Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 89 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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: Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 89 Ar lailrts in Kassapreis S 65.— oder Anzahlung S 10.— und 12 Raten ä S 5.80 mit eingebautem Plattenbehälter für 8 bis 10 Schallplatten, und einer doppelseitigen. Schlagerplatte. Große Auswahl in jüdischen u. hebräischen Aufnahmen. MUSIKHAUS EXZELSIOR Inhaber Richard Herzog Wien, I. Bez., Adlergasse 5 Telephon R-23-4-90 Wien, II. Bez., KI. Pfarrgasse 28 Telephon A-41-6-24 Um den Judenstaat. Die englischen Arbeiterführer wollen ihn. — Der amerikanische Juderifiihrer Marshai verflucht ihn. — Sein Kollege Warburg mag ihn nicht. — Zionisten verschweigen ihn. Auf einer Versammlung in London, welche die Arbeiterpartei Poale Zion zu Ehren des aus Palästina zurückgekehrten englischen Arbeiterführers Tawney veranstaltete, sagte der Vorsitzende der Exekutive der englischen Arbeiterpartei Herbert Morrison: „Wir begleiten mit großer Sympathie die 'Anstrengungen des jüdischen Volkes, seine Heimat in Palästina wieder aufzubauen, sowie den Versuch, einen jüdischen Staat erstehen zu lassen. Wir haben Interesse an der Errichtung einer jüdischen Heimstätte und eines jüdischen Staates in Palästina. |Wir haben dieses Interesse bereits manifestiert, als noch Schwierigkeiten bezüglich der Annahme des Palästinamandates durch England bestanden. Wir haben vom Standpunkt der Arbeiterschaft aus die interessante Entwicklung in Palästina verfolgt. Auf der Brüsseler Konferenz der Sozialistischen Internationale begegnete ich vielen Freunden, die 'sich begeistert über das Palästinawerk aussprachen. Einer von diesen war Herr Vandervelde. In Palästina ist eine jüdische Afbeiterbewegung entstanden, die mit unserer Arbedterinternätionale verbunden ist. Die britische' Arbeiterpartei ist froh, zu wissen, daß sie . eine Schwesterpartei in Palästina hat/4 Dieses herzliche und rückhaltlose Bekenntnis rrichtjüdischer Vertreter der mächtigsten Arbeiterpartei der Welt zum Judenstaate wirkt um so erbebender, als es in einer Zeit abgelegt wird, da Juden, selbst Zionisten kleinmütig von der Herzl- Idee, vom Judenstaate ängstlich abrücken. I-n der Vorwoche haben die .. amerikanischen Judenführer Marsha 1 und Warburg, denen jetzt Weidmann und die zionistische Kongreßmehrheit die politische Leitung des Palästinaaufbaues ausliefern wollen, ihre Meinung über den Judenstaat deutlich zum Ausdruck gebracht. Marshai hat, wie bereits berichtet wurde, den Judenstaat regelrecht verflucht. Er will ihn nicht erleben und die Zionisten und ihre Kinder sollen ihn auch nicht erleben! So sprach Manshal zu den New Yorker Zionisten. Nun hat sein Freund Felix Warburg in München eine Rede gehalten, in welcher-er lebhafte Freude darob äußerte, daß man vom Judenstaate nicht mehr spricht. Er sagte: „Es gib.t in Palästina keine Zionisten oder Nichtzionisten, es gibt auch kaum jemand, der von einem Juden Staate spricht..." Wie klein und kläglich müssen sich die Vertreter der palästinensischen Judenschaft und die Vertreter der Zionistischen Organisation vor diesem Repräsentanten der reichen amerikanischen Judenschaft gebärdet haben, daß er ihnen gelassen diese Beleidigung antut! Im jüdischen'Palästina ist der Gedanke vom Judenstaat erstorben! Daß er ihnen in derselben Rede noch eine Demütigung zufügt, ist nicht mehr erstaunlich. Ueber die Arbeiterfrage äußert sich Warburg: „Die Araberfrage hängt in der Hauptsache davon ab, wie die Juden sich als Volk zu den Arabern stellen werden, Nur dann, wenn die Juden sich höflich, vernünftig und bescheiden zuihnen verhalten, wird ein nachbarliches Zusammenleben möglich sein...!" Während der Anwesenheit Warburgs wurden die Juden an der Klagemauer blutig geschlagen und verjagt. In Chedera haben ihnen die Araber Boden einfach weggenommen. Nichts ist vorher oder nachher geschehen, was einer jüdischen Provokation auch nur ähnlich sehen würde. Aber nach Warburg sind offenbar die palästinensischen Juden schuld und haben sich gewiß unhöflich, ' unvernünftig und