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Die neue Welt · 1929-05-31 · Heft 89 (31.5.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 89 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 C V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa. 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel» und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 31. Mai 1929 Nr. 89 Ein unveröffentlichtes Herzl-Manuskript Seite 4 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E be. zeichnet. Aus dem Inhalt: r. si: Um den Jndenstaat. Dr. Fritz Löwenstein: Brief aus Palästina. Der Roman des Grafen Radziwill. 1. w.z Nathan Löwenstein. Dr. Viktor Kellner: Die jüdische Mittelschule. Die jüdische Tragödie in Rußland. Dr. F. Rottenstreich: Die Zerstörung des jüdischen Handels in Polen. Jerucham. AI maliah: Das Judenghetto in Afghanistan.!Aus der, jüdischen Turn- und Sportbewegung. Austritte aus dem Judentum. Schalom Asch: Die Mutter^ j: Schalom Ale ehern: Komödianten. Ein antisemitischer Hetzer '..'.. sc^wei^.vep^öljiel^,, ,,,,.,. Von einem jüdischen Studenten aus Jerusalem. ■Aus Antwerpen, 26. d., meldet die J..T. A.: Der aus Jerusalem stammende jüdisclhe Student Mordeohai Chapiro, Besucher der landwirtschaftlichen Hochschule in GemWoux, brachte im Verlaiuf eines Streites dem christlichen Studenten Mi cih el s ou drei Messerstiche bei. Michelson wunde in schwer verletztem, aber uic'ht lebens-" gefährlichem Zustande ins Kraulkenhaus gebracht; Ghapiro stellte sich selbst der Polizei, die ihn dem Staatsanwalt in NarnuT überantwortete. Michelson ist der Anführer einer Gruppe antisemitischer Studenten, von denen mehrere als ehemalige Offiziere der Armeen Denikin, KoKschak und Petljura sich a'k t i v an Judenpogromen -b e t e i1i gt halben und die'sich nun zu einer antisemitischen Gruppe zusammenschlössen, die die jüdischen Studierenden der land* wiftschaiftiiehen Hochschule unablässig verfolgte. Die russischen Studenten erklärten, die Juden hätten Rußland dekupiert und die echtrussischen Leute aus Rußland vertrieben. Der Gruppe gehörten auch - polnische Nationalisten und rumänische CuEisten an. Die in Gembloux studierenden zwanzig jungen Juden, die sich als Chailuzim für Palästina vorbereiten;"hatten unter den antisemitischen Verfolgungen sehr viel zu leiden.' ' Chapiro selbst, der das hebräische Gymnasium und, das Lehrerseminar in Tel-Awiw absolviert hatte, wölke sich in Belgien zum Landwirt ausbilden. Seinen Unterhalt, verdiente er. sich al s Bahn a rb eit e r. Die belgische Presse stellt ohne jedes Verständnis für die tieferen Hintergründe des'Falles Michelson als das tragische Opfer eines kom- ^■unistenf ländlichen Paläst'majuden hin. Mordeohai Cihapiro wurde nach den ersten Verhüreu gegen eine Kaution von 20.000 Francs in Freiheit gesetzt. Der Dekan der landwirtschaftlichen Hochschule, der eine sehr gute Meinung von-Ghapiro hat, ersuchte die Behörden, Ghapiro die Gelegenheit zu lassen, in diesem'Monat seine Abschlußprüfung zu .machen. . Nach polizeilicher. Darstellung hat sich der Vorfall wie folgt zugetragen: Chapiro kam mit Michelson in. einen Wortwechsel, wobei Michelson dem .Chapiro das Schimpfwort „felger käuflicher Jude" zurief, worauf Ghapiro seinen Gegner angriff. Die jüdischen Studenten mißbilligen zwar jeden' terroristischen Akt, sie erklären aber, daß sie zufrieden seien, daß durch diesen Z wis ch e nf all - e ndli ch die antisemitischen Treibereien, unter