- Momeau wurde 1891 gegründet. Zweck des Vereines ist, diese Bezirke vom gewerbsmäßigen Bettel zu säubern. Die Bettlerindustrie ist nämlich in Paris eine vielfältige, mit wunderbarem Scharfsinn ausgebildete und sehr einträgliche, aber neben dem in glänzenden Verhältnissen lebenden Blinden verhungert ein beschäftigungsloser Arbeiter. Neben dem Krüppel auf dem Pont des Arts, der 40 bis 50 Francs im Tag einnimmt, wirft sich ein gesunder, verschämter Armer ins Wasser. Die Arbeitshilfe gibt den Vereinsmitgliedern Tickets, die den Bettlern statt Geldes gereicht werden. Mit dem Ticket kommt der Arme ins Vereinehaus. Er muß seine Adresse angeben. Man zieht Erkundigungen über ihn ein. Bestätigen sich seine Angaben, so kann er am nächsten Tage wiederkommen und erhält Arbeit. Ist er obdachlos und seine Not eine unmittelbare, so wird er gleich beschäftigt. Was der Verein sonst noch für Arme tut, ist nicht ausführlicher zu erwähnen, obwohl sehr rühmenswert: eine individualisierende Wohltätigkeit. Der Kern ist die Arbeitshilfe....... Das Vereinshaus hat große, lichte, im Winter geheizte Arbeitsräume für Männer und Frauen. Die Männer fertigen ,,Ma,rgotins" an. das sind BüncLel von kleingehacktem Holz, die Spitzen der Stäb-» chen mit Harz getränkt. Diese Margotins dienen zum Feueranmaphen. Für das Bündel, gesägt, gehacl;ct,. gebunden, ferhält der Arbeiter 3 , Centimes. .Einj^ann kann in fünf Stunden 50 Bündel anfertigen.'Er; verdient somit Fr an für. Mahl- 'zeiten "und>'Wohnung-'., ausreicht. Frauen haben Näharbeit, die verheirateten bekommen sie mit nach Hause. Bei der Frauenarbeit verliert der Verein aus. verschiedenen Gründen. Es wird viel Stoff verdorben, die Arbeit ist für große Geschäfte wegen der Ungleichmaßigke'it nicht verwendbar usw. Die Arbeitshilfe dauert höchstens 20 bis 30 Tage. Während dieser Zeit ' müsseh . sie Stellen (Unterkunft) finden. Länger kann der Verein ein Individuum nicht beschäftigen, Männer nicht, weil er für Margotins keinen genügenden Absatz hat, Frauen nicht, weil ihre Arbeit zu viel kostet. Ich habe gefragt, ob es nicht rätlich und besser wäre, ein Trucksystem, einzuführen, die Unterstützten zu verköstigen und die Obdachlosen zu beherbergen. Ich bekam zur Antwort, daß in der Arbeitshilfe, die Pastor Robin im Bezirk Belleville leitet, Kost, gegeben wird. Ich werde, sobald es meine Beschäftigung zuläßt, diese Anstalt besuchen. Eine andere gibt Speisemarken für die Arbeit, die auch überall, verschieden,ist. Man tastet eben noch, macht allerlei. Versuche. System der Assistance publique. Das Prinzip ist klar: eine Arbeit geben, die aus einfachen Handgriffen besteht, leicht von jedem auszuführen ist. Bei einer praktischen Einrichtung, die weitere Ziele ins Auge faßt, wird man freilich trachten müssen, nur verwendbare Arbeit leisten zu lassen, spnst bringen die Hilfsbedürftigen die wohltätige Einrichtung um. Die Art der Arbeit wird in Wien oder anderen Städten anders sein müssen, auch nach den Jahreszeiten, ja nach Tagen wechseln. Groß angelegt, kann die Arbeitshilfe Zentrale und. Regulator des Arbeitsbedürfnisses — für Geber und. Nehmer — sein. Die Eisenbahnen werden der Arbeitshilfe Fahrtbegünstigungen bewilligen, und — vielleicht ist's nur Sache der Lancierung dieser.Id.ee — auch völlig freie Fahrt. Aber wenn man auch von. der. Mobilisierung und Uebertragung der Arbeit in die Ferne absieht, schon die seßhafte kann ausgestaltet werden. Ich denke mir, daß das ganze Gebiet der Strafhausarbeit heranzuziehen ist. Den Sträflingen darf wohl Konkurrenz gemacht werden. Ferner; Einrichtung von Feldarbeiterkolonieh. . 'Vielleicht wird einer oder der aridere unserer Millionäre, ein Stück Land kaufen, auf das man Stellenlose dirigiert, wo sie in der Berührung mit der Erde sicher Kraft sieh holen und vielleicht von der großen Stadt geheilt werden. Mit der Zeit das Gründstück, das sie bewirtschaften, ins Eigentum^ erwerben. Aber ich gerate zu weit. Davpa wollte ich gar nicht reden.