unbescheiden benommen. Diese Reden gegen Judenstaat und gegen jüdisches nationales Recht werden an Zionisten gehalten und die zionistische Presse druckt sie kritiklos, wohlgefällig ab. Da wirkt die Rede des englischen Arbeiterführers wirklich erhebend. Sie tröstet jene, die am Zionismus schier verzweifeln. Die Idee vom Judenstaate ist unverwüstlich. Sie ist bereits in das Bewußtsein der Nichtjuden gedrungen. Sie wird, sie muß im Judentume siegen. r. st. Palästinageld am unrichtigen Ort. Agitation gegen Jabotinsky. Amf dem vor einigen Monaten in Wien tagenden Kongreß der Zionilsten-Revisionisben sprach Wladimir Jabotinsky über die Methode, welcher sich die jetzige Leitung der Zionistischen Organisation bei der Bekämpfung der zionistischen Opposition bedient. Er berichtete unter anderem, daß in Frankreich auf Kosten des Keren Hajessod (Palästina-Aufbaufond) eine „Werbebroschüre" gedruckt und in vielen tausenden Exemplaren verschickt wurde, welche Verleumdungen gegen ihn, Jabotinsky, enthält. So steht in der Broschüre, daß Jabotiimsky die Araber Palästinas vernichten, sie von ihren Wohnsitzen verjagen und Palästina a r a b e r r e i n mach e n ' W'i 11. Die zionistische Presse bat, auch das gehört zur Methode, die Aeußerungen Jabotinskys glatt verschwiegen oder entstellt. Nun meldet der Pariser „Rasswjet", daß die Angelegenheit doch eine Erledigung gefunden hat. Jabotinsky halte sich an den zionistischen Kongreßantwalt gewendet und zum Einschreiten gegen die Zionistische Exekutive aufgefordert. Nach einiger Zeit verständigte der Kongreßanwalt Herrn Jabotinsiky, daß von der Zionistischen Exekutive ein Schreiben eingelangt sei, in weichem die Exekutive ihr Bedauern ausdrückt, an der He r au.sgaib e der B r o s c h ii r e Anteil genommen zs u haben. „Rasswjet" bemerkt dazu, daß es sich hier , nur um einen von vielen Fällen handle. Man braucht über diese Verwendung von 'Zionistischen Geldern nicht viel Worte m verlieren. Man. muß nur über die Geistlosigkeit der von oben her betriebenen, illoyalen, amtlich besorgten Kampagne gegen die Opposition staunen. Statt Jabotinsiky.. eines7 am Zeug zu flicken,- wird dem Zionismus, de>h;man vor: Jalbotinsky scfoütizen will, ein Loch in den Leib gerannt. Es wird vorgelogen, daß im Zionismus eine Richtung existiert, welche es auf di e Au s r o 11 u n g d e r Araber abgesehen hat...Denn. Jaibqtilns'ky ist und bleibt;eine der bedeutendsten ' und glänzendsten TGistalteh 'im 'heutigen Zionismus,;oib es den Soldschreibern gefällt^-oder nicht. Das wird jeder gewissenhafte Zionist, mag . er auch Gegner der Politiik Jalbotiinsikys sein, anerkennen. Das weiß vor allem die Außenwelt, welche Jabotinsiky als Repräsentanten des Zionismus kennt. Die unwahre Behauptung, daß Jabotinsky und seine Leute die Ausrottung der Araber wollten, ist daher ein willkommenes Geschenk für die arabischen Antiziionisten und ihre Helfer. Sie werden sich auf das Zeugnis der Zionistischen Exekutive berufen können.' Schlecht gemacht. Dumm gemacht. Ausweisung eines jüdischen Journalisten aus der Türkei. ' Aus' Kon s t a n t i rtNo p öl' meldet die J. T. Ä.: Der jüdische Journalist Samuel Halevi, unter der• jüdischen Bevölkerung der Balkanländer als Sozi a'lifür sorg er bekannt, ist aus der Türkei ausgewiesen und unter militärischer Eskorte an die Grenze gebracht worden, weil er in Artikeln, die er im Auslände veröffentlichte, das System der J u d e n v e r f o 1 g u n g e n d e r Türkei gegeißelt und gegen die Zwangsassimiilation protestiert hat. Samuel Halevü erklärt, er werde dem Völkerbund ein Memorandum über die Unterdrückung der jüdischen Minderheiten in der Türkei' übermitteln. »Illllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliu j§ Die WBencsi? weltbekannten Talare u. Barette! in den mannigfaltigsten formen erhalten Sie fertig und nach MaB E In bester Qualität zu den billigsten Preisen' § nur in der altbekannten flniformierungsu. Maßschneiderei 'S WienJLTaliorstrallellr.gi i Achtung au{ Hausnummer!) Ws Tel, R 45-6-29 Oegr. 1866 g Zahlreiche belobende 2 Anerkennungsschreiben 2 Vorsand naoh allen Weltteilen 2 Reich illusflerta