denen sie soviel zu leiden hatten, entlarvt wurden und vielleicht in ZtttaU verhindert M4l bürden, Das Schicksal der Juden in Rußland. Ein Aufruf Bialiks. Aus Jerusalem, 26. d., meldet die J. T. A.: Unter dem Vorsitze des Dichters Chaim Nachmaun Bialik wurde in Tel-Awiw eine Zusammenkunft hebräischer Schriftsteller und einer Anzahl Persönlichkeiten des jüdischen öffentlichen Lebens in Palästina abgehalten, in der über; die bedrohliche Lage der russischen Judenhelt Berichte entgegengenommen wurden. Es wurde beschlossen, einen Aufruf an die J u d e n h e i t d e r ganzen Welt zu richten, in welchem es u. a. heißt: „Die besten Elemente der russischen Judenheit machen materiell und moralisch eine Periode äußerster; ■Bedrückung durch; ein Regime des Terrors und des Willens wütet in den Sowjetländetn gegen die hebräische Sprache, die hebräische Kultur, die jüdische Religion und die zionistische Bewegung. Wenn sich die Weltjudenheit nicht rechtzeitig zur, Rettung der russischen Brüder aufrafft, kann es zu spät werden, und ein nie wieder gutzumachendes und nie zu verzeihendes Verbrechen werde an dem russischen Judentum begangen sein. Die jüdische öffentliche Meinung ist durch unzutreffende Berichte eingelullt worden, die jüdische Presse vermeidet es, die wirkliche Lage in Rußland so darzustellen, wie sie wirk-! lieh ist. Nun ist die Zeit gekommen, wo die jüdische' Presse endlich ihre Pflicht tun und gegen die despotische Vernichtung von Millionen von Juden In Rußland laut vers nehmlich Protest erheben muß," In der Versammlung wurde besonders der hebräische Schriftsteller Reuben Brainin angegriffen, der in einem falschen Sinne beruhigende Nachrichten über Rußland verbreitet und auf diese Welse die Aufmerksamkeit' von der Verfolgung des Judentums und des Zionismus durch die Jewsekzia abgelenkt haben soll. (Reuben iBrainin war noch bis vor -zwei Jahren Vizepräsident der Zionistischen Organisation Amerikas und reist jetzt als bezahlter Beamter des Joint in Südafrika. — Red.) (Weitere Nachrichten siehe im Innern des Blattes.) Ein Antrag an den Kongreß der Völkerbund|igen in Madrid. Dem Kongreß der Völkerbundligen, der vor einigen Tagen in Madrid'getagt hat, lag ein Antrag der argentinischen Liga vor, "der die Finanzierung des jüdischen Aufbauwerkes betrifft. Es ist wohl zum ersten Male, geschehen, daß sich eine nichtjüdisdhe Körperschaft mit der materiellen und politischen' Seite , der Frage befaßt.'Noch interessanter aber ist, daß die argentinische Liga fest auf dem Boden des Judenstaatgedankens steht und daß sie auch die. Zionistische Organisation als den Träger der Vol'ksidee anerkennt. Diese Selbstverständlich'keit muß be-. tont werden, zumal die Zionistische Organisation selbst ihre politische Position dm Stiche lassen will. Der Antrag der Argentinier besagt: Der Internationale Verband der Völikerbundgesell- ' schaften empfiehlt dem Völikenbund und den interessierten Regierungen die folgenden Erwägungen: 1. Es ist nun an der Zeit, die Bemühungen zu koordinieren, um jene Zusage zu verwirklichen, die : vom Völ'kerbund und Großbritannien hinsichtlich der "' Schaffung e i n e s n eu e n u n abh ä n gi g e n Staates auf dem Territorium Palästinas, wo,die dort bereits wohnenden Juden zusammen mit den Juden anderer Länder ein Nationalheim begründen können, gemacht worden sind. Es sei' in diesem Zusammenhange wichtig, daß dem Palästina-Staate die Möglichkeit gegebeu wird, in den entsprechenden Ländern Konsulate zu eröffnen und daß diesem Staate so schnell als möglich die notwendigen Finanzmittel, zur Verwirklichung seiner Ziele zur Verfügung gestellt werden. 2. Zu diesem Zwecke . soll die offiziell anerkannte Zionistische Weltorganisation dem Londoner Foreign Office , einen Plan zur S c h a f i u ng und Amorti- Im Westen doch etwas Neues... Das Gramola-Spezialhaus Mariahilferstraße 31 wird Donnerstag, den 6. Juni eröffnet I mm sd e r un g von F o nd s unterbreiten, die zunächst durch Großbritannien für .Palästina assigniert werden. Diese 1 Fonds sollen in eine öffentliche Schuld des p a 3 ä s 11 n e n s i s c h e n Staates verwandelt werden, 'der die Verantwortung für die Rückzahlung . dieser Summe übernimmt. Die Zionistische Organisation wird durch die Paäästkia-iKonsulate in allen Ländern, wo eine größere Zahl Anhänger des jüdischen Nationalheimes wohnen, die n o t w e n d i g e n F o n d s zugunsten des Palästina-Staates sammeln, sozusagen eine S e 4 b s tb e s t i m m u n g s i n s t i t u t i o n schaffen. So werden die zur Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber Großbritannien notwendigen Summen aufgebracht werden können. 3. Sobald befriedigende Resultate Jn der Sammlung der Fonds erzielt worden sind, wird die Frage der. Aenderung des jetzigen Mandats des Völkerbundes über Palästina aktuell werden. Für eine bestimmte Zeit wird ein Vertreter des Völkerbundes mit'den notwendigen Vollmachten ausgestattet werden, um die Landadministration in Palästina zu organisieren. Der neue PalästinanStaat wind als gleichberechtigtes Mitglied dem Völkerbünde beitreten. Sollte, es als nicht wünschenswert angesehen werden, daß Jerusalem die Hauptstadt des neuen Staates wende, so könnte man eine Stadt, vielleicht eine Hafenstadt, zur Hauptstadt wählen, während Jerusalem seinen Gharalcter als Zentrum der religiösen Gemeinschaft behält, Der Antrag ist unvorbereitet gekommen und so wurde er für den nächsten Kongreß verschoben, Auch eine Diskussion hat nicht stattgefunden. Aber die zionistische ' Oeffenttlichkeit sollte sich jetzt mit der Anregung beschäftigen. Der Grundgedanke, ist wohl der, daß das zionistische Werk unterstützt werden muß. Aber diese materielle Sicherung gehört zu den Pflichten des Völkerbundes; sie ist wie so vieles andeie vernachlässigt worden in dem Maße, als sich die Zionistische Organisation hat zurüdkdrängen lassen, Weira nun Argentinien die Syst emisierang des Judeati Staates und die Errichtung von Konsulaten gewissermaßen als .Zeichnungsstellen für eine jüdische Anleihe beantragt, so wäre , dies — falls es überhaupt ausführbar wäre h eine Unterstützung der Pflichtversäumnis des Völkerbundes, anderseits aber eine schwere Belastung der jüdischen Öffentlichkeit, die auch bisher nur mit Mühe die großen .Geldmittel, für die nationale Restauration aufbringen konnte.- Der einzig gangbare Weg ist eine vom Volker^ bitnd garantierte internationale Anleihe, . Geschieht sie so, wie es Argentinien will, unter der Autorta . tat eines unabhängigen Jüdischen Staatswesens» d a rra Jsl es um so besser. Für aie Fälle aber muß man anerkennen, daß der argentinische Antrag den nationalen Inhalt des zionistischen Werkes versteht und ihm mehr Vertrauen entgegenbringt als die midhfczionistischem Führer MareMl und Warburg, als die zionistische OeffenWldhlkei^ die xom UmM dfj iKfß»Äts .«ISMO r_ .________......:........!:

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