Kataloge grati : 2 § Feinste Herren garder oben nach Mass s SReichhaltiges Stoftlager. Zivile Preise. ZahlungserleichterungenS iiiiiiiuiiiiiiiiieiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii? Aiiarnrat TTumnm MIDEL rmiMQL OAB*NTIERT ECHTE HATURfllfTTEft. Der Tierschutzkongrefi. Eine antisemitische Resolution eingeschmuggelt. Wie berichtet, hat der in Wien abgehaltene Tierschufczikongreß sich ganz im Zeichen des Hakenkreuzes abgespielt. Es wurde ein gefälschter Schächt-Film vorgeführt, bei welchem sich ergalb, daß das Tier stehend von einem Fleischhauer geschlachtet wurde, was dem jüdischen Brauch zuwiderläuft. Die Debatten waren erregt und stürmisch. Das Niedlichste aber leistete sich der Kongreß am Schlüsse. Der Resolutionsausschuß hatte über Antrag des französischen Delegierten L espin e eine Entschließung gefaßt lind vorgelegt, weiche jede Spitze gegen die Jüdische Religion vermeidet und lediglich die Einführung humanster Schlachtmethaden fordert. Diese Resolution wurde bei den Abstimmungen nich't verlesen, sondern ein Antrag, der verlangt, daß jedes Schlachten ohne vorangegangene Betäubung zu verbieten ist. Dieser eingeschmuggelte Antrag wurde angenommen. Es ist natürlich höchst gleichgültig, was ein so geführter Kongreß beschließt. Das Judentum wind sich durch einen Herrn Melkus nicht imponieren i-assen. Aber es ist festzustellen, daß der Kongreß unter dem Bhrenprotektoraf des Bundespräsidenten Mikflas stand, eines strenggiläubigen katholischen Politikers . . . Soziale Arbeit in Berlin, Beschlüsse der jüdischen Gemeinde. Aus Berlin, 24. d. meldet die J. T. A.: Die R ep r ä s e n t a n t e n v e <r s a m m i u' n g der Berliner Jüdischen Gemeinde genehmigte den Ankauf eines Grundstückes in 'Pankow, auf dem, einer Anregung der Jüdischen Vdlkspartei entsprechend, vom Gemeind'evorstand die Errichtung eines Ledigenheimes beabsichtigt ist. Eirtem Antrag der. Jüdischen Volk spart e i (Zionisten) zufolge hat der Gemeindevorstanid der Re- 1 Verband demokratischer Zionisten j Mittwoch, den 5. Juni 1929 um halb 9 Uhr abends im H Cafe Produktenbörse IL, Taborstr. 10 (Klublokal) g Versammlung ( Gegenstand: '1 Die Juden, das Volk der Extreme j und Paradoxe I Referent: «1 Dr. Paul Diamant § 1 Eintritt frei! Gäste herzlich willkommen! 1 präsen-tantenversamnilunig eine Vorlage betreffend Errichtung einer P o 1 i k 1 i n i k und Wahl der dirigierenden Aerzte der Pdilklinik zugeleitet. Die Repräsentantenversammlunig hat die Vorlage angenommen. Die Poliklinik wird in der Linienstraße errichtet werden; zu dirigierenden Aerzten sind für die innere Abteilung Professor Dr. Kad Lewin und für die chirurgische Abteilung Privat- 'dozent Pickardt ernannt. Professor Dr. Karl Lewin, langjähriger Assistent des verstorbenen berühmten Klinikers Geheimrat Professor Dr. von Leyden, ist weiteren Kreisen besonders durch seine Krebsforschungen bekanntgeworden. Privatdozent Dr. Pickardt ist Assistent des bekannten Berliner Chirurgen Professor Dr. Sauerbruch. Jabotinsky für die Dominionidee. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: In Palästina hat sich, ähnlich wie. in England, eine Liga gelbildet, die sich die Propaganda für die Umwandlung Palästinas in das siebente britische Dominion zum Ziele gesetzt hat. An der Spitze der palästinensischen Liiga steht Wladimir J ahotinsky, der Führer der Zionisten-Revisionisten. Baron Theodor Wolfner gestorben. Im Alter von 65 Jahren verstarb in Budapest der führende ungarische Großindustrielle Baron Theodor Woifner. Er war Mitglied der jüdischen Gemeinde. Jahrzehntelang gehörte er dem ungarischen Reichstag an. Der Stuhlrichter von Kunmadaras. Aus Budapest wird'gemeldet: Der Stuhirichter von Kunmadaras, einer kleinen ungarischen Stadt, erließ eine Verordnung, laut welcher der Zuzug von Juden nach Kunmadaras verboten sei. Auch diejenigen Juden, die nach Kunmadaras einheiraten, erhalten kein A n s i e d 1 u n g s r e c h t. Auf diese Weise soll Kunm'adaras allmählich „judenrein" werden. Von jüdischer Seite wurde gegen diese verfassungswidrige Verordnung des Stuhlrichters bei der Regierung Protest wfoob&n,